Deus_Ex_Machin schrieb:Ich vermute, sie wird eine Geschichte liefern, die die meisten Indizien berücksichtigt und dabei ihre Unschuld belegen soll. (…)Möglicherweise geht es dann in die Richtung, dass einer ihrer Gönner oder sogar Mathias R. Fabian ermordet hätte und sie lediglich bei der Beseitigung der Leiche geholfen hätte. Ich würde es ihr zutrauen.
Eigentlich ist es ja so, dass ein Gericht die Schuld einer Angeklagten nachzuweisen hat - nicht umgekehrt. In vorliegenden Fall bedeutet dies, dass nicht Gina H. in der Pflicht steht zu belegen, dass sie nichts mit dem Tod von Fabian zu tun hat. Es ist vielmehr Aufgabe der Kammer, ihre Täterschaft zweifelsfrei nachzuweisen - ansonsten muss sie einen Freispruch verfügen.
Ausgangslage war zu Beginn des Prozesses, dass die Staatsanwaltschaft davon überzeugt war, mit Gina H. die Mörderin des Jungen ermittelt zu haben. Entsprechend wurde die Anklage formuliert. Die 30-Jährige bestritt die Tat. Das Gericht ließ die Anklage zu, weil es die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung größer einstufte als einen Freispruch.
Ich finde, nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung hat sich der Verdacht der Täterschaft von Gina H. stark verfestigt. Es wurden Dutzende von Indizien gegen die 30-Jährige zusammengetragen - von klaren Anhaltspunkten dafür, dass sie Fabian am Vormittag abgeholt hat und dann zur Tatzeit im Bereich des Tatorts war, über mehrfach dokumentiertem Täterwissen (zum Beispiel Hinführen von Zeugen zur Leiche), bis zu handfesten Erkenntnissen über ein Motiv.
Schwer belastet wurde sie diesbezüglich u.a. durch Aussagen von Zeugen sowie durch eine Unmenge von Chat- und Sprachnachrichten, mit denen sie quasi „frei Haus“ ihren Wunsch dokumentierte, Fabian loszuwerden und eine neue Beziehung zu dem als Geldgeber dringend benötigten Vater des Jungen zu knüpfen.
Mir scheint, anhand der erdrückenden Fülle von Indizien gibt es eine klare Tendenz zur Verurteilung von Gina H - und vor diesem Hintergrund reicht es für die Angeklagte nicht aus, in der angekündigten Erklärung einfach nur pauschal und stur erneut ihre Täterschaft abzustreiten.
Zwar gilt weiterhin die Vorgabe, dass das Gericht sie des Mordes zu überführen hat, doch da es nach Stand der Dinge wohl ganz klar in diese Richtung läuft, müsste Gina H. -um ihren Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen- der Kammer schon sehr Konkretes an die Hand geben, was die Indizienlast entscheidend reduziert. Sie müsste etwas vorbringen, was sie als Täterin quasi ausschließt - bzw. den dringenden Verdacht auf jemand anderen lenkt.
Das halte ich für so gut wie ausgeschlossen. Wenn, dann hätte sie damit gleich am Anfang kommen und eine stringente Argumentation entwickeln müssen. Wer glaubt ihr denn jetzt noch, wenn sie versuchen sollte, ein Alibi nachzuschieben oder einen alternativen Täter zu präsentieren?
Es ist weit und breit niemand erkennbar außer ihr, der ein Motiv zur Tötung von Fabian gehabt hätte - auch nicht ein Nachbar Olaf oder einer ihrer „Gönner“, die Gina H. laut „Deus_Ex_Machin“ noch ins Spiel bringen könnte.