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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

22.07.2015 um 10:53
wuec schrieb:dafür hatten wir mal was gegen Vergewaltigungsbeschwerden oder so ähnlich.
Fragt sich nur, welche Grundsubstanz diesem "Mittel" zugrunde liegt. Und wie kommt das Wasser damit zurecht, diese Dinge immer im Gedächtnis mit sich zu tragen? :D


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

22.07.2015 um 10:55
MrSmile38 schrieb:Lg aus Würzburg
Impressung der Seite Kürnach.
Du jubelst uns doch nicht etwa ein bisschen verkappte Werbung unter um deiner (?) Seite ein wenig Traffic zu bescheren?
Das wäre ungut.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

22.07.2015 um 11:03
@Peter0167
Puh. Weiß ich nicht mehr.
Keine Ahnung welcher Ausgangsstoff bei gesunden Probanden zu Vergewaltigung führt. Vielleicht Weiblichkeit?

Im Zweifel ist es immer Belladonna. Das hilft bei denen gegen alles (außer Tod)


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

22.07.2015 um 11:18
wuec schrieb:Keine Ahnung welcher Ausgangsstoff bei gesunden Probanden zu Vergewaltigung führt.
Hmm. Das kann ich so nicht stehen lassen, das führt nur zu Miss(t)verständissen.
Das Mittel soll nicht gegen Vergewaltigung helfen, sondern gegen die Beschwerden (Verletzungen, psych. Traumata, Angstzustände...).

Ich habe mir einen zugegebenermaßen schlechten Witz erlaubt (ein Scherz der Erklärung braucht ist immer schlecht), der die Behauptung der Homöopathen, im Gegensatz zur Unimedizin nicht an Symptomen sondern an den Ursachen herumzudoktern, aufs Korn nehmen sollte.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:14
@Peter0167
Peter0167 schrieb:Fragt sich nur, welche Grundsubstanz diesem "Mittel" zugrunde liegt.
Habe mich geirrt. Nix mit Belladonna. Bei Vergewaltigung hilft so ziemlich alles und deshalb hilft Belladonna ausnahmsweise mal nicht.
Fall 2 - Schwere Vergewaltigung

Frau K. wurde von einem bewaffneten Mann brutal vergewaltigt. Parallel zur traumapsychologischen Sofortintervention erfolgt eine homöopathische Behandlung: Die Patientin, die zunächst keinem persönlichen Gespräch bereit ist leidet nach Angaben der Psychologin an: Panikattacken; Wutanfällen, verletzt dabei auch den Lebenspartner; leidet an Albträumen, nimmt keine Nahrung zu sich, permanentes Erbrechen; Verfolgungswahn; verlässt die Wohnung nicht mehr.

Mittelgaben: Aconitum C 200 zwei Tage im Abstand von 1-2 bzw. 3-4 Stunden je nach Verlauf, anschließend Staphisagria C 200 3 Gaben über den 3. Tag im Abstand von 4 h.

Verlauf: Unter Aconitum wird die Patientin ruhiger, am 3. Tag werden Wutanfälle gemäßigter; Gespräche mit der Psychologin werden strukturierter, am 4. Tag ist die Patientin zu einem persönlichen Gespräch (via Telefon) mit mir bereit, sie schildert, dass sie beherrschter sei, wieder mal etwas essen könne, sie aber noch andauernd erbrechen müsse, Schlaf sei zeitweise möglich, es fielen ihr nun immer mehr Details der Vergewaltigung ein; es sei als ob ihr Bewusstsein zurück kehre; die Psychologin nimmt deutlich wahr, dass die Patientin jetzt besser unterscheiden kann zwischen dem Ereignis, das der Vergangenheit angehört und dem Jetzt. Die Behandlung mit Staphisagria wird fortgeführt in größeren Intervallen, parallel erhält die Patientiin Nux vomica in D6 in kurzen Zeitabständen akut gegen das Erbrechen , wodurch das Erbrechen gestoppt wird. Nach 14 Tagen schildert die Patientin telefonisch, dass es ihr deutlich besser gehe und sie sich auch schon mal wieder auf die Straße traue. Dann bricht der Kontakt ab.
http://www.t-i-z.de/trauma-info/behandlungs-und-therapiemöglichkeiten/klassische-homöopathie/
Fragen hierzu: Wie muss man sich eine Erstanamnese vorstellen, wenn die Patientin zu keinem persönlichen Gespräch bereit ist? Wo bitteschön ist positive Resonanz, die Erstverschlimmerung?
Nach Abbruch des Kontakts wurde die Patientin als geheilt betrachtet, oder wie?

Nach dieser Seite http://www.homoeopathie-online.com/materia_medica_homoeopathica/Aranea_diadema_Materia_Medica.html ginge allerdings auch Kreuzspinne (hilft auch gegen "in Lügen verstricken"^^), Hundemilch und noch bisschen Krempel
Symptomatische Vergleichsmittel
- China
Inhaltliche Vergleichsmittel
- Ammonium carbonicum (VE/PL/SA/UR/NE)
- China (MA/MO/SA/UR)
- Lac caninum (VE/MO/PL/SA)
- Lathrodectus mactans (PL/UR
- Thuja occidentalis (VE/PL/SA/NE)
...
Komplementärmittel
- Lac caninum (VE/MO/PL/SA)
____

Vergewaltigung
Bei medplex konnte ich dieses fulminante Angebot nicht mehr finden. Dafür aber das da:
http://www.homoeopathie-homoeopathisch.de/homoeopathische-mittel/Staphisagria.shtml
Hilft auch bei Karies!
___

Das wäre fast witzig, wenn das nicht so unfassbar dreist und brutal menschenverachtend wäre.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:23
@wuec
Alternative "Ärzte" "heilen" afrikanische Menschen auch mit Homöopathika im Busch von AIDS, Krebs und Malaria. Die armen Leute kommen da hin weil sie sich die wirksame teure Medizin der Weißen erhofft und wird mit unwirksamen Placebos abgespeist. Das ist Menschenverachtung pur.

http://derstandard.at/1385169532326/Auszeichnung-fuer-Homoeopathen-ohne-Grenzen


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:26
@wuec

Da fehlen mir echt die Worte. Fehlt nur noch, dass die eine Täter- und eine Opfervariante davon rausbringen.

Staphisagria / Täter - gegen das schlechte Gewissen danach...


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:30
@babykecks



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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:32
@Peter0167
Esotheriker, Wunderheiler und Homöpoaten können indirekt Menschen töten, tiefstes Mittelalter.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:39
babykecks schrieb:tiefstes Mittelalter.
Okay, eigentlich wollte ich gerade dagegen halten, dass die im Mittelalter gar nicht so doof waren, aber da ich mir angewöhnt habe, mich vor dem schreiben zu informieren, bin ich gerade noch rechtzeitig auf das hier gestoßen:

Wikipedia: Medizin_des_Mittelalters

Damals waren also auch schon magische und mystische Elemente weit verbreitet, demzufolge kommt das mit dem Mittelalter so ungefähr hin :D.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:40
@Peter0167
In der Antike war man weiter das zeigen Kodexe aus der römischen Zeit.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 11:50
Staphisagria / Täter - für das schlechte Gewissen danach...
Auch dem Täter kann geholfen werden. Idealerweise ebenfalls mit Aranea diadema, unserer Kreuzspinne.
- Leichen im Keller, verdrängte, unbewältigte Geschichten (PL/SA)
- Gefühl, etwas darf nicht herauskommen, bekanntwerden (PL/SA/UR)
- Tabubereiche, dunkle Seiten werden verdrängt (PL/SA/UR)
Peter0167 schrieb:Okay, eigentlich wollte ich gerade dagegen halten, dass die im Mittelalter gar nicht so doof waren, aber da ich mir angewöhnt habe, mich vor dem schreiben zu informieren, bin ich gerade noch rechtzeitig auf das hier gestoßen:

Wikipedia: Medizin_des_Mittelalters

Damals waren also auch schon magische und mystische Elemente weit verbreitet, demzufolge kommt das mit dem Mittelalter so ungefähr hin
Die medizinischen Zustände waren auch etwas später zu Hahnemanns Zeiten... nunja, ich sag mal suboptimal. Einer der Gründe weshalb er und andere eifrig nach Alternativen suchten, die den Patienten nicht zusätzlich Schaden zufügten. Von der Intention und dem Ansatz her, war das durchaus sinnvoll.
Dass er fleissig gegen Naturgesetze verstieß konnte er nicht wissen, denn die Gesetze der Thermodynamik bsp wurden erst nach seiner "Erfindung" publiziert.
Und da man Hahnemann aufgrund seiner Methodik durchaus als einen Proto-EbMler betrachten kann, wage ich die Behauptung, dass er sich heute über die Homöopathen kringelig lachen und sie als Idioten bezeichnen würde. Er suchte nämlich nach "Beweisen" (also im weitesten Sinne) und kausalen Zusammenhängen.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

23.07.2015 um 12:34
Hier mal ein knapper Überblick über die Medizin des 18. Jh (Hahnemann lebte von 1755 bis 1843)
Die „alte Medizin“
Im 18. Jahrhundert war das Wissen über den menschlichen Körper sehr gering. Zwar hatte William Harvey (1578 –1657) schon den Blutkreislauf entdeckt. Stoffwechselprozesse, Bakterien oder Hormone waren aber noch nicht bekannt.

Nach der Vier-Säfte-Lehre hielt man Krankheit für ein Missverhältnis von Blut, Schleim, Schwarzer und Gelber Galle, das mit Hilfe von Aderlässen, Abführ- und Brechmitteln wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden sollte.

Die ärztliche Therapie basierte meist auf theoretischen Heilungsmodellen. Man verordnete oft Arzneigemische und giftige Stoffe wie Arsen und Quecksilber in hohen Mengen. In Abgrenzung zu dieser Praxis trugen die stark verdünnten, genau bemessenen Dosen Hahnemanns viel zur Attraktivität der Homöopathie bei.


Die Vier-Säfte-Lehre
Die Vier-Säfte-Lehre bildete die Grundlage der medizinischen Therapie von der Antike bis in die Neuzeit. Der Begründer dieser auch Humoralpathologie genannten Lehre war der griechische Arzt Hippokrates (ca. 460 – 370 v. Chr.). Er definierte Krankheit als die schlechte Mischung der Körpersäfte (Blut, Schleim, Schwarze und Gelbe Galle), die auch durch die ungünstige Beschaffenheit von Luft, Wasser und Boden entstehen kann.

Die Entleerung des Körpers war deshalb über Jahrhunderte zentral. Die Kranken mussten sich auszehrenden Aderlässen, Einläufen mit Klistieren und Brechkuren unterziehen.

Erst die von Rudolf Virchow (1821 – 1902) entwickelte Zellularpathologie, die die Entstehung der Krankheiten aus Veränderungen in den Zellen erklärte, löste die Vier-Säfte-Lehre ab.

Die medizinische Versorgung: Ärzte, Bader, Laienheiler
Die medizinische Versorgung war im 18. Jahrhundert auf andere Berufsgruppen verteilt als heute. Studierte Ärzte waren eine kleine Minderheit. Bader und Wundärzte trugen die Hauptlast der medizinischen Versorgung. Die Bader therapierten vorwiegend mit Aderlassen und Schröpfen. Die Wundärzte nahmen chirurgische Eingriffe bis hin zu Amputationen vor. Beide Berufe galten als Handwerk. Man erlernte es bei einem Meister.

Daneben gab es viele Laienheiler, die aufgrund ihrer Kenntnisse über die Heilkraft von Pflanzen und anderen Wirkstoffen alle Bevölkerungsschichten medizinisch versorgten.

Auch noch im 18. Jahrhundert boten Wunderheiler, Zahnausreißer und Brillenverkäufer ihre Waren und Dienstleistungen auf Jahrmärkten an.

Die medizinische Ausbildung der Ärzte im 18. Jahrhundert
Über Jahrhunderte wurde an den Universitäten das medizinische Wissen fast ausschließlich aus Büchern vermittelt. Für anatomische Studien benutzte man Puppen, Klapptafeln oder Wachsmodelle. Nur selten wurden in Hörsälen Leichen seziert. Die Kenntnisse des menschlichen Körpers waren gering. Der Unterricht am Krankenbett bildete die Ausnahme.

Im 18. Jahrhundert begann man an einigen Universitäten die medizinische Ausbildung zu reformieren. Ziel war die Überprüfung und Erweiterung des theoretischen Wissens durch ärztlichen Unterricht am Krankenbett. Zu den Reformern gehörte auch Joseph von Quarin (1733 – 1814), der Lehrer Samuel Hahnemanns in Wien. Hahnemann urteilte später über seine kurze Wiener Studienzeit, er habe Quarin zu verdanken, was als Arzt aus ihm geworden sei.
http://www.igm-bosch.de/content/language1/html/12914.asp

Das muss einem damaligen "Revoluzzer" ebenso antiquiert und wenig zielführend vorgekommen sein wie uns heute die Hobbäddie erscheint. Hahnemanns Groll und Ablehnung der "Schulmedizin" gegenüber ist mMn durchaus nachvollziehbar, denn gute Resultate konnten die nicht vorweisen.


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Vltor
ehemaliges Mitglied

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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

25.07.2015 um 12:49
Da ich bei einer Schnellsuche dazu nix in dem Thread gefunden habe...
Eine ehemalige und wohl relativ bekannte Homöopathin hat sich von ihrem Beruf, falls man das überhaupt so nennen darf, abgewendet und ein Buch über die Thematik verfasst, welches anfänglich eigentlich die Homöopathie verteidigen sollte.

http://blog.gwup.net/2015/07/24/die-homoopathie-aussteigerin-natalie-grams-im-stern-interview/?utm_source=feedburner&utm...

http://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-Eine-Aerztin-denkt-um-Homoeopathie-hat-keine-arzneiliche-Wirkung-_arid...


Besagtes Buch mit Leseprobe:

http://www.homoeopathie-neu-gedacht.de/we_grams/images/Leseprobe-homoeopathie-neu-gedacht.pdf


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

27.07.2015 um 13:42
@Vltor
Hatten wir auf Seite 474... aber sowas darf man ruhig wiederholen...


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

28.07.2015 um 11:28
The war is over – homeopathy won.
Debatte – Seit Jahrzehnten kämpfen wir Skeptiker, Freunde des wissenschaftlich-kritischen Denkens gegen die Homöopathie in Deutschland an.
Meine steile These: lasst es, wir haben verloren!
...
Homöopathie nutzt allen, die sich zum Homöopathie-Glauben bekennen. Die einen haben den Nutzen, den eine Religion, mit sich bringt, die anderen einen harten ökonomischen Nutzen, und dritte einen, der in Zuspruch besteht. Diese drei Nutzen vermengen sich. Wir wissenschaftlich-kritische Menschen haben zwar Recht, das war es aber auch schon. Wir haben zu lange verpasst, uns dort und auf eine Weise Menschen zu nähern, wo wir hätten punkten können. The war is over – homeopathy won.

Ich sage dies durchaus mit einem Anflug von Bitterkeit, aber nicht mit überbordender Resignation. Wenn etwas funktioniert, mach mehr davon – wenn etwas nicht funktioniert, mach etwas anderes. Dies sollte unser Motto sein. Wir sollten uns den Schlachten widmen, die noch un-entschieden sind, dort nicht die Fehler wiederholen, die wir im Kampf gegen die Homöopathie gemacht haben. Denn wir Menschen ™ lieben Wissenschaft.
Wir lieben unsere Klimaanlagen, unser Internet, unsere Kopfschmerztabletten. Schlagen wir andere Schlachten, und gewinnen wir diese!

Was die Homöopathie angeht, sind wir in einer solch asymmetrischen Situation, dass uns nur der Guerilla-Kampf bleibt. Und zu diesem hat schon Guevara richtig ausgeführt, dass man in dieser Kampfform zwar dem Gegner Niederlagen beibringen kann, aber ihn nie besiegen können wird. Dafür brauchen wir zunächst Raumgewinne in anderen Bereichen.
http://www.ruhrbarone.de/homeopathy-won/109814 (glaub ich hatte das bereits verlinkt - oder hatte es vor und dann vergessen)

Ich sehe das sehr ähnlich. Doch meine Begründung ist weniger weichgespült wie die des Autors.

Ich sage, wir leben im Zeitalter der geistigen Devolution.
Zwar haben wir erfolgreich Krankheiten ausgerottet, können Leben retten und um Jahre verlängern, Leiden lindern, ballern Mensch und Maschine erfolgreich in den Weltraum, dechiffrieren tagtäglich Geheimnisse der Natur, erfreuen uns an (vergleichsweise) hohem Lebensstandard und guten Bildungschancen, doch gleichzeitig ist die kollektive Narretei unaufhaltsam auf dem Vormarsch.

Nationalistisches Donnergrollen überall. Wirtschaftsdarwinismus. Wissenschaftsfeindliche Gesinnung. Fortschrittsfeindlichkeit. Zunehmender Hang zu modernen Mythen und Lagerfeuergeschichten, Festhalten an reaktionären Denkweisen von vor-vorgestern. Die Rattenfänger von einst stellen sich heute als Heilsbringer dar. Erklären sich selbst zur (besseren) Alternative. Verzapfen nachweislich Bullshit und lassen sich dafür feiern. Vergiften Gehirne und legen vor aller Augen geistige Brände und statt einer Tracht Prügel werden sie dafür von ihresgleichen noch enthusiastischer gefeiert.
Leugnung gilt heutzutage als skeptische Haltung. Dogmatismus ist die auserwählte Methode der selbsternannten Wahrheitsverkünder. Ignoranz schlägt Engagement.

Die Geschichte der Medizin war über Jahrhunderte hinweg eine traurige Geschichte, doch die Fortschritte der Naturwissenschaften der jüngeren Zeit sind nicht zu leugnen. Auch und vor allem in der Medizin.
Zu verdanken haben wir das einem kompletten Wandel unserer Methodik, unseren Fortschritten bei der Erkenntnisgewinnung, unser Umgang mit vermeintlich gesichertem Wissen, selbst unsere Existenz und Bedeutung im und für die Welt und das Universum betrachten wir heute völlig anders. Begonnen hat all das mit der Aufklärung. Sie riss uns aus den Klauen finsterer Zeiten. Doch wo ist eigentlich der Geist der Aufklärung abgeblieben, der uns in relativ kurzer Zeit so weit brachte, wenn man solche Aussagen von Verantwortungsträgern hören muss?
Wir erleben das in NRW doch seit Jahren aus erster Hand. Unsere Gesundheitsministerin, der ich gerne und oft mit Spott begegne, da sie als Gäubige ja sowieso auf Kritik nicht reagiert, Eso-Babsi, erdreistet sich auf einem ‚Kongreß‘ auszuführen, dass wir eine neue Wissenschaft bräuchten, wenn die bisherige Wissenschaft nicht in der Lage sei, Belege für die Wirksamkeit von Homöopathie zu präsentieren. Applaus. Kein Widerspruch. Neue Wissenschaft FTW!

Klar. Die Methode, die uns so weit gebracht hat und die sich tagtäglich zigfach aufs Neue bewährt, muss ja zwangsläufig falsch sein, wenn das Resultat sich nicht mit dem eigenen Wunschdenken deckt. Ist doch logo!

Ich fürchte das Zeitalter der Aufklärung nähert sich allmählich ihrem natürlichen Ende. Statt back to the roots heißt es demnächst wohl unter frenetischem Beifall back on the trees.

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." So formulierte es Kant vor vor etwa 200 Jahren.
Heute würde er womöglich schreiben: Bequemlichkeit und Faulheit gewinnen immer. Freiwillige Unmündigkeit scheint die stärkste aller bekannten Kräfte zu sein.
__

Genug gespuckt. Zurück zur Hobbäddie.
Den Krieg gegen Hobbäddismus geben längst nicht alle verloren. Am 13.November findet ein "Erstes Strategietreffen der Homöopathiekritiker" im um diese Jahreszeit wohl arschkalten aber schönen Freiburg/Breisgau statt.
Freitag, 13.11.2015, ab 19.00 Uhr, Hausbrauerei Feierling (Link):

– Erstes Kennenlernen

Samstag 09.00 Uhr bis Sonntag 12.00 Uhr, Humboldtsaal

– Vorstellungsrunde

– Strategie

Ist-Analyse: Homöopathie in unserer Gesellschaft
Ziele: Was wollen wir erreichen? Was scheint erreichbar?
Vorgehensweise: In welchen Schritten gehen wir vor? Wer macht was?
Ideen für öffentlichkeitswirksame Aktionen

– Organisation

Wie vernetzen wir uns / Kommunikation?
Wie können wir Gleichgesinnte erreichen?
Wer könnte uns unterstützen?
http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2542
Bis dahin fließt noch viel Wasser deutsche Flüsse hinab. Ich kann daher nicht sagen ob ich teilnehmen werde (aber falls ich das tue, dann ist wohl logo bei wem ich Unterkunft finde @werterHerrdessenNameichjetztnichtnennenwerde. Verpflegung geht dafür auf meine Kappe)
Ich wollts einfach mal publik gemacht haben und fragen wer ggfls Interesse hätte.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

28.07.2015 um 11:39
@wuec
wuec schrieb:Ich fürchte das Zeitalter der Aufklärung nähert sich allmählich ihrem natürlichen Ende. Statt back to the roots heißt es demnächst wohl unter frenetischem Beifall back on the trees.
Nährt sich dem Ende? Es ist schon seit einigen Jahrzehnten vorbei. Willkommen im neuen Dunklen Zeitalter - hic sunt dracones.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

28.07.2015 um 11:51
@Pan_narrans
Hmm. Okay. Dann nähert es sich eben dem absoluten Nullpunkt an.
Das endgültige Ende. (das ist was ähnliches wie ein bewiesener Beweis)
Das irreversible ultimative und absolut gewisse Ende.
Das ist dann erreicht, wenn Gehirne sich verflüssigen um durch die Ohren zu flüchten.
Wenn Döspaddel das Steuer übernehmen.


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Evidenzbasierte Medizin vs. Homöopathie

28.07.2015 um 18:59
@wuec
Es gibt halt nun mal Leute die lassen sich nicht belehren, bis sie selber mal auf den Kopf fallen. Und die hat es auch schon immer gegeben imho. Somit sind auch die Quacksalber nie weit. Das jetzt als verlorener Krieg zu bezeichnen halte ich für überstürzt. Solange noch keine renommierte Uni/FH einen BSc. in Homöopathie anbietet bin ich noch einigermassen beruhigt.
Das mit den Homöopathen ohne Grenzen ist zwar echt ein krasser Auswuchs aber die haben ja immerhin reichlich Kritik geerntet. Konnten die eig nie haftbar gemacht werden?


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28.07.2015 um 19:20
@switchy
switchy schrieb:Es gibt halt nun mal Leute die lassen sich nicht belehren...
Das mag sein und das gestehe ich jedem zu. Hat aber nichts mit der (freiwilligen) Unmündigkeit zu tun (vgl Kant).
Denn leider verhält es sich so, dass gerade jene, die sich der "Alternativlogischen Unwissenschaften" hingeben, sich sehr gerne belehren lassen. Sie plabbern ihren Vorpredigern ähnlich einem Papagei alles unreflektiert nach und immunisieren sich gleichzeitig gegen jedwede Falsifizierung.
switchy schrieb:Das jetzt als verlorener Krieg zu bezeichnen halte ich für überstürzt
Ich nicht. Lies hierzu bitte Bartoscheks Artikel. Der Punkt ist, dass die hobbädiische Zauberlehre Vorteile bringt. Sei es für die Hersteller und Heilpraktiker, Ärzte, die Politik, die Krankenkassen. Die können alle Vorteile verbuchen und werden "nen Teufel tun" davon abzulassen.
switchy schrieb:Solange noch keine renommierte Uni/FH einen BSc
Ist nur eine Frage der Zeit, bis es den MSc (Murkser/Mistress of Sc) in Hobbäddie gibt, wenn du mich fragst. http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2523


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