wobel schrieb:Niemand hat die Tat "heruntergespielt".
So lange wir nicht wissen was wirklich passiert ist können wir aber auch nicht davon ausgehen dass die Tat so geplant war.
Für mich ergibt das nach wie vor keinen Sinn, vor allem weil auch weil man ja schon um zig Ecken denken muß um überhaupt ein schlüssiges Motiv sehen zu können. Wie kann man glauben durch die Tötung des Kindes den Vater als Lebensgefährten zurück zu bekommen? Wenn es das nicht war bleibt ja eigentlich nur kaltblütige Rache. Ich persönlich kann mir das nicht vorstellen, bei der Vorgehensweise muß ihr doch klar gewesen sein dass sie erwischt werden wird. Dann noch die "Tümpelzeugen"... Nein, für mich ist das nicht schlüssig dass das so geplant war.
Das macht die Tat natürlich nicht besser, die bleibt entsetzlich.
Aber geplant, gezielt, bei klarem Verstand? Das kann ich mir nicht vorstellen, dafür war die Vorgehensweise in meinen Augen zu dilettantisch.
wobel schrieb:Andererseits soll die Beschuldigte aber gezielt den Mord geplant haben, von Abholung bis zur eigentlichen Tat und deren Verschleierung - da traut man ihr dann wieder zu so komplex zu denken?
Das ist es halt was für mich nicht wirklich zusammen passt. Ich bin aber auch völlig unsicher dahingehend was für eine Ausnahmesituation das sein soll, die eine solche Vorausplanung überhaupt zulässt - zumal nichts davon für mich nach ausgeklügeltem Plan aussieht.
Von daher bin ich sehr gespannt auf das psychologische Gutachten - sofern davon dann überhaupt etwas öffentlich gemacht wird.
Ich kann mir schon vorstellen, dass Gina das geplant hat.
Sie hat ein Ziel und um das zu erreichen ist ihr jedes Mittel recht.
Vernunft, natürliche moralische Grenzen oder auch Mitleid sind dann nicht mehr existent.
Sie denkt vielleicht, dass sie, die ja immer für Fabian da war, Kontakt pflegte, selbst liebende Mutter ist, über jeden Verdacht ehrhaben sei.
Sie kann sich nicht vorstellen, dass jemand sie durchschauen kann und vertraut vielleicht auch auf ihr manipulatives Geschick.
Foxie123 schrieb:Vielleicht geht es auch nicht um Schuld, sondern sich (Täter leben ja gern im "ich") selbst. Sie hat schließlich, die Leiche gefunden und war zuvor soooo besorgt um Fabian. Vielleicht ein Versuch sich dem Vater wieder zu nähern? Und ja das wäre schlimm. Aber wie ich oben schrieb, egal was das Motiv war: Es wird das ganze Drama nicht besser, sondern nur schlimmer machen. Weil egal wie: Der Junge starb ohne rationalen Grund. Ein junges Leben wurde beendet, weil "jemand" dies so wollte und davon profitieren wollte. (Täter "profitieren" auch von dem Ausleben von Wut - oder um sich dem Vater wieder zu nähern, der Mutter zu schaden - etc. - da sind wir wieder beim "Täter-ich").
Ja genau, sie sieht nur sich selbst.
Tiergarten schrieb:Es ist doch die größte Unbegreiflichkeit im Mordfall Fabian, wie eine Mutter sich dazu hinreißen lassen konnte, ein ihr nahestehendes achtjähriges Kind grausam umzubringen. Von daher ist es von zentraler Bedeutung, die Frage des Motivs möglichst exakt zu klären.
Foxie123 schrieb:Was hilft es euch über das Motiv zu spekulieren, wenn ihr die Antwort am Ende erst mit Prozess oder vlt auch nie erhaltet?
Warum nicht warten? Warum nicht einfach die eh schon schlimme Sache, ruhen lassen.
Zaunkönigin schrieb:Ich kann daher nachvollziehen, dass das für @Tiergarten besonders unbegreiflich ist, auch wenn für mich jede Tötung eines Kindes vollkommen unbegreiflich ist, unabhängig davon wer Täter/Täterin ist.
Und das berührt für mich auch die Frage des Motivs. Ich kann das verstehen, dass das Motiv für viele interessant ist und das Bedürfnis besteht, das Motiv nachvollziehen zu wollen. Für mich. Allerdings ist es so, dass ich mir hier überhaupt gar kein Motiv vorstellen kann, dass ich auch nur annähernd nachvollziehen könnte.
Foxie123 schrieb:Sagt doch keiner, dass man das nicht machen kann. Aber wenn schon 10 Leute geschrieben haben, sie meinen es war aus Eifersucht.
Warum müssen dann noch 15 andere Nutzer schreiben "ich auch" und 7 "ne, denke nicht".
Das bläht solch Threads einfach enorm auf.
Blutgräfin schrieb:Im Übrigen sehe ich wenig Sinn darin, über mögliche Motivlagen zu spekulieren und sie durch "kann ich mir nicht vorstellen" gleich wieder zu verwerfen. Ich bin überzeugt, dass niemand hier das Motiv nachvollziehen können wird, welches es auch immer gewesen sein mag. Das ist aber nun mal bei so gut wie allen Mordfällen so, denn man muss schon irgendwie anders gestrickt sein als Anna und Otto Durchschnittsmensch, um einen Mord zu begehen. Ich geh doch davon aus, dass die allermeisten von uns Konflikte und Probleme anders zu lösen wissen.
Ein Motiv, so wie man einfach sagt, es war aus Eifersucht, Rache, Habgier usw. kann man in diesem Fall gar nicht so einfach betiteln.
Vielleicht hat sich in ihrem Kopf festgesetzt, dass sie mit dem Vater von Fabian und ihrem Sohn eine Familie sein will. Darauf konzentrieren sich ihre Gedanken und auch Handlungen. Sie sieht nicht, dass es an ihr selber liegt, etwas an sich zu verändern. Sie sieht nur die anderen, die diesem Wunsch im Wege stehen.
Vielleicht reagierte Fabians Vater, nach dem Verschwinden seines Sohnes, nicht so wie sie sich das ausgemalt hatte und deswegen veranstaltete sie diese Auffindesituation um von ihm Aufmerksamkeit zu erlangen.
Grillage schrieb:Interesse besteht doch v. a. an ungeklärten und gerade aktuellen Fällen. Und hier macht es auch am meisten Sinn zu diskutieren, weil es eben den eigenen Blick erweitern kann, wenn andere Menschen ihren Blickwinkel darstellen und erleutern. Ist doch interessant, wenn man immer mal wieder denkt: "Ach ja, so kann man das auch sehen! Da wäre ich jetzt selber nicht drauf gekommen, aber es ist durchaus nachvollziehbar."
wobel schrieb:Das ist ja genau der Punkt: Das fühlt sich so unvorstellbar an, dass normal denkende, fühlende Menschen sich da garnichts vorstellen können, geschweige denn es nachvollziehen können. Deshalb ja das Interesse daran was da wirklich passiert ist, was im Kopf der Täterin vorgegangen ist.
wobel schrieb:Eben drum wär's ja interessant zu erfahren was genau sich in dieser Gedankenwelt so abgespielt haben könnte. Dass da etwas außerhalb der Norm und jenseits jeglicher Regeln getickt hat, hat Fabian ja das Leben gekostet.
wobel schrieb:as ist doch genau der Punkt warum wir überhaupt darüber diskutieren - dieses "irgendwie anders gestrickt sein".
Und ich finde das ganz normal dass wir das wissen wollen, auch zum Schutz von anderen bzw. uns selbst bzw. unseren Kinder oder sonstigen Nahestehenden. Man hat ja immer die Hoffnung sowas verhindern zu können indem rechtzeitig Anzeichen erkannt werden.
Ja, so sehe ich das auch.
Es ist keine Sensationsgier, sondern Interesse am menschlichen Verhalten, welches einem selbst vielleicht fremd ist, oder welches man selbst bei sich oder anderen schon erlebt hat.
Wir ticken doch alle unterschiedlich und reagieren in Situationen anders als andere.
Sehr kontrollierte Menschen, können meist nicht nachvollziehen, warum andere mit starken Gefühlen reagieren, die Kontrolle über sich selbst verlieren und haben vielleicht auch gar kein Interesse, in solche Gefühlswelten einzutauchen.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Mensch, noch nie in so einer Situation war, in der er irgendwas sehr Unvernünftiges tun wollte und sich dann nur durch den eigenen Willen davon abhalten konnte, oder sogar von anderen dazu Hilfe benötigte.
Manche müssen einen langen Weg gehen und sich selbst gut reflektieren und erkennen, wie sie sich da kontrollieren können.
Eine Mutter zum Beispiel, die ihr Baby schüttelt, weil es nicht aufhört zu schreien, überschreitet eine Grenze.
Viele Mütter sind schon an dieser Grenze gewesen, haben sie nicht überschritten, haben Alternativen gesucht. Aber wie viel kann jeder einzelne ertragen, wie viel Leid, Schmerz, Auswegslosigkeit muss vorhanden sein, um diese Grenze zu durchbrechen?
Ich kann mir vorstellen, dass Gina sich nicht selbst reflektierte, sondern die Schuld für das Scheitern der Beziehung bei anderen suchte.
Der Wunsch, diesen Mann wieder für sich zu gewinnen, könnte so mächtig gewesen sein, dass sie alles und jeden ausblendete und nur sich sah und ihren "Liebeskummer". Fabian durfte wieder bei seinem Vater sein, sie und ihr Sohn aber nicht. Sie hinterfragt das nicht, sondern sieht nur ihr Leid, ihr Verletztsein, fühlt sich erniedrigt, unwichtig und ausgegrenzt.
Das muss gar nicht mal der Realität entsprechen, sondern entspringt eventuell nur ihrer Einbildung. Falsch gedeutete Handlungen und Worte sieht sie als Kränkung. Sie könnte schon durch das Aufstellen des Spielgerüsts für Fabian im Garten des Vaters getriggert worden sein.
Das entschuldigt keinesfalls die Tat. Es ist nur eine mögliche Erklärung, was in ihr vorgegangen ist.
Auch wenn ich solche Gedanken und Gefühle nachvollziehen kann, kann ich nicht begreifen, wie dieser Wahn so von ihr Besitz genommen hat, dass sie einem unschuldigen Kind in die Augen blicken konnte und dann mit dem Messer zusticht.
In dem Moment fühle ich nur Fabian, wie unbegreiflich das für ihn gewesen sein muss und ich hoffe, dass es sehr schnell ging.
wobel schrieb:Damit wären wir wieder bei der Frage ob sie wirklich eine Tötung geplant hat als sie Fabian abgeholt hat. Die Staatsanwaltschaft scheint das zu glauben da sie ja von Planung ausgeht. Zudem müßte das ein recht spontaner Plan gewesen sein, denn dass Fabian sich entscheiden würde zuhause zu bleiben (das war ja seine Entscheidung und die war nicht vorhersehbar, zumal er am Nachmittag davor ja noch in den Jugendclub gehen konnte) konnte sie ja auch frühestens morgens erfahren haben.
Das Ziel, also ihr Wunsch den Vater zurückzubekommen, war ja schon länger da und Fabian verhinderte für sie das erreichen des Ziels.
Vielleicht wollte sie ihn ja auf dem Schulweg abpassen und beobachtete das Haus. Vielleicht war sie schon an anderen Tagen mal dort, aber es bot sich keine günstige Gelegenheit auf dem Schulweg bisher.
Sie sah wie die Mama das Haus verließ und Fabian nicht, also klingelte sie.
Foxie123 schrieb:Ja, richtig. Klingt verwirrend ist es aber eigentlich nicht. In dieser Theorie störte das Opfer. Denn das Opfer hatte etwas was sie nicht hatte. Die beiden hatten ja wieder Kontakt und scheinbar lief das doch auch ganz gut. Aber eben ohne Sie. Vielleicht wollte sie ihn für sich. So wie es mal war zuvor.
So könnte ich mir das eben auch vorstellen.
Ich mag nicht an eine eiskalte Killerin denken, die nicht von Gut und Böse unterscheiden kann.
Allerdings müsste sie trotzdem schon früher auffällig gewesen sein, wenn es darum ging, ihren Willen durchzusetzen.
Eventuell gibt es auch Zeugen, die sie schon in früheren Situationen erlebt haben, wo sie sich nicht mehr kontrollieren konnte.
Was ich mir gut vorstellen kann ist, dass sie jetzt sagt, dass sie einen Blackout hatte und ihr Zurückkehren an den Tatort mit irgendwelchen Erinnerungsblitzen erklärt, aber sie sich nicht mehr an den Tag der Tat erinnert, weil die Indizienlast einfach zu groß ist.
Ob das dann wirklich so sein könnte, oder ob das nur eine Ausrede wäre, kann ich nicht beurteilen.