Tiergarten schrieb:Es ist doch die größte Unbegreiflichkeit im Mordfall Fabian, wie eine Mutter sich dazu hinreißen lassen konnte, ein ihr nahestehendes achtjähriges Kind grausam umzubringen. Von daher ist es von zentraler Bedeutung, die Frage des Motivs möglichst exakt zu klären.
Das sehe ich auch so. Zumal die StA in ihrer Erklärung ja auch das Mordmerkmal "aus sonst niedrigen Beweggründen" genannt hat, auf das sie die Anklage wegen Mordes zumindst zum Teil stütz (eben neben der vorgeworfenen Heimtücke). Insofern sehe ich auch so, dass dem Motiv im Prozess eine sehr zentrale Bedeutung zukommen wird und somit ist es eben auch jetzt interessant, darüber zu diskutieren.
Foxie123 schrieb:Ich tippe auf Neugier
Dabei sollte man aber bedenken, dass das genannte Motiv (wenn es denn überhaupt bekannt wird), nicht den Tatsachen entsprechen muss. Niemand war da, Gina H. hatte ausreichend Zeit: Sie kann sich sonst was mit ihrem Anwald zusammenreimen, damit es nur nicht noch schlimmer für sie wird.
Ganz so einfach ist es ja dann aber doch nicht. Die StA kann in der Ankage und dann später das Gericht im Urteil nicht einfach irgendein Motiv annehmen, sondern muss plausibel darlegen, aus welchen Indizien und Beweisen sie dieses herleitet. Sich irgendwas aus den Fingern zu saugen reicht da nicht. Schon gar nicht, wo hier auf die niedrigen Beweggründe als Mordmerkmal abgestellt wird und es somit durchaus vom Motiv abhängen wird/kann, wie das Urteil ausfällt; also ob sie wegen Totschlag oder Mord verurteilt wird und ob die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden kann (wegn 2 vorliegenden Mordmerkmalen).
Ich gehe davon aus, dass die StA durchaus Indizien für das Motiv gefunden hat und diese im Prozess vorbringen wird. Vielleicht gibt es Zeugen oder digitale Spuren, die z.B. darauf schließen lassen, dass Gina H. eifersüchtig auf Fabian war oder vor Hass auf seinen Vater und/oder seine Mutter zerfressen war.
Foxie123 schrieb:Erklär es mir gern. Was hilft es euch über das Motiv zu spekulieren, wenn ihr die Antwort am Ende erst mit Prozess oder vlt auch nie erhaltet?
Mit diesem Argument dürfte man hier ja dann nur abgeurteilte Fälle diskutieren, in deren Urteil zudem noch alles bzgl. Tatablauf und Motivlage bombensicher festgezurrt ist. Das Gegenteil ist ja aber doch der Fall: außer bei den Fällen, in denen sich die verurteilten Täter chronisch versuchen, sich als Justizopfer zu gerieren, gibt es für die meisten geklärten und juristisch abgeschlossenen Fälle auffallend wenig Diskussionsbedarf. Was sollte man denn auch diskutieren, wenn alles geklärt und bekant ist.
Interesse besteht doch v. a. an ungeklärten und gerade aktuellen Fällen. Und hier macht es auch am meisten Sinn zu diskutieren, weil es eben den eigenen Blick erweitern kann, wenn andere Menschen ihren Blickwinkel darstellen und erleutern. Ist doch interessant, wenn man immer mal wieder denkt: "Ach ja, so kann man das auch sehen! Da wäre ich jetzt selber nicht drauf gekommen, aber es ist durchaus nachvollziehbar."
Foxie123 schrieb:Viele Täter sind Väter. Nur mal so am Rande.
Und das kannst Du gut nachvollziehen, warum die jeweils ihre Kinder getötet, misshandelt oder missbraucht haben?
Dass man weiß, dass es statistisch etwas gibt, ist doch nicht das gleiche, wie diese Taten und ihre Motive nachvollziehen, gar nachempfinden und begreifen zu können.
Foxie123 schrieb:Nein. Defintiv nicht.
Doch, darauf hat die Öffentlichkeit einen Anspruch und genau deshalb sind Prozess öffentlich. Jedes Gerichtsurteil ergeht "im Namen des Volkes" und insofern hat das Volk ( = die Öffentlichkeit) auch ein Recht drarauf, zu erfahren, was einem Angeklagten vorgeworfen wird, wie es ihm nachgewiesen wurde und auf welchen Kriterien ein Gericht zu seinem Urteilsspruch gekommen ist.
Da für die Angeschuldigte bis zum Urteil die Unschuldsvermutung gilt, müssen wir uns halt bis zum Prozess gedulden, aber dann hat jeder von uns das Recht, sich in den Gerichtssaal zu hocken und zuzuschauen und zuzuhören, was die StA ihr vorwerfen und was sie und ihr Verteidiger zu ihrer Verteidigung vorbringen.