parabol schrieb:Putin ist ideologielos und benutzt Nationalismus und Faschismus nur um seinen Eroberungskrieg in der Ukraine zu legitimieren? :D
Was redest du da?
Ja. Ich das denke ich. Ich kann mich natürlich auch irren.
Borromini schrieb:Ich denke, dass man das nicht so einfach trennen kann. Bei übergeschnappten Diktatoren können sich ideologische Überzeugung und reiner Ego-Trip überlappen. Die bilden sich ab einem gewissen Grad von Realitätsverlust gerne ein, dass die Interessen des Landes und die eigenen fixen Ideen das Gleiche wären.
Man muss es ja auch nicht unbedingt trennen. Ab einem gewissen Punkt ist es ja auch irgendwo egal. Putin treibt sein Land immer weiter Richtung Nationalismus, Imperialismus und auch Faschismus. Für seine vielen Opfer ist es auch egal ob er nun ein ernsthafter Anhänger des Faschismus ist oder nicht. Die Auswirkungen sind ja dieselben. Und ja, ich denke schon, das Putin ehrlich glaubt, das er allein am besten weiß, was für Russland und die Welt gut ist.
Borromini schrieb:Das spricht nicht gegen die Einordnung als faschistisch, sondern sogar eher dafür. Ein typisches Merkmal solcher Strömungen ist der Eklektizismus. Es gibt kaum eigene Ideen; stattdessen wird alles zusammengeklaut, was den Führern brauchbar erscheint, und für die eigenen Zwecke umgedeutet. Das hat man schon bei Hitler und Mussolini gesehen.
Freilich ist man da mitten im Problem der Faschismus-Definition, wenn man sich nicht damit zufriedengibt, „Faschismus“ auf unterkomplexe Weise als bloßen Kampfbegriff zu nutzen. Im engeren Sinn sind das ja nur die Mussolini-Anhänger und schon die Übertragung auf den Nationalsozialismus ist in der Wissenschaft umstritten.
Na ja, wenn man Faschismus lediglich als Kampfbegriff verwendet, kann man ja irgendwo jeden Rechten damit bezeichnen. Aber das müssen wir hier im Forum ja nicht tun. Oder jedenfalls kann man auch mal etwas tiefer in die Thematik einsteigen. Allgemein habe ich kein Problem damit, wenn Putin beschimpft wird.
Andererseits sollte man sich die Herrschaftsabsicherung ansehen. In Russland wird ja niemand von der Macht ausgeschlossen, egal was für ein Parteibuch er hat, egal welcher Religion oder Volksgruppe er angehört. Wichtig sind hier nur Nützlichkeit fürs Regime und Loyalität zu Putin. Im Land selber gibt es durchaus Diskriminierung und Fremdenhass, aber im Kreml meiner Ansicht eher nicht. Das sind wie selbstverständlich auch Leute wie Kadyrow und Schoigu und andere dabei. Wie bei der Mafia steht Loyalität über allem. Auch die linken Parteien wurden nicht verboten. Auch hier: Wer loyal ist, darf in der Duma sitzen. Wer nicht loyal ist, wie Girkin, kann auch ein Ultranationalist sein und landet trotzdem im Gefängnis.
Statt die linken Parteien einfach zu verbieten, oder gleich die Duma zu schließen, hat Putin die Partei Gerechtes Russland gezielt als Sammelbecken für linke Wähler gefördert um deren Loyalität sicherzustellen. Meiner Meinung nach auch nichts, was ein echter Faschist tun würde.
Jedimindtricks schrieb:Russland erfüllt alle Kriterien für ein Faschistischen staat. Das umdeuten von Geschichte ist dabei ein kernelement.
Da hat " die Show " von putin deine Ansicht schon " durcheinander " gebracht.
Ich sehe das eher als Mafiastaat und in dieser Mafia sind viele Ultrarechte, Nationalisten und Faschisten. Das heißt aber nicht, das der Oberboss selber ein Anhänger des Faschismus ist.