Bürgerkrieg in Syrien
22.07.2012 um 14:36
Zur Abwechslung mal wieder was der Compakt-Korrespondent schreibt, einer der wenigen die wirklich vor Ort waren:
Andrea Ricci: Der 7. Tag in Damaskus
Die Sicherheitslage in Damaskus hat sich gebessert. Deshalb habe ich heute wieder den Gang zum Internet-Cafe gewagt und bin auch mit der Armee in den Stadtbezirk Midan gefahren, der am Freitag von den Terroristenbanden vollständig gesäubert worden ist. Dort traf ich die Leute, die in den westlichen Medien derzeit die schlimmste Presse haben. Man könnte auch sagen: Ein Gespenst geht um in den westlichen Medien, das der "Shabiha". Syrischer Killertypen, die im Dienste der Regierung stehen. Sie werden als Gangster beschrieben, aufgepumpte Bodybuilder, bösartige Kriminelle im Dienste eines Regimes, dem sie die Treue bis aufs Blut halten.
"Welcome to Syria!", begrüßte mich heute einer dieser Leute bei einem Checkpoint. Kein Bodybuilder, kein Verbrechertyp, ein junger Mann in Militärhosen und Armani-T-Shirt. Wir schwatzen eine Runde, er sagt, hier im Bereich sei alles sicher. Shabiha - so nennt man im Westen die Sicherheitskräfte, die an den Kontrollpunkten ihr Leben riskieren und immer wieder Fahrzeuge stoppen, die Sprengstoff transportieren. Shabiha heißt auf Deutsch "Geist". Geister, so sagt man hier, hätten kein Herz, keine Seele. Der junge Mann mit dem AK-47 Gewehr hatte beides.
Andrea Ricci: 8. und letzter Tag in Damaskus
Die Ausreise per Auto von Damaskus nach Beirut war problemlos. Ich hatte ein Angebot von Manuel Ochsenreiter vom rechten Monatsmagazin Zuerst angenommen, der einen Fahrer aufgetrieben hatte. Mir war schon etwas bammelig, aber es gab keinerlei Zwischenfälle auf der Fahrt. Am Grenzübergang gab es zwar viel Ausreiseverkehr, aber keinesfalls die "Flüchtlingsströme", die die Westmedien berichten. Auf der libanesischen Seite warteten westliche Fernsehteams, um "Flüchtlinge" zu interviewen - und halfen mit etwas Bakschisch nach, wenn jemand sagte, er wolle nur übers Wochenende mal Verwandte im Nachbarland besuchen...
In Beirut, nach dem zweiten Arak, kamen wir zwei ins Philosophieren. Da waren also in dieser heißen Woche drei deutsche Journalisten in Damaskus, ganze drei! Ochsenreiter von der rechten Zuerst, Ricci von "Nicht links, nichts rechts, sondern vorn"-COMPACT, und Karin Leukefeld von der linken Tageszeitung junge Welt. Drei völlig unterschiedliche Ideologien, aber alle drei als Personen der Wahrheit verpflichtet. Die Kommentatoren vom Mainstream sitzen dagegen im fernen Kairo und schwadronieren über Syrien vom hohen Ross herunter... Nun muss ich erst Mal ausschlafen, meine Liebsten herzen. Ausführlicher Bericht dann in der September-Ausgabe von COMPACT.
http://www.compact-magazin.com/index.php?option=com_content&view=article&id=307:haeusle-bauer-abzocke-durch-waermedaemmung&catid=3:newsflash
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