continuum schrieb:Nein, es wird doch alles von Menschen geschrieben und es gibt keine Beweise das die Bibel von Gott kommt und so abgenommen wurde. Sind einfach alte Schriften von Geschichten die man gerne als damalige Krimis einander erzählt hat und später mehr oder eeniger aufgeschrieben.
Es steht jedenfalls nicht in der Bibel, wie die Texte zu verstehen sind.
Da es sich um Glaubenstexte handelt, dürfte der Sinn eher im Effekt des Textes auf den Leser liegen, als im konkreten Inhalt - sprich: es ist nicht der Inhalt an sich, den die Schreiber im Fokus hatten, sondern die Wirkung.
Die "Evangelien" sehen aus, wie konkret historische Geschehnisse, während die "Offenbarung des Johannes" eine regelrecht komische Bildgewalt enthält.
Der Witz ist nun, dass diese Texte nicht für vollkommen unterschiedliches Publikum entstanden sind.
D.h. dieselben Leser, die mit den "Evangelien" etwas anfangen konnten, haben auch die "Offenbarung des Johannes" akzeptiert.
Das ist eine Konstellation, die einem heutigen Gläubigen deutlich schwer fällt.
Wieso funktionierte das bei den antiken Lesern und heute nicht mehr?
Die einfachste Erklärung lautet: die "Evangelien" sind genauso bildgewaltig, wie die "Offenbarung" und ein Leser mit Hintergrundwissen wusste quasi, was im Text gemeint ist.
Weil die Gebrauchsanleitung in der Bibel fehlt (genauso das Hintergrundwissen), wählt sich der heutige Gläubige gerne eine Perspektive auf das erste Jahrhundert, in der die "Evangelien" irgendwie historische Szenen beschreiben sollen und die "Offenbarung" nach reichlich Drogeneinfluss riecht.
Will man also die Frage "Was steht wirklich in der Bibel?" nicht nur entlang der Buchstaben beantworten, dann hat man es bei jeder Stelle mit der eigentlichen Frage zu tun "ist das jetzt konkret oder nur als Bild gemeint?".
Hier fehlt sozusagen ein Wissen über die Strategieentscheidung der Schreiber.
Problematisch ist zudem das Fehlen des Hintergrundwissens, denn die Schreiber könnten ihre Texte exakt auf Leser mit Vorwissen abgestimmt haben - sprich: nur über das Vorwissen kann man Konkretes und Bilder erkennen.
Die Schreiber könnten also eine Wirkung im Fokus gehabt haben, die sich nur bei Menschen mit einem bestimmten Vorwissen ergeben hat.
Ohne dieses Vorwissen entstehen ganz andere Wirkungen, die unter den Gläubigen zu grossem Schaden bis zu Mord und Totschlag führen können - man kennt das ja.
Hier kann sich jeder Gläubige gerne die Frage stellen, ob er es einem Gott unterstellen möchte, so etwas aufs Parket zu legen.