leonor schrieb:Wieso „zu Recht“?
M8nix schrieb:Wie meinst du das?
Ich erinnere mich, und habe eben noch einmal nachgesehen, dass am 05.12. hier auf den Seiten 315/316 ausführlich über den Vorfall mit dem Hund geschrieben wurde. Eugen Block hatte sich nach dem Biss geweigert, die Kinder vor dem Hund zu schützen und den vorgeschriebenen Weg einzuhalten, den er nach dem Vorfall hätte gehen müssen.
Den Satz hatte ich nicht richtig ausformuliert. Natürlich musste sich der Großvater mit dem bissigen Hund vom Vater (und Mitsorgerechtsinhaber) des betroffenen Kleinkindes (T.) etwas sagen lassen. Aber der Vater kann ihm jetzt auch nicht diktieren, wie er konkret mit seinem Hund umzugehen hat. Sondern nur verlangen, dass Gefährdungen des Kleinkindes ausgeschlossen sind. Am Ende war es so, dass Eugen Block wohl 2.000 Euro Geldauflage (§ 153a StPO) zahlen musste - und das kann nur wegen des Bisses (fahrlässige Körperverletzung) gewesen sein. Und nicht weil er den Forderungen des Vaters nicht nachgekommen ist.
Aber ich halte es für lebensnah, wenn Herr Block auch kein Interesse daran gehabt hätte, dass der Hund nochmal T. beißt.
Mir geht aber nicht um irgendwelche Sorgfaltspflichtverletzungen, sondern dass schon zu diesem frühen Zeitpunkt keine problemlösende Kommunikation mehr möglich war. Offenbar auch nicht zwischen den Elternteilen, sonst hätte man das intern gelöst.
LeonardodV schrieb:Auch hier ist es so. Ich "picke" jetzt mal @Lanza und @Origines heraus (ohne eure "Linie" zu werten). Euch ist insbesondere die "menschliche Seite" wichtig: wie konnte das passieren? - wer hat wann Fehler gemacht? - das kann doch nicht richtig gewesen sein, wie SH sich verhalten hat! - usw..
Den meisten Teilnehmern der Diskussion (einschließlich mir) geht es mE aber hier um das, worum es auch in diesem Verfahren, das ja das Thema dieses Threads ist, geht. Der (Straf)-"Prozess wegen Kindesentführung gegen Christina Block u.a.. Und da geht es darum, wer an der brutalen Entführung der Kinder beteiligt war bzw. hierfür verantwortlich ist.
Ob es die meisten Teilnehmer sind? Hier wird seitenweise über E. Block, C. Block, Delling, RA Bott usw. abgelästert, die charakterlichen Eigenschaften seziert, oft sehr abgewertet, gerade im Hinblick auf eine "privilegierte" Stellung der Familie Block, ihren Reichtum natürlich. Klassisches Boulevard-Verhalten, viele Beiträge triefen ganz schön vor Häme und könnten auch Leserkommentare auf bild.de sein. Oder Fans des "Team Hensel".
Es gibt auch eine ganze Reihe differenzierter Stimmen (eigentlich sind die überwiegend), die aber auch die Aspekte des Falles unterschiedlich beleuchten und bewerten. Je nach persönlichen Präferenzen und auch Kompetenzen. Du
@LeonardodV widmest Dich intensiv den (verfahrens-)rechtlichen Fragestellungen. Dafür bin ich Dir sehr dankbar, denn dann muss ich mich damit nicht so beschäftigen oder der Welt die StPO erklären. ;-) Mein Blickwinkel ist zudem ein persönlicher, oder wurde immer persönlicher, je mehr ich darüber erfuhr. Was ich auch nicht verschweige. In meinem Fall kam es nicht zu schwerkriminellen Handlungen, aber auch zu Straftaten, zum Einsatz der Polizei, zur Entfremdung mit jahrzehntelangem Kontaktabbruch usw. Dabei denke ich, dass ich über die Jahrzehnte einen ziemlich abgeklärten Blick auf diese Ereignisse gewonnen habe.
Die kriminalpsychologische Frage, wie es hier zur Eskalation bis hin zu dieser Entführung kam, ist unabhängig von meiner Betroffenheit notwendiger Bestandteil für ein Verständnis von der Tat. Deshalb hat das Gericht ja auch gestern die erste Zeugin befragt. Die Vorgeschichte wird in diesem Prozess immer wieder thematisiert werden. Der Nachweis der Schuld umfasst ja nicht nur die Erfüllung eines Straftatbestandes. Sondern auch die Bewertung, wie groß die Schuld ist. Für den Betroffenen wie auch für die Öffentlichkeit ist ja oft nicht entscheidend, ob jetzt § x oder § y erfüllt sind, sondern wie das Strafmaß ist. Wenn ich das richtig im Kopf habe beträgt der mögliche Strafrahmen nach Anklageschrift 1 bis 10 Jahre.
Ob es für eine (Straf-)Verteidigung vernünftig ist, dass Frau Block ihren Mann immer wieder angreift und für Dinge beschuldigt, die hier nicht verhandelt werden, und vermutlich auch keine strafrechtliche Relevanz haben, ist eine andere Frage. Du siehst das zu Recht sehr kritisch. Die Angeklagte tut es fortlaufend, vermutlich weil das die einzige Verteidigung ist, die sie emotional vorstellt: "Ich konnte nicht anders, bitte versteht das doch!" Und zugleich behauptet sie: "Ich wollte das nicht, eigentlich habe ich nichts damit zu tun." Genau das wird aber bei Gericht nichts fruchten, weil das begangene Unrecht dadurch nicht geringer wird und sich mangelnde Einsichtsfähigkeit immer negativ auswirkt.
Während ich anfangs eine Bewährungsstrafe noch für wahrscheinlich gehalten hatte, ist die Tat im Prozessverlauf immer monströser geworden, hat Züge organisierter Kriminalität (die aber nur auf eine Tat gerichtet war). Mittlerweile bin ich gedanklich auch bei Hausnummern, die von Beobachtern immer wieder mal in den Raum gestellt werden. Aber mich interessiert halt die Sachverhaltsaufklärung der Tat selbst (wer hat wann mit wem was besprochen, wie viel Geld ist geflossen usw.) eher sekundär. Das Prozessgeschehen wird hier so gut aufbereitet und beleuchtet, dass ich mir ab und an die Freiheit erlaube, an beiden Elternteilen Kritik zu üben. Die Situation, wie sie jetzt ist und von September 2021 bis Dezember 2023 schon war, ist für die Kinder eine Katastrophe. Und das liegt eben nicht nur alleine an der Entführung oder den unangemessenen Handlungen der Mutter, auch wenn nur sie strafrechtlich belangt wird, weil nur sie Straftaten begangen hat (ich bin ja der Auffassung, Hensel hat ab August 2021 keine Kindesentziehung begangen, wenn die Kinder sich geweigert haben, zur Mutter zurückzufahren).