Justsaying schrieb:Aber generell - gerade bei Mord werfen sich die Ermittler doch ins Zeug.
Ja. Zumal in den Mordkommissionen schon die "Elite" der Kriminalpolizei sitzt. Das sind die Taten, die am meisten im Interesse der Öffentlichkeit stehen, die schnell und zuverlässig aufgeklärt werden sollen, wo am genauesten gearbeitet werden muss, weil hier am härtesten bestraft wird. Die KOKs und KHKs haben zumeist ein Fachhochschulstudium, so wie Architekten oder Ingenieure. Mehr Kompetenz geht nicht (für das Juristische ist dann die Staatsanwaltschaft da, die bei großen Fällen auch im Team arbeitet). Und die wollen den Täter dingfest machen.
Bei den Ermittlungen zieht nicht der Kommissar im Trenchcoat mit Lupe alleine los, um den Täter zu suchen. Sondern mehr- bis vielköpfige (Sonder-)Kommissionen klären spezialisiert und arbeitsteilig Hunderte oder gar Tausende Spuren. Das ist viel Bürokratie, viel Technik, viel Organisation, viele Besprechungen. Das schließt - wie in jeder Organisation oder jedem Team - Fehler und Irrtümer nicht aus, sorgt aber für umfassende und tiefgreifende Ermittlungsarbeit. Auch wenn 5% der Fälle unaufgeklärt bleiben, was sich über die Jahre zu einer ziemlichen Menge auftürmt.
Eine Revision des Falles, eine operative Fallanalyse oder die Bearbeitung durch eine Cold Case-Unit setzen immer darauf auf. Es kann immer noch vertieft, Thesen in Frage gestellt oder neue Spuren verfolgt werden. Das bedeutet nicht, dass im ersten Durchgang schlecht gearbeitet worden ist. Sondern das ist normal.
Es ist deshalb ziemlich billig, als Teil der Öffentlichkeit und ohne weitere Kompetenz denjenigen zu diskreditieren, der seinen Kopf hinhält und sie über den Fall informiert.
Serval69 schrieb:Ich kann meine Überzeugung, dass sich Frauke und ihr Entführer bereits gekannt haben müssen, freilich nicht belegen, aber wenn ich mal gedanklich in die Rolle eines Entführers schlüpfe, der, aus welchen Motiven auch immer, ein ihm völlig unbekanntes Mädchen/junge Frau abgreift, stände für mich fest: Ich würde sie nicht mit ihren Angehörigen telefonieren (oder sonst wie in Kontakt treten) lassen. Ganz einfach weil ich keinen Sinn, sondern lediglich ein (unnötiges) Risiko darin sehen würde.
Das ist auch mein Gefühl. Für mich passt ein Kenn- oder Näheverhältnis am Besten. Eine Beziehung im weitesten Sinne, die nicht nur auf einer zufälligen Begegnung am Abend von Fraukes Verschwinden beruht. Sie war vielleicht - ohne es zu ahnen - Projektionsfläche oder Objekt der Begierde. Die Tat war schon länger geplant, Ort und Zeitpunkt Gelegenheit.
Für den Täter war es "Liebe", die Hoffnung, von ihr "geliebt" zu werden, sie so besitzen zu können. Dazu bedrohte er sie. Für mich sind Fraukes Anrufe während der Entführung weniger Zeichen von zynischem Sadismus, sondern einer Unentschiedenheit des Täters. Er bekam von Frauke nicht das, was er wollte: Zuneigung. Und er "musste" sie aus seiner Sicht dann töten, damit niemand anderes sie bekam. Und sie ihn nicht bloßstellen konnte. Der Täter hatte ihren Tod sicher schon von Anfang an in Erwägung gezogen. Aber war sich nicht (ganz) sicher. Frauke merkte das und hat in dieser Situation versucht, um ihr Leben zu kämpfen. Und sich zugleich nicht selbst zu verraten. Aber sie hatte keine Chance.
Zu dieser rein spekulativen Motivlage passt dann die Leiche, die keine äußerlichen Spuren von Gewalt aufwies. Es sollte wohl ein "sanfter" Tod sein, ohne Blut, ohne Entstellung, ohne Entehrung.
Höxter und Frauke sind deshalb wie Motorsäge und Skalpell.