Was für ein toller Mann, Harald Süßenbach! Seine Aussage „am Liebsten würde ich dem Angeklagten in die Fresse hauen!“ empfinde ich nämlich auch genau so.
Die vom Verteidiger wiedergegebene Aussage des Angeklagten, es habe ihn nach dem Tod seiner Frau belastet, ist einfach nur narzisstischer Müll. Als wäre er nicht Täter sondern Opfer.
Justsaying schrieb:
Volvic schrieb:Und moralisch scheint es ihm auch egal zu sein weil‘s so lange her ist, für ihn längst abgehakt und er offenbar seit Jahren problemlos damit lebt, was er angerichtet hat
Naja, er haette der DNA-Probe nicht zustimmen müssen.
Mein spontaner Gedanke dazu war, als ich das hörte: Blödheit und Hybris. Nachdem ihm spätere DNA-Tests nicht zum Verhängnis wurden hat er wahrscheinlich gedacht, man konnte offenbar keinen Zusammenhang zwischen ihm und Amy Lopez-Tatort-DNA herstellen, also kann er problemlos eine erneute DNA-Probe abgeben. Wird ja dann wieder gutgehen für ihn…
Für mich ist das kein Signal des Aufklären-Wollens, weil in dem Fall hätte er sich jahrzehntelang bei der Polizei melden und ein Geständnis ablegen können - anstatt die Polizei weiter ermitteln und (nach seiner Erwartung) scheitern zu lassen.
Außerdem will der Angeklagte keine Fragen beantworten. Auch hier erkenne ich keine Bereitschaft, zumindest zur gerichtlichen Aufarbeitung des Verbrechens beizutragen.
Justsaying schrieb:Und was will man erwarten - dass Mörder sich suizidieren, um adäquat Reue zu zeigen?
Da gibt’s ja noch viele Möglichkeiten dazwischen. Ein Geständnis wäre beispielsweise ein Signal gewesen, dass er reinen Tisch machen will.
Bisher scheint das Verhalten des Angeklagten von Gleichgültigkeit geprägt zu sein. Er behindert Ermittler und Gericht nicht, trägt aber auch nicht aktiv zur Aufarbeitung des Verbrechens bei.
Und warum nicht? Weil es ihm egal ist. Weil er keine Nachteile sondern womöglich eher Vorteile erwartet.
Er wird im Knast gepflegt, als vermutlich seltener alter Häftling wahrscheinlich individueller und damit besser als bei Massenabfertigung im Altenheim. Bezahlt wird es vom Steuerzahler und er muss sich nicht mit der Pflegekasse herumschlagen.
Und diesen Egoismus verkauft er jetzt als eine Art Aufklärungsbereitschaft.
Ich bin da ganz bei Ex-Ermittler Süßenbach und seiner Aussage…
Für die Gesellschaft und den Rechtsstaat mag es juristisch okay sein das Verfahren so schnell über die Bühne zu bringen. Angesichts der Schwere, der Tragik und der langen Auseinandersetzung vieler Menschen mit diesem Verbrechen wirkt es auf mich irgendwie unpassend.
Ich hoffe nur, dass die Angehörigen von Amy Lopez durch diesen Prozess und eine Verurteilung zur Maximalstrafe einen gewissen Frieden finden, sofern das überhaupt möglich ist. Ob ein „Kurz-und-schmerzlos“-Prozess, in dem viele Fragen offensichtlich gar nicht thematisiert werden, dafür hilfreich ist?
Ich hoffe dann nur, dass ihnen Vieles, was im Prozess kein Thema ist, trotzdem zugänglich gemacht wird falls es ihre Fragen beantwortet und zumindest ein wenig Hilfe oder Heilung bringt.