continuum schrieb:Ist es nicht eher so, dass zu Beginn der Erdgeschichte, also bevor freier Sauerstoff in nennenswerter Menge vorhanden war oder gerade erst entstand , zunächst die ersten einfachen Lebensformen entstanden sind, etwa Einzeller oder eventuell sehr einfache mehrzellige Organismen? Der molekulare Sauerstoff, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich ja erst später durch biologische Prozesse (z. B. durch photosynthetische Organismen).
Die heutige Erde und auch viele frühere Zustände, etwa vor rund 250 Millionen Jahren und viel älter weist Umweltbedingungen auf, unter denen die spontane Entstehung neuen Lebens vermutlich kaum oder gar nicht mehr möglich ist. Die heutige Atmosphäre wäre für die ursprünglichen biochemischen Prozesse, die zur Entstehung der ersten Zellen führten, wahrscheinlich eher hinderlich oder sogar „toxisch“. Für bereits entstandenes Leben hingegen ist sie natürlich optimal angepasst.
Mein Tip, lies mal
Wikipedia: Entwicklung der ErdatmosphäreDie sog. erste Atmosphäre (Uratmosphäre mal außen vor gelassen) existierte in der Frühzeit der noch sehr warmen Erde, sie bestand hauptsächlich aus H2O. Letzteres regnete allmählich auf die kühler werdende Erde ab, die zweite Atmosphäre entstand. Diese zweite Atmosphäre setzte vor über 4 Milliarden Jahren ein, war vor ca. 3 1/2 Milliarden Jahren abgeschlossen gebildet. Ab vielleicht dieser Zeit produzierten Cyanobakterien Sauerstoff, der sich aber mit diversen Stoffen verband und also lange Zeit nicht als freier Sauerstoff (O2) im Wasser ansammelte und von dort in die Atmosphäre eindrang. Dies geschah erst, nachdem die "oxydierbaren Stoffe" weitgehend umgewandelt waren, vor vielleicht 2,3 Milliarden Jahren ---> die dritte Atmosphäre - unsere - entstand.
Selbstverständlich geht es um die Entstehung des Lebens unter den Bedingungen der sich aus der ersten herausbildenden zweiten Atmosphäre. Diese Atmosphäre war weder reduzierend (wie zuvor) noch oxidierend (wie danach), also wenig reaktiv. Prozesse der chemischen Evolution (Lebensentstehung) konnten ablaufen, ohne durch reaktionsfreundliche Bedingungen in Luft und Wasser stark gestört zu werden. Dieses Zeitfenster bestand also knappe zwei Milliarden Jahre (4+ bis 2,3 mrd Jahre BP).
Wahrhaft genügend Zeit für Myriaden Lebensentstehungsevents...
continuum schrieb:Mögliche Konzepte wie die Panspermie oder Transpermie nehmen an, dass Vorstufen des Lebens aus dem All auf die Erde gelangt sein könnten.
Bei Panspermie (wie Trans-) geht es um Leben, nicht um Vorstufen / Bausteine des Lebens, die übers All auf Planeten gelangt. Das mit dem Niedergehen kosmischer Lebensbausteine udgl. wird ebenfalls schon lange diskutiert und unter ...spermie mitgezählt, zumindest in fachfernen Kreisen. Aber zu sagen, daß "die Panspermie oder Transspermie" dies annähmen, das ist nicht richtig.
continuum schrieb:Falls dies zutrifft, könnte dies in einer frühen Phase der Erdgeschichte geschehen sein, als die Umweltbedingungen etwa in Bezug auf chemische Zusammensetzung und Energiequellen besonders günstig waren. Dieses „Zeitfenster“ für die Entstehung von Leben könnte relativ kurz gewesen sein, aber offenbar ausreichend, damit sich zumindest einfache Zellstrukturen entwickeln konnten und dies ganz an Anfang der Erdgeschichte, vielleicht schon 1 Milliarde Jahre seit der Entstehung der Erde.
Bausteine gibts noch heute im All, also selbst dieses kosmische Zeitfenster ist definitiv nicht kurz. Das irdische mit seinen knapp 2 Milliarden Jährchen wie gesagt auch nicht.
continuum schrieb:Es ist denkbar, dass die Entstehung von Leben unter anderen Umständen auch schneller hätte erfolgen können.
Klingt mehr nach "wer nichts weiß, darf alles glauben".
Ansonsten: Der reine chemische Prozeß von simplen Molekülen über Reaktionskreisläufe, Bildung einer doppelwandigen Lipidschicht und was sonst noch alles nötig ist, hin zu nem fertigen echten Lebewesen, dieser Prozeß dauert eher Minuten, wenn nicht noch weniger, wenn man ihn kontinuierlich ablaufend betrachtet. Versetzen sich die Etappen, so sollten trotzdem höchstens Wochen für den Gesamtprozeß anfallen, da ansonsten unter den Bedingungen reaktiver Ereignisse nicht nur was gebildet, sondern aus dem selben Grunde über kurz oder lang auch wieder zerstört wird.
Wieso sollte dies anderswo noch schneller ablaufen können, und was würde das bringen? Wichtig ist der Zeitraum, wie schnell solche neben- und hintereinander ablaufende "Laborversuche" zu einem "erfolgreichen Abschluß", also zu Leben führen. Und da wüßte ich ja wirklich gerne mal Bedingungen, die dafür ein schnelleres oder langsameres Tempo erlauben!
Im Mittelteil Deines Posts bin ich bei Dir.
continuum schrieb:Ok, wie meint ihr beide das?
Also NULL mit Ausnahme von uns oder? Weil EINS ist eigentlich gesetzt mit uns.
Schau Dir doch einfach an, welche Frage Du mit "also entweder isses Null oder es muß 1 sein" beantwortest.
* Gibt es Leben im Universum?
* Wie oft gibt es Leben im Universum (belebte Welten)?
RogerHouston schrieb:
continuum schrieb:Also NULL mit Ausnahme von uns oder? Weil EINS ist eigentlich gesetzt mit uns.
Nicht, wenn du Pertti fragst.
Peinlich, wenn Du es anders sähst.
continuum schrieb:Aber ihr habt das sicher anders angedacht und wohl nicht in diesem Sinne oder?
Richtig, zumindest ich habe von ner anderen Wahrscheinlichkeitsbestimmung gesprochen, nämlich von jener á la "ein Treffer unter X Events". Konkret "eine natürlich belebte Welt unter soundsoviel Sternen". Was man dann nämlich umrechnen kann in ein "wie oft gibts Leben da draußen". Auch hier kann es als Antwort 0 und 1 geben, vor allem aber auch zahlreiche Antwortmöglichkeiten dazwischen.
RogerHouston schrieb:Dass die relative Dichte einer endlichen Trefferzahl innerhalb einer unendlichen Gesamtmenge gegen Null läuft, bestreite ich ja gar nicht.
Aber du setzt einfach voraus, dass diese Grenzdichte eine Wahrscheinlichkeit ist. Das ist aber nicht einfach so gesetzt..
Denn:
"endlich viele Treffer in unendlich vielen Fällen"
und
"Wahrscheinlichkeit exakt Null"
sind nicht einfach per Definition dasselbe.
Nur Behauptung, Null Erklärung / Aufweis.
RogerHouston schrieb:Der Limes ist eine Eigenschaft einer Folge bzw. eines Grenzwertprozesses. Daraus wird nicht plötzlich ein tatsächlich eingesetzter Zahlenwert "unendlich", mit dem man normal rechnen könnte.
Doch. Und zwar, "sobald man unendlich erreicht hat". Was in solch "einer Folge" natürlich nie gegeben ist - im Falle eines unendlich großen und gefüllten Universums hingegen schon. Denn das ist dann keine Folge von Rechnungen, sondern ein Zustand.
RogerHouston schrieb:
perttivalkonen schrieb:Wie auch immer Du darauf gekommen sein willst.
Sagte ich doch: "geht gegen Null" ist nicht identisch mit "ist exakt Null".
Tscha, und da sitzte nun mal einem Irrtum auf. Nicht weil dies Gesagte von Dir falsch wäre, sondern - eben - weil dieses Universum nicht "gegen unendlich" anwächst, sondern (in der Annahme bzw. gedanklichen Voraussetzung) unendlich
ist. Da geht nichts mehr gegen, da ist etwas. Die mathematische Formulierung des Limes zeigt nur, mit welchem Ergebnis wir rechnen müssen, wenn "unendlich erreicht" ist, und bedient sich dafür einer aufsteigenden Folge endlicher Werte. Nur zur Bestimmung des Limes, der so mathematisch natürlich unmöglich erreicht werden kann.
RogerHouston schrieb:
perttivalkonen schrieb:Was schon mal zeigt, daß es so etwas gibt in der Mathematik. Nur darum ging es mir damals mit diesem Beispiel. Daß etwas trotz Wahrscheinlichkeit Null vorkommen kann.
Das ist schon klar, aber das folgt dort aus einer konkret definierten stetigen Gleichverteilung. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass man dieselbe Eigenschaft einfach auf beliebige, unendliche, diskrete Mengen übertragen kann.
Nur Behauptung, Null Erklärung / Aufweis.
RogerHouston schrieb:
perttivalkonen schrieb:Ne Menge Behauptung, Null Aufweis. Erklär doch mal, wieso die 3 innerhalb der unendlichen Menge der reellen Zahlen (stetiger Raum, überabzählbar) einmal vorkommt und die Auftretenswahrscheinlichkeit Null hat, wohin die 3 innerhalb der unendlichen Menge der natürlichen Zahlen (diskreter Raum, abzählbar) ebenfalls einmal vorkommt, aber eine von Null verschiedene Auftretenswahrscheinlichkeit haben muß. Du sagst doch nur "isso, weil stetig statt diskret und so", und ne Erklärung versteckste hinter "is verwirrend".
Muss sie nicht zwingend. Das hatte ich zuvor etwas zu absolut formuliert.
Aber bei den reellen Zahlen zwischen 0 und 1 existiert eine stetige Gleichverteilung, bei der einzelne Punkte Wahrscheinlichkeit Null haben.
Bei den natürlichen Zahlen existiert dagegen gerade keine normale Gleichverteilung über alle Elemente.
Deshalb folgt aus der bloßen Tatsache "abzählbar unendlich" eben gerade nicht automatisch irgendeine bestimmte Einzelwahrscheinlichkeit.
Und genau deshalb folgt aus:
"unendlich viele mögliche Lebensorte"
eben auch nicht automatisch:
"jede einzelne Möglichkeit hat Wahrscheinlichkeit Null".
Entschuldige, aber das ist noch immer nur ne Menge Behauptung, aber Null Aufweis.
Und mittlerweile habe ich den Verdacht, daß Du es nicht erklären kannst, weil nicht Du, sondern ein "Ghostwriter" Dir das ganze vorerzählt hat und Du es nur nacherzählst, statt es erst mal zu verstehen, was
die KI der Ghostwriter Dir da kolportiert hat.
RogerHouston schrieb:
perttivalkonen schrieb:Echt jetzt? Weils ja nur einen Winzbereich auf dem ganzen Planeten Erde gab, an dem Lebensentstehungsversuche dann auch immer nur nacheinander stattfinden konnten, und das Zeitfenster dafür bemißt sich nur in Wochen bis Monaten???
Da nicht bekannt ist, wie Lebensentstehung funktioniert, ändert auch dein inflationärer Gebrauch von Fragezeichen nichts an der Antwort, dass das durchaus so gewesen sein kann.
Drei am Stück inflationär? Vier bei zwei Fragen? Dabei ist eine Dreierfolge von Fragezeichen wie auch Ausrufezeichen eine verbreitete, gebräuchliche Ausdrucksform der Intensivierung und keine Inflation, weil man diese als "einzelnes Zeichen" wahrnimmt und zählen kann.
Woran scheiterst Du eigentlich nicht?
Nein Du, es ging um die "Fenstergröße", und da sind meine Einwände von 510 Millionen Quadratkilometer Erdoberfläche (Laborflächenangebot) sowie bis 2 Milliarden Jahre einer chemische Evolution nicht störenden Atmosphäre durchaus berechtigt und angebracht. Das ändert sich mitnichten mit unserer Unkenntnis der vollständigen irdischen Lebensentstehung. Dieses Nichtwissen verhindert nicht unser Wissen darüber, daß
keine Molekül(um)bildung Jahre oder Jahrmillionen benötigt, sondern ein verdammt kurzfristiges Geschehen ist. Welche Einzelprozesse auch immer für Lebensentstehung stattgefunden haben müssen, in welcher Abfolge auch immer, als kontinuierliches Geschehen wäre der Gesamtprozeß selbst an einem Menschenalter gemessen nur eines: verdammt kurz.
RogerHouston schrieb:Und bist du es nicht, der es für möglich hält, dass es im gesamten Universum nur einmal zur Lebensentstehung gekommen ist?
Correctalmente.
Und nur nebenbei:
SpoilerVor allem bin ich nicht der, der dies ausschließt. Darum aber gings, als ich mich gegen das Argument "uns gibts ja schließlich" zum Belegen eines "gibt garantiert noch mehr da draußen" wandte.
RogerHouston schrieb:Und soll nicht gerade dein Beispiel von den ausgebliebenen, weiteren Lebensentstehungen auf der Erde, zeigen, wie selten und vielleicht sogar einzigartig die Lebensentstehung sein könnte?
Ebenfalls: Si senor!
RogerHouston schrieb:Glaubst du also, ein angenommenes, sehr kleines Zeitfenster auf der Erde wäre unwahrscheinlicher, als eine Einzigartigkeit der Lebensentstehung im gesamten Universum?
Wieso sollte ich das glauben müssen? Ja, hättest Du in Deinen beiden voraufgehenden quaestiones von "für wahrscheinlich" statt "für möglich" bzw. von "sein dürfte" statt "sein könnte" gesprochen! Dann, indeed, könntest Du mir bei zweimal Ja diese dritte Frage stellen.