Manatee schrieb:“Der hinreichende Verdacht..."
Echt jetzt - lol. Damit will man eine Mordanklage vor Gericht bringen? Sehr unterirdisch, was sie heute abgeliefert haben. Ich bleibe dabei, so wie sich das bis heute präsentiert, wird das nicht für eine Verurteilung wegen Mordes reichen.
Tiergarten schrieb:Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei enttäuschend finde.
Monatelang haben die Ermittlungsbehörden aus wohl nachvollziehbaren Gründen detaillierte Informationen zurückgehalten. Nun, da die Ermittlungen abgeschlossen sind und Anklage erhoben wurde, hätte man die Öffentlichkeit meiner Meinung nach umfangreich informieren sollen und müssen.
Stattdessen wurde nur eine dürre Mitteilung verfasst mit den allernotwendigsten Angaben. Aber wichtige Aspekte fehlen völlig - wie zum Beispiel Ausführungen zum Motiv.
Ich finde es zwingend notwendig, im Rahmen einer Pressekonferenz Details zu veröffentlichen und sich auch kritischen Fragen zu den Ermittlungen zu stellen“.
Dem kann ich mich nur anschliessen, viel Lärm um nichts, total unterirdisch.
Auf meinen Beitrag hatte es viele, zumeist kritische Reaktionen gegeben, aber auch die eher löblich klingende Einschätzung von Manatee.
Darum noch einmal zur Klarstellung: Ich bin keineswegs der Auffassung, dass die Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft nur „viel Lärm um nichts“ bedeuten, „total unterirdisch“ sind und auch nicht zu einer Verurteilung wegen Mordes reichen würden
Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass eine fundierte Anklage zusammengetragen wurde und Gina H. im Prozess des Mordes an Fabian überführt werden dürfte.
Mir ging es allein darum, den Umfang und die Tiefe der von den Behörden veröffentlichten Mitteilungen zu kritisieren. Die Öffentlichkeit hätte meiner Meinung nach sehr wohl umfassender aufgeklärt werden können, ohne rechtliche Vorgaben mit Blick auf den Strafprozess oder Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu verletzen.
Die Ermittlungen sind bekanntlich abgeschlossen.
Während dieser Zeit haben die Behörden äußerst restriktiv über Erkenntnisse berichtet, obwohl es ein enormes öffentliches Interesse an diesem spektakulären und verstörenden Mordfall gab.
Dafür gab es insofern sicherlich gravierende Gründe, als Ermittlungen nicht durch die Preisgabe von Wissen gefährdet werden durften.
Und entsprechend wurde die Informations- und Auskunftspflicht gegenüber der Bevölkerung und den Medien betont defensiv gehandhabt.
Doch das ist jetzt vorbei; man hätte durchaus offener verfahren können. Beispielsweise bei einer der zentralen Fragen, dem Motiv.
Grillage schrieb:Es ist in der Pressemitteilung ja von "sonst niedrigen Beweggründen" die Rede. Ich denke, man will einfach verhindern, dass die Angeklagte öffentlich bereits vorverurteilt wird. Auch ein Motiv muss man in einem Prozess ja irgendwie zumindest anhand von Indizien herleiten. Jetzt ein konkretes Motiv zu benenen würde wahrscheinlich zu vielen Spekulationen führen, die eben auch die Angehörigen, v.a. Fabians Vater, sehr treffen könnten.
Mich würde das Motiv bzw. konkret die von der StA angenommenen "niedigigen Beweggründe" auch brennend interessieren, aber ich verstehe, warum man die jetzt öffentlich nicht benennen will.
Die Einlassungen von
@Grillage sind natürlich bedenkenswert. Aber die Frage des Motivs in der Pressemitteilung völlig auszuklammern, halte ich für unangebracht. Das Wenigste wäre gewesen -wenn denn da noch Unklarheit bestehen sollte- dies zu benennen und zu sagen, dass man bislang kein Motiv ermitteln konnte.
Erst auf Nachfrage hat der zuständige Staatsanwalt auch in seinem Statement mitgeteilt, dass man sich auf 60 Zeugenaussagen und die Auswertung von über 1 000 Spuren stützen konnte.
Warum steht das nicht in der Presseerklärung, verbunden mit zusätzlichen Erläuterungen etwa zur Art bestimmter Spuren oder auch Sichtungen?
Keinen Hinweis gibt es auch darauf, ob die Tatwaffe nun gefunden wurde oder nicht.
Gewünscht hätte ich mir auch eine definitivere Aussage, ob und wie der kleine Junge von der Täterin aus der Wohnung gelockt wurde. Die jetzige Formulierung könnte auch so interpretiert werden, dass es zwar einen hinreichenden Verdacht auf ein solches Manöver von Gina H. gibt, aber eben keinen schlüssigen Beweis.
Zwar haben Polizei und Staatsanwaltschaft in ihrer Erklärung zum Ausdruck gebracht, dass die 29-Jährige das Verbrechen wohl allein geplant und durchgeführt haben dürfte. Vielleicht wäre es aber wegen der anhaltend kursierenden Gerüchte hilfreich gewesen, hier noch präziser zu versichern, dass es keine Helfer oder Mitwisser gab - auch beispielsweise nicht mit Blick auf die Personen, die Gina H. noch später an den Tatort lotste.
Kurzum: Ich bin davon überzeugt, dass die Ermittler ausreichend Material für eine Verurteilung der Tatverdächtigen zusammengetragen haben. Sie hätte damit aber nun nach der langen Phase der Zurückhaltung etwas offensiver umgehen können.