ApexOne schrieb:Die Politik erklärt dem Bürger alles so dass man es versteht:
- Kein Euro fehlt in den Sozialkassen wegen Ukraine während Beiträge steigen. Es ist zwar richtig, aber wegen einem Taschenspieler Tricks weil das Geld zu 100% Schulden sind. Und Schulden zahlt man aus dem Haushalt zurück. Wird dieses Geld nicht fehlen?
1. Verstehen es die Bürger, mehrheitlich. Dass es im Osten anders aussieht, liegt nicht an mangelnder Erklärung, sondern an ... ach, ich bin es leid, über den Osten zu reden. Schon oft genug gemacht, hier, auch Gründe genannt.
2. Ungenau. Letztlich stimmt daran nur, bzw. zustimmen würde ich da nur per Umformulierung: Die Zeitenwende wird endgültig eine ernste sein, dann wenn die Verteidigungsaufgaben aus dem normalen Haushalt gestemmt werden. Aber da ist D noch nicht, momentan ist die Republick am Aufholen, Versäumnisse, die bis in die Merkel Ära zurückreichen (ja, ich weiß Mutti sagt da immer, aber ich wollte ja, aber die SPD, bla bla ... auch darüber bin ich leid zu reden, es ermüdet nur noch), in 5-10 Jahren sollte Deutschland so weit sein. Ein Versäumnis ...
3. könnte sein, dass der Bevölkerung nicht so recht klar ist, was da seit der Regierung Merz schon alles passiert ist, in Sachen Fähigkeiten-Aufbau. Frank Sauer hatte darüber letzt gesprochen (iwo verlinkt) und schätzt das auch so ein, es passiert eine Menge und er ist da sehr optimistisch, vieles läuft schneller, als er selbst erwartet hatte. Dass die Regierung dahingehend wenig oder nicht alles publiziert, hat allerdings auch mit verteidigungs-strategischen Gründen zu tun.
4. Hier wird die Chose noch mal ganz gut erklärt, die Chose mit dem Geld.
Auch der Wirtschaftsforscher Johannes Marzian vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) ordnet die direkten Hilfen ein: Über die vier Jahre von 2022 bis 2026 seien knapp 30 Milliarden Euro direkt an die Ukraine geflossen. Das entspreche rund 0,86 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 2021.
Zum Vergleich: Allein die jährlichen Pensionszuschüsse des Bundes machen laut Marzian knapp zwei Prozent des BIP aus - mehr als doppelt so viel wie die gesamte Ukraine-Hilfe über vier Jahre.
Geht die Ukraine-Hilfe zulasten von Schulen und Sozialem?
Sahra Wagenknechts Aussage zu dem schwarzen Loch der Ukraine, in dem die "Abermilliarden" versenkt würden, impliziert direkt, dass dieses Geld deshalb an anderen Stellen fehle.
Diese Verknüpfung weisen sowohl die Osteuropa-Expertin Gwendolyn Sasse vom Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) als auch Ökonom Marzian entschieden zurück. Sasse nennt die Aussage im ZDF-Interview eine "Falschaussage":
Der Bundeshaushalt trennt die Ausgaben, und die Ausgaben für die Unterstützung der Ukraine kommen entweder aus dem Militärhaushalt oder sie unterliegen der Bereichsausnahme. Das heißt, hier werden keine Mittel verbraucht, die eigentlich für Schulen oder andere innenpolitische Themen zu benutzen wären.
„
Gwendolyn Sasse, Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS)
Die "Bereichsausnahme" ist der zentrale technische Punkt, den auch Mölling betont: Selbst wenn Deutschland die Ukraine-Hilfe komplett einstellen würde, könnte das freiwerdende Geld gar nicht automatisch in Bildung oder Soziales fließen. "Man kann das Geld, das zurzeit in Verteidigung fließt, nicht in irgendeinen anderen Bereich umschichten", so Mölling. Der Verteidigungsbereich sei von der Schuldenbremse ausgenommen:
Ich kann entweder in Verteidigung investieren oder ich kann es sein lassen. Ich kann aber nicht das, was ich nicht in Verteidigung stecke, deswegen in Sozialkosten stecken.
„
Christian Mölling, Direktor des Thinktanks EDINA
Diese Einschätzung deckt sich mit der Einordnung von Journalist Robin Alexander bei "maybrit illner":
Keine Rentenmarke, kein Renteneuro fließt weniger wegen der Ukraine, keine Sozialhilfe wird gekürzt wegen der Ukraine-Hilfe. Man kann die Ukraine-Hilfe kritisieren, aber sie geht in die Verschuldung. Sie wird nicht bei den Sozialausgaben eingespart.
„
Robin Alexander, Journalist und Podcaster
Quelle:
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/faktencheck-ukraine-hilfe-rente-sozialausgaben-100.htmlWie Mölling sagt, entweder in Verteidigung investieren - oder es sein lassen.
Interessant da auch die Guns vs. Butter Frage, von Marzian, historisch betrachtet. Wichtiger freilich noch:
5. Was Mölling da auch noch sagt.
Was würde ein Ende der Hilfe bedeuten?
Sowohl AfD als auch BSW fordern ein Ende der militärischen Unterstützung: Chrupalla mit dem Argument, es sei "nicht unser Krieg", Wagenknecht mit der Aussage, endlose Waffenlieferungen verlängerten nur "das schreckliche Sterben".
Mölling warnt in diesem Zusammenhang vor den sicherheitspolitischen Folgen eines Rückzugs: Fiele die Ukraine, würden viele Menschen aus dem Land fliehen, die nicht unter russischer Herrschaft leben wollten und russische Kräfte rückten näher an die Nato-Grenze heran. "Das heißt, wir haben ein neues Sicherheitsproblem und keinen Puffer mehr dazwischen." Zugespitzt formuliert er:
Wenn man es ganz unpathetisch sieht, dann bezahlen wir zurzeit die Ukraine dafür, dass sie Sicherheitsprobleme löst, die wir sonst lösen müssten.
„
Christian Mölling, Direktor des Thinktanks EDINA
Quelle:
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/faktencheck-ukraine-hilfe-rente-sozialausgaben-100.htmlEs tut weh, dass so viele das nicht verstehen (es wurde oft genug erklärt, auch von der Regierung). Und die Mehrheit (jedenfalls im Westen) versteht es.
Ich kann dir auch noch
6. ein Buch empfehlen.
Der junge Historiker Tim Bouverie erzählt die Geschichte der britischen „Appeasement“-Politik gegenüber Hitler und den Nationalsozialisten so packend und lebhaft wie eine Streaming-Serie.
Quelle:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/tim-bouverie-mit-hitler-reden-die-uebersehenen-alarmsignale-100.htmlWillst du, dass D dieselben Diskussionen über Rüstung und Gefährdung und den Sozialstaat führt wie GB 1933-38?
Was wenn China gegen Taiwan in den Ring steigt und Russland Europa auch außerhalb der Ukraine angreift? (Zweiteres käme im Zweifel davor, das sieht Mark Rutte auch so, damit so die Europäer schon mal gebunden wären.) Beides haben wir noch nicht. Und Beides kann auch noch verhindert werden.
Ich jedenfalls bin froh, dass da ein Kanzler (Merz) das richtig einschätzt und sieht, die Risiken und Gefahren, auch historisch. (Bei OS hatte ich da stets so meine Zweifel.)
So. Ende.