Selma1898 schrieb:Als Nichtjurist und Nichtpsychologe kann ich mir das Verhalten der Verteidiger nur dadurch erklären, dass sie, als Pflichtverteidiger, ihren Job im Sinne ihrer Mandantin machen. Zu der sie auf ganz bestimmte Art, die wir nicht kennen, einen emotionalen "Zugang" gefunden haben.
Und das meine ich jetzt in professioneller Hinsicht. Die Anwälte fahren eine Strategie für ihre Mandantin, dazu braucht es aber meiner Ansicht nach auch eine starke Vetrauensbasis.
Und Anwälte, die auch in der Öffentlichkeit "auf ihrer Seite stehen". Wobei Herr Ohm da vielleicht der emotional Verständnisvollere ist. Ich habe bei den Bildern aus dem Gericht immer den Eindruck, dass Herr Löcker doch auch räumlich eher auf Abstand zu ihr geht.
Ich kann mir das gar nicht vorstellen, wie ein Jurist das professionell schafft. Ihnen wird vollkommen klar sein, was die Angeklagte getan hat.
Sie machen einfach Ihren Job. Deswegen müssen Sie die Angeklagte noch lange nicht mögen.
Ja, das trifft es. Die Anwälte brauchen ein gewisses Vertrauensverhältnis und es wäre einer angemessenen Verteidigung nicht dienlich, wenn sie die Angeklagte konstant spüren lassen, dass sie von ihrer Tat/ihrem Verhalten abgestoßen sind. Die Angeklagte muss ihnen vertrauen und sie müssen Zugang zu ihr haben. Und wenn man so viel Zeit zusammen verbringt, kommuniziert und gewissermaßen unter viel Druck im selben Boot sitzt, kommt es auch unweigerlich mal zu einem gemeinsamen Lächeln oder Schmunzeln oder man steckt dem anderen ein Bonbon zu. Das soll und muss natürlich alles in einem angemessenen Rahmen bleiben, einerseits der Professionalität wegen und andererseits angesichts der Pietät und des Schreckens der angeklagten Tat.
Insofern würde ich auch um ein gewisses Verständnis für das Agieren der Verteidiger werben, zumal sie ja insgesamt bislang eher zurückhaltend waren, da gibt es schon ganz andere Arten der Konflikt- oder Showeffekt-Verteidigung. Andererseits darf man, wenn man im Gerichtssaal oder in der Öffentlichkeit gemocht werden will, ohnehin nicht Strafverteidiger werden, insofern werden sie schon damit klar kommen.