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Das bedingungslose Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 21:07
ArnoNyhm schrieb:Ich sehe darin mehr so eine grundlegende Frage hinsichtlich des Wesen des Menschen ... sind wir von Natur aus kreativ und konstruktiv oder doch schlicht destruktiv.
Persönlich denke ich, es hängt sehr von der Person selbst ab, aber ich würde doch den großen Teil der Leute eher so einschätzen, dass sie versuchen würden etwas (für sie) sinnvolles mit ihrem Leben anzufangen.
Also ich bin eher auch positiver gestimmt und denke hier liegt ein riesen Potential uns noch rasanter weiterzuentwickeln. Mit einem sicheren Grundgerüst und mehr Zeit können Menschen produktiver zur Entwicklung der Menschheit beitragen.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 21:08
Das muss sich zwangsläufig selbst regulieren. Wenn mämlich niemand mehr Geld hat, kauft auch niemand mehr etwas, also brauch mann auch keine Industrie mehr die im Akkord produziert.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

08.03.2018 um 21:11
Corky schrieb:Man könnte auch sagen, alle leben (vegetieren?) dann auf BGE Niveau - warum sollten die danach mehr haben als heute? Eher weniger, eher alles gleich, eher alles nur das Notwendigste.
Dagegen dürfte BGE wohl dann noch Luxus sein.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

09.03.2018 um 01:40
Ich persönlich denke dass das BGE kommen wird. Es wird sich auf Dauer nicht vermeiden lassen. Ich denke jedoch dass die Menschen eine falsche Vorstellung davon haben, was das BGE wirklich bedeutet. In den Köpfen vieler Menschen (vor allem BGE-Skeptiker, jedoch nicht ausschließlich) ist wohl die Vorstellung von Menschen, welche auf Kosten des Staates in Saus und Braus leben. Diese Vorstellung ist mE komplett falsch.
Das BGE dürfte wohl eher als Grundversorgung der Allgemeinheit auf SEHR niedrigem Niveau ausfallen. Dementsprechend dürfte ein Großteil der Bevölkerung auch weiterhin stark daran interessiert sein zumindest in Teilzeit einer Arbeit nachzugehen.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

09.03.2018 um 03:13
itsnat schrieb:Das BGE dürfte wohl eher als Grundversorgung der Allgemeinheit auf SEHR niedrigem Niveau ausfallen. Dementsprechend dürfte ein Großteil der Bevölkerung auch weiterhin stark daran interessiert sein zumindest in Teilzeit einer Arbeit nachzugehen
Was im Endeffekt bedeutet, dass die meisten Menschen dazu "gezwungen" sind zu arbeiten, einen Teil ihres Einkommens, der größer sein wird als heute, als Steuern abgeben werden müssen und dieses Geld dann wieder an alle verteilt wird.
Jedoch hat die Vergangenheit gezeigt, je größer die Umverteilung ausfällt, um so schlechter fällt der allgemeine Wohlstand aus.
MrMister94 schrieb:Irgendwann wird es sinnlos sein Menschen Jobs erledigen zu lassen, die eine Maschine deutlich besser und schneller ausübt.
Das ist es heute schon. Nur ist so, dass es noch so viele Arbeiten gibt, wo der Einsatz von Maschinen ineffizient oder schlichtweg unmöglich ist.

Ich konnte neulich einen Industribetrieb besichtigen, der vereinfacht gesagt, Steckverbindungen herstellt. Die Steckverbindungen erfordern eine hohe Präzision bei der Herstellung der Metall- und Kunststoffteile. Bedingt durch die hohen Stückzahlen (im 7-stelligen Bereich) wird ein hohes Maß an Maschinen, Automaten und Robotern eingesetzt. ABER: diese ganze Automatisation erfordert auch eine große Zahl an Fach- und auch Hilfskräften, die die Maschinen programmieren, einrichten, warten und auch reparieren. Ich habe mit eine Vorarbeiter geredet, der schon über 30 Jahre in dieser Firma arbeitet, er sagte dass die stumpfsinnigen Arbeiten durch die Automatisierung deutlich weniger geworden sind, dafür haben die anspruchsvollen Arbeiten zugenommen. Wie weiter oben schon gesagt wurde, Arbeit wird es immer geben, nur die Tätigkeiten ändern sich.
DerKlassiker schrieb: Wie ich vorher schon mal geschrieben habe, menschliche Arbeitskraft wird billig gehalten, damit das System Arbeit gegen Lohn aufrecht erhalten werden kann zum Preis der Verarmung von Arbeitnehmern.
Da muss ich dich leider enttäuschen, der Faktor "menschliche Arbeitskraft" ist in sehr vielen Branchen einer der größten Kostenfaktoren.


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Philipp
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Das bedingungslose Grundeinkommen

09.03.2018 um 06:23
Suppenhahn schrieb:Jedoch hat die Vergangenheit gezeigt, je größer die Umverteilung ausfällt, um so schlechter fällt der allgemeine Wohlstand aus.
Das haben hier schon viele behauptet, belegt hat es bis jetzt noch nie einer. Hast du da mal einpaar offizielle Daten, um diese Aussage halbwegs nachvollziehbar prüfen zu können?


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09.03.2018 um 12:18
Z. B. die Umverteilung im "realen Sozialismus" der DDR, von Privat - zu Kollektivvermögen? Mit dem Ergebnis von allgemeiner Mangelwirtschaft und leeren Läden. Und zehn Jahre Wartefrist auf ein Auto minderer Qualität, einen Telefonanschluß gab es meistens eh nur an politisch "richtig" gepolte Personen mit reichlich Vitamin B. Ja, hatten wir schon mal. Hat nicht gefunzt.


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09.03.2018 um 12:23
sacredheart schrieb:Wir sind uns also einig, dass ein BGE Geld kosten würde, das versteht sich von selbst.
Klar, alles kostet Geld; darauf, dass das BGE mehr als das jetzige System kostet, würde ich mein Hinterteil allerdings nicht verwetten wollen.

Zur Frage der Finanzierung musste ich mich nochmal ein wenig in das Werk von Götz Werner vertiefen, schon eine Weile her, dass ich das gelesen habe, bei ihm ist das BGE einem Steuerfreibetrag gleichzusetzen, der ja bereits gewährt wird. Allerdings ist er auch der Auffassung, dass selbst eine Ausschüttung des Grundeinkommens an jeden Bürger keine Löcher in den Staatshaushalt reißen würde; er hat da ein Beispiel aus dem Jahr 2009, wo die Sozialausgaben 750 Mrd. betrugen, bei gleicher Verteilung auf alle wären das 9000 € pro Nase im Jahr, im Vergleich dazu waren es im Jahr 2000 7800 € gewesen. Das ganze wäre also gar nicht mal so weit von den 1000 Euro monatlich entfernt. Zieht man dann noch die Kosten für den Verwaltungsaufwand ab und bedenkt man das freiwerdende Kapital durch die ebenfalls anvisierte Abschaffung von Subventionen, eine ganz wichtige Sache, käme man da schon ganz klar in den Bereich. Darüber hinaus weist Werner zu Recht darauf hin, dass man schließlich nicht die totalen Kosten hernehmen kann, sondern lediglich den Mehraufwand im Verhältnis zum derzeitigen System. Quelle: Götz Werner & Adrienne Goehler "1000 € für jeden" (2010)
sacredheart schrieb:Wenn nun aber die Produkte, wie von Dir beschrieben gar nicht viel mehr Geld kosten würden, weil ja andere Steuern wegfallen, kommt ja gar nicht viel mehr Geld rein. Das wäre also schon mal nix. Falls doch viel mehr Geld reinkommt, müssen die Produkte auch massiv teurer werden. Das ist was anderes als eine 0,5% Punkt Erhöhung der Mehrwertsteuer, sondern eine drastische Abkehr, die dann Sparvermögen halbiert. Das nennt man Enteignung.
Ich muss mich da doch noch selber berichtigen, denn zuvor habe ich wohl den Eindruck vermittelt, als sei die Konsumsteuer das Finanzierungsmodell, das ist so nicht ganz richtig, wie ich jetzt feststellen musste, sie ist lediglich ein Baustein. Werners Argument für die Konsumsteuer ist, dass sie mehr Transparenz schafft, da sie keine versteckten Subventionen beinhaltet, für die der Kunde letzten Endes auch noch aufkommt, wo er ja ohnehin alles zahlt. Ein bisschen ein anderes Thema.
sacredheart schrieb:Die meisten sind ja nicht Bildhauer oder Meeresbiologe oder Supermodell, sondern Briefträger, Lagerarbeiter oder machen GasWasserScheisse und bestimmt nicht wegen der Selbstverwirklichung im Abfluss.
Die werden aber irgendwann gar keine andere Möglichkeit mehr haben, als sich anderweitig umzuschauen, wenn ihre Berufe eines Tages wegrationalisiert werden, weil der Kollege aus Chrom und Stahl übernimmt. Meeresbiologen, Bildhauer und Models dürften als Berufsprofile dagegen wahrscheinlich etwas mehr Beständigkeit haben.
Suppenhahn schrieb:Was im Endeffekt bedeutet, dass die meisten Menschen dazu "gezwungen" sind zu arbeiten, einen Teil ihres Einkommens, der größer sein wird als heute, als Steuern abgeben werden müssen und dieses Geld dann wieder an alle verteilt wird.
Gezwungen eben nicht, sie können auch einfach nicht arbeiten, wenn sie wollen und wären dennoch grundversorgt, ohne dass sie z. B. eventuelles Vermögen preisgeben müssten, wie das jetzt der Fall ist. Setzen wir das BGE bei unter 1000 € an, bei 800 oder 700, das ist halt z. B. in München sehr wenig, in manchen anderen Regionen kann man davon ganz gut leben, auch das ist zu berücksichtigen. Bzgl. Steuern s. o., es ist eben nichts als ein Mythos, dass die über dem Niveau im jetzigen System lägen.
Suppenhahn schrieb:Da muss ich dich leider enttäuschen, der Faktor "menschliche Arbeitskraft" ist in sehr vielen Branchen einer der größten Kostenfaktoren.
Genau deswegen werden Unternehmen eher dazu übergehen, Maschinen die Arbeit übernehmen zu lassen, sobald sie die Arbeit gleichwertig wie ein Mensch machen können und in Anschaffung und Unterhalt entsprechend günstig sind. Menschen sind unterm Strich "im Unterhalt" einfach teurer und ineffizienter als Maschinen, selbst wenn sie kaum was verdienen. Hatte ich vorher auch schon geschrieben. Dass Personal der größte Kostenfaktor ist, sagt also diesbezüglich gar nichts aus, im Gegenteil, es bestätigt sogar die These, dass menschliche Arbeitskraft zunehmend durch maschinelle Arbeitskraft ersetzt wird, was zu den beschriebenen Effekten führt. Momentan ist es die Digitalisierung, auf längere Sicht haben wir es dann noch mit Robotik, KI und solchen schönen Sachen zu tun, das Zeug wird dann auch zunehmend billiger, da kann der Mensch dann mit all seinen Bedürfnissen eben irgendwann als Arbeitskraft nicht mehr mithalten.




Nachdem wir die Detailfragen nun geklärt hätten nochmal zum Allgemeinen. Wie hier schon von einigen Usern geschrieben wurde, etwas wie das Grundeinkommen, in welcher Form auch immer, wird kommen, so oder so, das ist mal sicher. Die Frage ist nur, ob es kommt, bevor die Bosse am Laternenpfahl aufgeknüpft werden oder erst danach ;P

Ich habe immer immens viel Verständnis für Bedenkenträgerei, bin selber nicht gerade die Ausgeburt von überschäumender Experimentierfreude, allerdings halte ich gar nichts davon, wenn man die Augen vor Problemen verschließt, die offensichtlich sind, das kann u. U. ganz bitter enden. Und angesichts dessen alles einfach irgendwie so weiter laufen lassen, indem man sich in Illusionen versteigt, könnte man eben wiederum als äußerst wagemutiges Experiment betrachten. Beim BGE geht es tatsächlich um etwas, das im Bereich der Machbarkeit liegt und das durchaus Antworten auf einige drängende Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung im 21. Jh. bereithält.

Was "die Leute" dann mit dem BGE machen, wenn sie nur davon leben, darüber wurde hier auch schon spekuliert, ob sie nun Opern komponieren, Kindern in Afrika helfen oder den ganzen Tag Unterschichten-TV glotzen, spielt dabei keine Rolle, geht auch letztendlich niemanden etwas an. Ist ihre Sache und einen Nanny-Staat oder eine Nanny-Gesellschaft, wo auch noch darüber gewacht wird, dass die Leute was vermeintlich "sinnvolles" tun, braucht nun wirklich keine Sau. Ein nicht unwesentlicher Aspekt beim BGE ist eben auch die persönliche Freiheit und die besteht u. a. auch darin, ein "Nichtsnutz" zu sein.


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09.03.2018 um 12:25
DerKlassiker schrieb:Sicher, eine stagnierende Bevölkerung ist gerade in so einer Situation eher von Vorteil, als es eine stetig wachsende wäre, wenn wir aber bis in 30 Jahren einen erheblichen Rückgang von Arbeitsplätzen haben, der jetzt schon abzusehen ist, sollten wir dennoch besser darauf vorbereitet sein und nicht die Augen davor verschließen und uns einreden, es würden ja zigtausende neuer Jobs entstehen, danach sieht es nun mal nicht aus. Die derzeitige wundersame Vermehrung der Jobs beruht eben überwiegend auf der massiven Verbilligung, nicht auf tatsächlich neu entstandenen Tätigkeiten.
Dann kommt die Wirkung des Pillenknicks ja gerade zur richtigen Zeit. Denn die "Babyboomer" der 60er Jahre gehen so ab 2020 + allmählich in Rente, und danach kommt kaum noch Nachwuchs nach, um die vielen leerwerdenden Stellen zu füllen. Ein Verschwinden von vielen dieser Stellen würde also gar nicht negativ auffallen, Arbeiter und Stelle gehen quasi miteinander als geordneter und geplanter Schwund.
So ab 2040 geht bei den Babyboomern auch langsam das große Sterben los, wenn man die durchschnittliche Lebenserwartung von heute etwa 80 Jahren berücksichtigt. Danach sinken auch die Aufwendungen für Rente und Pflege wieder, und alles pendelt sich auf einem viel niedrigeren Niveau als zuvor ein. Mag zynisch klingen, ist aber rein rechnerisch so.


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09.03.2018 um 12:31
DerKlassiker schrieb:Genau deswegen werden Unternehmen eher dazu übergehen, Maschinen die Arbeit übernehmen zu lassen, sobald sie die Arbeit gleichwertig wie ein Mensch machen können und in Anschaffung und Unterhalt entsprechend günstig sind. Menschen sind unterm Strich "im Unterhalt" einfach teurer und ineffizienter als Maschinen, selbst wenn sie kaum was verdienen. Hatte ich vorher auch schon geschrieben. Dass Personal der größte Kostenfaktor ist, sagt also diesbezüglich gar nichts aus, im Gegenteil, es bestätigt sogar die These, dass menschliche Arbeitskraft zunehmend durch maschinelle Arbeitskraft ersetzt wird, was zu den beschriebenen Effekten führt. Momentan ist es die Digitalisierung, auf längere Sicht haben wir es dann noch mit Robotik, KI und solchen schönen Sachen zu tun, das Zeug wird dann auch zunehmend billiger, da kann der Mensch dann mit all seinen Bedürfnissen eben irgendwann als Arbeitskraft nicht mehr mithalten.
Ja klar, den Roboter möchte ich sehen, der in einer Schreinerei am Vormittag Leisten zusägt und Kundenbetreuung betreibt, am Nachmittag für die Restaurierung einiger alter Möbelstücke (Einzelstücke) Furnierteile anfertigt und vor Feierabend noch die Werkstatt fegt. Roboter sind immer nur für stupide Massenarbeit zu gebrauchen, und selbst dort müssen sie genug Leistung bringen, um ihre eigenen Kosten zu rechtfertigen und einen gewissen Überschuß zu erzielen. Denn solange der Vergleich Mensch/Maschine nur Null auf Null aufgeht, ist der Mensch wegen seiner potentiell vielfältigeren Einsatzfähigkeit die bessere Wahl.


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09.03.2018 um 12:47
DerKlassiker schrieb:Zur Frage der Finanzierung musste ich mich nochmal ein wenig in das Werk von Götz Werner vertiefen, schon eine Weile her, dass ich das gelesen habe, bei ihm ist das BGE einem Steuerfreibetrag gleichzusetzen, der ja bereits gewährt wird. Allerdings ist er auch der Auffassung, dass selbst eine Ausschüttung des Grundeinkommens an jeden Bürger keine Löcher in den Staatshaushalt reißen würde; er hat da ein Beispiel aus dem Jahr 2009, wo die Sozialausgaben 750 Mrd. betrugen, bei gleicher Verteilung auf alle wären das 9000 € pro Nase im Jahr, im Vergleich dazu waren es im Jahr 2000 7800 € gewesen. Das ganze wäre also gar nicht mal so weit von den 1000 Euro monatlich entfernt. Zieht man dann noch die Kosten für den Verwaltungsaufwand ab und bedenkt man das freiwerdende Kapital durch die ebenfalls anvisierte Abschaffung von Subventionen, eine ganz wichtige Sache, käme man da schon ganz klar in den Bereich. Darüber hinaus weist Werner zu Recht darauf hin, dass man schließlich nicht die totalen Kosten hernehmen kann, sondern lediglich den Mehraufwand im Verhältnis zum derzeitigen System. Quelle: Götz Werner & Adrienne Goehler "1000 € für jeden" (2010)
Bei solchen Rechnungen wird aber sehr kurzsichtig der psychologische Effekt vergessen. Der Mensch ist bekanntlich simpel konstruiert, und sobald mit (vermeintlich) 1000 Euro pro Monat "zusätzlich" auf die Kralle der kleinkindmäßige will-haben-will-haben- Giereffekt aktiviert wird, schaltet sich der gesunde Menschenverstand aus, der einem sagen müßte, daß dieses Geld über andere Wege wie Verbrauchssteuern wieder finanziert werden muß und sich somit am Ende jedes Monats eine Null-auf-Null-Rechnung ergeben muß - günstigstenfalls, weil nämlich auch die Wirtschaft auf nackte Gier und (scheinbar) mehr verfügbares Geld sofort reagiert und alle Preise prompt anziehen werden, zusätzlich zu Umsatz- oder anderen Konsumsteuern.
So eine rapide Teuerung, die wirtschaftlich nicht zu erklären war, nur psychologisch, hatten wir schon mal, als die DM auf den Euro umgestellt wurde in einem 2 : 1 - Modus und die Menschen mit den "scheinbar" halbierten Preisen nicht zurechtkamen, praktisch in Nullkommanix war man auf einem 1 : 1 -Verhältnis, was vorher eine DM kostete, kostete jetzt einen Euro, also real betrachtet das Doppelte. (Bei auch "halbierten" Löhnen wohlgemerkt.)

Zu vermeiden wäre dieser Effekt nur, wenn das BGE "durch die Hintertür" eingeführt würde, also nix Geld auf die Kralle, das nur die Gier weckt, sondern per Wegfall von Sanktionen gegen Hartzer, höhere Zuverdienstgrenzen für Miniverdiener, und wenn Leistungen, dann in erster Linie Sachleistungen, die nicht die Gier wecken können, weil die nur jemand annehmen will, der sich nicht aus eigener Kraft was besseres leisten kann. Ansetzen würden diese Leistungen dort, wo jeder Mensch Bedürfnisse hat, nämlich Wohnraum (über Mieten und Wohnraumknappheit in Ballungsgebieten der dringlichste Posten), Nahrung (Tafeln), Kleidung (Bekleidungskammern) und medizinische Versorgung (eine gewisse Grundversorgung pro Jahr kostenlos).


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09.03.2018 um 13:34
DerKlassiker schrieb:In der Tat, das ist bestimmt einer der wenigen Bereiche, wo es auch noch weiterhin höheren Bedarf geben dürfte, die Löhne sprechen dennoch eindeutig die übliche Sprache des Wertverlusts. Warum?
Pflegeberufe: Weil die Löhne der einzige Bereich sind, wo in der Pflege noch Einsparpotentiale gesehen werden. Pflege ist teuer und wird angesichts steigender Ansprüche immer teurer, die wenigsten Gepflegten sind in der Lage, die Kosten dafür voll selbst aufzubringen, auch die Verwandtschaft kann längst nicht immer für die Kosten herangezogen werden (entweder keine da oder zu weitläufig verwandt - außer Verwandten ersten Grades, sprich Ehegatten, Kinder, Enkel, kann man niemand für Pflegekosten abkassieren), und wenn der Staat die Differenz aus seiner Tasche zahlen muß, werden alle Leistungen minutiös abgerechnet, als überflüssiger Luxus betrachtete Leistungen einfach nicht bezahlt, sprich der Pflegeheimbetreiber muß mit dem heißen Stift rechnen um auf seine eigenen Kosten zu kommen.

Klingt zynisch und ist es auch, letztlich sind die Arbeitnehmer in der Pflege diejenigen, die aus dem eigenen Geldbeutel für die Verdienste ihrer Arbeitgeber aufkommen, denn weder dem Staat noch den Gepflegten selber noch deren Angehörigen sitzt das Geld sonderlich locker.


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Das bedingungslose Grundeinkommen

09.03.2018 um 14:08
@Der Klassiker

Auch wenn Bildhauer, Meeresbiologe und Supermodell vielleicht auch in einer postindustriellen beschäftigungswelt Bestand haben, wie viele Leute sollen das denn machen? Wir haben doch nicht ein Land voller Skulpturen und Binnenmeere. Da finden dann vielleicht 2000 Menschen Beschäftigung.

Der Tag, an dem Roboter das verstopfte Klo bei mir zu Hause richten, werde ich wohl nicht mehr erleben.

Schon heute gibt es viel weniger Beschäftigung im Bereich Fertigung - was ggf Roboter könnten - und dennoch eine sehr hohe beschäftigungsquote. Also geht es nicht mehr um die Arbeitsplätze in der Bleistiftfabrik, die sind nicht mehr sehr maßgeblich für die Gesamtbeschäftigung.

Welche Frage des 21. Jahrhunderts wird denn von einem BGE beantwortet?

Keine, die ich kenne.


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09.03.2018 um 14:39
Rao schrieb: Roboter sind immer nur für stupide Massenarbeit zu gebrauchen
Das wird sich aber in Zukunft ändern, da sich Roboter immer weiterentwickeln werden.
Man siehe nur wie hoch entwickelt die Roboter von BostonDynamic sind.


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09.03.2018 um 14:41
Rao schrieb:Dann kommt die Wirkung des Pillenknicks ja gerade zur richtigen Zeit. Denn die "Babyboomer" der 60er Jahre gehen so ab 2020 + allmählich in Rente, und danach kommt kaum noch Nachwuchs nach, um die vielen leerwerdenden Stellen zu füllen. Ein Verschwinden von vielen dieser Stellen würde also gar nicht negativ auffallen, Arbeiter und Stelle gehen quasi miteinander als geordneter und geplanter Schwund.
Im Prinzip ja, deshalb halte ich auch nicht viel vom dauernden Gerede über angebliche Probleme mit dem "demografischen Wandel". Ändert aber nichts daran, dass Maschinen Menschen die Arbeit wegnehmen, das ist nun mal der Grund ihrer Existenz. Und es werden stetig neue und optimierte erfunden und hergestellt. Mit Maschinen sind natürlich auch Computer gemeint, nur damit das klar ist.
Rao schrieb:Ja klar, den Roboter möchte ich sehen, der in einer Schreinerei am Vormittag Leisten zusägt
Rao schrieb:und vor Feierabend noch die Werkstatt fegt.
Zumindest das ist doch heute alles schon möglich. Abgesehen davon, Arbeit, auch für Menschen, wird es immer geben, es geht ja eher darum, ob sie bezahlt wird und zwar so, dass der Mensch davon auch anständig leben kann. Das ist eben immer weniger der Fall. Dazu kommt die Abhängigkeit, dass Menschen alles mögliche an Jobs annehmen müssen, teils mehrere, um überhaupt ihr Leben bestreiten zu können.
Rao schrieb:Bei solchen Rechnungen wird aber sehr kurzsichtig der psychologische Effekt vergessen. Der Mensch ist bekanntlich simpel konstruiert, und sobald mit (vermeintlich) 1000 Euro pro Monat "zusätzlich" auf die Kralle der kleinkindmäßige will-haben-will-haben- Giereffekt aktiviert wird, schaltet sich der gesunde Menschenverstand aus, der einem sagen müßte, daß dieses Geld über andere Wege wie Verbrauchssteuern wieder finanziert werden muß
Mag sein, dass es solche Leute gibt, die sich da nicht im Griff haben, ist aber deren Problem. Wenn ich aber 1000 € auf der Kralle habe, bin ich mir trotz aller möglichen psychologischen Effekte, die das auslösen könnte, durchaus bewusst, dass ich eben nicht mehr als 1000 € ausgeben kann.
Rao schrieb:Zu vermeiden wäre dieser Effekt nur, wenn das BGE "durch die Hintertür" eingeführt würde
Wenn du meinst, das könnte zum Problem werden, gut, ist aber mehr eine organisatorische Frage als eine inhaltliche. Werner schlägt ja u. a. auch vor, das BGE in Form einer Art Steuerfreibetrag einzuführen, das würde so einer "Hintertür" entsprechen.
sacredheart schrieb:Da finden dann vielleicht 2000 Menschen Beschäftigung.
Eben. Und was ist mit den anderen?
sacredheart schrieb:Welche Frage des 21. Jahrhunderts wird denn von einem BGE beantwortet?

Keine, die ich kenne.
Ich weiß ja nicht, welche davon du so kennst, ich habe jedoch vorhin schon eine ganze Menge zu den hier relevanten Fragen geschrieben.

Aber Leutz, ehrlich gesagt, bin ich es leid, jetzt andauernd auf irgendwelchen Popelkram einzugehen, der teilweise vorher schon geklärt wurde, ich wiederhole mich bereits unentwegt und am Ende streiten wir uns nur noch seitenlang über irgendwas beklopptes, am besten noch im Chatstil, darauf habe ich ehrlich gesagt keine große Lust und für andere ist das auch nicht interessant. Wer negiert, dass maschinelle Arbeit menschliche Arbeit ersetzt, soll noch mal ein Ökonomiebuch zur Hand nehmen oder, viel besser, einfach mal seinen gesunden Menschenverstand benutzen.


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09.03.2018 um 14:45
DerKlassiker schrieb:Wer negiert, dass maschinelle Arbeit menschliche Arbeit ersetzt, soll noch mal ein Ökonomiebuch zur Hand nehmen oder, viel besser, einfach mal seinen gesunden Menschenverstand benutzen.
Richtig! Ich glaube viele hier sind zu sehr in der aktuellen Gegenwart gefangen und versuchen nicht in eine unvermeidbare Zukunft zu blicken in der Roboter einen sehr großen Anteil unserer aktuellen Tätigkeiten abnehmen werden. Wie ich finde könnte das absolut ein Vorteil sein, wenn eine drohende Armut durch Grundeinkommen aufgefangen werden kann.


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09.03.2018 um 14:46
DerKlassiker schrieb:Wer negiert, dass maschinelle Arbeit menschliche Arbeit ersetzt, soll noch mal ein Ökonomiebuch zur Hand nehmen oder, viel besser, einfach mal seinen gesunden Menschenverstand benutzen.
Natürlich.

Aber trotzdem haben wir seitdem immer mehr maschinell gefertigt wird trotzdem weniger Arbeitslose als vorher.

Wie passt das zu euren Szenarien?


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09.03.2018 um 14:48
Nerok schrieb:Aber trotzdem haben wir seitdem immer mehr maschinell gefertigt wird trotzdem weniger Arbeitslose als vorher.

Wie passt das zu euren Szenarien?
Wir drehen uns eindeutig im Kreis :D


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09.03.2018 um 14:49
Es wäre schon ein großer Sprung, wenn die ganzen berufsständischen Versorgungswerke wegfielen. Alle zahlen in dieselben Kassen ein und schon hätten wir ganz neue Möglichkeiten bei Finanzierungen, bspw auch für/bei ein/em BGE


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09.03.2018 um 14:50
Wir haben aber auch immer mehr Leute die vom Verdienst ihrer Arbeit nicht mehr leben können.
Es scheint also irgendwas mit diesen tollen neuen Arbeitsstellen nicht zu stimmen.
Vielleicht wurde hier auch einfach nur der Maßstab verändert, welcher definiert was es bedeutet beschäftigt zu sein, um zum Beispiel die Ergebnisse der eigenen Arbeit zu beschönigen.
Vielleicht auch dadurch dass man absichtlicht Arbeitsplätze erhält die eigentlich nicht mehr benötigt werden ...


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