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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

209 Beiträge, Schlüsselwörter: Jesus, Genie, Nietzsche, Idiot, Sokrates
Warhead
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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 06:29
Ausug aus: "Genie, Irrsinn und Ruhm";
Prof. W. Lange-Eichbaum, 1928,
fortlaufend aktualisiert durch seine Schüler / Nachfolger,
letzte aktualisierte Ausgabe: 2000



Das Gesamtbild, das wir nie aus dem Auge verlieren dürfen, zeigt uns einen einfachen, ungebildeten, aber bibelfesten Handwerker, der noch tiefer als seine Zeitgenossen in ein abergläubisches, archaisch denkendes Milieu eingebettet ist. Dieser Mann erscheint in der Geschichte als Anhänger von Johannes dem Täufer, den viele für dämonbesessen hielten, den er selbst aber für den wiedergekommenen Elias ansah; dieses Wiederkommen sollte das Weltende ankündigen. Alte Prophezeiungen bezieht er auf sich selbst; er fühlt sich berufen zum Menschensohn und kommenden Messias, zum Herrscher und Weltenrichter im Reiche der Herrlichkeit und handelt danach. Einzelne ekstatische Erlebnisse mit Visionen und Stimmen haben ihm die Erleuchtung und Berufung, die Begnadung angekündigt. Wir sehen diesen Mann fast ausschließlich in einem Zustande von hochfahrender Reizbarkeit und starker Egozentrizität.

Seiner Familie, auch der Mutter, steht er fremd, ablehnend, sogar schroff gegenüber. Sein Leben kennt keine Frauenliebe; Geschlechtslosigkeit preist er als Ideal. Die Seinen und seine Genossen halten ihn für verändert gegen früher und nehmen Anstoß an seinen Reden. Man nennt ihn "von Sinnen", dämonbesessen. Aber er bleibt teils eindrucksvoll, zum Staunen, teils undurchsichtig, geheimnisvoll, ein Rätsel für seine Umgebung. Eine Wolke von Heimlichkeit und Unheimlichkeit schwebt um ihn. Er spricht dunkel, er verhüllt absichtlich. Menschen und Welt kommen ihm zeitweise unheildrohend vor; das Weltende naht, Verfolgungen stehen bevor. Die Dämonischen muß man fürchten; sie sollen schweigen.

Unruhiges Umherwandern, unstete, arbeitsfremde Lebensweise. Scheues Entweichen bei Nacht. Unheimliches Leiden wird kommen, muß sein; der eigene Tod muß sein, denn sonst kommt das Reich nicht, das Messiastum nicht. Leidensbereitschaft und doch angstvolles Zittern davor. Traumhaft gleitet das Leben dieses Mannes dem Abgrund zu. Todesbereit, denn der Tod gibt die göttliche Messiaswürde, das Weltrichtertum. In gewaltiger Erregung klingt das Leben aus: Einzug in die Hauptstadt, Drohreden, Tempelaustreibung, alles ohne Ziel und Vernunft für diese irdische Welt. Endlich fällt die Maske. Ich bin der Messias! Ich bin ein Gott. Ans Kreuz mit dem Lästerer! Pilatus zwar: Ecce homo - das da? Doch nur ein Mensch wie wir, ein Armseliger, kein König, kein Gott. Gerade deswegen ans Kreuz mit ihm, heult die Menge. Der rohe, aber gesunde Menschenverstand der römischen Soldaten kostümierte den Armen, der König der Juden und Messias sein wollte, brutal und hart als Narrenkönig im Purpurmantel. Und er stirbt mit einem Wort reizbarer Ungeduld, warum ihn sein Gott verlassen und noch nicht endlich zum Messias gemacht.

Das Rätselvoll-Meteorhafte dieses Lebens erscheint auch schon in der Geographie des Auftretens: im Sommer weg aus der Heimatstadt Nazareth, weil er dort sogleich Anstoß erregte - dann zum See Genezareth und seinen Dörfern - im Herbst Entweichen nach dem Norden, nach Phönizien, bis über den Winter - dann im Frühling Zug nach Jerusalem, auf dem östlichen Jordanufer, unter Umgehung des gefährlichen Samaria - Einzug in Jerusalem und Ende. Im ganzen ein Hin- und Herflackern und Verlöschen. - Vom Einzug in Jerusalem an bis zum Kreuzestod ist fast alles als historisch anzusehen, wie es Markus berichtet.

Als Belege für das Expansive und die Größenvorstellungen kommen bei Markus folgende Stellen in Betracht (Neues Testament, Übersetzung von Weizsäcker, Ausg. A, 10. Aufl., Mohr, Tübingen 1922 - Novum Testamentum graece et germanice. E. Nestle, 11. Aufl., Stuttgart 1921). 1, 10-12 (Berufung). 1, 22 (das Expansiv-Hochfahrende, mit "Vollmacht"). 2, 5-12 (Sündenvergebung - Anmaßung göttlicher Rechte als Sohn des Menschen; ähnlich Matthäus 9, 2, auch Lukas 5, 20-24, 7, 48-49). 2, 28 (Sohn des Menschen, Herr Über Sabbat). 3, 21 (von Sinnen; Beelzebub). 8, 29-38 (Christus, Sohn des Menschen). 9, 12 (Sohn des Menschen). 9, 31 (Sohn des Menschen). 9, 37 (mich gesandt hat). 10, 29 (um meinetwillen). 10, 33 (Sohn des Menschen). 11, 15-18 (Austreibung aus dem Tempel; Erstaunen im Volk 12, 6 ("einzigen geliebten Sohn"). 13, 1-2 (Tempelabbrechen; ist nur Weltuntergang gemeint ? Oder aktive Größenidee ? aus Ressentiment ?). 14, 21 (Menschensohn). 14, 61-65 (bin Messias). 14, 60 und 15, 4 (auch Matthäus 26, 62 und 27, 14): antwortet dem Hohenpriester und Pilatus nicht. Hochmut ? Göttlichkeitsbewußtsein ? 15, 23 (schlug Betäubung aus, wollte Reich Gottes erleben).


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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 06:30
Für Größenbewußtsein spricht bei Matthäus: 4,16-17 (Berufung). 7,29 (Vollmacht). 8, 20 (Menschensohn). 8, 22 (Vater begraben ? folge mir). 8 26 (schilt Wind und Wellen). 9, 15 ("Bräutigam", d. h. Hauptperson). 9, 34 (Pharisäer: oberster der Dämonen). 10, 25 und 12, 40 und 13, 37 und 17, 9 (Sohn des Menschen). 12, 8 (Sohn des Menschen, Herr über Sabbat). 16, 16 (bin Christus; sagt es aber niemand). 16, 28 (Sohn des Menschen). 19, 28 (Weltrichter). 21, 4 (Beziehungsideen - Füllen). 21, 12 (Austreibung aus dem Tempel). 21, 19 (Fluch über Feigenbaum). 22, 13 (Ausstoßen, weil ohne Hochzeitskleid). 24, 2 (Tempel soll abgebrochen werden). 24, 27-44 (Sohn des Menschen, auf Wolken des Himmels). 25, 31 (Sohn des Menschen). 26, 24 (Sohn des Menschen, wie von ihm geschrieben steht). 26, 53 (Zwölf Legionen Engel). 26, 64 (bin der Messias). 27, 11 (König der Juden).

Als Belege für die Unheimlichkeitsstimmung (teils Verfolgungsideen, teils unbestimmtes Ahnen von Unheil, teils Gefühl, leiden oder sterben zu müssen) können folgende Stellen bei Markus dienen: 1, 35 (heimliches Entweichen bei Nacht, ohne zurück zu wollen). 1, 45 (einsame Orte). 3, 12 (will geheim bleiben, nicht Sohn Gottes genannt werden). 7, 24 (will verborgen bleiben). 9, 30 und 10, 33 (Menschensohn wird getötet werden). 10, 45 und 14, 24 (Leben zum Lösegeld für viele). 11, 19 (abends immer aus Jerusalem heraus). 14, 25 (nicht wieder Wein trinken - Weltende naht). 14, 33 (Zittern und Zagen in Getliseinane). Bei Matthäus: 10, 21-22 (Weltuntergangsstimmung). 16,21 (man muß leiden als Christus). 17, 22 (Sohn des Menschen wird getötet werden). 20, 18-19 (Sohn des Menschen wird verurteilt und gekreuzigt werden) [spätere Einschiebungen ?]. 20, 28 (Leben geben als Lösegeld). 26, 2 (Sohn des Menschen ausgeliefert zur Kreuzigung). 26, 27 (Gethsemane). Mit Vorsicht heranzuziehen ist auch Johannes 7, 20 (wollte mich töten, haßt den Dämon). Ferner bedeutsam die Angst vor dem Dämonischen: 1, 24-25 und 3, 11-12 und 5, 19.

Eng verflochten mit dieser Unheimlichkeitsstimmung, teilweise aus ihr gewachsen, ist seine Geheimnistuerei. Einige Belege noch aus Markus: 4, 10-1.2 und 4, 34 (Geheimnis des Reiches Gottes; Gleichnisse sollen verhüllen). 5, 43 (niemand soll von Jairi Töchterlein und ihrer Heilung erfahren). 8, 30 f. (Messias und Leiden soll geheim bleiben). 9, 10 und 10, 32 (unverständlich für die Jünger: überwältigt 11, 33 (will Vollmacht nicht nennen). Beleg aus Matthäus: 16, 16 (Christus; niemand soll es wissen).

Ungemein wichtig ist der Umstand, daß mit Jesus eine Veränderung gegen früher vor sich gegangen war, als er begann, öffentlich aufzutreten. Dies bezeugt Markus 6, 1--6 und Matthäus 13, 54-58. Man nimmt Anstoß an ihm in seiner Vaterstadt und glaubt nicht an ihn (bei Lukas bis zum Steinigen-Wollen transformiert und gesteigert; auch Markus 3, 21-30). Jesus ist keineswegs ruhig und selbstsicher, sondern sehr gereizt bis zum Verfluchen, wenn man ihm unreinen Geist vorwirft.

Die Persönlichkeit während der Psychose (wir kennen sie nur in ihr) wird überhaupt durch hochfahrende Reizbarkeit und durch Ichsucht besonders gekennzeichnet. Ichsucht nicht als Egoismus (für sich etwas haben zu wollen), sondern als Egozentrizität. Autismus (sich als Mittelpunkt fühlen, nur die eigene Welt kennen).

Für seine Reizbarkeit und sein übersteigertes Selbstgefühl (wir meinen hier also nicht die ausgesprochenen psychotischen Größenideen) sprechen die Stellen bei Markus: 1, 43 (fuhr ihn an). 5, 5 (Zorn). 5, 39 (schilt den Wind). 7, 27 (Fremde sind Hunde). 9, 42 (wer Gläubige ärgert: Mühlstein). 11, 12 (Verfluchung des Feigenbaums). 11, 15 (Tempelaustreibung). Bei Matthäus die Stellen: 9, 30 (fuhr sie an). 11, 30 (Fluch über ungläubige Städte). 12, 34 (Otternbrut). 16, 27 (Heiden sind Hunde). 23 (Zorn gegen Pharisäer). 25, 30 (wer nicht mit Talent wuchert, in die Hölle). Was nicht mit ihm ist, wird verflucht. Er liebt alles, was unter ihm steht, was sein Ich nicht demütigt: die einfachen Jünger, die Kindlein, die Schwachen, die Armen, die Kranken, die Zöllner und Sünder, die Mörder und Dirnen. Dagegen droht er allem, was anerkannt, mächtig, reich ist - deutliche Ressentiment-Stimmung. Dabei aber alles kindlich-autistisch, naiv, traumhaft. Für diesen weltfremden Autismus sprechen die Stellen: Markus 3, 33 und Matthäus 12, 48 (wer ist meine 'Mutter), Matthäus 8, 22 (Vater nicht begraben) und viele Stellen aus der Bergpredigt ,Matthäus 5-7.

Zum Grundstock der Persönlichkeit gehört nun noch ein Zug, der ganz deutlich herausfühlbar ist: Jesus war auch geschlechtlich ein abnormer Mensch. Dafür sprechen, außer seinem ganzen Lebenslauf, die Stellen Matthäus 19, 12 (das Eunuchen-Ideal), Markus 12,25 und Matthäus 22,30 (im Himmel wird nicht gefreit; Asexualität als Wunschtraum), sodann Markus 9, 43 und Matthäus 5, 29 sowie Matthäus 18, 8 (das Abhauen des Gliedes, das einen ärgert -gemeint sind gewiß nicht Hand und Fuß und Auge). Hier kann demnach sexuelle Triebschwäche vorgelegen haben wie fast bei allen Paranoischen (BLEULER). Oder abnorme Triebstärke bei inneren Hemmungen, jedenfalls Triebunsicherheit (vgl. KRFTSCHMER). Manches könnte auch als homosexuelle Ader gedeutet werden, rein psychisch verstanden, unbewußt.

Damit sind wir schon bei Zügen der ursprünglichen Persönlichkeit angelangt. Diese kennen wir der Kunde nach nicht, sondern müssen sie erschließen. Man geht gewiß nicht fehl, wenn man sich Jesus in seiner angeborenen Konstitution als einen extrem schizoiden Psychopathen vorstellt: überempfindlich, reizbar, ausfallend, zwischen autistischem Traumdenken und Rühr-mich-nicht-an einerseits und pathetischem Welt-Ich-Gegensatz hin und her pendelnd.

Mangel an Wirklichkeitsfreude, tiefer Ernst, Humorlosigkeit, Überwiegen des Depressiven, Verstimmten, Gespannten; kühl gegen andere, sofern sie seinem Ich nicht schmeicheln, kühl gegen die Mutter und Familie. Unausgeglichenheit: bald weich und ängstlich, bald gewaltsame Zornexplosionen, affektive Maßlosigkeit.

Grübler über Büchern, ohne Arbeitsfreude, voll innerer Unruhe. Die fanatische Unduldsamkeit des Schizoiden* gegen die Andersgläubigen. Dabei war er, nach antiken und modernen Begriffen, wissenschaftlich oder philosophisch fast ganz ungebildet, wie Binet-Sang ausführlich nachweist; er verfügte jedoch über ein gutes Gedächtnis und war ein visueller Typus, wie aus seinen Gleichnissen hervorgeht. Binet-Sangli betont den Mangel an Schöpferischem. Aber eine gewisse Phantasiebegabung, Beredsamkeit, Fähigkeit zu bildhaft-symbolischem Denken und Ausdruck wird man immerhin annehmen müssen.

Alles in allem: ein zwiespältiger, neurotisch gespannter Charakter, innerlich zerrissen und disharmonisch. Wie bei allen paranoischen Anlagen erhebt sich auch hier die Frage: Welcher Zug war konstitutionell der primäre? Das gesteigerte Selbstgefühl? Oder das Gefühl von Ohnmacht und Schwäche? Wir glauben, daß das Expansive primär war; daraus dann Konflikte mit sich selbst und mit der Umgebung, die beide das gesteigerte Ichgefühl herabgesetzt haben könnten. Also Selbstvorwürfe und Demütigungen. Und daraufhin dann wieder Überkompensation, Übersteigerung des Ich-Bewußtseins, der Ich-Darstellung vor sich selbst.

Nach Masturbation und Selbstniederlagen, die dem expansiven Stolz widerstritten, dann das Ideal der Geschlechtslosigkeit. Auch Selbstkastration zu Beginn der Psychose anzunehmen, wäre durchaus keine unbegründete oder gewagte Hypothese; nämlich gerade auf altjüdisch-apokalyptischen Vorstellungen fußend.

Was von den Halluzinationen im einzelnen zu halten ist, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Auch nicht, ob dem Mythus von der Taufe im Jordan und der Wüsten-Versuchung vielleicht doch Visionen, Erleuchtungs- oder Begnadungserlebnisse zugrunde liegen. Einzug in Jerusalem zweifellos das Ergebnis gesteigerter Erregung; Jesus steht psychotisch in Flammen. Auch für Laien und sogar Theologen hat dieser Einzug etwas Peinliches, Unsinniges. BINETSANC zitiert MICHON, I: "Un catholique, l'abbie Michon, s'est efforce de montrer que cette tentative de coup d'etat ne pouvait Atre que d'un fou ou l'oeuvre d'un Dieu." HIRSCH nennt die Szene auf dem Esel "absurd und lächerlich"; auch SCHWEITZER findet sie peinlich. Nur um die Messiasweissagung aus Sacharja IX, 9 zu erfüllen, und auch nur insgeheim für sich selbst und die jünger. Nirgends zeigt sich das Planlose, Ziellose des Psychotischen deutlicher als in Jerusalem; es fehlt in seinem Handeln jegliche Logik.

Was will Jesus eigentlich ? Es zerrt ihn bald dahin, bald dorthin. Weltliche Macht ? ja und nein. Messiasanspruch ? ja und nein. Herausforderung und Sterbenwollen ? Nein und ja.

Ein weiteres Problem: Warum antwortet Jesus weder dem Hohenpriester noch dem Pilatus? Hochmut und Größenidee? Todessehnsucht und Herausforderung des Leidens? Ungeduldige Erwartung des Reiches? Oder feindselige Stimmung und Trotz? Auch Affektstupor aus Ängstlichkeit kommt bei dem Kranken sehr in Frage, der aus seinen Träumen heraus plötzlich mit dem Staats- und Gruppenwillen hart zusammenprallt und aufschreckt.

In Jesus kämpfen ganz deutlich zwei Tendenzen: die biologische Todessehnsucht und die biologische Todesangst (Gethsemane), das Gefühl, "mein Ich muß sterben", und die Angst, nur nicht leiden. Ich-Untergangsgefühl, hinausprojiziert als Weltuntergangsgefühl, Opferidee, Größenwunsch und Messiastraum verschmelzen in eigenartiger Weise zu dem Schicksalsgefühl: du mußt dich opfern. Es zwingt ihn, ihm selber unheimlich, nach Jerusalem.

Die Diagnose paranoische Psychose - das muß uns genügen.

Vielleicht echte Paranoia, vielleicht auch Schizophrenie, noch ohne Zerfall, in der Form einer Paraphrenie*. Beginnende Schizophrenie wäre ebenfalls stark zu erwägen. Der Zug der Größenidee ins Metaphysische, Unirdische könnte dafür sprechen (EYRICH), ebenso die Stärke der Weltuntergangsgefühle, vielleicht auch noch das starke Befremden der Jünger, das Nicht-Einfühlbare an Jesus, das öfters auftaucht; doch könnte dies ebenso für das Psychotische allgemein gelten. Wenn man Schizophrenie annähme, so hätte eine zyklothyme* Konstitutionskomponente (erkennbar im Hypomanischen) vor raschem Zerfall bewahrt.


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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 08:29
Sigismundo u. para Interpetieren mal wieder dinge in Nitsche und Jesus hinein die garnicht zu deren Inhalt passen, ausser in den Inhalt ihrer fehlgeleiteten Köpfe


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rockandroll
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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 12:42
Warhead,

Genie und Wahnsinn liegen nun mal nahe beieinander, ich möchte sogar soweit gehen, und behaupten sie sind kongruent.

Extreme Zeiten/Situationen erfordern aussergewöhnliche und zum Teil auch extreme Entscheidungen, um ihrer Herr zu werden.

So muss man sich eben keineswegs wundern, dass im Krieg und im Chaos ein eifacher "ungebildeter" Handwerker, der zum Frieden und zur Ordnung aufruft, und auch noch sein Leben dafür hingibt, zum Helden von vielen Nachfogegenerationen wird.

Es ist bei Weitem nicht so wichtig was er tatsächlich war, und wie wir ihn heute sehen mögen. Wichtiger, finde ich, sind seine Taten im Kontext zum Zeitgeschehen, und was sie letztenendes bewirkten.


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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 12:53
@esperanto:

Da kann ich Dir nur beipflichten.
Nietzsches Zarathustra, den er auch seines Geistes Kind nennt, ist ebenso ein Anitheld und ich kann mir absolut vorstellen, dass Nietzsche sehr wohl durch die Gestalt des Jeshuha Nazarethi inspiriert gewesen war.
Vor Menschen wie Thomasius Morus, der ja sogar ein naher Berater des "glorreichen" *ironisch* Henry V war, sollte man ebenso Respekt haben, wie auch vor einem Pelagius, Giordano Bruno oder Allen, die für ihre Idee der Menschlichkeit auf den Scheiterhaufen, das Schafott, vor den Henker oder das Erschiessungskommando getreten sind. Ganz gleich welchen Glaubens.
Jedoch muss ein Unglauben an eine Form der Existenz nach dem Tode nicht zwangläufig zu Egoismus führen, denn wenn man sich bewußt macht, dass man nur einen Versuch hat ein glückliches, erfülltes Leben, im Miteinander mit seinen Nachbarn zuleben und danach trachtet, wird dies wohl kaum zu einem Egoismus führen.

Es ist immer einfach zu verurteilen. Schwer ist es jedoch sich an seine eigene Nase zu packen und seine eigenen Schwächen zu bekämpfen oder gar anderen das Recht zu zugestehen, diese Schwächen zu bemerken. Deshalb halte ich es beispielsweise für fraglich sich eine Figur zu suchen, die für die eigenen Sünden büßt oder gebüßt hat.
Einen Sündenbock.

*Sarkasmus Modus ein*

Interessanterweise scheint es im Chistentum verankert zusein, Juden als Sündenböcke herzunehmen.

*Sarkasumus Modus aus*

Dieses Sündenbock-Verhalten führt erst recht zu einem Egoismus, da ja jemand anderes für die Sünden, die man begeht, büßt oder gebüßt hat, braucht man sich ja um die Konsequenzen seines Tuns und Machens keine Sorgen mehr zu machen.


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rockandroll
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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 14:05
sigismundo,
Sigismundo schrieb:wieso kafka? timing? meinst du mich persönlich? hab ich hier mal was über kafka geschrieben? hab mich grade ausführlich mit ihm beschäftigt..klär mich auf!
ach ja, Kafka, fast hätt ichs vergessen...

hier mal ein Auszug aus seinem Tagebuch:

"Kein Wort fast, das ich schreibe, passt zum anderen, ich höre, wie sich die Konsonanten blechern aneinanderreihen und die Vokale singen dazu wie Ausstellungsneger. Meine Zweifel stehen um jedes Wort im Kreis herum, ich sehe sie früher als das Wort, aber was denn! Ich sehe das Wort überhaupt nicht, das erfinde ich."

soll heissen, dass es manchmal doch nicht so easy ist, sich selbs und auch seine Leser mit dem was man schreibt versönlich zu stimmen.
Das Timing muss stimmen.
:)


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21.06.2008 um 15:36
@rockandroll:das timing ja.. weiß zwar immernoch nicht genau was du damit meinst, aber grade bei kafka erscheint es mir ziemlich egal, ob du zb das urteil oder die betrachtungen liest, immer ist der leser vor einige fragwürdigkeiten gestellt, die nicht beantwortet werden. jedenfalls nicht ohne biografisches hintergrundwissen und auch dann nur teilweise.. und dabei ist es egal ob kafka selbst dachte, seine worte würden einander folgen wie aus einem guss, wie es beim urteil der fall ist oder ob er mit, wie mit seinen betrachtungen, dem geschriebenem unzufrieden ist. letzendlich bleibt es subjektiv.
@Lamm: ah ein glück! wäre auch langweilig wenn nietzsche auf einmal quasi "geklärt" wäre.. also lasse mich nicht weiter in unwissenheit verweilen und kläre mich über meine irrtümer auf!
@chevron: bei bruno und morus oder auch spinoza würd ich sagen war es so: deren philosophie war, wie es vielleicht bei allen ist, ausdruck ihrer persönlichlkeit, die mit den idealen der zeit einfach in einem ausreichend hohem maße divergierten, so dass sie hingerichtet wurden. trotzdem würd ich jetzt nicht alle märtyrer auf eine stufe stellen, es gab ja auch viele die nicht annähernd den einfluss eines brunos hatten.. oder auch eher abwägiges predigten.


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21.06.2008 um 15:39
@chevron: naja also nietzsche dürfte nicht an ein leben nach dem tod geglaubt haben und wohl auch sokrates nicht.. das pure vertrauen in die menschlichkeit und das gesetzt könnte bei sokrates ausschlaggebend gewesen sein!


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Jesus ist das Gegenteil eines Genies

21.06.2008 um 16:01
@Sigismundo:

Spinoza starb meines Wissens nach an Tuberkulose, auf Grund seines Jobs. Er war Linsenschleifer und hat ne Menge Glasstaub eingeatmet.

Ich habe nicht von ;ärtyrern geschrieben, ich bezog mich bewußt auf die, "die für ihre Idee der Menschlichkeit" ihren Kopp hingehalten haben. Ich bin kein religiöser Mensch und denke dabei nicht an Märtyrer, sondern an Menschen die sich für eine neue, etwas adäquatere, Sicht aufopfern.
In gewisser Hinsicht hat Spinoza das auch getan und tut es heute noch, ebenso wie Nietzsche, denn der philosophische Diskurs kann durchaus auch als immaterieller Krieg der Theorien angesehen werden. Wir werden das was man mit Wahrheit bezeichnet niemals erreichen, jedoch sobald wir aufhören danach zu streben den Tatsachen mit unseren Theorien gerecht zu werden, werden wir Dogmatiker, hören überhaupt auf zu denken und können den Tatsachen gar nie mehr gerecht werden und dadurch tritt eine Menge Unrecht in Erscheinung.

Nietzsche glaube an Die Ewige Wiederkehr des Gleichen. Ich sehe darin schon so eine Art Weiterexistenz nach dem Tode, durch die Spuren, die man hinterläßt, welche bedingen, dass eben die Gleichen Muster, die in der Existenz des Einen auf tauchen, in der Existenz des Anderen ebenso erscheinen. Jedoch ist diese Ewige Wiederkehr des Gleichen, ziemlich unklar bei Nietzsche umrissen und das eben geäußerte ist eben meine Sicht darauf.
Was sonst könnte Nietzsche mit den Worten, die er seinem Zarathustra in den Mund legt "Du sollst über Dich hinaus schaffen" gemeint haben, als nicht nur sich selbst zu entwickeln, sondern auch nach dem Tode noch wirksam für eine Sache zu bleiben.

Und soweit Platon sich über die Ideenwelt, mit der Stimme Sokrates' (!), äußert, kommt alles was Hylé ist aus dem Theos und geht wieder dorthin.


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21.06.2008 um 16:11
naja die ewige wiederkunft ist wohl eher auf die welt im ganzen bezogen, als auf den mensch selber, nämlich so, dass alle zustände, wenn man es so ausdrücken will, schon winmal dagewesen sind und sich nur ablösen aber nicht wirklich neu sind. des weiteren sagt er der mensch solle über sich hinaus schaffen und daran zu grunde gehen- ziemlich pessimistisch für jemanden der an etwas transzendetes glauben soll, was er ja grundsätzlich verneint.. sonst würde die ganze idee des übermenschen keinen sinn ergeben, der ja nur möglich ist unter der bedingung das gott und damit jegliche metaphysische realität "tot" ist.
okay ja stimmt überhaupt spinoza wurde gar nicht verbrannt- aber verbannt wurde er. letztendlich aus den gleichen gründen aus denen andere verbrannt wurden..
das mit den märtyrern habe ich nur geschrieben weil du esperanto so klar zugestimmt hast der ja von solchen und heiligen schrieb..


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21.06.2008 um 16:13
der mensch bzw. die menschheit muss halt überwunden werden- zum übermenschen, deshalb ist es sinnlos für die menschlichkeit zu sterben.


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21.06.2008 um 16:15
"des weiteren sagt er der mensch solle über sich hinaus schaffen und daran zu grunde gehen- ziemlich pessimistisch für jemanden der an etwas transzendetes glauben soll, was er ja grundsätzlich verneint.."

Du vergisst, dass er meint "Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muss", on Hinsicht auf den Übermenschen, jenen Halbgöttlochen eben, der Jesus allem Anschein geworden zusein scheint.
Un er verneint nicht grundsätzlich, im Gegenteil, lies nochmal das Zitat aus Götzendämmerung, welches ich früher in dieser Diskussion gebracht habe.

Ein für alle Mal, wer glaubt Nietzsche sei ein Nihilist, hat was falsch verstanden.


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21.06.2008 um 16:18
Nihilismus sah Nietzsche nur als notwendige zwischenstufe. Die vernichtung aller Werte und die Schaffung neuer.


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21.06.2008 um 16:24
@paranormal:

Falsch, Nietzsche nannte den Nihilismus sogar eine Krankheit und setzt den Nihilismus mit DEM Christentum, das er anprangert, gleich:


"Es ist Nichts, was ist, abzurechnen, es ist Nichts entbehrlich - die von den Christen und andren Nihilisten abgelehnten Seiten des Daseins sind sogar von unendlich höherer Ordnung in der Rangordnung der Werthe als das, was der Décadence-Instinkt gutheissen, gutheissen durfte." F. Nietzsche, Ecce Homo, Die Geburt der Tragödie, #2


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21.06.2008 um 16:37
da liegt doch das grundsätzliche problem nietzsches begraben: er selbst hat nie über das christentum hinaus etwas geschaffen, denn er baut ja auf diesem auf auch wenn er natürlich so gut wie alles an ihm kritisiert!
es ist nunmal die unmöglichkeit des schaffend wirklich neuer werte an der er sich zunehmend scheitern sah..


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21.06.2008 um 16:39
und noch einmal: jesus als übermensch? da bin ich strikt dagegen!


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21.06.2008 um 16:41
naja einerseits andererseits: vielleicht indem er alles auf sich zu interpretiert, di egozentrische sichtweise wie sie in warheads post oben darsgestellt wird- letzendlich ist es der wille zur macht der da wirkt und ja auch wirken soll um übermensch zu werden! auf der anderen seite die werte die jesus prdigt, das kann nicht sein! der übermensch soll ja moral überwinden und nicht ein genaues system dür diese finden!


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21.06.2008 um 16:54
@Sigismundo:

Nietzsche hat KEINESWEGS auf dem Christentum aufgebaut, er hat vielmehr mit dem Hammer drauf eingeprügelt.
Und er hat sehr wohl auf alternative Gedankenformen hingewiesen.
Sein Zarathustra ist voll davon.
Ein Beispiel:

"Von der Nächstenliebe

Ihr drängt euch um den Nächsten und habt schöne Worte dafür. Aber ich sage euch: eure Nächstenliebe ist eure schlechte Liebe zu euch selber.

Ihr flüchtet zum Nächsten vor euch selber und möchtet euch daraus eine Tugend machen: aber ich durchschaue euer »Selbstloses«.

Das Du ist älter als das Ich; das Du ist heilig gesprochen, aber noch nicht das Ich: so drängt sich der Mensch hin zum Nächsten.

Rathe ich euch zur Nächstenliebe? Lieber noch rathe ich euch zur Nächsten-Flucht und zur Fernsten-Liebe!

Höher als die Liebe zum Nächsten ist die Liebe zum Fernsten und Künftigen; höher noch als die Liebe zu Menschen ist die Liebe zu Sachen und Gespenstern.

Diess Gespenst, das vor dir herläuft, mein Bruder, ist schöner als du; warum giebst du ihm nicht dein Fleisch und deine Knochen? Aber du fürchtest dich und läufst zu deinem Nächsten.

Ihr haltet es mit euch selber nicht aus und liebt euch nicht genug: nun wollt ihr den Nächsten zur Liebe verführen und euch mit seinem Irrthum vergolden.

Ich wollte, ihr hieltet es nicht aus mit allerlei Nächsten und deren Nachbarn; so müsstet ihr aus euch selber euren Freund und sein überwallendes Herz schaffen.

Ihr ladet euch einen Zeugen ein, wenn ihr von euch gut reden wollt; und wenn ihr ihn verführt habt, gut von euch zu denken, denkt ihr selber gut von euch.

Nicht nur Der lügt, welcher wider sein Wissen redet, sondern erst recht Der, welcher wider sein Nichtwissen redet. Und so redet ihr von euch im Verkehre und belügt mit euch den Nachbar.

Also spricht der Narr: »der Umgang mit Menschen verdirbt den Charakter, sonderlich wenn man keinen hat.«

Der Eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der Andre, weil er sich verlieren möchte. Eure schlechte Liebe zu euch selber macht euch aus der Einsamkeit ein Gefängniss.

Die Ferneren sind es, welche eure Liebe zum Nächsten bezahlen; und schon wenn ihr zu fünfen mit einander seid, muss immer ein sechster sterben.

Ich liebe auch eure Feste nicht: zu viel Schauspieler fand ich dabei, und auch die Zuschauer gebärdeten sich oft gleich Schauspielern.

Nicht den Nächsten lehre ich euch, sondern den Freund. Der Freund sei euch das Fest der Erde und ein Vorgefühl des Übermenschen.

Ich lehre euch den Freund und sein übervolles Herz. Aber man muss verstehn, ein Schwamm zu sein, wenn man von übervollen Herzen geliebt sein will.

Ich lehre euch den Freund, in dem die Welt fertig dasteht, eine Schale des Guten, - den schaffenden Freund, der immer eine fertige Welt zu verschenken hat.

Und wie ihm die Welt auseinander rollte, so rollt sie ihm wieder in Ringen zusammen, als das Werden des Guten durch das Böse, als das Werden der Zwecke aus dem Zufalle.

Die Zukunft und das Fernste sei dir die Ursache deines Heute: in deinem Freunde sollst du den Übermenschen als deine Ursache lieben.

Meine Brüder, zur Nächstenliebe rathe ich euch nicht: ich rathe euch zur Fernsten-Liebe.

Also sprach Zarathustra."


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21.06.2008 um 17:02
jaja ich habe den grade gelesen insgesamt 2mal ich kenn den text. ich mein das so: wenn du etwas zerstören willst dann musst du es widerlegen und indem man das tut, impliziert man schon die lehren nur ins gegenteil verkehrt oder sonst wie in die neuen! eine gegenbewegung zu etwas baut immer auf der ursprünglichen auf! dass erkannte nietzsche selber was ihm zur verzweiflung trieb..


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21.06.2008 um 17:04
so ist er ja auch nicht der verkünder neuer werte sondern letztendlich "nur" antichrist


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