watnu schrieb:So viel ich weiß, ist bisher kein vergleichbarer Fall bekannt, in dem ein Täter das Opfer telefonieren ließ. Oder irre ich mich? Da kein Lösegeld gefordert wurde, frage ich nicht nach Entführungsfällen, bei denen das Opfer evtl. als Beweis, dass es am Leben ist, telefonieren durfte.
Wenn o. g. Täter-Typ nicht aus gesundheitlichen o. ä. Gründen verhindert gewesen wäre, hätte er dann nicht seine perfiden Machtspiele mit anderen Opfern weiter betrieben? Er hätte z. B. auch nach Fraukes Tod noch die Angehörigen mit Anrufen quälen können.
Fraukes Mutter ging zuletzt* davon aus, dass dem Täter etwas aus dem Ruder gelaufen ist.
Mir ist kein exakt vergleichbarer Fall bekannt. Also, wo ein Opfer nicht Monate, sondern nur ca. 2 Wochen gefangen gehalten worden ist (ich gehe davon aus, dass Frauke nicht lange nach dem letzten Telefonat sterben musste). Im Höxter-Fall wurden Frauen über Monate gefangen gehalten, aber manchmal durften sie auch unter Aufsicht telefonieren. Es waren aber meist Frauen mit deutlich weniger ausgeprägtem Selbstbewusstsein als Frauke und es kam noch eine finanzielle Ausbeutung hinzu.
Und trotzdem halte ich diese Spur nach wie vor für heiß, zumindest was Wilfried W. betrifft. Der Denkfehler ist meines Erachtens, dass man das Verhalten dieses "Paares" zwischen 2011 und 2016 im Prinzip auch immer zum Maßstab macht, wenn man über die Geschehnisse von 2006 berichtet. Aber Täter*innen, insbesondere Serientäter*innen (schaut Euch an, was man Typen wie dem Sägemörder Olaf W. für unterschiedliche Taten zuzuschreiben glaubt), ändern auch ihr Verhalten über die Jahre partiell, nur ein Grundmuster bleibt erhalten. Das Grundmuster hier ist totale Macht und Kontrolle für mich.
Hier mal ein paar einzelne Indizien:
Winfried W. wohnte 2006 in Schlangen (sehr nah an Paderborn!). Man hat ja wohl auch sein Handyprofil 2016 später tatsächlich überprüfen können und er war praktisch immer irgendwie in der Nähe, von wo Frauke mutmaßlich war, geographische Nähe also ganz heiß
Er fuhr wohl auch einen Kleintransporter/Lieferwagen (siehe das Thema Anrufe)
Beide waren auf Plattformen, um Leute kennen zu lernen (war noch nicht so die Hochzeit von Tinder und Dating-Plattformen, klar waren doch auch schon einige aktiv)
Wilfried W. ist wohl nicht besonders intelligent, seine geistige Reife soll wohl unterentwickelt sein; es scheint mir aber andererseits, dass Frauke möglicherweise gerade auf so was abgefahren ist oder es irgendwie reizvoll; Männer, denen sie irgendwo glaubte helfen zu können (siehe Nils). Und vielleicht war sie leicht wütend, weil Nils doch nicht kam und aus Trotz hat sie sich dann bei einem anderen gemeldet....Wilfried W. Wobei ich nicht glaube, dass sie den dann auf dem Nachhauseweg zufällig getroffen hat, sondern dass es schon eine Verbindung vorher gab. Die Polizei hat nie alle von Fraukes Kontakten im Internet ermitteln können.
Wenn Wilfred W. etwas damit zu tun, dann muss Angelika W damals nicht unbedingt direkt damit zu tun gehabt haben, sie wohnten ja wohl getrennt; dazu dieser komische Brief an Fraukes Mutter - weiß jemand, was daraus geworden ist? In jedem Fall wurde Wilfried W. vor 2006 schon auffällig, ohne dass Angelika W etwas damit zu tun hatte
Wenn Wilfried W etwas damit zu tun hatte, Angelika W durfte irgendwann davon erfahren haben. Vielleicht hat sie auch die "Planungen" für das Tatmuster späterer Taten auf Basis dieser Erfahrungen "perfektioniert" oder die "Frauke-Geschichte" hat ihr gar die Inspiration für das neue Tatmuster gegeben? Alles Spekulation. Aber ein Fakt bleibt, weil du gefragt hast: Der einzige Fall, der entfernt in das Tatmuster passt betrifft eine Person, die 2006 13 km von Paderborn entfernt wohnte! Zufall oder nicht?
Und gleichzeitig soll Wiflried W wohl davon besessen gewesen sein, sich auch gegen etwas "dominantere" Frauen behaupten zu wollen. Ein Frauke-Trauma, weil er den Fehler machte, sie relativ frei telefonieren zu lassen, weil er ihr ohne Angelika W (hochintelligent aber Empathiegrad eines Gefrierschranks) psychologisch dann doch nicht gewachsen war? Vielleicht musste sie deshalb sterben.
Viele Fragen tun sich da auf: Wurde das Haus oder die Wohnung in Schlangen mit Leichenhunden nach 2016 abgesucht? Konnte das Auto von damals dingfest gemacht werden und ggfls. untersucht werden? Wurden die ehemaligen Nachbarn, Vermieter etc. in Schlangen intensiv aber konkret auf Frauke befragt? Was ist das rumgekommen?