Röhrich schrieb:Sehr einseitig was hier gegen die USA und Israel immer vorgebracht wird.
Wenig Worte zum Unrecht des Iran, offenbar ist ein Terrorregime welches für Terror auf der ganzen Welt mit verantwortlich ist, schützenswert und Israel darf sich gegen diesen Terrorstaat, der sich die Vernichtung Israels auf die Fahne geschrieben hat, einfach nicht wehren.
Wie schon nach dem 7. Oktober 2023 darf sich Israel wehren. Aber die Frage ist nicht das "ob", sondern das "wie". Und das ist halt so gar nicht mehr in Ordnung.
Iran und Israel sind Todfeinde seit 1980. Bislang ist aber keiner der Beiden so weit gegangen, gezielt das Staatsoberhaupt des anderen Landes zu liquidieren (das haben die Israelis mit Rabin selbst getan). Und im anderen Land einen Umsturz herbeizubomben. Damit ist eine Grenze überschritten. Nicht moralisch, nicht völkerrechtlich (das auch). Sondern was die Kontrollierbarkeit der Folgen einer solchen Maßnahme betrifft.
Der Nahe Osten ist ein Pulverfass und bislang war es selten wirklich hilfreich, da hinein mit Bomben und Raketen zu feuern. Wie schon im Gaza fragt sich der unbefangene Beobachter: Wohin soll das führen? Was ist die Strategie? Wie wahrscheinlich ist es, die Ziele zu erreichen? Und welcher Preis ist zu bezahlen?
Der Preis wird hoch sein.
philter schrieb:Nein, aber der Planungsmaßstab der operative Umsetzung klingt für mich danach, als ging es nie um Diplomatie, sondern um einen von langer Hand geplanten Feldzug gegen das Regime, der mit einem Vorwand (Verhandlungen um das Atomprogramm) gerechtfertigt wurde, um den Anschein zu erwecken, dass der Dialog gesucht wurde.
Entsprechende Planungen gegen den Iran dürfte es seit der Existenz der Islamischen Republik geben. Die Frage war bislang, ob deren Umsetzung politisch Sinn machen. Und wenn ich mir Gestalten wie den aktuellen US-Präsidenten und israelischen Regierungschef ansehe, habe ich sehr wenig Vertrauen in deren politische Kompetenz. Wir haben es zwar mit demokratisch gewählten, aber im weitesten Sinne rechtspopulistischen und korrupten Politikern zu tun. Denen geht es zuallererst um das eigene politische Überleben. Also die Macht. Und da ist jede Form von Schall und Rauch bzw. brutaler Gewalt zulässig, soweit es ihnen persönlich nützt.
Bone02943 schrieb:Nach Irak und Afghanistan sehe ich leider nichts was die USA langfristig geplant hätte.
Nach 1945 fällt es mir schwer, in der langen Liste globaler US-amerikanischer Interventionen einen echten Plan zu entdecken. Die Kanonenbootpolitik der USA hat nach meiner Überzeugung eigentlich immer mehr geschadet als genutzt. Die Leidtragenden waren zwar nicht die US-Amerikaner (außer den US-Soldaten), aber Millionen anderer Menschen weit weg von den USA.
Rhapsody3004 schrieb:Moral vs. Recht (Völkerrecht) ist wirklich eine brisante Diskussion und schafft ein Dilemma, einen Zwiespalt.
Völkerrechtlich ist die Sache klar. Darf man nicht. Aber wie schon in Venezuela zählt bei militärischer Gewalt die normative Kraft des Faktischen. Niemand wird Israel und die USA dafür verurteilen und sanktionieren.
Moralisch: Siehe oben. Werden durch solche Interventionen Leid, Zerstörung und Tod verhindert? Mir mangelt es in der Geschichte an Beispielen dafür. Also schlicht am empirischen Beleg.
Klar, es kommen alle mit dem Krieg gegen Nazi-Deutschland, aber das war halt die Ausnahme, nicht die Regel. Und Jugoslawien? Neben dem Versagen der internationalen Gemeinschaft am laufenden Band waren die militärischen Angriffe gegen Serbien nichts als Aktionismus in einem Propagandakrieg der Bilder. Es hätte auch andere, weitaus friedlichere Mittel gegeben. Ein Plan gab es auch nicht.
Nein, ich sehe kaum Belege, dass militärische Einsätze Probleme lösen. Die Zahl der gescheiterten militärischen Interventionen überschreitet jedenfalls bei Weitem etwaig mehr oder weniger geglückte Aktionen. Denn Gewalt erzeugt nun mal Gegengewalt, so lange ich meinen Gegner nicht so zu Boden gerungen habe, dass die Niederlage total ist.
Was da gerade im Nahen Osten abgeht, erfüllt mich jedenfalls mit großer Sorge, auch weil den Akteuren keinen Zoll weit über den Weg traue. Und ich nicht erkennen kann, was das (realistische) Ziel ist.
"Was immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende".