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Inga Gehricke - Fünfjährige in Stendal vermisst

23.849 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Vermisst, Wald, Mädchen ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Inga Gehricke - Fünfjährige in Stendal vermisst

um 16:38
Das kann ich aus eigener Erfahrung heraus anders berichten.
Ich war in einem Jugendwerkhof und sollte dort zu einer "sozialistischen Persönlichkeit" umerzogen werden.
Und ca. 30% der Insassen kamen nach einem Gerichtsurteil in den JWH bzw. mussten nach ihrer Einweisung erst zu einer Verhandlung, was mitunter zu einer späteren Überführung in eine Jugendhaftanstalt führte.
Zweites war aber selten, da Delikte, die potentiell per Gerichtsurteil eine Haftstrafe zur Folge hatten, gar nicht erst zur Einweisung in eine Erziehungsanstalt führten, sondern zu U-Haft.

Richtig ist, dass man ins Heim oder den JWH per Beschluss des Ministeriums für Volksbildung eingewiesen wurde, beantragt von der lokalen Jugendhilfe.
Ohne Gerichtsurteil.

Straftaten wurden aber in der DDR gnadenlos verfolgt und geahndet. Ab 14 Jahren. Es wurde nur nicht öffentlich berichtet, weil man ja einen Ruf wahren wollte.
Bei Straftat vor dem 18. mit Urteil Freiheitsentzug kam man ins Jugendhaus, den Jugendstrafvollzug.
Bewährungsstrafen hatten oft eine Einweisung in eine Erziehungseinrichtung, meist JWH zur Folge. Oder eben die Einweisung wurde schnell beschlossen, die Gerichtsverhandlung folgte später..

Akten gibt es sicher, wenn es Straftaten waren. Bei einem Beschluss ohne Straftat gibt es auch Akten (kann man für die Opferrente auch einsehen), aber da werden EB keinen Zugriff haben.


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Inga Gehricke - Fünfjährige in Stendal vermisst

um 18:08
Zitat von lepper45lepper45 schrieb:ei extremer, plötzlicher Angst setzt der sogenannte „Schock-Freeze“ (Angststarre) ein.
oh ja - das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen! Es kann plötzliche Situationen geben, die einen wirklich regelrecht "lähmen".
Zitat von SkylarBlueSkylarBlue schrieb:Süßigkeiten, Welpen etc haben halt leider eine hohe Anziehungskraft. Und vor allem wenn Kinder keine schlechten Erfahrungen mit Erwachsenen hatten, dann sind sie nicht misstrauisch. Warum auch? Das ist ja das schöne an Kindern und der Kindheit. Sie glauben an das Gute und haben Vertrauen.
ich würde sogar noch weiter gehen. Zumindest zu der Zeit, als ich ein kleines Kind war, wurden wir von unseren Eltern durchaus gewarnt. Dass man mit Fremden nicht mitgeht, dass etwas Schlimmes passieren könnte, dass es Menschen gibt, die anderen wehtun, absichtlich. Ja. Das war zumindest mir als kleines Kind durchaus bewusst, und wenn ich alleine in der Feldmark unterwegs war, was durchaus vorkam, denn "die Großen", sprich mein großer Bruder & Co hatten auch mal andere Pläne, als immer mit mir im Schlepptau ihre Nachmittage zu verbringen, also wenn ich allein durch die Gegend streifte, war ich immer auf der Hut! Mir war sowas wie "Gefahr" irgendwie bewusst. Nur, und ich glaube, das ist ein entscheidender Punkt: Ich konnte ja diese Gefahr gar nicht einordnen. Mir wäre jemand vielleicht komisch vorgekommen (so eine Begegnung hatte ich einige Jahre später durchaus, und mein damaliges Gegenüber, der mir sehr beunruhigend erschien, entpuppte sich Jahre später als Hauptverdächtiger in einem zweifachen Mordfall). Aber ich hätte nicht sagen können, was genau gefährlich gewesen wäre, worin das bestanden hätte, wie ich es erkennen könnte und vor allem: wie ich mich da hätte schützen können. Ich zumindest dachte so à la "Gefahr erkannt - Gefahr gebannt". Ich dachte, wenn ich die Beine in die Hand nehme und einfach schnell weglaufe, statt irgendwo mitzugehen, kann mir ja nichts passieren...


Was mich nachdenklich macht: Irgendjemand schrieb, schon bei einem früheren Treffen auf dem WH war Inga kurzzeitig nicht auffindbar.
Diese Äußerung geht mir nicht aus dem Kopf. Ist das richtig und ist jemals geklärt worden, was da vorgefallen war bzw. wo sie war?
Zitat von SkylarBlueSkylarBlue schrieb:Und du unterschätzt wie oft niemand auf die Kinder achtet, eben weil viele Leute da sind. Es geht so schnell.
Das sehe ich genauso. Jeder, der Kinder hat, weiß wohl, wie schnell sie plötzlich "unsichtbar" sein können. Meistens glücklicherweise nur für einen kurzen Moment.
Zitat von ivaiva schrieb:Chapeau! Auf diese Idee bin ich nie gekommen, und fand es sehr schwer zu erklären. Wir trafen sehr viele Menschen, als die Jungs klein waren, und gerade der Kleine wäre mit jedem gegangen, denn er mal gesehen hat.
Oh ja. Meine Tochter sah manchmal Leute, die sie zwar nicht kannte, aber irgendwie sympathisch fand. Für gewöhnlich kam dann ihre Frage: Mama, können wir die (also gemeint war die Person) mit nachhause nehmen?
Einmal ist sie sogar aus dem Supermarkt raus hinter einer Frau hinterher, als ich am Kassenband am Auspacken war... musste dann alles stehen und liegen lassen und hab sie auf dem Parkplatz eingesammelt. Da dürfte sie auch so 3 oder 4 gewesen sein. Wenn sowas beim Falschen passiert, halleluja.
Zitat von lepper45lepper45 schrieb:Ein 5-jähriges Kind kann sich im dichten, unwegsamen Unterholz voller Äste und Gestrüpp in 15 Minuten physikalisch unmöglich kilometerweit in den Wald hineinkämpfen.
Ja, das mag sein. Aber wer kann genau angeben, wie das Gelände dort zu der Zeit ausgesehen hat??
Jeder, der mal ein ich sage mal halbwegs wildes Grundstück über mehrere Monate besucht hat, weiß, wie sich innerhalb kurzer Zeit eine sehr dichte Vegetation bilden kann. Man müsste also genau wissen, wie es dort zum Zeitpunkt ihres Verschwindens wirklich ausgesehen hat. Zum Zeitpunkt von Ingas Verschwinden begann die Vegetationsperiode ja erst, sich voll zu entwickeln. Das kann dort also wenig später vollkommen zugewachsen gewesen sein, wo Ende April/Anfang Mai nur ein lückenhafter Bewuchs war. Gerade um diese Zeit geht es (je nach Wetter) unglaublich schnell. Man kann quasi beim Wachsen zuschauen.
Zitat von LukkaLukka schrieb:Welcher Radius, dabei abgearbeitet wurde, dass wissen wir auch nicht. Ich sehe es als schwierig an , so ein großes Gebiet zu durchsuchen und das bis ins kleinste Detail.
Die Faustregel heißt: Kinder können das 3fache ihres Lebensalters an Kilometern laufen. Für Inga hieße das also rund 15 km. Ich bin mit meiner Tochter mal zu Ostern rund 9 km in der Lüneburger Heide bzw. Nordheide zum Wilseder Berg gelaufen, bei u.a. Schneetreiben, da war sie 3 oder 4. Aber durch Unterholz ist das natürlich etwas vollkommen anderes, als über (Wald)Wege.
Und sicherlich macht es auch einen Unterschied, ob ein Kind mit Erwachsenen unterwegs ist, die i.d.R. irgendwo ankommen möchten, oder allein. Denn bei einem kleinen Kind allein gilt meistens ganz besonders: Der Weg ist das Ziel.


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