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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
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Urlaubsfahrt in den Tod - Ungeklärter Mord im Chiemgau

01.04.2019 um 16:31
mattschwarz schrieb:Das wiederum schließe ich komplett aus. MMn war die Taxifahrt die Folge des Bemerkens, dass er etwas am Hölzl zurückgelassen hat. Erst dann wurde es eng und machte ein schnelles Zurückkommen erforderlich. Zu dem Thema, warum er nicht mit dem Camper zurückfuhr, habe ich schon geschrieben.
Er hatte doch ursprünglich München als Ziel angegeben und erst während der Fahrt (mehrmals?) das Ziel auf den Tatort geändert.


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01.04.2019 um 16:36
SteamedHams schrieb:Er hatte doch ursprünglich München als Ziel angegeben und erst während der Fahrt (mehrmals?) das Ziel auf den Tatort geändert.
Das wurde schon diskutiert. Wollte er wirklich nach München? Oder wollte er dem Fahrer zunächst nur ein plausibles Ziel angeben und erreichen, dass der Mann sich mit dem Ziel München von der Taxizentrale Nürnberg abmeldet? Oder er dachte zunächst trotz Zeitnot, dass der Umweg über München mit einem weiteren Taxiwechsel sinnvoll ist und hat dann doch anders entschieden, dass ihm das Risiko eines weitere Zeitverlustes zu hoch ist.


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02.04.2019 um 04:44
mattschwarz schrieb:Nein Freunde, der Mann hatte kein Auto in Tatortnähe stehen. Er hatte auch ursprünglich nicht vor, wieder zurückzukommen. Das Problem der Rückfahrt stellte sich erst in Altenfurt. Da hat er gemerkt, dass er einen entscheidenden Fehler im Hölzl gemacht hat, den es zu korrigieren galt. Dann hat es plötzlich stark pressiert. Wahrscheinlich wurde der Druck dann so groß, dass er sogar den ursprünglichen Plan in München nochmal das Taxi zu wechseln aufgab, um schneller den Tatort zu cleanen.
mattschwarz schrieb:Nochmal zum mitschreiben: ein Täter fährt nicht mit seinem Fahrzeug zum Tatort, lässt es dort stehen, fährt über 300 km weg, damit ihm dann plötzlich einfällt, dass sein am Tatort geparkter Wagen schnell weg muss. Ebenso wenig fährt ein Täter mit Rückkehrabsicht so weit, um sich dann an einem Bahnhof darüber zu informieren, ob noch ein Zug zurückfährt, was ohnehin unwahrscheinlich war. Nein, nein, glaubt mir, der Mann wollte ursprünglich nicht zurück. Da ist was schiefgelaufen bei ihm. Es gab was zu korrigieren.
So ist es. Das ist bisher das einzige Szenario, das hier wenigstens ein wenig Sinn macht.

Das haben wir nun schon oft genug diskutiert.


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02.04.2019 um 10:38
Cass schrieb:Für mich macht Nürnberg nur Sinn, wenn das vorher sicher geplant war.
Ich gebe dir in vielen Dingen Recht.

Allerdings würde ich nicht sagen, dass der Verbringungsort (Nürnberg) isoliert auf eine Planung hindeutet.
Wenn es geplant gewesen wäre, hätte er vielleicht eher in unmittelbarer Nähe einen Ort ausfindig gemacht, an denen er sich der Leichen entledigen kann. Die lange Fahrtzeit war ja auf jeden Fall sehr riskant.
Ich glaube vielmehr, dass er in Panik erstmal losgefahren ist, vielleicht war alles ganz anders geplant und dann wählte er zunächst eine Gegend, die ihm geläufig ist. Also Nürnberg, wie ich es einschätze.
Irgendwie gibt es für ihn dorthin eine Verbindung und es war nicht nur Gelegenheit, dass es ihn dorthin verschlug.


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02.04.2019 um 11:06
theodoraheuss schrieb:Irgendwie gibt es für ihn dorthin eine Verbindung und es war nicht nur Gelegenheit, dass es ihn dorthin verschlug.
Das ist auch meine Vermutung.

Vielleicht kannte er sich dort im Nürnberger Raum einfach gut aus oder ihm wurde von einem Dritten aus dieser Region zu diesem Ort geraten.

Auf der anderen Seite: Warum bringt ihn diese Person nicht zurück in die Chiemseeregion?

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass auch etwas in dem Camper war.
Der Täter verbrachte ja (unnötig) viel Zeit am oder im Camper, bevor er sich auf den Weg machte.
Vielleicht durchsuchte er den Camper.
Vielleicht war irgendwas im Camper, das nach Nürnberg gebracht werden sollte.


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02.04.2019 um 11:15
@Cass
Inwiefern bringst du einen Dritten hier mit ein? Also auf welcher Grundlage?

Dass etwas nach N verbracht werden sollte, finde ich einen guten Ansatz. Das würde die riskante, aber dann notwendige lange Fahrt erklären...

PS: ich wollte u.U. Fotos des Tatorts machen, haben ihn aber nicht gefunden und hatte leider nicht genug Zeit.
Ganz zu Anfang des Threads hat jemand Bilder eingestellt, die ich sehr gut finde.
Lieber User, mit dem ich am Wochenende im Kontakt stand, hast du diese schon gesichtet?
@Philowl


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02.04.2019 um 11:41
theodoraheuss schrieb:Inwiefern bringst du einen Dritten hier mit ein? Also auf welcher Grundlage?
Offensichtlich kannte er sich ja in Bayern nicht so gut aus:

Der Taxifahrer musste sich (nach eigener Aussage) auf dem Weg zurück zum Tatort eine Karte besorgen, um den Weg zu finden. Der Täter konnte ihn nicht beschreiben.
Dann der Begriff "Nordostbahnhof". Dann der österreichische Akzent, den ein Taxifahrer gehört haben mag.

Aber dafür, dass er sich in Bayern nicht auskennt, geht er doch sehr zielgerichtet vor.
Ich kenne mich in Nürnberg einigermaßen aus. Und für mich ist die Wahl (Altenfurt) des Täters sehr gut. Er hatte sogar die Option, zur S-Bahn-Haltestelle ("Fischbach") zu gehen, die es dort in der Nähe gibt.
Hätte er geschickter die Taxis gewechselt, oder wäre er ein Stück mit dem Zug aus Nürnberg rausgefahren, wäre man wohl nie auf ihn gekommen. Dann hätte man heute von ihm gar keine Anhaltspunkte mehr.

Aus Sicht des Täters: Wenn ich mir vorstelle, dass ich zwei frisch ermordete Leichen im Fahrzeug habe.
Fahre ich dann ziellos stundenlang durch die Gegend? In einer Region, in der ich mich nicht auskenne?

Deshalb kann ich mir vorstellen, dass ihm jemand einen Rat gab, wo genau er den Camper in Nürnberg relativ gefahrlos anstecken kann.


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02.04.2019 um 11:52
@Cass
Hm ok! Verstehe!
Also ich meine, dass es doch durchaus möglich wäre, dass er dort Verbindungen hatte.
Wieso sollte jemand, ein Dritter, Nürnberg vorschlagen, wenn sich die Tat ganz woanders abgespielt hat und es auf dem Weg nach N noch so viele andere Möglichkeiten gegeben hätte, die Leichen zu entsorgen?
Da finde ich deine „es musste etwas nach N gebracht werden Theorie“ schlüssiger!

Ich denke genau so wenig, dass er Nürnberger war. Nicht zuletzt aufgrund des Akzents, aber es ist doch möglich, dass er dort zeitweise gewohnt hat, damals vielleicht schon ein Weilchen dort war und immer noch dort lebte? N ist so groß, dass man in ein paar Jahren dort lebend nicht alle Ecken so gut kennenlernt, dass man von jedem x beliebigen Ort die schnellste Route navigieren kann oder meinst du nicht?
Habe drei Jahre eine Wohnung in N gehabt und bin aber auch gependelt, ich kenne mich allenfalls in meinem damaligen Kiez und in der Innenstadt aus. Hm...


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02.04.2019 um 11:56
Korrektur: @Cass
Eigentlich widersprechen wir dem jeweils anderen nicht!
Ich halte es dennoch auch für möglich, dass er dort selbst gewohnt hat/hatte.

Ich kann mir eben einfach nicht erklären, wieso man diese Gefahr so lange mit zwei Leichen unterwegs zu sein, eingeht.
Ein User wies bereits daraufhin, dass er wohl einen Fehler gemacht hatte und deshalb nochmal zurück zum Tatort fuhr. Das halte ich auch für wahrscheinlich.
Schade dass es keine Zeugen gibt, die ihn dann auf irgendeiner Route vom Tatort wegfahrend gesehen haben!


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02.04.2019 um 12:10
theodoraheuss schrieb:Ein User wies bereits daraufhin, dass er wohl einen Fehler gemacht hatte und deshalb nochmal zurück zum Tatort fuhr.
Für mich ist es naheliegend, dass dort schlicht und einfach sein Auto stand.
Irgendwie muss er ja zum Tatort gekommen sein.

Ich glaube kaum, dass er zu Fuß oder als Anhalter unterwegs war. Dann hätte das doch jemand bemerkt, so auffällig wie er war. Und wie sollte er auch wissen, dass die Ls ausgerechnet dort verweilen?
Dass er dort im Wald auf der Lauer lag, glaube ich auch nicht. Und auch dass jemand durch die Gegend fährt, und Ausschau nach Opfern hält, ist für mich auch unwahrscheinlich.
Es gibt ja auch abgelegene Parkplätze und Tageszeiten, wo ein bewaffneter Raubüberfall besser vonstattengehen kann. Am hellichten Tag in unmittelbarer Nähe eines Modellflugzeug-Treffens? Naja.

Und irgendwie muss er sich ja auch wieder unauffällig aus dem Staub gemacht haben.
Warum nicht mit einem Auto? Das ist doch das naheliegende?
Dass er noch mal den Tatort im Morgengrauen absuchte und oberflächlich "reinigte",
kann ja sein.


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02.04.2019 um 12:17
theodoraheuss schrieb:N ist so groß, dass man in ein paar Jahren dort lebend nicht alle Ecken so gut kennenlernt, dass man von jedem x beliebigen Ort die schnellste Route navigieren kann oder meinst du nicht?
Ich habe nie in Nürnberg gewohnt, aber ich habe dort immer mal wieder Leute aufgesammelt
über "Mitfahrzentrale" oder "blablacar".

Altenfurt/Fischbach ist ideal, um möglichst schnell wieder aus der Stadt herauszukommen.
Das ist ein üblicher Meetingpoint wegen der Nähe zur Autobahn und der gleichzeitigen
S-Bahn-Haltestelle.


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02.04.2019 um 12:19
@Cass
Verstehe!

Ja, dass er dort auch einfach sein Auto geholt haben will, ist auch naheliegend.

Siehste mal, habe dort praktisch gewohnt, aber nie Mitfahrzentralen benutzt, deshalb ist mir dieser Umstand mit der günstigen Lage der S Bahn Fischbach gänzlich neu!!!


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02.04.2019 um 18:27
Cass schrieb:Der Taxifahrer musste sich (nach eigener Aussage) auf dem Weg zurück zum Tatort eine Karte besorgen, um den Weg zu finden. Der Täter konnte ihn nicht beschreiben.
Dann der Begriff "Nordostbahnhof". Dann der österreichische Akzent, den ein Taxifahrer gehört haben mag.
Im alten xy-Beitrag wird allerdings erwähnt dass der Täter, je näher sie wieder dem Tatort kamen plötzlich umso bessere Ortskenntnis hatte.

Der österreichische Dialekt würde mich auch interessieren. Den gibt es nämlich gar nicht. Leider weiß man nicht ob der Mann in dem Film nur zur Verdeutlichung einen derart offensichtlichen (Ost)österreichischen Dialekt hatte oder ob dem auch wirklich so war. Würde nämlich darauf hindeuten dass der Mann zumindest seine Ursprünge nicht in dieser Gegend hatte. Weder auf deutscher noch auf österreichischer Seite der Salzach.


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03.04.2019 um 00:11
SteamedHams schrieb:Den gibt es nämlich gar nicht.
Wurde doch hier diskutiert. Nürnberger Taxifahrer sagte entweder bayrisch oder österreichisch.
Wenn er sich aber im Münchner Umland nicht auskennt und von einem Nordostbahnhof faselt,
und ihn außerdem niemand kennt, wird er wohl Österreicher sein.
Außerdem hatte er ja jede Menge Schilling dabei, obwohl die Ls gar nicht in Österreich waren.


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03.04.2019 um 00:18
Ergänzung: Ich las, dass er die Berliner Philharmoniker kannte (laut Taxifahrer). Deren Stardirigent war lange Zeit Herbert von Karajan. Den kannte früher in Österreich wahrscheinlich jedes Kind. War er doch einer der wenigen Weltstars aus Österreich dieser Zeit. Dafür muss man übrigens nicht selbst Musiker sein.

Siehe das andere Beispiel Schwarzenegger. Den kennt auch jedes Kind ohne Bodybuilding zu betreiben.

Für mich sind das genug Indizien, dass er aus Österreich kam. Was auch sein Erscheinen und Verschwinden erklären würde. Und zwar wie ein Geist.


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03.04.2019 um 14:15
Cass schrieb:Ergänzung: Ich las, dass er die Berliner Philharmoniker kannte (laut Taxifahrer).
Das geistert hier immer wieder durch den Thread, ist aber nicht gesichert. Im Themen-Wiki steht dazu nur Folgendes:
Der Taxifahrer schildert den Fahrgast als eher unangenehm und wenig gesprächig. Unter Hypnose meinte er sich später daran erinnern zu können, dass der Gast u.a. über die Berliner Symphoniker gesprochen habe. Der Hypnotiseur hält den Fahrer allerdings für keinen sehr zuverlässigen Hypnose-Probanden


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12.04.2019 um 23:55
theodoraheuss schrieb am 02.04.2019:Schade dass es keine Zeugen gibt, die ihn dann auf irgendeiner Route vom Tatort wegfahrend gesehen haben!
Und was bitte sollten diese Zeugen dann berichten? Richtig, dass der Mann vom Tatort mit dem Camper weggefahren ist. Das dürfte so aber feststehen, weil der Camper samt den Langendonks nämlich in Nürnberg wieder auftauchte. Dass hier ein zunächst unbeteiligter Dritter eingreift wäre doch wohl eher unwahrscheinlich. Naja obwohl. Der Täter bringt die Langendonks um und haut ab. Der Prinz Eisenherz oder von mir aus auch der falsche Rockefeller kommt vorbei und klaut den Camper für ne Spritztour. . In Altenfurt entdeckt er die ungewöhnliche Fracht und ist perplex. Ach ne, ich weiss nicht


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14.04.2019 um 18:27
Mein folgendes, etwas längeres Post hat eigentlich zwei Hauptinhalte: 1. Motiv, 2.Ortskenntnisse des Blonden

1. Mordmotiv

Ich bin ja nicht als Freund der Raubmordhypothese bekannt, aber mir ist etwas aufgefallen, was diese wahrscheinlicher macht.

Auf seinem Fluchtweg vom brennenden Wohnmobil ins Zentrum von Altenfurt, wo er dann ein Taxi bestieg, entledigte sich der Blonde ja diverser gestohlener Dinge (z.B. Fotoapparat, Tasche, Geldbeutel der Langendonks). Vermutlich, weil er die Einsatzkräfte bemerkte, die schneller als vom ihm erwartet den Brand bemerkt hatten und heraneilten - übrigens ausgerechnet über die Oelser Straße (bzw. "St2401"), der auch er selbst entlangtaumelte. Logischerweise warf er ihn belastende Dinge weg, die ihn mit dem Geschehen im Wald in Verbindung hätten bringen können.

Interessant ist aber die Reihenfolge, in der er sich von den Objekten trennte: Er warf sie nämlich nicht gleichzeitig weg, sondern nach und nach. Er legte damit geradezu eine Spur, die die Polizei später rekonstruieren konnte.

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Von drei Fundstellen ist uns bekannt (siehe Bild): Er kam vom Süden, aus Richtung des roten Pfeils. Irgendwas warf er bei (1) weg. Dann überquerte er auf Höhe der Tennisanlage von TSV Altenfurt die Straße und trennte sich bei (2) von einem weiteren Gegenstand (was jeweils, ist der Öffentlichkeit unbekannt). Bei (3), ein gutes Stück weiter, warf er schließlich den letzten Gegenstand über eine Gartenmauer. (Beim roten Punkt befindet sich die Telefonzelle, zu der er das Taxi rief).

Interessant ist, WAS er bei (3) wegwarf: Die Geldbeutel der Langendonks. Von den Geldbeuteln konnte er sich offenbar nur sehr schwer trennen. Konsequent wäre es gewesen, all das Zeug, das ihn belasten konnte, zugleich wegzuwerfen. Der hypothetische Hauptzweck, die Sachen vorher überhaupt mitzunehmen, nämlich ein Raubmotiv vorzutäuschen, wäre trotzdem erfüllt gewesen. Aber anscheinend ging es ihm um die Dinge selbst, zumindest um die Portemonnaies.

Deshalb denke ich schon, dass ein Raubmotiv in Frage kommt.

Was spräche weiterhin dagegen:
1) Die merkwürdige Kleidung.
2) Das Wegwerfen von Geld.
3) Die hohen Ausgaben für die Rückfahrt.
4) Der unübliche Überfall am hellichten Tag.

Aber 2) geschah wohl aus (begründeter) Panik. Und 3) war nicht geplant. Auch der Mord war wohl nicht geplant. Und bekanntlich gibt man Geld, ob geraubt oder auf ehrliche Weise erworben, auch mal wieder aus. Und so schlecht angelegt war das Geld ja nicht, wenn der Blonde sich damit 20 Jahre Gefängnis hatte ersparen können. Für 1) und 4) habe ich nach wie vor keine Erklärung, aber vielleicht findet sich die noch.

Was die weite Fahrt betrifft: Ich neige mittlerweile auch zu der Interpretation, dass die weite Fahrt aus Sicht des Täters nicht notwendig gewesen wäre, wenn es nur darum gegangen wäre, den unmittelbaren Tatort zu verschleiern. 20 Kilometer hätten wohl wirklich gereicht. Denn der Täter hat ja um 20 Uhr mitbekommen, dass den Mord keiner wirklich mitbekommen hat, sonst wäre ja längst die Polizei vor Ort gewesen. Unter diesen Umständen wäre es wohl nicht wirklich notwendig gewesen, 300 km zu fahren, zumal wenn man den ganzen Stress und den Zeitdruck betrachtet.

Warum dennoch bis nach Nürnberg? Dass der Blonde in Nürnberg irgendwelche Geschäfte zu erledigen hatte, halte ich nach wie vor für Quatsch. Dazu hatte er gar keine Zeit. Ich glaube eher - das habe ich neulich schon mal geschrieben -, dass er von Oberbayern insgesamt ablenken wollte. Er (und/oder seine Bande) war schon länger im Voralpenland im Rahmen von Wohnmobilaufbrüchen aktiv. Das geschieht ja nicht so selten, auch die Polizei hat darum vielleicht nicht allzu viel Aufhebens gemacht, um den Tourismus nicht zu gefährden. Aber an diesem Tag ist gehörig was aus dem Ruder gelaufen, ein Doppelmord! Dadurch hätte sich der Fahndungsdruck erheblich erhöht, das ganze "Geschäftsmodell" in Oberbayern war gefährdet. Das könnte ich mir schon als Grund vorstellen, das Womo möglichst weit vom Tatort wegzubringen.

Ich bin nach wie vor vom Raubmotiv nicht überzeugt, halte es aber für wahrscheinlicher als zuvor.


2. Ortskenntnisse des Blonden

Noch ein paar Worte dazu, wo sich der Täter auskannte und wo nicht. Das Geschwafel des Täters, er fahre immer mit der Bahn und kenne sich nicht aus, kann man m.E. in die Tonne treten. Er war ein Verbrecher und wollte gerade seine Tat verschleiern, warum sollte man ihm nur ein Wort glauben? Außerdem hat er nachweislich gelogen: Er war die Strecke in Gegenrichtung nachweislich kurz zuvor mit dem Auto gefahren (sogar mit einem ziemlich großen, war also eher ein geübter Autofahrer), er hatte also den Weg sehr wohl gekannt, stellte sich gegenüber dem Taxifahrer aber dumm. Dass er sich im Chiemgau nach Meinung des Taxifahrers viel besser auskannte als anderswo, hat auch nichts zu bedeuten: Er musste den Fahrer ja den Weg zum Hölzl weisen, da musste er seine "geographischen" Kenntnisse notgedrungen offenbaren. Aber er hätte sicher auch den ganzen Weg gefunden. Hatte er ja auch schon, als er alleine unterwegs war. Um so eher hätte er den Weg gekannt, als er ihn zum zweiten Mal fuhr. Also vergessen wir die Aussage einfach, er kenne sich nur mit Bahnstrecken aus.

Dennoch: Wo verfügte der Blonde über Ortskenntnisse? Folgende Überlegungen dazu:

GUTE Ortskenntnisse:
- Im Chiemgau. Er wies den Taxifahrer den Weg über mehrere Landstraßen, das Hölzl war nicht großartig ausgeschildert, wir können dem Eindruck des Taxerers also wohl unbesehen glauben.

SCHLECHTE Ortskenntnisse: In Nürnberg-Altenfurt. Nach wie vor halte ich es für eine bescheuerte Idee, die (gehweglose) Oelser Straße (=St2401) entlangzuhatschen. Kein Ortskundiger käme auf einen solchen Gedanken, schon gar nicht, wenn er auf der Flucht ist und sich eigentlich verstecken will. Denn über besagte Straße musste die Polizei heranfahren und es gibt keinerlei Deckung. Und ein Fußgänger mitten in der Nacht fällt total auf, weil dort eben nie jemand entlanggeht.

Das heißt aber nicht, dass er sich in Nürnberg insgesamt nicht auskannte. Ich zitiere mal:
theodoraheuss schrieb am 02.04.2019:N ist so groß, dass man in ein paar Jahren dort lebend nicht alle Ecken so gut kennenlernt, dass man von jedem x beliebigen Ort die schnellste Route navigieren kann oder meinst du nicht?
Das ist durchaus zutreffend. Man kann in Nürnberg jahrelang leben, ohne je in Altenfurt gewesen zu sein. Denn an manchen Stellen kannte er sich möglicherweise recht gut aus:

EVENTUELL GUTE Ortskenntnisse: Nürnberger Hauptbahnhof.
Der Blonde durchquerte den Hauptbahnhof, verließ ihn durch den sogenannten "Südausgang" und bestieg dort das zweite Taxi. Es ist nicht einfach, vom Haupteingang kommend den Südausgang überhaupt zu finden. Außerdem muss man vorher wissen, dass man dort einen weiteren Taxistand vorfinden wird. Das wüsste nicht einmal ich, obwohl ich nicht weit davon entfernt wohne (allerdings bin ich auch zu meist zu geizig zum Taxifahren). Der Blonde wusste es aber möglicherweise. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass fast alle großen Bahnhöfe einen Hinterausgang haben inklusive Taxistand. Vielleicht vermutete es der Blonde auch nur und suchte gezielt danach. Absolute Gewissheit kann man hier also nicht erlangen.

EVENTUELL GUTE Ortskenntnisse: Nürnberg insgesamt
Dennoch glaube ich, dass ihm Nürnberg nicht ganz fremd war. Zunächst aus allgemeinen Überlegungen heraus: In einer solchen Nacht steuert man einfach kein Ziel an, das einem vollkommen fremd ist. Immerhin fand er mit dem Wald bei Altenfurt auch eine Stelle, die nahe an der Autobahn war, aber auch nicht so weit von einem großen Bahnhof, um zurückzukommen. (Wäre er nur eine Stunde früher drangewesen, hätte er von dort aus sogar bequem mit der S-Bahn fahren können.) Ferner erwähnte er gegenüber dem Taxifahrer einen "Münchener Nordostbahnhof". In München gibt es keinen "Nordostbahnhof", auch sonst praktisch in keiner Stadt, wohl aber in Nürnberg. Wenn also jemand von einem "Nordostbahnhof" redet, kann man vermuten, dass er einen Bezug zu Nürnberg hat. Und zwar nicht nur als Besucher, denn der Nordostbahnhof ist ein kleiner Regionalbahnhof, Touristen oder Geschäftsleute kommen mit ihm gewöhnlich nicht in Berühung.

SCHLECHTE Ortskenntnisse: München
Wer von einem "Münchener Nordostbahnhof" faselt (der wie gesagt nicht existiert), kommt garantiert nicht aus München und Umgebung. Und ein großer Bahnfahrer ist er auch nicht, jedenfalls nicht innerhalb Bayerns.


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14.04.2019 um 19:25
Gute Zusammenfassung!
Menedemos schrieb:Er (und/oder seine Bande) war schon länger im Voralpenland im Rahmen von Wohnmobilaufbrüchen aktiv. Das geschieht ja nicht so selten, auch die Polizei hat darum vielleicht nicht allzu viel Aufhebens gemacht, um den Tourismus nicht zu gefährden.
Leider gibt es zu der Bandentheorie wenig Belege, um nicht zu sagen reine Spekulation. Aus meiner Sicht der größte Kontrapunkt, es handelt sich allen Indizien nach um einen Einzeltäter. Zumindest hatte er wohl keine Unterstützung bei der Tatausführung.
Menedemos schrieb:1) Die merkwürdige Kleidung.
Ein weiterer (subjektiver) Punkt. Ich möchte behaupten das der klassische "Bandentäter" so nicht rumläuft. Davon das der Täter sich des Anzugs des L's oder einer Perücke bedient hat, hiervon bist du ja so gar nicht überzeugt.
Menedemos schrieb:Interessant ist, WAS er bei (3) wegwarf: Die Geldbeutel der Langendonks. Von den Geldbeuteln konnte er sich offenbar nur sehr schwer trennen. Konsequent wäre es gewesen, all das Zeug, das ihn belasten konnte, zugleich wegzuwerfen.
Ist das gesichert? War dort auch noch der Ausweis drinnen? Nicht nachzuvollziehen warum es das nicht in einen Gulli o.ä. geworfen hat. Das riecht ja förmlich nach einer Spur.

Zu den Ortskenntnissen: 100%ige Zustimmung. Ich denke der Plan war tatsächlich mit S-Bahn und D-Zug zurückzufahren. Den alten Fahrplänen nach war der Täter auch nur 1h zu spät für die Rückfahrt.


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14.04.2019 um 19:51
escalade schrieb:Zumindest hatte er wohl keine Unterstützung bei der Tatausführung.
Du sagst es, bei der Tatausführung. Das glaube ich auch. Das schließt aber nicht aus, dass er häufiger auch mit Komplizen zusammenarbeitete, oder? Vielleicht wollte er es mal auf eigene Faust probieren und das ging mächtig schief.
escalade schrieb:Davon das der Täter sich des Anzugs des L's oder einer Perücke bedient hat, hiervon bist du ja so gar nicht überzeugt.
Von der Perückentheorie halte ich tatsächlich gar nichts. Ich finde die Frisur nicht sooo ungewöhnlich für die damalige Zeit. Und wenn ich mich tarnen wollte, würde ich auch eine unauffälligere Perücke aufsetzen.
Und Anzug von Herrn Langendonk? Komplett ausschließen kann ich das nicht. Aber ich kann mir nicht erklären, warum er sich beim Umziehen eine Krawatte umgebunden haben sollte. Passt nicht zu den Umständen.
escalade schrieb:Ist das gesichert? War dort auch noch der Ausweis drinnen? Nicht nachzuvollziehen warum es das nicht in einen Gulli o.ä. geworfen hat. Das riecht ja förmlich nach einer Spur.
Ja, das ist gesichert. Der Bewohner des Vorgartens hat die Geldbeutel der Polizei übergeben. War sogar noch Geld drin (zumindest holländische Gulden). Und warum er sie nicht in einen Gulli geworfen hat? Vielleicht, weil grad keiner da war...? ;)
Ausweise? Das weiß ich nicht.


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