RedRalph schrieb:Brief an Fraukes Mutter
emz schrieb:Frau Liebs hatte sich darüber lustig gemacht, aber nie mit Angelika gesprochen.
Ich habe überlegt, ob ich Angelika mal in Brackwede besuche, vielleicht sagt sie es mir ja.
Frau Liebs wird es beim Gedanken, dass ihr Kind solchen Bestien in die Hände gefallen sein könnte, nicht zum Lachen zumute gewesen sein.
Die beiden Podcasterinnen bitten um Respekt und Mitgefühl für die Angehörigen, die neben der schmerzlichen Tatsache, dass Frauke durch ein Verbrechen
aus dem Leben gerissen wurde*, noch einiges mehr erleiden mussten, was ihnen die Kräfte raubte. Ab ca. 1.35.00
*Was für den Umgang mit Niels gilt, sollte auch für die Angehörigen gelten.
Zum angemessenen Respekt zählt m. E. auch, dass man die Äußerungen der Angehörigen nicht verfälscht wiedergibt.
Zur Gedächtnisauffrischung aus dem Stern-Podcast (wie neulich erst bezüglich Frank), die Reaktion von IL auf die Botschaft in Angelikas Brief:
Sie wurde unsicher. Vielleicht hatte die Polizei doch die Verbindung übersehen. Sie schwankte zwischen, "kann es doch Angelika mit (…) ihrem Ehemann gewesen sein" und "… passt aber eigentlich nicht".
Sie wartete ab, ob die Polizei sich bei ihr meldet, was nicht geschah. Nach ca. zwei Wochen rief also sie an. (…)
Eine Weile später wurde IL vom Haupt-Vernehmungsbeamten der Angelika angerufen, den sie als ganz offen und aufgeschlossen beschreibt. Sie gibt dann aus dem fast einstündigen Telefonat im Stern-Podcast den Rat des Beamten wieder: „Ein guter Rat, nehmen sie zu der Frau keinen Kontakt auf, die weiß nichts (…). Das Spielchen, was sie jetzt mit Ihnen treiben will (…), das treibt sie auch mit uns. Aber da kommt nie was dabei raus. Nehmen Sie die Ergebnisse als verlässlich, die wir damals hatten und tun sie sich nicht an, zu der ins Gefängnis zu fahren."
IL fährt im Podcast fort und klingt dabei überhaupt nicht belustigt: "(…) Und wir haben uns damit verabschiedet, dass ich mich bedankt habe und gesagt habe, ich werde ganz sicher nicht zur Angelika W. ins Gefängnis fahren, denn ich vertraue ihnen." Ab ca. 34.30 in Folge 9.
RedRalph schrieb:trotzdem halte ich diese Spur nach wie vor für heiß, zumindest was Wilfried W. betrifft. Der Denkfehler ist meines Erachtens, dass man das Verhalten dieses "Paares" zwischen 2011 und 2016 im Prinzip auch immer zum Maßstab macht, wenn man über die Geschehnisse von 2006 berichtet.
Was mich an Wilfried als Täter zweifeln lässt, ist sein niedriger IQ. Ich bezweifle auch, dass er damals über u. g. 1. Und 2. Bescheid wusste. Er hätte sich eventuell nicht die Mühe gemacht, mit Frauke die Standorte zu wechseln (s. u.).
Und Angelika glänzte beim Versand des Briefs mit Nichtwissen:
"Höchster", Stern-Podcast-Folge 9, ab 31.40:
Der Brief von Angelika ging erst an eine falsche Adressatin mit dem Nachnamen Lieb. Angelika kannte also noch nicht einmal die richtigen Personalien, obwohl Fraukes Mutter IL viel Öffentlichkeitsarbeit betrieben hatte. Wäre das alles an Angelika vorbeigegangen, wenn sie zumindest mitbekommen hätte, dass Frauke Ws. Opfer ist? (Ansonsten machte die intelligente Angelika im Brief keine nennenswerten Fehler, wie die Lehrerin IL sagte.)
Wenn man in Fraukes Anrufen keine Machtdemonstration des Täters sieht, kommt er mir vor, als habe er schon damals Einblick in den Ablauf von Ermittlungen in Vermisstenfällen gehabt:
1.
Damals war die Möglichkeit der Funkzellenabfrage in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt als heute. (Oder sogar kaum bekannt?) Hatte der Täter technische Kenntnisse, die ihm nützten (IT, EDV, TK)?
2.
Wusste er damals schon, dass die polizeiliche Suche nach vermissten Erwachsenen i. d. R. zurückgefahren wird, wenn man von einem freiwilligen Verschwinden ausgeht?
Dieses Wissen haben Insider oder es brennt sich z. B. bei Angehörigen ein, die das Gefühl haben, die EB tun zu wenig. Wenn man nur über Fälle liest, vergisst man das oft schnell wieder. Eine Variante, die aus Sicht besorgter Angehörigen nicht nachvollziehbar ist: Dass die Polizei i. d. R. bei Erwachsenen und Teenagern nicht unverzüglich nach der Vermisstenanzeige zu ermitteln beginnt. (Siehe z. B. auch Aleph, Rebecca Reusch)
Für solche organisatorische Abläufe der Ermittlungsarbeit interessieren sich noch nicht einmal alle True-Crime-Konsumenten.
Dass die Polizei, nicht mehr ernsthaft nach Frauke suchte, nachdem sie sich gemeldet hatte, ist auch keine Neuigkeit. Z. B. wurden Standortabfragen zunächst nicht mehr durchgeführt. Ca. Min. 58.00 in "Mord auf Ex".
@Itaka1983 Wie im Liebs-Fall machen manche Ermittlungspannen in dem grausamen Fall, den du verlinkt hast, fassungslos. U. g. Recherche ist damit vergleichbar, dass bei der Trauerfeier für Frauke der Seiteneingang der Kirche nicht beobachtet und fotografiert wurde. Nur hätten hier einfach weitere Suchbegriffe eingegeben werden müssen. Weißt du, zu was der Typ verurteilt wurde (hoffentlich Sicherheitsverwahrung)?
Erst spät, drei Wochen nach der Entführung, suchte die Polizei zum ersten Mal in der Datei "Pass", die Sextäter in der Nachbarschaft ihres Elternhauses verzeichnet - eigentlich eine Routineabfrage. Selbst jetzt kam die Polizei nicht weit. Stephanies Peiniger Mario M. war zwar schon 1999 verurteilt worden, nachdem er ein 14-jähriges Mädchen überfallen und vergewaltigt hatte. Doch in der Datenbank stand er als "sexuell motivierter Straftäter" verzeichnet - die Soko suchte nach dem Stichwort "Sexualtäter" und fand deshalb keinen Hinweis. Bei einer Abfrage in einer anderen Datenbank wurden nur Einträge bis zum Jahr 2001 zurück durchsucht - wieder Fehlanzeige.
Quelle:
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/vergewaltigungsopfer-stephanie-dieser-mensch-muss-ins-gefaengnis-fuer-immer-a-436232.html