wobel schrieb:Was für Hintergründe gäbe es denn, die es rechtfertigen dass man seinem Partner hinterherspioniert und sein Handy manipuliert bzw. zum Beispiel Nachrichten an Angehörige faked?
Massive Verlustängste, eventuell aus der Kindheit oder vielleicht wurde sie auch von einem Expartner hintergangen und betrogen.
Ihr Selbstwertgefühl, was ja nichts mit einem nach außen hin scheinenden Selbstbewusstsein zu tun haben muss, kann sehr angeknackst gewesen sein.
Auch Borderliner oder Menschen im ADHS Spektrum reagieren situationsabhängig nicht normal.
Grillage schrieb:Matthias R hat auch das - so wie ich es intrepretiere - so dargestellt, als sei das ja eigentlich seine Schuld gewesen, dass Gina H sich so verhalten hat (eifersüchtig, SpyWare installiert). Nach dem Motto, er habe ihr ja auch die Gründe dafür geliefert, sich so zu verhalten, weil er "mit anderen Frauen geschrieben hat".
Da weiß man mal wieder nicht, was man davon halten soll. Ja, man kann es so sehen, dass sie eine von Verlustängsten geplagte Frau ist und er wenig Rücksicht auf diese Ängste genommen hat. Andererseits ist das heimliche Installieren einer SpyWare (wenn es denn je statgefunden hat!) ohne Frage ein massiver Übergriff und Vertrauensmissbrauch und in toxischen Beziehungen ist es ein sehr verbreitetes Muster, dass dem Opfer so eines Übergriffes eingeredet wird, es sei durch sein Verhalten selber Schuld, da es diesen Übergriff provoziert und nötig gemacht habe.
Von einer Schuld seinerseits würde ich da gar nicht mal reden, es ist nur eine Erklärung bzw. Verstehen von solchen Aktionen von Gina.
Bei einem Mann, der schnell aggressiv wird weil er sich eingeengt fühlt, mit einer anderen Frau schreibt (also kein normales Texten mit einer Kollegin oder Bekannten) kann sie schon sehr misstrauisch geworden sein.
Um einen 100%igen Beweis für Lügen oder Betrügen seinererseits zu erhalten, spionierte sie in aus bzw. nach.
Gerade bei Verlustängsten braucht der Betroffene diese Sicherheit, ob das eigene Misstrauen begründet ist oder nicht.
Grillage schrieb:Ich bin mir sicher, dass da sogar ziemlich viel Kommunikation über das Thema Eifersucht und Misstrauen stattgefunden hat. Und zwar in Form gegenseitiger Vorwürfe, was die Eifersucht und das Misstrauen auf der einen und wahrscheinlich Trotz auf der anderen Seite noch angestachelt hat.
Ich meinte damit eine normale, vernünftige Kommunikation und da zweifle ich sehr dran.
Ob Gina überhaupt fähig war, ihm ihr Verhalten klar zu machen oder ob er einfach nicht fähig war das überhaupt zu verstehen, kann ich nicht beurteilen, tendiere aber eher zu Zweiterem.
Auch da spreche ich nicht von Schuld, sondern von mangeldem Verständnis, Empatielosigkeit und wenig Selbstreflexion.
Daraus ergibt sich eine toxische Verbindung, die man eigentlich so schnell wie möglich hätte beenden müssen.
Eddot schrieb:Wenn die Nachricht des Vaters vom Vortag tatsächlich der Auslöser war, wird die TV dafür gesorgt haben, dass Fabian am nächsten Tag da ist.
Ansonsten wäre der Zufall ja noch größer... (nicht ausgeschlossen, aber sehr, sehr unwahrscheinlich)
Wie unten auch
@Grillage schon schrieb, kann das auch ohne vorherige Absprache gut klappen.
Sie konnte ja erstmal bei der Mutter an der Arbeit geschaut haben, ob deren Auto dort steht und wollte dann Fabian nach der Schule abpassen.
Auf gut Glück hat sie dann einfach mal geklingelt.
Grillage schrieb:Niemand hat geschrieben oder gemeint, dass sie wochen- oder monatelang dort gewartet hätte oder hat. Drei, vier Stunden hätten und haben doch ausgereicht.
Wenn sie überhaupt nicht wusste, wo Fabian war, weil es vor der Tat keinen Kontakt zwischen den beiden gab, dann wird sie doch als naheliegendstes angenommen haben, dass er in der Schule ist und in der zweiten Klasse Grundschule ist es naheliegend, dass ein Kind an einem Freitag nach der 3., 4. oder 5. Stunde Schluss hat und nach Hause geht. Wenn sie also um spätestens 10:43 Uhr vor seiner Wohnung aufgeschlagen wäre, hätte sie vieleicht mit einm, zwei, maximal drei Stunden Wartezeit rechnen müssen, bis er dort langgelaufen kommt.
Ja, das denke ich auch.
Weil vor Schulbeginn wäre es fast unmöglich gewesen, denn dann hätte die Schule ja sofort die Mutter benachrichtig, wenn Fabian nicht dagewesen wäre.
Grillage schrieb:Wir wissen außerdem, dass die StA annimmt, dass der Auslöser für die Tatabsicht die Nachricht mit der endgültigen Trennung war, sie sie am Vortag der Tat von Fabians Vater bekommen hat. Es redet also keiner davon, dass sie bereits wochen- oder monatelang dort auf der Lauer gelegen hat, sondern der Tattag war sehr wahrscheinlich der erste Versuch überhaupt, ihm habhaft zu werden.
Anfangs, bevor ich wusste, dass Mathias ihr am Donnerstag diese Nachricht schrieb, dachte ich, dass sie den Plan, Fabian etwas anzutun, schon länger in ihrem Kopf war und sie eventuell schon öfters mal versucht haben könnte, ihn habhaft zu werden.
Aber mittlerweile gehe ich auch davon aus, dass diese Nachricht der Impuls dazu war.
Grillage schrieb:Ich halte beides für möglich: entweder dass sie auf gut Glück los ist mit dem Plan, ihn auf dem Heimweg kurz vor der Wohnungstür abzufangen. Oder dass sie ihn auf welche weise auch immer, vorher kontaktiert hat (z.B. über den Anruf oder einen Chat in einem Online-Spiel, in dem beide aktiv waren) und ihn veranlasst hat, absichtlich blau zu machen, um ein Treffen mit ihr zu ermöglichen.
Ich meine mich zu erinnern, dass Raffaela gesagt hatte, dass sie danach rausfanden, mit welchem Schulfreund er telefoniert hatte.
Aber es kann ja noch einen Anruf gegeben haben, den Dorina vielleicht gar nicht mitbekam und der dann von Gina war.
Grillage schrieb:Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass man so einen monströsen Plan, den man in absoluter Rage und vielleicht Verzweifelung gefasst hat, über ein ganzes Wochenende oder mehrere Tage weiter als "die Lösung" ansieht. Irgendwann muss man doch mal wieder einen klaren Gedanken fassen uns sich ein bisschen vor sich selber schämen, wie man nur auf so eine Idee gekommen ist...
CurlySue_ schrieb:Ansonsten hatte die Angeklagte ja schon eine Nacht Zeit, sich wieder abzukühlen, was mutmaßlich ja nicht der Fall war. Wir werden sehen.
Ja, das sollte man eigentlich annehmen.
Aber das handhaben Menschen eben sehr unterschiedlich. Manche steigern sich immer mehr rein in ihre Verzweiflung, andere sind nach ein paar tiefen Atemzügen schon wieder bei Besinnung.
Aus Erfahrung oder guter Selbstkenntnis weiß man normalerweise, wie man reagiert und dass man besser erstmal die Füße still halten soll, bevor man etwas Unsinniges macht.
Gina wird da sehr impulsgesteuert sein und vielleicht sogar erstmal nur Fabian auf ihre Seite ziehen wollen als Fürsprecher und als das nicht so klappte, verlor sie jegliche Beherrschung.