canisrex schrieb:Der Mann sah wohl eher in etwa so aus, mein Täubchen:
Viel Du noch lernen mußt, mein junger [wasauchimmer]untermschuh.
Dieses Bild geistert nun schon seit ungefähr der Jahrtausendwende durchs Netz, als "so hat Jesus ausgesehen". Nein. So hat ein jüdischer Bauer zur Zeit Jesu ausgesehen, dessen Schädel ausgebuddelt und dann lebendrekonstruiert wurde (ich glaub, das war damals im Auftrag der BBC). Aber es gibt halt zahlreiche einfach Gestrickte (den Verfasser der Originalstudie inbegriffen), die meinen, dann müssen gefälligst alle männlichen Juden damals so ausgesehen haben. Naja, was will man machen...
Echt, alle Deutsche haben nen Schädel wie der Merz. Jedenfalls wenn in 2000 Jahren mal einer den Merz-Schädel ausbuddelt, rekonstruiert und damit zeigen will, wie der Kanzler der Deutschen Einheit, Helmut Kohl, ausgesehen haben muß. Gaaanz anders als all diese falschen Kohldarstellungen mit dem Birnenkopf. Überzeugend - für bestimmte Leute...
Das gefeierte „Negativ“ von Secondo Pia zeigt den Mann auf dem Tuch mit weißen Haaren und weißem Bart.
Und ich dachte schon, es geht nicht dümmer. Wer bittschön ging je von einer Wiedergabe von Farben, Helligkeiten odgl. auf dem Tuch aus?
Ich zitier mich mal von hier ausm Thread von vor gut 10 1/2 Jahren:
perttivalkonen schrieb am 12.05.2015:die unterschiedliche Helligkeit steht quasi für den Abstand der unter dem Tuch befindlichen Körperpartie zu eben dem darüberbefindlichen Tuch. Dunkel (im Fotonegativ hell) steht für direkten Kontakt, hell für größere Distanz.
Wassn Schrott, die Tuchfarbe mit der Haarfarbe in Bezug zu stellen!
Die Darstellung des leidenden Christus entspricht exakt den künstlerischen Ausdrucksformen des 14. Jahrhunderts – einschließlich der über den Genitalien gefalteten Hände, ein Zugeständnis der Künstler an das Schamempfinden ihrer Epoche.
Quelle:
https://skeptix.org/2026/01/20/avvolti-das-turiner-grabtuch-digital-inspizieren-mit-ziemlich-eindeutigem-ergebnis/Die künstlerischen Ausdrucksformen für Jesus wurden in der ausgehenden Antike vereinheitlicht, und zwar in Anlehnung an eine Jesusdarstellung, die man damals als
Acheiropoieton bezeichnete, die Darstellung des Konterfeis Christi auf einem Tuch, zuweilen auch Schweißtuch Christi genannt oder vera ikon. Das ist ja gerade die Vermutung, daß das Grabtuch von Turin eben jenes antike Tuch mit dem Antlitz ist, welches damals dann das Christusaussehen in der bildlichen Darstellung vereinheitlichte.
Naja, und was das Bedecken der Scham betrifft, so war dies ebenfalls in Alt-Israel wie im späteren Judentum gebräuchlich. Hier mal eine Anweisung für Priester aus 2.Mose20,26 (wenige Verse direkt hinter den Zehn Geboten):
Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, damit nicht deine Blösse an ihm aufgedeckt wird.
Die Sache ist nämlich die, daß der Priesterschurz nur bis knapp an die Knie reichte, und Unterhosen gabs noch nicht. Beim Treppensteigen hätts Gebamsel rauslugen können, also darfs für die Priester keine Treppenstufen vorm Altar des HERRN geben. Selbst die Seraphim in der Vision des Jesaja, die vor dem Thron Gottes stehen und das Dreimalheilig singen, selbst die müssen zwei ihrer drei Paar Flügel verwenden, um sich mit dem einen die Augen zuzuhalten (weil man nicht Gottes Antlitz anschauen und das überleben kann) und mit dem anderen das Gemächt zu verdecken (Jesaja6,2)*.
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SpoilerOK, da ist wörlich vom "Bedecken der Füße" die Rede. Aber nur, weil man aus Schamempfinden nicht mal "Pillermann" sagte. Mann sprach von den Füßen, wenn man den Schwanz meinte. So versteckt sich David auf der Flucht vor Saul in einer Höhle, und der nachjagende Saul geht prompt in diese Höhle, um sich dort vor seinen Getreuen geschützt zu erleichtern (1.Samuel24,4). Auch da ist wieder vom "Bedecken der Füße" die Rede statt vom vor den Blicken der anderen verborgenen Herausholen des Pimmels. So sindse halt, der Lümmel muß bedeckt sein, der darf nicht frei rumliegen.Also würd ich mal sagen, was hier als Hinweis aufs Mittelalter vorgebracht wird, paßt genauso gut als Hinweis auf die Zeit Jesu.