ApexOne schrieb:Also...soll man Themen nur dann diskutieren wenn sie Parteibeschluss sind?
Sehr interessant.
Nein, ich biete dir ja an zum Thema "Männerbild" Stellung zu beziehen, wenn dich da meine Meinung interessiert. Was ich nicht kann: ein "grünes Männerbild" verteidigen, wie geschildert, sowas gibt es nicht.
Ich gehe aber größtenteils mit dem was du aus dem Manifest zitiert hast (gelesen hab ichs nicht) konform, mein "modernes" Männerbild dürfte auch bei den Grünen weiter verbreitet sein als etwa in der CSU. Wir können da also gerne drüber reden, von paxito zu apexone, von Ökokommunist zu radikal Libertären.
Und bevor wir da noch ne Schleife drehen, liefere ich dir nun einfach meine Antwort. Und versuche dabei fair zu bleiben.
Also, ich bin großgeworden mit lauter Pflegern, Lehrern, Ärzten in der Familie. Die eigene Leistung wurde weniger darin bemessen, was du verdienst, als darin was deine Arbeit der Gesellschaft bringt. Das ist hängen geblieben, ich hab ja selbst knapp 20 Jahre in der Pflege gearbeitet.
Und da wäre ich mit "deinem" Männerbild komplett auf die Schnauze geflogen.
Sprich: unsere Erfahrungen sind vermutlich von Anfang an komplett andere. Du sprichst zum Beispiel davon, dass es schädlich wäre einer Kollegin zu helfen, wenn sie es bereits selbst kann. Macht mich tendenziell fassungslos. Wenn jemand um Hilfe bittet, bekommt er sie. Punkt. Das zeichnet für mich einen "Mann" aus, als Helfer zur Stelle zu sein wenns brennt, Fels in der Brandung, Verlässlichkeit. Ganz egal ob derjenige der um Hilfe bittet das nun selbst könnte oder peng, niemand bittet um Hilfe ohne Grund.
Umgekehrt das Gleiche: Wenn ich Hilfe brauche - weil ich etwas nicht kann, gerade nicht hinbekomme oder aus welchem Grund auch immer - dann bitte ich darum. Seine Grenzen kennen, im Team spielen, korrekte Arbeit statt Stümperei. Auch das verbuche ich unter "männlich".
Du hast ein Problem damit das man als Mann Gefühle zeigt? Ich nicht. Bin keine Heulboje die durch die Welt jammert, aber wenn mich was tatsächlich berührt weine ich. Meine Emotionen sind für jeden klar erkennbar, die kommen ungefiltert durch. Und wenn ich dann tatsächlich mal heule - dann sei dir sicher, heult so ziemlich jeder um mich herum. Immer wieder schräg, aber irgendwie scheint das für die Menschen um mich herum unsäglich traurig zu sein, wenn ich mal heule. Umgekehrt aber auch, wenn ich sehr gute Laune habe scheint auch das irgendwie ansteckend. Das ist: Echt sein. Authentisch sein. Mann selbst sein. Und auch das sind für mich männliche Tugenden.
Ich denke du kannst nachvollziehen, dass ich unter den grob umrissenen Umständen wo ich herkomme und was ich gearbeitet habe eben zu so einer Ansicht gekommen bin. Und ich bin damit ziemlich zufrieden.
Vater von 3 Töchtern, schon einige Jahre glücklich verheiratet, nicht reich aber auch nicht arm. Und in meinem direkten und erweitertem Umfeld recht gut angesehen. Das funktioniert alles nur, weil ich das was da oben steht auch lebe. Hab bei meinen Töchtern jeweils ein halbes Jahr zuhause verbracht als es Säuglinge waren. Windeln gewechselt, Wäsche gewaschen, ich koche noch heute für sie. Die Carearbeit ist 50/50 geteilt. Hat dazu geführt das ich als Vater eine unglaublich enge Bindung zu meinen Töchtern habe. Hätte ich sonst nicht. Auch meine Beziehung funktioniert nur, weil sie auf Augenhöhe stattfindet und nicht mit mir als Dominator.
Wenn ich dann so lese, was deine persönlichen Erfahrungen sind - und was dich ja scheinbar massiv triggert, dass du dir dieses Manifest raussuchst und dem öffentlich in einem Forum widersprichst - tja, dann tust dir mir halt einfach leid. Klingt alles ziemlich stressig, uneins und für mich eher nach kleinem Jungen als nach echtem Mann.