Photographer73 schrieb:Aber warum sollte sich die Zeugin dafür hergeben? Ich verstehe es absolut nicht - sie ist selbst Mutter. Selbst wenn Fabian so etwas mal geäußert haben sollte, warum breitet sie das jetzt in dieser Form aus?
Ich hab hier den Eindruck, dass manche hier die Aufgabe und die Pflichten eines Zeugen vor Gericht etwas falsch einschätzen.
Ein Zeuge MUSS vor Gericht die Wahrheit sagen. Und das bedeutet, er darf zu dem, was er selbst erlebt und wahrgenommen hat nichts hinzufügen, aber eben auch nicht weglassen.
Wenn sie also bestimmte Fragen gestellt bekommt, muss sie darauf wahrheitsgemäß antworten. Sie kann nicht einfach sagen, dass sie den Eindruck hatte, Fabian habe sich zuhause geborgen und geliebt gefühlt, wenn sie diesen Eindruck DAMALS nicht hatte. Auch wenn sie sich heute selbst sagt, dass man über das Zuhause eines auf diese Weise zu Tode gekommenen Kindes nichts schlechtes sagen sollte, v.a. Wenn die Mutter daneben sitzt und das halbe Land im Newsticker mitliest.
Sie ist insofern eine wichtige Zeugin, als das sie etwas zum Ablauf des Tages vor der Tat sagen kann und zu Fabians Befinden an diesem Tag. Wir alles haben uns schon Monate gefragt, wieso er an dem Tag noch im Jugendclub war, obwohl er eher aus der Schule heim ist und am nächsten Tag krank war. Das ist doch sich eine relevante Frage für den Prozess und auch die Frage, wie Fabian allgemein lebte und das Verhältnis zu seinen Eltern war ist wichtig. Man kann diese Zeugin nicht einfach nicht hören, weil sie keinen guten Eindruck von Fabians Betreuung zuhause hatte.
Dass sie Zeugin ist, bedeutet aber eben auch, dass alle Prozessbeteiligten sie befragen dürfen und natürlich nutzt die Verteidigung das zu Gunsten von Gina H aus. Man kann die Fragen nicht verbieten, wenn es ein fairer Prozess sein soll. Rosinen rauspicken ist nicht, die Zeugin muss alle prozessrelevanten Fragen wahrheitsgemäß beantworten.
Das macht sie nicht zur "Zeugin der Verteidigung" und aus den Bruchstücken ihrer Aussage, die wir kennen, können wir nicht ableiten, dass sie einen Belastungseifer gegen Dorina gezeigt hat. Sie hat sich die Fragen, die sie beantworten musste, nicht ausgesucht, aber die Fragen, die gestellt wurden, musste sie wahrheitsgemäß beantworten.
Hätte sie jetzt bei allen Fragen gesagt, sie habe damals den Eindruck, bei Fabian zuhause sei immer alles tippitoppi gewesen, weil sie Dorina , die da gebeutelt auf der Anklägerbank sitzt, nicht verletzen wollte, hätte sie doch das gleiche getan, wie Fsbian Vater, über den sich alle - zu recht - aufregen. Nur eben in die andere Richtung.
Sehr sicher hat diese Zeugin ihre ersten Aussagen bei der Polizei schon direkt nach Fabians Verschwinden gemacht, weil die Polizei versucht hat, Fabians Verfassung am Verschwindetag zu rekonstruieren. Und da war wichtig, was er am Tag vorher gemacht hat, wie das mit dem Nasenbluten war und wie er allgemein als Kind so drauf war.
Erinnert Euch, dass am Anfang alle hofften, er habe sich einfach auf eigene Faust zum Vater aufgemacht. Hättet ihr in der Situation DAMALS gesagt, dass bei ihm zuhause immer alles wohlbehütet und maximal harmonisch war, wenn euer Eindruck tatsächlich eher der war, den die Mutter gestern vor Gericht geschildert hat?! Und falls ja - was ich nicht erwarte - hätte das der Polizei in der damaligen Situation bei der Suche nach Fsbian in der damaligen Situation geholfen? Wohl sicher nicht!
Und dann sollen sich alle hier, die selber Kindet haben, mal fragen, ob in der Klasse ihres Kindes nicht auch ein oder zwei Kinder wie Fabian sind. Kinder, bei denen es zu Hause nicht so optimal läuft, Kinder, die viel auf sich gestellt sind, weil die Eltern auch noch andere Prioritäten haben, oftmals unfreiwillig!!!. Kinder die bedrückt wirken, weil die Eltern in einer nicht harmonischen Trennung leben. Oder Kinder, die immer gerne bei anderen Familien mitessen, weil das Essen dort am Familienesstisch besser schmeckt, als das selbst aufgewärmte aus der Tupperware.
Und fragt euch ehrlich, als wie optimal ihr deren familiäre Situation eingeschätzt habt. Ob ihr nicht ehrlich auch schon mal gedacht habt, ein bisschen asozial ist das schon. Nicht mal gemein gemeint, sondern durchaus voll Mitleid mit dem Kind und seiner Sch....situation.
Hätte diese Mutter gestern um 180° anders als damals ausgesagt, hätte der Richter ihr ihre damalige Ausssge vorhalten müssen - genau wie er es bei Matthias R gemacht hat. Sein Job ist es nicht, GH zu verurteilen, sondern zu versuchen, die Wahrheit möglichst gut herauszufinden. Und die ist eben nich schwarzweiß, sondern manchmal bunt und meistens irgendwo im Graubereich.