Mordfall Fabian (8), aus Güstrow
16.09.2026 um 10:35Ergänzung: und der psychologische Gutachter ist ja auch noch gesetzt für einen der nächsten Verhandlungstage.
Woher weißt du, dass dem Antrag entsprochen wird?jeangreen schrieb:Und dann noch ein weiterer Gutachter für eine neue Handyauswertung ist ja eingeplant (was natürlich dauern wird). Ich schätze, der 8.10. wird für eine Urteilsverkündung nicht zu
Sind ja noch mindestens 4 Prozesstage angesetzt (falls nicht doch nochmal verlängert wird).jeangreen schrieb:Ergänzung: und der psychologische Gutachter ist ja auch noch gesetzt für einen der nächsten Verhandlungstage.
Du hast Recht, der Antrag wurde ja erst am 15.10. gestellt. Mein Fehler. Frau Habetha steht dem aber anscheinend auch relativ offen gegenüber und will man einen möglichen Revisionsgrund aufgrund dessen vermeiden, kann ich mir vorstellen, dass die Kammer dem stattgibt. Aber wie Du richtig sagtest: gesetzt ist das noch nicht.Goodbunny schrieb:Woher weißt du, dass dem Antrag entsprochen wird?
Aber da müsste man ja auch noch die Plädoyers mit berücksichtigen, neben den o.g. Zeugen. Wird schon knapp dann... Deswegen hatte ich ja geschrieben, dass ich schätze, dass verlängert wird...wobel schrieb:Sind ja noch mindestens 4 Prozesstage angesetzt (falls nicht doch nochmal verlängert wird).
Wir werden sehen - ich halte das durchaus auch für möglich, dann muß es halt ohne Ohm gehen (falls der seinen Urlaub nicht absagen kann).jeangreen schrieb:Aber da müsste man ja auch noch die Plädoyers mit berücksichtigen, neben den o.g. Zeugen. Wird schon knapp dann... Deswegen hatte ich ja geschrieben, dass ich schätze, dass verlängert wird...
Gut zusammengefasst. Hatte hier vor etlichen Seiten auch mal ausgeführt, dass das Fehlen jeglichen Ansatzes einer Alternativtheorie zu Fabians Ermordung eine massive Schwäche der Verteidigungsposition ist und den Fall insbesondere auch von den manchmal zitierten "berühmten" Freisprüchen etc unterscheidet. Bei dem Badenwannenfall oder den vom Ohm zitierten Eiskellerfall gab es ja eben die große Alternative, dass überhaupt kein Tötungsdelikt vorliegt, sondern ein Unfallgeschehen. Das scheidet hier aus und es deutet eben nichts, nichts, nichts auf irgendeinen anderen Täter hin, den es ja aber geben müsste und den irgendjemand gesehen, getracked o.ä. haben müsste. Selbst ausgebuffteste Auftragskiller des organisierten Verbrechens hinterlassen Spuren, hier müsste aber ein emotionaler Kindermord an einem Jungen noch auf einem deutlich höheren kriminellen Niveau ohne auch nur einen einzigen Ermittlungsansatz passiert sein, wenn es nicht Gina war.Adson schrieb:Nach dem bisherigen Stand des Verfahrens sieht es für mich so aus:
Gina ist der größte Pechvogel auf Erden, die ganze Welt (alle Zeugen) sind gegen sie und lügen. Ob sie sich abgesprochen haben, weiß sie nicht. Aber es liegt nahe, denn sonst wäre ja der Zufall noch größer. Also, sehr wahrscheinlich läuft gegen sie eine große Verschwörung. Und keiner versteht sie. Das wahre Opfer des ganzen Dramas ist nur sie, ja leider ist auch der "Ziehsohn" tot, aber die einzige, die echte Probleme hat, ist sie. Weil: Sie war's nicht. Wer was anderes behauptet, lügt.
Soweit habe ich alles verstanden, kann ich nachvollziehen. Ich frage mich nur, wenn sie die einzige ist, die jetzt das Opfer ist - hat sie keine Angst, dass der "wahre Täter" noch auf freiem Fuß ist? Dass sie selbst vielleicht die nächste ist, die "dran glauben muss"? Oder ein anderes Kind? Alle ihre bisherigen Verbindungen (Christian, Olaf, Matthias, Heike ...) hat sie ja bereits "vor den Zug geworfen". Aber wenn sie nicht die Täterin ist, wer könnte (!) es dann gewesen sein?
Und das ist m.E. auch die größte Schwachstelle der Verteidigung: Es gibt keine alternativen Erklärungen, die auch nur ansatzweise einen Sinn ergeben würden und mit den bisherigen Ermittlungen übereinstimmen - selbst wenn man alle Sprachnachrichten und Einlassungen von Gina H. weglassen würde. Wer hätte ein Motiv und die Möglichkeit haben können, dieses Verbrechen an diesem Tag zu dieser Zeit an diesem Ort zu begehen? Und dann auch noch eine Indizienkette zu hinterlassen (Sichtungen, Fotos usw.), die denklogisch nur eine Schlussfolgerung zulassen und zu Gina H. führen?
Die Verteidiger unternehmen nicht einmal den Versuch einer alternativen Erklärung, die anfänglichen Zweifel-Punkte (z.B. war es Ginas Auto, welches in Güstrow gesehen wurde, und wenn ja, saß sie da überhaupt selbst drin) sind inzwischen aus der Welt geschafft, es ist nichts von Substanz übrig geblieben, außer eine vermeintliche Sichtung von Fabian, nachdem dieser nach Ermittlungsergebnissen bereits tot war.
Immerhin gab es nun mal die - zumindest für mich - neue Information, dass RA Ohm die Angeklagte bereits im Satteldiebstahl-Prozess (erfolglos?) vertreten hat. Bei diesem RA ist seine "Luschigkeit" und Ungepflegtheit entweder der "unique selling point", oder er ist einfach so, wie er eben rüber kommt. Durchaus sympathisch, aber reichlich hemdsärmelig und leicht (?) überfordert. Und nach wie vor erscheinen mir Löcker und Ohm nicht als "Team"
Ich sehe den Hauptpunkt ähnlich, würde aber zwei Dinge trennen: Die Verteidigung muss keinen Alternativtäter präsentieren. Sie kann auch versuchen, einzelne notwendige Schlüsse der Anklage zu zerlegen – etwa Tatzeit, Handydaten oder die Frage, ob Fabian überhaupt in Ginas Ranger stieg. Eigentlich ist der Hauptjob ja auch, die Anklage zu zerlegen.Adson schrieb:Und das ist m.E. auch die größte Schwachstelle der Verteidigung: Es gibt keine alternativen Erklärungen, die auch nur ansatzweise einen Sinn ergeben würden und mit den bisherigen Ermittlungen übereinstimmen - selbst wenn man alle Sprachnachrichten und Einlassungen von Gina H. weglassen würde. Wer hätte ein Motiv und die Möglichkeit haben können, dieses Verbrechen an diesem Tag zu dieser Zeit an diesem Ort zu begehen? Und dann auch noch eine Indizienkette zu hinterlassen (Sichtungen, Fotos usw.), die denklogisch nur eine Schlussfolgerung zulassen und zu Gina H. führen?
Die Verteidiger unternehmen nicht einmal den Versuch einer alternativen Erklärung, die anfänglichen Zweifel-Punkte (z.B. war es Ginas Auto, welches in Güstrow gesehen wurde, und wenn ja, saß sie da überhaupt selbst drin) sind inzwischen aus der Welt geschafft, es ist nichts von Substanz übrig geblieben, außer eine vermeintliche Sichtung von Fabian, nachdem dieser nach Ermittlungsergebnissen bereits tot war.
Immerhin gab es nun mal die - zumindest für mich - neue Information, dass RA Ohm die Angeklagte bereits im Satteldiebstahl-Prozess (erfolglos?) vertreten hat. Bei diesem RA ist seine "Luschigkeit" und Ungepflegtheit entweder der "unique selling point", oder er ist einfach so, wie er eben rüber kommt. Durchaus sympathisch, aber reichlich hemdsärmelig und leicht (?) überfordert. Und nach wie vor erscheinen mir Löcker und Ohm nicht als "Team".
na, das stimmt so nicht ganz.RitterTrenk schrieb:Gut zusammengefasst. Hatte hier vor etlichen Seiten auch mal ausgeführt, dass das Fehlen jeglichen Ansatzes einer Alternativtheorie zu Fabians Ermordung eine massive Schwäche der Verteidigungsposition ist und den Fall insbesondere auch von den manchmal zitierten "berühmten" Freisprüchen etc unterscheidet. Bei dem Badenwannenfall oder den vom Ohm zitierten Eiskellerfall gab es ja eben die große Alternative, dass überhaupt kein Tötungsdelikt vorliegt, sondern ein Unfallgeschehen. Das scheidet hier aus und es deutet eben nichts, nichts, nichts auf irgendeinen anderen Täter hin, den es ja aber geben müsste und den irgendjemand gesehen, getracked o.ä. haben müsste.
Möglich ist es. Aber wird es tatsächlich benötigt? Für die Tatzeit selbst ist es ja unwichtig. Es geht ja eigentl nur darum, ob sie am 9.10. und 10.10. länger mit Christian zusammen war.jeangreen schrieb:Du hast Recht, der Antrag wurde ja erst am 15.10. gestellt. Mein Fehler. Frau Habetha steht dem aber anscheinend auch relativ offen gegenüber und will man einen möglichen Revisionsgrund aufgrund dessen vermeiden, kann ich mir vorstellen, dass die Kammer dem stattgibt.
Das macht schon Sinn und ist absolut nachvollziehbar, dass man da nochmal genauer nachhaken will und muss seitens der Verteidigung! Das mit dem Bruder von Matthias scheint irgendwie keine Rolle mehr zu spielen (zumindest fand es, soweit ich weiß, keine Erwähnung mehr). Vielleicht, weil einfach zu weit hergeholt oder nicht belegbar oder weil der Antrag (wenn es denn darum geht, einen weiteren potentiellen möglichen Verdächtigen durch die Blume mit ins Spiel zu bringen), sowieso abgelehnt würde/wurde.paddgo schrieb:Und Ohm: Hemdsärmelig wirkt er sicher 😄, aber die Kinderzeugen und der Sachverständigenantrag wirken auf mich jedenfalls nicht planlos. Bin auch gespannt, was zu Markus noch kommt und warum gina ihn bei der Einlassung erwähnte.
Das habe ich anders verstanden. Denn in der neuerlichen Auswertung/Rekonstruktion der Fahrten von Gina (bezüglich Timeline) wurden ja schon einige Dinge nicht berücksichtigt (andere SIM-Karte, anderes Fahrzeug etc). Bei der Auswertung von Christians Handy ging es darum, dass es aufgrund der neuen Sicherheitssoftware gar nicht ausgewertet werden kann. Natürlich bleiben dennoch zig Indizien unverändert bestehen! Trotzdem: aus Sicht der Verteidigung sehe ich das (ausnahmsweise mal) als begründet, da nachzuhaken.Goodbunny schrieb:Möglich ist es. Aber wird es tatsächlich benötigt? Für die Tatzeit selbst ist es ja unwichtig. Es geht ja eigentl nur darum, ob sie am 9.10. und 10.10. länger mit Christian zusammen war.
"irgendetwas suggerieren" ist aber ungleich einem wirklichen Ermittlungsansatz. Man kann auch etwas von Hells Angels, Organklaumafia und bösen Arabern murmeln, ich meine aber eine konkret denkbare Alternativoption, für die im Tatzusammenhang auch objektiv irgendetwas spricht und nicht nur die böse Nachrede von Gina oder die Fantasie eines Mädchens, die nicht mal die Verteidigung ernst nimmt. Am Ende findet eine Gesamtwürdigung statt, wenn man dort neben einer fiktiven Spalte für be- und entlastende Umstände für die Schuld von Gina aber eine weitere Spalte für ein denkbares Alternativgeschehen hätte, beeinflusst das auch die Gesamtbewertung und in gleicher Weiser tut das auch der hiesige Umstand, dass diese Spalte komplett leer bleibt. Insofern ist es etwas leicht zu sagen, dass es nicht die Aufgabe der Verteidigung ist, eine Alternativversion zu finden - denn jedenfalls das Fehlen dieser ist ein weiterer (neben vielen anderen) problematischer Punkt für die Verteidigung.Boho schrieb:na, das stimmt so nicht ganz.
GH suggeriert diverse alternative Täter, allerdings mit viel Vorsicht, so nach dem Motto "die solltet ihr Euch mal näher anschauen. und Euch weniger mit mir beschäftigen - MR, der ständig besoffene Kinderschläger - CD, der sich ja sehr seltsam am Tümpel verhielt, als er nach Leichenfund völlig durch den Wind war - OK, der auf sie seine Versicherung abschloss und ihr gleichzeitig drohte während er Fluchtrouten über andere Länder im Internet suchte - Heike, die nur aufgrund Rollator nicht selbst die falsche Fährte legen konnte und deswegen GH vorschickte - Bruder von MR der mit dem Traktor nach Güstrow und keine Freundin hat....
Die Verteidigung ist bemüht, etwas handfesteres in Form von Kindern, die Fabian beim Bäcker sahen, obwohl er kein Geld hatte, denn das lag ja Zuhause - ein Mädchen, welches Araber direkt am Aussehen ausmachen kann, der dazu fliegen kann, um es von Güstrow bis zum Tümpel pünktlich zum hochlodernden Feuer zu schaffen....
Und zuletzt natürlich R, die sowohl von Verteidigung, GH und einem Zeugen vorgelegt wurde.
Genau. Und da wird noch mehr kommen, da bin ich mir sicher.jeangreen schrieb:Trotzdem: aus Sicht der Verteidigung sehe ich das (ausnahmsweise mal) als begründet, da nachzuhaken.
Ich denke, dass die das bereits versucht haben, auch wenn ich der Meinung bin, dass das irrelevant ist. Denn auch da kann man sich schnell verfahren, lächerlich und unglaubwürdig machen. Es müsste schon handfest sein.RitterTrenk schrieb:Insofern ist es etwas leicht zu sagen, dass es nicht die Aufgabe der Verteidigung ist, eine Alternativversion zu finden - denn jedenfalls das Fehlen dieser ist ein weiterer (neben vielen anderen) problematischer Punkt für die Verteidigung.
Und ob es (noch) benötigt wird für einen Schuldspruch: aus meiner Sicht nicht! Aber es geht ja um einen "sauberen" Prozess, der keine ausreichende Begründung für eine mögliche Revision bietet. Und da hat die Verteidigung einen eventuellen kleinen Hebel gefunden dadurch (auch, wenn es eben ein Strohhalm ist - aber immerhin ein besserer, als ominöse Dritte, einfach Pech etc...).Goodbunny schrieb:Möglich ist es. Aber wird es tatsächlich benötigt?
Zweifel an den Argumenten der Anklage säen ist ja eine völlig korrekte Vorgehensweise, nur sehe ich nirgendwo ernsthafte (!) Zweifel, auch nicht bei der Verteidigung. Die wissen genau, dass sie blank sind. Und das Gericht weiß das genauso wie auch die Staatsanwaltschaft. Dass die Staatsanwaltschaft geradezu sanft mit der Verteidigung umgeht (manche haben das ja hier als "bräsig" bezeichnet), deutet für mich viel eher darauf hin, dass alle Beteiligten wissen, was sie voneinander zu halten haben. Und man will das alles sauber und ohne Theater abwickeln, der Vorsitzende passt auch gut auf.paddgo schrieb:Ich sehe den Hauptpunkt ähnlich, würde aber zwei Dinge trennen: Die Verteidigung muss keinen Alternativtäter präsentieren. Sie kann auch versuchen, einzelne notwendige Schlüsse der Anklage zu zerlegen – etwa Tatzeit, Handydaten oder die Frage, ob Fabian überhaupt in Ginas Ranger stieg. Eigentlich ist der Hauptjob ja auch, die Anklage zu zerlegen.
Ähm... wirklich? Geht es nicht eher darum, wie lange GINA am jeweilige See verortet werden kann, ob mit oder ohne Christian?Goodbunny schrieb:Möglich ist es. Aber wird es tatsächlich benötigt? Für die Tatzeit selbst ist es ja unwichtig. Es geht ja eigentl nur darum, ob sie am 9.10. und 10.10. länger mit Christian zusammen war.
Das glaube ich auch nicht. Man kann jedes Indiz anzweifeln und für sich genommen, also einzeln betrachtet, als Zufall abstempeln. Aber in der Gesamtschau zeigt alles auf Gina. Alle Indizien zusammengenommen sind deutlich.wobel schrieb:Klar, man kann das eine oder andere Indiz unterschiedlich interpretieren, man kann den einen oder anderen Zeugen anzweifeln, sich für einen stringenten Ablaufplan Cherrys picken um ihn damit zu untermauern - aber könnte das Gina noch retten? Ich glaube nicht.
Absolut! Und Gina wäre wirklich der größte Pechvogel aller Zeiten, dass sie immer (!!) rein zufällig an Ort und Stelle war, es keine anderen Spuren gibt, kein anderer ein Motiv hatte, sie ja nur aus der Not heraus ständig ihre Aussagen änderte, weil sie eben keiner versteht oder alle anderen lügen (abgesehen davon, dass sie ja nun wirklich fast alle ihr nahe stehenden Personen durch die Blume als mögliche Verdächtige ins Spiel gebracht hat oder deren falsches Verhalten): die Punkte, die die Verteidigung nun anführt (Kinderzeugen und Handyauswertung) sind nunmal das Beste, was man bisher gebracht hat in den 28 Verhandlungstagen. Nicht mehr und nicht weniger.paddgo schrieb:Das glaube ich auch nicht. Man kann jedes Indiz anzweifeln und für sich genommen, also einzeln betrachtet, als Zufall abstempeln. Aber in der Gesamtschau zeigt alles auf Gina. Alle Indizien zusammengenommen sind deutlich.
Der Verteidigung ging es besonders darum, dass Christian länger mit Gina am See war als er angegeben hat. Sie somit am 9.10. nicht in Güstrow gewesen sein konnte und sie am 10.10. das Feuer nicht gelegt haben kann. Ein externer Gutachter wird meines Erachtens sowieso ein Eigentor werden. Nur weil Gina behauptet bis 15 Uhr (laut Einlassung) und 14:30 (bei der Befragung) mit Christian am See gewesen zu sein (ihre 1000 Prozent Angabe) muss das ja nicht geglaubt werden.wobel schrieb:Ähm... wirklich? Geht es nicht eher darum, wie lange GINA am jeweilige See verortet werden kann, ob mit oder ohne Christian?