Tiergarten schrieb:Ausgangspunkt bei mir war vielmehr die Frage, warum mit der Vernehmung von MR in die Beweisaufnahme eingestiegen wird.
Ich kenne es auch so, dass in solchen Prozessen, in denen es um schwer geschädigte Opfer geht (also hier ein getötetes Kind), die Opfer bzw. die Angehörigen ganz am Anfang aussagen. Zum einen, wie
@OpLibelle schrieb, aus Respekt vor den Angehörigen. Für die ist es oft sehr belastend zu wissen, dass man eine Aussage machen und die ganze schreckliche Geschichte nochmal erzählen muss. Viele der anderen Zeugen sagen ja im beruflichen Kontext aus, also z.B. die Polizisten, Ermittler, Spurensicherer, Gutachter etc. Sie sind es viel mehr gewohnt, regelmäßig vor Gericht erscheinen zu müssen, während das für viele Angehörige das erste Mal im Leben ist, dass sie als Zeuge vor Gericht aussagen sollen. Und die "Profis" haben eben meist eine entsprechende professionelle Distanz zu dem Fall, d.h. für sie ist es deutlich weniger emotional belastend, zu wissen, dass noch eine Aussage bevorsteht. Und Privatlleute, die als Zeugen aussagen müssen, sind von dem Fall ja auch weniger emotional mitgenommen, als die direkten Angehörigen. Sie sind deshalb meist nicht so nervös, es geht für sie bei der Aussage nicht um so viel.
Den Angehörigen soll dadurch auch oft das Gefühl vermittelt werden, dass das Opfer und auch das Leid der Angehörigen in dem Prozess nicht egal ist. Den Eindruck kann man da als Angehöriger oft leicht bekommen, wenn da Tag für Tag über technische Details diskutiert und gefragt wird, oder wenn die Verteidigung alles abstreitet. Die Angehörigen haben damit das Gefühl, dass ihre Sicht der Tat und die Konsequenzen für ihr Leben ernst genommen, gehört und berücksichtigt wurden.
Hinzu kommt noch der Aspekt, den
@Jascha genannt hat, also dass sie als Zeugen erst der Verhandlung folgen dürfen, wenn sie ausgesagt haben. Das gilt nicht, wenn sie als Nebenkläger auftreten, dann dürfen sie auch vor ihrer Aussage der Verhandlung folgen. Aber in dem Fall könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass ihre Aussage durch das, was sie bis dahin mitbekommen haben, gefärbt ist. Selbst wenn man nicht unterstellen will, dass sie deswegen absichtlich Falschaussagen machen würden, kann man wohl doch nicht verhindern, dass sie dann dazu neigen würden, bestimmte Aspekt vielleicht deutlicher zu betonen, weil sie das Gefühl haben, das Opfer verteidigen zu müssen oder etwas richtig stellen zu müssen. Nicht selten sagt ja der Angeklagte aus, dass ist dann gleich zu Beginn des Prozesses und da wird halt oft versucht, dem Opfer eine Mitschuld zu geben, z.B. indem behauptet wird, es sei Notwehr gewesen, das Opfer habe den Täter provoziert, habe nicht NEIN gesagt (bei Sexualstraftaten) etc. Wenn dann weitere Aussagen das zu stützen scheinen, ist es schwer für Angehörige, bei der Aussage neutral zu bleiben.
Und ein weiterer Aspekt ist sicher noch, dass die Angehörigen oft viel über das Leben, den Charakter, Angewohnheiten und Erfahrungen des Opfers erzählen können, oft auch darüber, wie das Verhältnis zum späteren Täter war. Das ist dann für das Gericht insofern wichtig, um zu verstehen, wie ein Opfer in so eine Situation geraten ist, wie die Vorbeziehung zum Täter war, ob es Konflickte mit dem Täter gab etc. Im vorliegenden Fall denke ich, dass es, z.B. eine wichtige Rolle spielen wird, ob Fabian Gina H vertraut hat, ob er leichtgläubig war, ob er sehr pflichtbewusst war oder ob es vielleicht eher leicht war, ihn mit Versprechungen wegzulocken. Und eben zu dem Konflikt zwischen Gina H und dem Vater , der ja als zentrales Tatmotiv im Raum steht und die Auswirkungen auf Fabian, werden die Mutter und der VAter viel berichten können. Das kann dann denke ich schon helfen, erst mal grundsätzlich einzuschätzen was warum passiert ist, bevor es um sehr viele technische Aspekte geht, die dann härtere Fakten liefern können.
wobel schrieb:=> Fährt mit Fabian aus dem Wald an den Tümpel, parkt dort am Waldrand, läuft mit Fabian über den Trampelpfad zum Tümpel und begeht dort die Tat.
...
=> Fährt Richtung Klein Upahl (Zeugen "Steinesammler")
Der Steinesammler will sie etwa zwischen etwa 12:30 Uhr und 12:45 Uhr gesehen haben, das passt also genau.
Tiergarten schrieb:Es gibt jedoch keine Zeugen dafür, die dieses Austreten am Waldrand bzw. auf einer Wiese davor (wie von Dir vermutet) beobachtet haben. Denn dann hätten diese Zeugen auch das Mordgeschehen am hier befindlichen Tümpel registrieren können oder müssen.
Ich habe jetzt extra noch mal nachgelesen, was ich genau geschrieben hatte, und sorry, ich habe das wirklich etwas missverständlich ausgedrückt:
Grillage schrieb:Gleich zu Beginn dieses Videos sieht man mehrere Fahrzeuge der Spurensicherung auf einer Wiese direkt am Waldrand stehen und es laufen Polizisten da rum. Ich denke, dass das auf der großen Wiese gegenüber des Ackers ist, auf dem sich der Tümpel befindet und dass es sich hier den Bereich handelt, in dem sie wohl den Hund hat laufen lassen und wo die Polizei offenbar nach Spuren gesucht hat.
Mit "dass das auf der großen Wiese gegenüber des Acker ist" meinte ich den Standort der Autos der Spurensicherung, die dort abgestellt wurden und von denen aus die Spurensicherer dann zu Fuss weiter in das angrenzende Waldstück gegangen sind, weil man mit den Autos nicht näher ranfahren konnte. Und mit dem "Bereich, in dem sie wohl den Hund hat laufen lassen und wo die Polizei offenbar nach Spuren gesucht hat" meinte ich das angrenzende Waldstück, also eben nicht die Wiese.
Zur Verdeutlichung:

Bildquelle: Open StreetMap
Meine Vermutung ist, dass die Fahrzeuge der Spurensicherung an der Stelle mit dem roten Punkt stehen und der Bereich, in dem der Hund laufen gelassen wurde eben in dem großen roten Kreis ist. Und dass Gina H diesen Bereich über den Feldweg, der mit einen roten Strich markiert ist, erreicht hat, dort ausgestiegen ist und der Hund dann irgendwo in dem Wald rumgelaufen ist.
In der Anklage steht ja auch deutlich, dass der Hund im Wald lief, nicht auf einer Wiese.
Tut mir leid, ich habe das schlecht beschrieben, ich hoffe jetzt ist deutlicher, was ich ausdrücken wollte.