Offshore7 schrieb:Um etwas Entlastendes vorzutragen müsste es erst mal was Belastendes geben. 1000 Indizien von der Qualität "Fußspuren der Kategorie 4 (kann weder identifiziert noch ausgeschlossen werden) oder Handyortungen mit kilometerweitem Interpretationsspielraum und großen Lücken" zählen nicht unbedingt dazu. Bei Brandbeschleuniger, Fußmatte, Küchenrolle reichen mir die uns bekannten Gesprächsfetzen nicht aus. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Indizien, sondern deren Beweiswert und die Gesamtschau der tauglichen.
Ohne das belastende Nachtatverhalten inkl. Täterwissen würde ich anhand der bisherigen weiteren Indizien eher einen Freispruch erwarten. Fälle wie Genditzki haben gezeigt, dass eine Masse an Indizien alleine nicht ausreicht, es braucht schon ein paar Kardinalindizien. Ich denke, dass die Tümpelzeugen weitere liefern und die Angeklagte die Höchststrafe m.b.S.d.S. erwartet.
Sehe ich persönlich leicht anders. Dass die Forensik nur das wiedergibt, was sie die Spurenlage und die wissenschaftliche Methode somit objektiv ergibt, ist nicht nur zwingend geboten, um keinen Revisionsgrund zu liefern, sondern auch nicht zu spekulieren.
Daher die Fußspuren der Kategorie 4 und anderen Ergebnisse, die sich nicht vorschnell einfach festlegen. Das erwarte ich mir von Wissenschaft auch. Wenn sich Indizien als entlastend erweisen, dann ist so. Würden wir für uns selbst auch wünschen.
Ob da noch andere Fachpersonen zu Verbindungsdaten und dergleichen aussagen, wissen wir aktuell nicht. Wir haben ja auch nur Teile des Obduktionsergebnisses gehört, ohne zu wissen, welche Organe und Blutgefäße noch alles betroffen waren - trotzdem nehmen wir es hin, dass das Kind infolge der Stiche verblutet ist und und erst postmortem angezündet wurde. Warum sollten wir auch mit den paar Fetzen hier Zweifel daran anmelden?
Die Gesamtschau der bisherigen Indizien deuten schon sehr stark auf ihre Täterschaft hin und die anderen Zeugen haben wir noch nicht mal gehört und ich bin überzeugt, es kommen noch etliche, die das Bild abrunden und die bisher angeführten Puzzleteile setzen sich kongruent zusammen.
Die Verurteilung Genditzkis habe ich seinerzeit angezweifelt, eben weil der Fall nicht eindeutig auf seine Täterschaft hinwies und auch ein simples Unfallgeschehen die Ursache hätte sein können. Das war nicht gut ermittelt.