sacredheart schrieb:In Sachen solidem Wirtschaften macht man keine solide Politik, die man als konservativ bezeichnen könnte, sondern hau raus die Kohle und nach mir die Sintflut.
Man kann die Schuldenaufnahme und insbesondere das Sondervermögen durchaus kritisieren. Aber ein erheblicher Teil der zusätzlichen Verschuldung ist für Infrastruktur, Verteidigung und Investitionen vorgesehen – also gerade für Bereiche, bei denen der Staat langfristig handlungsfähig bleiben bzw. die wirtschaftliche Basis stärken soll. Ob man Umfang und Finanzierung für sinnvoll hält, ist eine andere Frage. Aber daraus eine grundsätzlich nicht-konservative Wirtschaftspolitik zu machen, überzeugt mich nicht.
sacredheart schrieb:In der Gesundheitspolitik macht man keine konservative Politik, weil der Staat für Soziales weiterhin jedes Jahr die GKV Beiträge plündert, anstatt das von Steuergeld zu bezahlen.
Dass der Bund gesamtgesellschaftliche Leistungen stärker aus Steuermitteln finanzieren sollte, kann man durchaus vertreten. Aber das ist ein Argument für eine bestimmte Finanzierungsstruktur der GKV, nicht automatisch ein Beleg dafür, dass die aktuelle CDU „linke Politik“ macht.
sacredheart schrieb:Bei der Finanzierung linker NGOs, die man einstellen wollte, hat man den eigenen Fragenkatalog beerdigt und es geht heiter weiter, wir hams ja.
Bei der NGO-Förderung kann ich die Kritik eher nachvollziehen. Wenn man angekündigt hat, die Finanzierung auf politische Neutralität zu überprüfen, und den eigenen Fragenkatalog dann wieder beerdigt, kann man das durchaus kritisieren. Aber auch hier fehlt mir der Schritt von „das ist eine schlechte bzw. inkonsequente Entscheidung“ zu „das ist linke Politik“.
sacredheart schrieb:In Sachen Migration haben wir weniger Abschiebungen und mehr Einbürgerungen als im Vorjahr. Da macht man originär linke Politik.
Bei der Migration würde ich schon widersprechen. Zum einen sind „weniger Abschiebungen und mehr Einbürgerungen“ allein überhaupt kein Beleg für linke Politik. Bei den Einbürgerungen kommt noch dazu, dass die Zahlen ganz wesentlich auf der vorherigen Rechtslage und bereits laufenden Verfahren beruhen. Die aktuelle Bundesregierung kann diese Zahl also nicht einfach als Ergebnis ihrer eigenen Migrationspolitik verbuchen.
Und zum anderen hat die aktuelle Bundesregierung gerade in der Migrationspolitik eine ganze Reihe von Verschärfungen vorgenommen bzw. beschlossen: etwa die Verschärfung der Grenzkontrollen, die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte, die Abschaffung der Einbürgerung nach drei Jahren und weitere Maßnahmen zur Erleichterung von Rückführungen.
Wenn man die aktuelle Migrationspolitik der CDU als „originär links“ bezeichnet, müsste man deshalb schon konkrete Maßnahmen benennen. Die bloße Entwicklung von Einbürgerungs- oder Abschiebezahlen reicht dafür jedenfalls nicht.
sacredheart schrieb:Das Gleichstellungsgesetz mit den voraussehbaren Schwächen besteht unverändert weiter, siehe Causa Liebig.
Wenn mit der „Causa Liebig“ das SBGG gemeint ist, kann ich den Kritikpunkt nachvollziehen: Die CDU hat das Gesetz im Wahlkampf deutlich kritisiert und bisher keine Änderung durchgesetzt. Aber auch daraus folgt für mich nicht, dass die aktuelle CDU deshalb „linke Politik“ macht. Das ist eher ein Argument dafür, dass sie ihre angekündigten Änderungen bisher nicht umgesetzt hat.
sacredheart schrieb:Man hat das Bürgergeld im Prinzip nur umbenannt. Alle anderen Pläne sind in der untersten Schublade gelandet.
Beim Bürgergeld würde ich ebenfalls widersprechen. Es wurde zwar umbenannt, aber eben nicht nur. Mit der neuen Grundsicherung wurden unter anderem der Vermittlungsvorrang gestärkt, Mitwirkungspflichten verschärft und die Konsequenzen bei Pflichtverletzungen ausgeweitet. Auch beim Schonvermögen und bei der Karenzzeit wurden Änderungen vorgenommen. Man kann durchaus kritisieren, dass die Reform nicht weit genug geht – aber „im Prinzip nur umbenannt“ wird den tatsächlichen Änderungen nicht gerecht.
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Insgesamt sehe ich hier bisher vor allem Beispiele dafür, dass die CDU aus der Sicht einiger nicht weit genug nach rechts geht. Das ist eine legitime politische Bewertung – aber eben nicht dasselbe wie der Nachweis, dass sie linke Politik macht.