Tiergarten schrieb:Und was ist, wenn die Tat aus Rache verübt wurde? Wenn die Tatverdächtige darauf abgezielt hätte, dem Vater von Fabian maximalen Schmerz zuzufügen - gewissermaßen als Strafe dafür, dass er sich von ihr getrennt und sie aus ihrer Sicht schmählich im Stich gelassen hat?
Dann wäre die Ermordung des Kindes eher Mittel zum Zweck gewesen; die Tötung des Jungen hätte gar nicht das Hauptziel dargestellt. Ich halte eine solche Motivlage, wo Gina H. ihrem Ex sein Liebstes wegnehmen wollte, für durchaus wahrscheinlich.
Ganz genau. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass man so ein Motiv - wenn nicht unbedingt beweisen - so doch vielleicht zumindest irgendwie aus ihrem Verhalten und Nachrichten herleiten kann. Z.B. wenn sie dem Vater im Rahmen des Streites, den die beiden am Vortag wohl gehabt haben sollen, gedroht hat, dass er schon sehen wird, was er davon hat.
Es warja die Rede davon, dass ein Gutachten zu einem möglichen Motiv erstellt wurde. Auch wenn ich mir darunter irgendwie nicht so recht was vorstellen kann, z.B. frage ich mich, welcher Fachdisziplin der Gutachter für sowas wohl angehört. Es könnte ein Psychologe, Psychiater oder Komunikationswissenschaftler sein?
Daraus schließe ich, dass man das Motiv nicht einfach erkennen kann, z.B. wenn sie kurz nach der Tat dem Vater geschrieben hätte, dass er das nun davon hat, dass er sie verschmäht hat. Dass es aber trotzdem offenbar Spuren (im Sinne von Aussagen, Nachrichten, Verhalten von ihr) gibt, die man im Hinblick auf ein möfliches Motiv deuten kann. Der Auftrag an den Gutachter wird ja nicht gewesen sein, mal theoretisch und statistisch abzuhandeln, warum eine Frau das Kind ihres Ex-Partners umbringen könnte, sondern konkret anhand von Indizien eine Bewertung vorzunehmen.
Tiergarten schrieb:Eine Konstellation, demzufolge sie durch das Verbrechen ihren Freund zurückgewinnen wollte, betrachte ich dagegen als eher unrealistisch. Wo hätte dann, wie@Jan_ es formulierte, der „nachvollziehbare Vorteil“ der Tat gelegen?
Ich sehe das schon als möglich an. Nämlich wenn - in ihren Augen! - Fabian ein Grund für die Trennung war, z.B. weil es um ihn regelmäßig Streit gegeben hat. Ich halte das nicht für so unwahrscheinlich. Sie lebt mit ihrem Kind und seinem Vater eine Art Familienleben, Fabian kommt regelmäßig in dieser Alltagskonstellation hinein, z.B. alle zwei Wochen für ein Wochenende, das er beim Vater verbringt. Das sprengt natürlich jedesmal das eingespielte Gefüge und läuft ganz sicher nicht immer reibungslos. Z.B. weil der Vater Zeit mit ihm alleine verbringen will, weshalb Gina H. meint, sie und ihr Kind würden zurückgesetzt und vernachlässigt. Oder weil der Vater im Falle eines Streits zwischen den Kindern oder auch zwischen Fabian und Gina H. Fabians Seite verteidigt. Es ist blauäugig zu denken, sowas würde ohne ernsthafte Konflikte abgehen.
Wenn sie gleichzeitig gedacht hat, niemand wird irh drauf kommen, dass sie die Täterin ist, kann ich mir schon vorstellen, dass sie sich zusammenfantasiert hat, dass wenn Fabian "weg" ist und sie sich als große Trösterin und Stütze in der seelischen Not des trauernden Vaters erweisen kann, dass dann schon wieder alles "gut" wird.
Who knows?!
Tiergarten schrieb:Letztendlich ist es wohl egal, ob insgesamt 1000 Spuren vorgelegen haben oder ob im Dezember noch 1000 Spuren ausgewertet werden mussten. Anders als zum damaligen Zeitpunkt ist jetzt nicht mehr relevant, wieviele Spuren gesichert werden konnten, sondern welche Substanz diese Spuren haben.
Das sehe ich genauso. Und die Spurenlage bis zu diesem Statement - also bevor die zusätzlichen Spuren ausgewertet waren - hat ja offenbar ausgereicht, um einen Haftbefehl zu erwirken, der auch einer Haftprüfung standgehalten hat.