sacredheart schrieb:Die berichten über Straftaten, die von öffentlichem Interesse sind wie Tötungsdelikte, Roheitsdelikte, größere Raubdelikte oder spektakuläre Einbrüche. Wieso verzerrt das denn?
Selbst wenn man nur auf schwere Delikte schaut, bleibt die Frage: Welche davon schaffen es in die Schlagzeilen – und welche nicht? Genau da setzt die Forschung an: Bestimmte Fälle, insbesondere mit nichtdeutschen Tatverdächtigen, werden überproportional hervorgehoben.
zaeld schrieb:Das kann einfach daran liegen, dass die Grundannahme ist, dass eine in Deutschland begangene Straftat wegen der überwältigenden Anzahl von Deutschen in diesem Land von einem Deutschen begangen wurde und deshalb keiner besonderen Erwähnung bedarf. Nur Abweichungen von der Norm werden berichtet.
Oder um das mal etwas anders zu verdeutlichen: Trägt der Täter bei einem Überfall keine Hose, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass von diesem Umstand berichtet wird. Umgekehrt wird in einem Bericht über einen Überfall nicht zu erwarten sein, dass davon berichtet wird, der Täter hätte eine Hose getragen.
Und schon kommt Herr oder Frau Hestermann zu dem Schluss, dass überproportional (nämlich zu 100%) davon berichtet wird dass, der Täter keine Hose getragen hat, wenn in dem Bericht überhaupt das Vorhandensein der Hose thematisiert wurde.
Der Vergleich hinkt etwas: „keine Hose“ wäre direkt tatrelevant und erklärungsbedürftig. Die Nationalität ist es in den meisten Fällen gerade nicht. Genau deshalb gibt es ja die journalistische Regel, sie nur zu nennen, wenn ein Sachbezug besteht – und die Studien zeigen, dass das oft nicht der Fall ist.
socialme schrieb:wenn ein deutscher Mann seine Frau und Kinder tötet, wird auch darüber in der Presse berichtet. Würde ein Deutscher/eine Deutsche wahllos auf Menschen einstechen, dann würde mit Sicherheit genauso darüber berichtet werden. Nur passiert das eben nicht. Es handelt sich eher um Beziehungstaten, Sexualdelikte o. ä. Ich kenne keinen Fall in dem ein Deutscher ein Messer gezückt hat, und wahllos auf Menschen einstach. Wird es mit Sicherheit auch gegeben haben, aber eben eher vereinzelt.
„Ich kenne keinen Fall“ ist kein guter Maßstab – das hängt stark davon ab, was medial sichtbar ist. Genau das zeigen ja Studien (z. B. von Thomas Hestermann): Bestimmte Konstellationen werden überproportional hervorgehoben, andere sind weniger präsent. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, manche Taten seien „typischer“, obwohl das so nicht unbedingt der tatsächlichen Verteilung entspricht.