histokrat schrieb:Mich interessiert vor allem die Frage, ob die Beifahrersitzlehne von Hand heruntergedreht wurde oder durch den Unfall nach hinten abgebrochen ist. Das zumindest hätte am Unfallfahrzeug untersucht werden können. Wann und vom wem die Heckklappe geöffnet wurde, wäre schon damals schwierig zu klären gewesen.
Das hat mich auch interessiert. Wenn Hr. Stoll tatsächlich allein verunfallte, hätte er die Beifahrerlehne ja selbst herunterkurbeln müssen, bevor er auf dem Sitz -warum auch immer- zum sterben Platz nahm. Das hätte er dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in einem Zustand getan, wo er sich bereits tödlich verletzt, nackt und mit einem fast abgerissenen rechten Arm unter hohem Blutverlust um das Auto herum geschleppt hatte. In der Theorie ist das natürlich möglich. Aber praktisch empfinde ich persönlich diese Annahme als ziemlich absurd und unrealistisch.
Das die Lehne abgebrochen ist, halte ich ebenfalls für wenig realistisch. Die geöffnete Heckklappe ist auch spannend. Selbst wenn man annehmen sollte, sie hätte sich durch den Aufprall in die Botanik geöffnet, erschließt sich mir nicht, wie der Fahrzeugschlüssel auf die Hutablage kam. Warum sollte Stoll den Schlüssel abziehen und dort ablegen? Warum sollten Rettungskräfte das tun? In den Einsätzen an denen ich persönlich partizipiert habe wurde das nicht so gehandhabt. Sowas wurde mir persönlich auch nicht in der Fahrschule beigebracht. Im Einsatz wurde da durch die BF mal eben die Haube geöffnet und die Batterie abgeklemmt. Fertig. Da verstecke ich doch nicht den Schlüssel auf der Hutablage! Reine Zeitverschwendung.
Nightrider64 schrieb:Der ist mit Verletzungen, die nach neuesten Kriminaltechnischen Erkenntnissen von Crash gegen den Baum stammten, nirgendwo erst übers Feld marschiert und dann wieder zurück.
Nach neusten kriminaltechnischen Untersuchungen mit alten Daten! Man darf ja nicht vergessen, die neuerlichen Untersuchungen basieren auf den originalen, alten Daten und Befunden/Dokumentationen, die ja schon Grundlage für das erste Gutachten und die Einordnung als Kapitalverbrechen waren. Nur wird heute dazu erklärt, dass es in der Theorie auch ein Alleinunfall hätte sein können. Nicht, dass es definitiv ein Alleinunfall sein muss. Da liegt der Hase im Pfeffer. Weil heute sein KANN, was damals ausgeschlossen wurde, geht man heute davon aus, dass es deshalb auch mutmaßlich so war. Fall abgeschlossen, Ziel erreicht.
Sherlock_H schrieb:Alle Verletzungen, die Stoll erlitten hat, werden von den neueren Gutachten als möglicherweise durch den Unfall verursacht eingestuft. Das heißt, es gibt keinen Grund, der dagegen spricht. Eine Zwangsläufigkeit gibt es aber nicht, d. h., der Umkehrschluss, dass die Verletzungen nur durch die Kollision in einem blauen Golf I mit einem Baum entstanden sein können, ist natürlich unzulässig. Rein von den Verletzungen her wird es sicher mehrere Möglichkeiten geben, wie diese entstanden sind.
Exakt das ist der Punkt! So ist es. Es ist keine Zwangsläufigkeit gegeben. Im Gegenteil. Es wird lediglich eingeräumt, dass eine theoretische Möglichkeit besteht, dass jene Verletzungen von Günter Stoll auch hätten allein durch den Unfall verursacht worden sein könnten. Mehr nicht. Das heißt aber keinesfalls, dass dem auch zwingend so ist. Die Möglichkeit das GS an einem anderen Ort durch ein anderes Fahrzeug überfahren wurde ist immer noch gegeben. Allerdings wurde in der Gesamtschau dann offiziell entschieden, dass der Fall damit aufgeklärt und abgeschlossen ist.
Sherlock_H schrieb:Stoll ist nun sehr wahrscheinlich gegen einen Baum gefahren, der dabei abgeknickt wurde, sodass sich das Auto Stolls weiterbewegen konnte.
Das ist schon offensichtlich wenn man sich das Schadensbild an dem Fahrzeug ansieht. Wäre der Golf direkt in einen massiven, unnachgiebigen Baum eingeschlagen und gestoppt worden -zumal mit 60-80 km/h-, wäre der Baum mMn massiv in den Vorderwagen eingedrungen und hätte den Motorblock in das Fahrzeug innere verschoben. GS wäre mutmaßlich eingeklemmt worden. Hier ist aber nur eine Einschlagsbeschädigung zu sehen, die sich dann im unteren Teil des Fahrzeuges fortsetzt. Ich persönlich nehme deshalb an, dass jener Baum nach dem Einschlag abknickte und das Fahrzeug über den geknickten Stamm dann weiter in die Botanik gerutscht ist.
Sherlock_H schrieb:Der Wagen Stolls ist also nicht von 60 - 80 km/h innerhalb von ca. 1 Meter Strecke auf 0 km/h verzögert worden, sondern hat durch die Kollision mit dem Baum möglicherweise nur 20 - 40 km/h an Geschwindigkeit verloren. Dementsprechend weniger stark wären die Verletzungen Stolls ausgefallen.
So sehe ich das auch. Wir haben es hier also mutmaßlich nicht mit einem klassischen Hochrasanztrauma für die Insassen zu tun sondern mit mehreren eher mittleren Kollisionen. Das würde auch erklären, warum etwaige Mitfahrer nicht zwingend schwer verletzt wurden und auch hätten angeschnallt sein können, weil die Gurtbelastung in diesem Fall eben nicht so gravierend ist das er beschädigt (ausgedehnt) wird.
Nightrider64 schrieb:Na wenn sicher ist, das kein weiterer im Fahrzeug gewesen sein kann bei dem Crash, so hat sich das erübrigt.
Das ist mMn überhaupt nicht sicher. So wie ich es verstanden habe konnte man nicht forensisch zu 100% beweisen, dass niemand sonst im Auto war. Man nimmt es nur als wahrscheinlich genug für den Fallabschluss an. Immerhin nahm man laut dem AB-Artikel noch vor einiger Zeit ein Asservat unter die Lupe. Eine gesicherte Blutspur im Fahrzeug. Doch das Ergebnis der Analyse wurde nie veröffentlicht.
Nightrider64 schrieb:Des Weiteren ist zu berücksichtigen, das ein auf den Beifahrersitz gesetzter Stoll, während des Unfallgeschehen dort nicht so liegen geblieben wäre ,unangeschnallt
Das mag man annehmen, bewiesen ist es nicht. Abgesehen davon kann sich ja GS bei dem Ritt durch die Botanik auch weitere Verletzungen zugezogen haben. Ich möchte das nicht ausschließen. Im Gegenteil. Aber das alles schließt nicht aus, dass GS zuvor an einem anderen Ort durch ein anderes Fahrzeug überrollt und schwer verletzt wurde.
Nightrider64 schrieb:Während des Crash an den Baum war mangels weiterer Spuren nur der Fahrer, Stoll selbst im Fahrzeug.
Wie schon gesagt, es gibt/gab laut AB-Artikel zumindest ein Asservat, welches mutmaßlich von einer anderen Person stammte und deshalb neu auf DNA untersucht werden sollte. Welches Ergebnis diese Untersuchung hervorbrachte ist meines Wissens nie veröffentlicht worden. Vielleicht konnte keine DNA daraus gewonnen werden, vielleicht war es kein Treffer, man weiß es nicht. Ich würde es aber definitiv nicht als bewiesen ansehen, dass Stoll allein im Fahrzeug war.
Nightrider64 schrieb:Meines Wissens ist der Fall geklärt mit dem Ergebnis : Es handelt sich um einen Alleinunfall der Stoll
Ja da hast du Recht. Der Fall ist offiziell geklärt und abgeschlossen. Das Ergebnis kann und darf man aber trotzdem anzweifeln. Es gibt einfach viele -für mich persönlich- zweifelhafte Dinge, die für mich nicht ausreichend geklärt sind. Nur weil nun festgestellt wurde das es ein Alleinunfall hätte sein KÖNNEN, heißt das ja nicht, dass es deshalb auch einer WAR.
Nightrider64 schrieb:Ich denke das Thema gehört geschlossen, da es sich nach Stand der Ermittlungen um keinen Kriminallfall handelt.
Zudem ist der Fall ja nunmehr endgültig gelöst.
Da bin ich übrigens bei dir. Ich finde auch das sich mit dem Abschluss des Falles das Thema eigentlich -wenn auch unbefriedigend- erledigt hat. Früher wurden Threads von gelösten Fällen geschlossen. Nun ja. Heute wohl nicht mehr.