@mitH2CO3
mitH2CO3 schrieb:Ja, ein Systemwandel kommt eher nicht so schnell. Bis dahin leben wir in diesem System und sollten es so sozial und ökologisch wie möglich gestalten.
Richtig ist, dass wir im Kapitalismus leben. Falsch ist, dass es eine Frage des "Gestaltens" ist, ihn sozial und ökologisch zu machen....
Der Kapitalismus ist keine gestaltbare Hülle, die man mit gutem Willen füllen kann. Das ist 'n System, das seinem eigenen Gesetz folgt, nämlich der Verwertung des Kapitals....
Alle sogenannten sozialen und ökologischen Reformen bleiben diesem Gesetz untergeordnet. Sie sind nicht dazu da, das System zu zähmen, sondern es am Laufen zu halten...
mitH2CO3 schrieb:Eine reformierte Erbschaftssteuer ist ein Werkzeug der sozialen Marktwirtschaft, um genau die Vermögenskonzentration zu bremsen.
Die "soziale Marktwirtschaft" ist kein Gegengewicht zum Kapitalismus, sondern seine spezifisch deutsche Spielart...Die Erbschaftssteuer ist kein Werkzeug, um Vermögenskonzentration zu bremsen, sondern ein Werkzeug, um sie zu verwalten... Der Staat besteuert nicht das Kapital, weil er es schützen muss....er besteuert die Arbeit, weil sie die Grundlage des Systems ist. Daran ändert auch die schönste Reform nichts...
mitH2CO3 schrieb:Wer die Verhältnisse ändern will, sollte ab besten mit den Hebeln ansetzen, die wir jetzt in der Hand haben, oder nicht?
Die "Hebel", die wir da so in der Hand haben, sind genau die, die das System am Laufen halten....
Sie sind nicht dazu da, es zu überwinden, sondern es zu reproduzieren....
Wer die Verhältnisse ändern will, muss die Hebel zerbrechen, nicht sie benutzen...
Eine Reform der Erbschaftssteuer ist kein Angriff auf das System, sondern eine Anpassung innerhalb des Systems...
mitH2CO3 schrieb:Du sagst, Schlupflöcher werden nur neu verpackt. Das ist erst mal kein Naturgesetz, sondern eine Frage des politischen Willens
Der "politische Wille" ist im Kapitalismus kein freier Wille.....er ist gebunden an die Notwendigkeiten der Kapitalverwertung...Der Staat kann nicht gegen das Privateigentum handeln, denn er ist sein Garant....
Die Schlupflöcher sind keine zufälligen Fehler, sondern systemimmanente Strukturen.....
Die werden deshalb nicht geschlossen, weil sie gebraucht werden - von den Reichen, um ihr Vermögen zu erhalten und vom Staat, um das System nicht zu gefährden...
mitH2CO3 schrieb:Wenn der 10-Jahres-Takt bei Schenkungen durch einen einmaligen Lebensfreibetrag ersetzt werden sollte und die Privilegien für Holdings kippen, dann sind das keine kosmetischen Änderungen, sondern ein echter struktureller Einschnitt.
Ein echter struktureller Einschnitt wäre die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln....alles andere ist nur kosmetisch....
Die Privilegien für Holdings sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Sie sind die Form, in der sich Kapital im Kapitalismus organisiert....
Sie zu "kippen" hieße, das Kapital selbst zu treffen. Das aber kann der Staat nicht wollen und wirds auch nich tun...
mitH2CO3 schrieb:Das DIW und das ifo Institut schätzen das Potenzial einer echten Reform auf zweistellige Milliardenbeträge pro Jahr.
Diese Institute da rechnen immer im Rahmen des Systems... Die nehmen an, dass der Staat etwas gegen die Vermögenskonzentration tun will, aber der Staat will das nicht....er muss es nicht wollen....
Die Konzentration des Kapitals ist kein Systemfehler, sondern das Funktionsprinzip des Kapitalismus...Die Milliarden, die eine Reform angeblich bringen würde, wären allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein und sie würden am Ende ohnehin wieder den Interessen des Kapitals dienen....
mitH2CO3 schrieb:Das wäre Geld, das dem privaten Spekulationsmarkt entzogen und konkret dem Gemeinwohl zugeführt würde.
Das Geld, das der Staat einnimmt, wird nicht dem "Gemeinwohl" zugeführt....es wird den Interessen des Kapitals in Form von Subventionen, Infrastruktur, Forschung, Bildung und all den anderen Leistungen zugeführt, die der Staat als ideeller Gesamtkapitalist erbringt....Der Staat ist nicht der Gegenspieler des Kapitals, sondern sein Instrument...