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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

21.184 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Psiram, Homöopathie, Pharmaindustrie ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

12.09.2021 um 22:28
Zitat von geekygeeky schrieb:Doch nicht etwa an den verlogenen Propagandakampagnen, mit denen die alternaiven Quacksalber und Scharlatanten ihre völlig wirkungslosen Betrugsmethoden als heilsam anpreisen?
Um ehrlich zu sein, wundert es mich nicht, daß viele Patienten auf die Propaganda reinfallen.

An einer Universitätsklinik sollte man eigentlich davon ausgehen, daß die Beratung und Behandlung evidenzbasiert ist.

Ist aber leider nicht immer so

Die Universitätsfrauenkliniken Essen und Homburg/Saar wurden haben 2017 bzw. 2018 das
NATUM-Zertifikat „Komplementärmedizinische Sprechstunde Gynäkologische Onkologie“ erhalten.
Was das bedeutet kann man als Bsp. einer der Ärztinen in einem Interview sehen.

Quelle: https://www.helixor.de/interview-braun/
Interview auf der Webseite ist ohne Datum - allerdings habe ich den identischen Text auch als Pressetext einer Marketing-Firma mit Erstellungsdatum 24.07.2019 gefunden.
Helixor ist eine der Pharma-Firmen, die Präparate zur Mistel-Therapie anbieten.
Donnerstags von 8 – 11 Uhr beraten die Gynäkologinnen Dr. Eva-Marie Braun und Lena Gabriel am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar jeweils 4 – 6 Patientinnen zu den Möglichkeiten integrativer Maßnahmen im Rahmen ihrer leitliniengerechten Tumorbehandlung.
Was nicht gesagt wird. Die Sprechstunde hängt an der Frauenklinik - deren Onkologie besteht aus einem Brustzentrum und einem Gynäkologischen Krebszentrum - andere Krebsarten werden durch Onkologische Stationen in der Inneren Medizin betreut.

Die S3-Leitlinie ist vom Juli 2021 - also kann es 2019 noch keine leitliniengerechte Integrative/Komplementärmedizinische Tumorbehandlung gegeben haben.
Diese „NATUM-Sprechstunde“ ist seit Mitte 2018 zertifiziert und erfährt großes Interesse (siehe Kasten). Im Interview gibt Dr. Braun Einblicke, welche Maßnahmen sie ihren Patientinnen empfiehlt.
NATUM e.V. (Naturheilkunde, Akupunktur, Umwelt- und Komplementärmedizin) ist einer der vielen Alt-Med Lobby-Vereine.

Fördermitglieder sind u.A. Helixor Heilmittel GmbH, ISCADOR AG (Mistel-Therapie) und Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co KG (Muttergesellschaft der Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel)
Einige grundlegende Maßnahmen gehören fast immer dazu: Die Kombination aus Ausdauer- und Kraftsport, Ernährungsempfehlungen und Entspannungsmaßnahmen (je nach individueller Neigung zum Beispiel TaiChi, Traumreisen, Meditation). Oft verweise ich auf das Angebot der Psychoonkologie in unserem Haus.
Soweit passt das auch zu den Empfehlungen in der Leitlinie
Zu den weiteren Maßnahmen gehören Naturheilverfahren, Homöopathie, Anthroposophische Medizin mit der Misteltherapie, Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin, orthomolekulare Medizin, Physiotherapie, Hydrotherapie mit Kneipp´schen Anwendungen,
Alles ohne Evidenz - Wird aber von dieser Sprechstunde aktiv beworben
Paar- oder Sexualtherapie.
Ist vermutlich bei den in der Klinik behandelten Krebs-Arten für die Patientinnen und ihre Partner hilfreich.
(Frage:) Welche Rolle spielt die Misteltherapie?
(Antwort) Für mich war die Mistel von Anfang an Teil eines integrativen Behandlungskonzepts.
Ich war überrascht, wie häufig die Misteltherapie von den Patientinnen angesprochen wird und habe den Eindruck, dass viele die Therapie wünschen bzw. meinem Vorschlag zustimmen, als hätten sie auf diese Option gewartet.
Es wird also aktiv für Misteltherapie geworben


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

12.09.2021 um 23:05
Zitat von oldzambooldzambo schrieb:Eigentlich jede Krankheit, die auch ohne Medizin wieder weggeht.
Das ist genau das Problem - die Patienten nehmen irgendwann Homöopathie bei "Kleinigkeiten" wie blauen Flecken oder Schnupfen - wenn das weggeht hat's an der HP gelegen.
Bei schweren Erkrankungen probieren die dann aber auch erst mal HP - sie haben ja "gute Erfahrungen" damit gemacht.
Dann kann's aber für eine wirksame Behandlung zu spät sein
Zitat von oldzambooldzambo schrieb:Ich sag dann immer, ich nehm lieber Schok'lad, da ist auch Zucker drinnen, ist aber billiger und schmeckt besser, hilft aber genau so gut :-)
Ich hab schon überlegt, Lobby-Spezialisten einzukaufen und die Ursopathie als zusätzliche "besondere Therapierichtung" ins AMG zu bringen. Gummibärchen sind schliesslich auch "Erfahrungsmedizin".


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13.09.2021 um 20:06
@Nemon
Zitat von NemonNemon schrieb am 10.09.2021:Mal davon abgesehen, dass sie ausgerechnet nach der reinen Hahnemann-Lehre gar keine Chance hat, im homöopathischen Sinne zu funktionieren. Oder wie bewertest du das, @geeky ?
Das Auftragen einer Salbe ist nach Hahnemanns Heilslehre möglich, wenn auch unnötig, wie er in seinem Organon schreibt (Hervorhebungen im Original):
§. 292. Auch die äußere, mit Haut und Oberhaut umkleidete Körperfläche ist nicht unempfänglich für die Aufnahme der Kräfte der Arzneien, vorzüglich der flüssigen, doch sind die empfindlichsten auch die empfänglichsten 1).

1) Das Einreiben scheint die Wirkung der Arzneien nur dadurch zu befördern, in wiefern das Reiben an sich die Haut empfindlicher, und so die lebende Faser empfänglicher macht, die Arzneikraft gleichsam zu fühlen und dieß Befinden umstimmende Gefühl dem ganzen Organism mitzutheilen. Das vorgängige Reiben der innern Seite des Oberschenkels macht die nachgängige bloße Auflegung der Quecksilbersalbe eben so arzneikräftig, als wenn die Salbe selbst auf diesem Theile zerrieben worden wäre, was man Einreiben nennt, indem es sehr zweifelhaft bleibt, ob das Metall selbst, in Substanz, mittels dieser Verrichtung des sogenannten Einreibens in das Innere des Körpers eindringen könne, oder von den Saugadern aufgenommen werden möchte, oder beides nicht. Die Homöopathik hat jedoch fast nie das Einreiben irgend einer Arznei und eben so wenig einer Quecksilbersalbe zu ihren Heilungen nöthig.
An anderer Stelle (Anmerkung zu §274) ist er allerdings etwas anderer Meinung:
Bei der treffend homöopathisch für den wohl überdachten Krankheitsfall gewählten und innerlich gegebenen Arznei, nun vollends noch einen, aus andern Arzneistoffen gewählten Thee trinken, ein Krautersäckchen oder eine Bähung aus mancherlei andern Kräutern auflegen, oder ein andersartiges Klystier einspritzen und diese oder jene Salbe einreiben zu lassen, wird der vernünftige Arzt dem unvernünftigen allöopathischen Schlendrian überlassen.
Auch in "Die chronischen Krankheiten" verurteilt er die äußere Anwendung von Arzneimitteln auf das Schärfste, während er in seinen frühen Schriften (zB im "Apothekerlexicon") die Anwendung von arzneilichen Salben und Pflastern als hülfreich bezeichnete.


@FrankM
Zitat von FrankMFrankM schrieb am 10.09.2021:Die neuste Erklärung sind jetzt Nanopartikel, die sich angeblich in Hochpotenzen nachweisen lassen
Daß auch das dreist gelogen ist zeigt schon das Komplettversagen der Homöopathie bei der 50k€-Challenge. Da könnte man es den bösen Kritikern mal so richtig zeigen, stattdessen zieht man den Schwanz ein und bettelt stattdessen offiziell um Spendengelder für weitere "Forschung". Wie Werner Gruber schon sagte: "Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten. Wenn ein Arzt homöopathische Mittel verschreibt, weil er von ihrer Heilungskraft überzeugt ist, hat er nichts im Berufsstand eines Arztes verloren. Wenn er sie verschreibt, obwohl er weiß, dass sie nichts nützen, ist er ein Betrüger."


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13.09.2021 um 20:26
Zitat von geekygeeky schrieb:Quecksilbersalbe
Danke, Geeky — und a propos Mercurius/Quecksilber konnte ich mich nicht von einer Blitzrecherche abhalten.
Das Zeugs ist ja top-aktuell, will man der Quecksilberin Quacksalberin Dr. med. Manuela Mai, Ärztin und Homöopathin (kommt mir bekannt vor; ihre Arbeit scheint mich immer aufs Neue in den Bann zu ziehen) glauben. Und es sind ein paar richtig fiese Unpässlichkeiten dabei, die angeblich gut auf solche Präparate gut ansprechen:
Das homöopathische Mittel Mercurius solubilis wurde vom Begründer der Homöopathie Hanemann höchstpersönlich entwickelt. Sein Ausgangsstoff besteht aus einer giftigen Mischung aus Quecksilber, Salpetersäure und Quecksilbernitrat. Seine Potenz soll bei Entzündungen der Schleimhäute des ganzen Körpers angewendet werden können, insbesondere aber bei Entzündungen des Anfangs und des Endes des Verdauungstraktes. Auch Entzündungen des Lymphsystems, der Haut und des gesamten Bindegewebes sollen gut auf die Mercurius-Homöopathie ansprechen. Bei fast allen Entzündungen, die sich für eine Mercurius-solubilis-Behandlung eignen, sind die Drüsen des Körpers geschwollen und schmerzen oft. Das gilt insbesondere für die Lymphknoten und die Leber.
Quelle: https://www.mylife.de/homoeopathie/mercurius-solubilis/

Manchmal müssen sie einfach sein, diese Ausflüge in die real existierende Homöopathie. Deutschland 2021.
Ich mein — wer solche Symptome hat (auf der verlinkten Seite geht es explizit weiter), nimmt dann Globuli und hofft auf Besserung? Auf einem anderen Portal wird Mercurius solubilis auch mit Gürtelrose in Verbindung gebracht. Da ist dann eigentlich mal Schluss mit lustig. Aber da steht erst mal seitenweise nichts davon, dass man zuerst einen Arzt konsultieren muss. Und wenn es dann so eine „Expertin“ wie Manuela Mai ist? Verraten und verkauft, der Patient.


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13.09.2021 um 20:33
Diesen bedeutungsschwangeren Schlussatz möchte ich noch nachreichen:
Homöopathische Arzneimittel haben keine Nebenwirkungen, beim Auftreten von Erstverschlimmerungen muss aber die Einnahme von Mercurius solubilis unterbrochen werden. Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern.
WTF!?!

Quelle: s. o.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

13.09.2021 um 22:16
Zitat vom Quack: "Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern."
So sind sie, die Quacks, Logik ist nicht ihr Ding. Was hat A mit B zu tun: nix.
Oder sie meint, wenn man sich lange genug bei "geschwollener Leber" selbst bequackt, sind die Beschwerden irgendwann final weg. Six feet under.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

13.09.2021 um 23:37
@schrauber2
Ich bin noch hin und her am Überlegen bei der Deutung dieser Schrift.
Die Empfehlung mit der Unterbrechung nach Erstverschlimmerung war mir bisher nirgends aufgefallen. Diese ist ja bekanntlich, weil H. keine Wirkung zeitigt, der normale Krankheitsverlauf. Postuliert man aber eine Placebo-Wirkung — warum dann unterbrechen?

Die Formulierung ist überhaupt interessant: „Beim Auftreten von …“ Daraus lese ich: „Sollte eine Erstverschlimmerung auftreten …“
Cooler wäre natürlich gewesen: „Sobald die Erstverschlimmerung eintritt …“ Das hätte ein gewisses Vertrauen in die Methode dokumentiert.

Man könnte hier noch einiges herein- und herauslesen. Alles hätte irgendwelche Implikationen, die mitdenkenden Lesern des Artikels zu denken geben. Aber die Glaubulisten lassen ihren Verstand aus guten Gründen außen vor.

Ich würde mich als potenzieller Konsument dann ja auch bei Gelegenheit mal wundern, warum sich die Empfehlung eines Präparats so sehr von diesem distanziert. Okay, wir wissen, dass da besser kein Heilungsversprechen abgegeben, sondern nur Hörensagen kolportiert werden darf. Ist also nie jemand wirklich verantwortlich.

Tja, und der Zusammenhang mit der Selbstmedikation? Wäre es eigentlich ein Vergnügen, die Autorin einfach mal zu fragen?
Ich möchte mich aktuell nicht in dieses Kellergeschoss Deutschlands begeben.


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14.09.2021 um 09:28
Auch hierzu die Worte des großen Erfinders des homöopathischen Unsinns, festgehalten in seinem Organon:
§. 151.
So gewiſs es aber auch ist, daſs ein homöopathisch gewähltes Heilmittel, seiner Passendheit und der Kleinheit der Gabe wegen, ohne Lautwerdung seiner übrigen, unhomöopathischen Symptome, das ist, ohne Erregung neuer, bedeutender Beschwerden, die ihm analoge, acute Krankheit ruhig aufhebt und vernichtet, so pflegt es doch gleich nach der Einnahme – in der ersten, oder den ersten Stunden – eine Art kleiner Verschlimmerung zu bewirken (bei etwas zu groſsen Gaben aber, mehre Stunden), welche so viel Aehnlichkeit mit der ursprünglichen Krankheit hat, daſs sie dem Kranken eine Verschlimmerung seiner eignen Krankheit zu seyn scheint. Sie ist aber in der That nichts anderes, als eine das ursprüngliche Uebel etwas an Stärke übersteigende, höchst ähnliche Arzneikrankheit.

§. 152.
Diese kleine homöopathische Verschlimmerung in den ersten Stunden – eine sehr gute Vorbedeutung, daſs die acute Krankheit meist von der ersten Gabe beendigt seyn wird – ist ganz in der Regel, da die Arzneikrankheit natürlich um etwas stärker seyn muſs, als das zu heilende Uebel, wenn sie letzteres überstimmen und auslöschen soll, so wie auch eine ähnliche natürliche Krankheit, nur wenn sie stärker als die andre ist, diese andre aufheben und vernichten kann (§ 38–41.).
Die Erstverschlimmerung ist also laut Hahnemann nicht nur ein gutes Zeichen für die richtige Mittelwahl, sie ist sogar notwendig, damit die Arzneikrankheit die zu bekämpfende Krankheit vollständig auslöschen kann. Entweder ist die Scharlatante Mai in Sachen Homöopathie völlig ahnungslos, oder sie lügt wie gedruckt.


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14.09.2021 um 11:04
Zitat von geekygeeky schrieb:Entweder ist die Scharlatante Mai in Sachen Homöopathie völlig ahnungslos, oder sie lügt wie gedruckt.
Da denkt sich doch jeder seinen eigenen Unsinn dazu. Das ist ja das schöne an dem realitätsfernen Zeug - keine Bodenhaftung erlaubt freies Schweben in unerreichte Sphären.
Siehe auch Homöopathie auf CDs, als aufgemalte Bilder u.s.w. Die nennen das dann Forschung. Steiner hat den Mist ja auch in seiner Esoterik verwurstet. Kuhhornscheißedüngerbeivollmond...


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 12:58
Zitat von geekygeeky schrieb:Entweder ist die Scharlatante Mai in Sachen Homöopathie völlig ahnungslos, oder sie lügt wie gedruckt.
Ich tippe auf Ersteres. Wie der Kollege schon so schön meinte:
Zitat von schrauber2schrauber2 schrieb:Da denkt sich doch jeder seinen eigenen Unsinn dazu.
Typisch für jede Art Schwurbel ist ja, dass es keine einheitliche Lehre gibt. Sollte sie ursprünglich (siehe Hahnemann, aber auch Astrologie) einmal vorhanden gewesen sein, haben spätere Epigonen aber davon keinen Tau mehr. Meistens einfach, weil sie nur die wohlklingenden Therapie- oder Heilslehrennamen übernehmen, aber die dazu gehörigen Texte kaum bis gar nicht kennen, geschweige denn lesen oder anwenden.


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14.09.2021 um 13:25
Zitat von off-peakoff-peak schrieb:Meistens einfach, weil sie nur die wohlklingenden Therapie- oder Heilslehrennamen übernehmen, aber die dazu gehörigen Texte kaum bis gar nicht kennen, geschweige denn lesen oder anwenden.
... was eigentlich auch egal ist, denn die meisten Heilslehren sind schon an sich hanebüchener Unsinn.


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14.09.2021 um 17:18
Zitat von geekygeeky schrieb:Entweder ist die Scharlatante Mai in Sachen Homöopathie völlig ahnungslos, oder sie lügt wie gedruckt.
In der HP scheint es üblich zu sein, daß jeder Homöopath seine eigenen Vorstellungen verbreitet - egal wie sehr sich die von den anderen aktiven Homöopathen oder klassisch Hahnemann, Kent ... unterscheiden.

Noch interessanter wird's dann aber in Büchern von Homöopathen. Da widersprechen sich dann teilweise Vorwort, Einführungskapitel und der Rest des Buches.

Zwei Bsp. aus "Enders’ Homöopathische Hausapotheke" 10. Auflage/2008
Hinzu kommt, dass wir größtenteils Potenzen verwenden, deren Wirkung mit den Möglichkeiten unserer herkömmlichen Medizin messbar ist
Quelle: Teil 1. "Einleitung" / "Was ist Homöopathie?" / "Arznei"

In Teil 2 "Der kranke Mensch" werden dann Mittel für verschiedene Krankheitsbilder aufgeführt - größtenteils in D30 Potenzen.
Darf ich die Arznei als Vorsorgearznei verwenden?

Die Homöopathie ist im Grunde keine Heilmethode, die vorbeugend eingesetzt wird beziehungsweise wirkt.
Quelle: Teil 1. "Einleitung" / "Hinweise ... unbedingt lesen!" / "Wie gebe ich die Arznei?"

Das erste Bsp. in Teil 2 ist dann ein Mittel für "Erkältung - Im Herbst - Zur Vorbeugung",
später dann auch ein Mittel gegen "Katerkopf - Vorbeugend bei Ausschweifung jeder Art" und noch einige

"Passend" zu Teil 1 dann
Das Schöne an der Homöopathie ist, dass wir nicht nur eine heilende Arznei für jegliche Störung besitzen, sondern auch vorbeugend wirken können.
Quelle: Teil 2 / "Haut" / "Insektenstiche" / "Zur Vorbeugung"


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 20:07
Zitat von FrankMFrankM schrieb:"Enders’ Homöopathische Hausapotheke" 10. Auflage/2008
Als Zuschlag noch ein paar Zitate aus dem Buch - Da frage ich mich dann, ob der Autor wirklich Medizin studiert hat.
Um das zu verinnerlichen, brauchen wir eine neue Philosophie des Krankheitsprozesses. Bakterien, Viren und Pilze zeigen nur eine Milieustörung an. Sie sind nur Indikatoren, nicht Initiatoren einer Erkrankung. Deshalb gilt es, nicht sie zu vernichten, sondern das Terrain, auf dem sie gedeihen, das Milieu, zu sanieren.
Quelle: Vorwort
Beachten Sie bitte auch, dass Camphora D1 eine starke Strahlung aussendet, welche die Wirkung anderer homöopathischer Arzneien vermindern kann ...
Quelle: Teil 1. "Einleitung" / "Hinweise ... unbedingt lesen!" / "Wie und wo bewahre ich die Arznei auf?"
Zitat von NemonNemon schrieb:Homöopathische Arzneimittel haben keine Nebenwirkungen, beim Auftreten von Erstverschlimmerungen muss aber die Einnahme von Mercurius solubilis unterbrochen werden. Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern. (Nemon zitiert die „Expertin“ Manuela Mai)
Passend dazu:
Gibt es Nebenwirkungen?

Die homöopathischen Arzneien haben keine Nebenwirkungen. Bei sehr empfindsamen Menschen und bei zu häufiger Wiederholung der Arzneigabe kann es zu überschießenden Reaktionen kommen, die jedoch nicht als schädliche
Arzneiwirkung zu betrachten sind, sondern als Zeichen der richtigen Arzneiwahl. Nach Absetzen der Arznei klingt diese sogenannte Erstverschlimmerung schnell wieder ab. Im Allgemeinen empfehle ich, Arzneien bis D12 3 Tage auszusetzen und danach mit weniger häufigen täglichen Gaben fortzufahren.
Quelle: Teil 1. "Einleitung" / "Hinweise ... unbedingt lesen!" / "Wie gebe ich die Arznei?"


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 20:19
Weiter mit Teil 2 "Der kranke Mensch" / "Allgemeines & Allergie"
Septisches Fieber mit Schüttelfrost und paradoxem Puls
...So fiel mir auf, dass vor allem jene Kinder mit häufig wiederholten DTP-Impfungen (Diphtherie-Fieber
Tetanus-Pertussis) im frühen Säuglingsalter dieser Arznei bedurften. ...
Quelle: Teil 2 "Der kranke Mensch" / "Allgemeines & Allergie" / "Fieber"
Alle Kinderkrankheiten sind Ausdruck einer angeborenen, ererbten Minderwertigkeit des Abwehrsystems. Der Sinn der Erkrankung liegt darin, diese Minderwertigkeit zu überwinden.
Quelle: Teil 2 "Der kranke Mensch" / "Allgemeines & Allergie" / "Kinderkrankheiten"

Impfgegner ist er auch:
Eine vorherige Impfung mit Virusstoffen verhindert eine natürliche Ausprägung des Abwehrsystems und damit auch eine natürliche, harmonische Entwicklung der körperlich-leiblichen Funktionen und des seelisch-geistigen Gefüges (→ Impfschäden in „Enders’ Handbuch Homöopathie“, Literatur, S. 139).
Quelle: Teil 2 "Der kranke Mensch" / "Allgemeines & Allergie" / "Kinderkrankheiten"

Für keine der Kinderkrankheiten (Windpocken, Mumps, Röteln, Masern, Keuchhusten, Scharlach) wird ein Arzt-Besuch empfohlen. Stattdessen:
Bei Komplikationen während oder nach der Erkrankung bitten Sie Ihren Homöopathen um Rat.
Quelle: Teil 2 "Der kranke Mensch" / "Allgemeines & Allergie" / "Kinderkrankheiten"

Auch da wird kein Arzt sondern jeweils ein HP-Mittelchen empfohlen:
Masern
- Mit Atemnot und Durchfall
- Komplikationen mit Kreislaufschwäche
- Mit Ohnmacht
- Mit Enzephalitis

Der sieht keine Entwicklungschance bei Masern, dafür aber bei Keuchhusten
Diese Erkrankung soll von unseren Kindern gut durchstanden werden, weil sie eine positive charakterliche Änderung nach sich zieht. Ich wende mich verständlicherweise an die Eltern mit der Bitte, Geduld zu üben, Geduld, die uns klüger werden lässt.
Quelle: Teil 2 "Der kranke Mensch" / "Allgemeines & Allergie" / "Kinderkrankheiten" / "Keuchhusten"


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14.09.2021 um 20:43
Zitat von FrankMFrankM schrieb:Homöopathische Arzneimittel haben keine Nebenwirkungen, beim Auftreten von Erstverschlimmerungen muss aber die Einnahme von Mercurius solubilis unterbrochen werden. Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern. (Nemon zitiert die „Expertin“ Manuela Mai)

Passend dazu:

Gibt es Nebenwirkungen?

Die homöopathischen Arzneien haben keine Nebenwirkungen. Bei sehr empfindsamen Menschen und bei zu häufiger Wiederholung der Arzneigabe kann es zu überschießenden Reaktionen kommen, die jedoch nicht als schädliche
Arzneiwirkung zu betrachten sind, sondern als Zeichen der richtigen Arzneiwahl.
Also nennt man es einfach nur "Erstverschlimmerung", oder "überschießende Reaktion" statt Nebenwirkung, und man soll denn die Arznei absetzen, obwohl sie nicht dran Schuld ist, wobei dieser Widersrpuch bedeutet, dass es die richtige Arznei sein muss.
So in etwa richtig absurd verstanden? 😳
Zitat von FrankMFrankM schrieb:Im Allgemeinen empfehle ich, Arzneien bis D12 3 Tage auszusetzen und danach mit weniger häufigen täglichen Gaben fortzufahren.
Also je nach dem wieviel nichts drin ist in der Arznei, oder halt wo etwas mehr nichts drin ist. Klingt doch logisch aus deren Perspektive, weil je höher potenziert, desto wirksamer soll es doch abgeblich sein, also da wo am aller meisten nichts drin ist, oder? 😏


* nichts drin im Sinne von nichts Wirksames drin.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 21:34
Zitat von skagerakskagerak schrieb:So in etwa richtig absurd verstanden? 😳
Das geht noch absurder
Erstverschlimmerung

Die "Erstverschlimmerung" ist ein irreführender Begriff. Dorsci prägte den Begriff der "Heilreaktion", der sehr viel passender ist Der Organismus reagiert auf das Arzneimittel mit einer Heilreaktion, die kurzzeitig zu einer Verschlimmerung der Symptome unter Besserung des Allgemeinbefindens führen kann. Bei akuten Erkrankungen kann die Heilreaktion innerhalb der ersten Stunden auftreten.
Quelle: BASICS Homöopathie, 1. Auflage 2009 - S. 66

(Das Buch stammt aus einer Reihe von Büchern für Medizin-Studenten mit dem Motto "Unsere Basics. Die bringen Mediziner-Wissen auf den Punkt, ohne sich in Details zu verlieren. ")


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 21:41
Zitat von FrankMFrankM schrieb:Aus dem Zitat: ...die kurzzeitig zu einer Verschlimmerung der Symptome unter Besserung des Allgemeinbefindens führen kann.
Also, wenn es mir noch beschissener geht als vorher und ich kaum noch gerade aus laufen kann, ohne hinzufallen, dann ist mein Allgemeinbefinden super?
Kann'ste dir nicht ausdenken...
Oder halt, doch -> Homöopathen!


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 21:53
Zitat von schrauber2schrauber2 schrieb:Kann'ste dir nicht ausdenken...
Ich hab noch ein paar hier liegen - jedes mit einer irgendwie anderen Beschreibung der Erstverschlimmerung


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 23:01
Zitat von FrankMFrankM schrieb:Ich hab noch ein paar hier liegen - jedes mit einer irgendwie anderen Beschreibung der Erstverschlimmerung
Also recht beliebig das Ganze, wie so jeder Hokuspokus 😏
Und das nennen sie denn Evidenz, oder wie?!


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Evidenzbasierte Medizin vs. Komplementärmedizin

14.09.2021 um 23:45
Zitat von skagerakskagerak schrieb:Also recht beliebig das Ganze, wie so jeder Hokuspokus 😏
Im Prinzip ist in der HP scheinbar alles "ganz wichtig" aber dann doch wieder nicht.

z.B. Potenzierung
- Immer wieder hört und liest man, daß das keine Verdünnung ist, sondern das durch das genaue Befolgen der Regeln wie "Schläge auf ein Leder-Kissen senkrecht zur Erde" Energien in das Mittel eingebracht werden, die eine Übertragung der Wirkung (oder Informationen darüber) der Substanz auf das Lösungsmittel bewirken.

- Im Europäischen Arzneibuch (nachdem die meisten Hersteller und Apotheker arbeiten) steht nur "kräftige Schüttel-Schläge" (Mittel in geschlossener Flasche n mal mit der Hand oder Maschine schütteln reicht)
- Im "Homöopathie – Heilung oder Humbug?" von 2013 bei 3sat (Youtube: |3Sat Doku| Homöopathie - Heilung oder Humbug? - 01.12.2014
|3Sat Doku| Homöopathie - Heilung oder Humbug? - 01.12.2014
) führte ein kleinerer schweizer Hersteller ganz stolz vor wie sie für größere Mengen ein kleines Aquarium mit Flüssigkeit auf einem Wagen gegen ein Kissen an der Wand fahren (zwar gegen ein Kissen, aber waagerecht statt senkrecht)
- Remedia (Hersteller in Österreich) bietet Mittel aus Fluxionspotenzen an - dabei wird die Substanz durch Zufluss von Wasser kontinuierlich verdünnt - also gar nichts mehr mit Schüttel-Schlägen (https://www.remedia.at/homoeopathie/herstellung-homoeopathie/fc-potenzen/)


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