Boho schrieb:GH hätte "besser" daran getan, das Verbrechen zeitnah einzuräumen und es auf eine psychische Ausnahmesituation aufgrund der Trennung zu begründen. Natürlich immer noch die Frage mit der Planung, aber auch da hätte es Möglichkeiten gegeben, das irgendwie abzuschwächen.
Dann wäre sie ggf. sogar mit weniger als Mord davon gekommen und hätte gute Chancen gehabt, nach 10-12 Jahren oder sogar früher wieder frei zu sein.
Zum Glück ist ihr dieses strukturierte Denken aber nicht gegeben und so wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine dieser grausamen Tat an einem unschuldigen kleinen Jungen, der keiner Seele je was getan hat und schon im zarten Alter von 8 Jahren mehr im Leben auf die Reihe gekriegt hat, als die TV, im Mindestmaß angemessene Strafe bekommen.
Man kann über die richtige Verteidigungsstrategie in diesem Fall trefflich streiten. Als juristischer Laie fällt es mir etwas schwer, die bestmögliche Lösung zu identifizieren.
Man darf sicher auch geteilter Meinung sein, was die Leistung der beiden Anwälte von Gina H. während des Prozesses anbelangt. Aber man sollte fair sein, und dazu gehört meiner Ansicht nach die Erkenntnis, dass in diesem Fall von vornherein Hopfen und Malz verloren war.
Gegen zwei maßgebliche Belastungsfaktoren war für die Verteidiger objektiv kein Kraut gewachsen: das überbordende Mitteilungsbedürfnis der Angeklagten und ihr irrsinniges Bemühen, das Auffinden der Leiche von Fabian zu beschleunigen.
Mit Abertausenden von Chats und Sprachnachrichten sowie abgehörten Telefonaten lieferte Gina H. den Ermittlern jede Menge Informationen und Erkenntnisse quasi „frei Haus“. Zeitweise wurden um die 30 000 Vorgänge auf ihrem Handy in weniger als fünf Tagen registriert.
Vor allem aus dem Austausch von Nachrichten und Einschätzungen zwischen ihr und Matthias R. gelang es den Ermittlern, ein abgerundetes Bild vom Motiv der Angeklagten zu gewinnen. Hass auf Fabian, Sehnsucht nach einem Neubeginn der Beziehung zu dem auch als Geldgeber unbedingt benötigten MR - Gina H. redete und schrieb sich um Kopf und Kragen. Wohl selten ist Fahndern ein solcher Schatz an belastenden Informationen in die Hände gefallen.
Ebenfalls nicht mehr aus der Welt zu schaffen war das Täterwissen, das Gina H. mit den Sightseeing-Touren zum Tatort Tümpel offenbarte. Zielstrebig führte sie nacheinander drei Bekannte zur Leiche von Fabian - in der Hoffnung, dass sie nach dem offiziellen Auffinden des toten Jungen endlich den ersehnten Kontakt zu Fabians Vater neu knüpfen konnte.
Täterwissen und Motiv - das ergaben zwei tragende Säulen der Anklage. Sie waren gewissermaßen „handgemacht“ durch das Verhalten von Gina H. und ließen auf jeden Fall ein Ziel für die Verteidigung unrealistisch erscheinen: einen Freispruch.
Daher spricht in der Tat Einiges dafür, dass man frühzeitig hätte umschwenken sollen. Aber was ist, wenn die Angeklagte da partout nicht mitspielt?