Mordfall Charlotte Böhringer
08.04.2026 um 09:17Darsow.Smoover schrieb:Sollte man meinen. Mir ist tatsächlich auch kein einziger Fall bekannt, in dem die Indizienlage noch erdrückender ist.
Darsow.Smoover schrieb:Sollte man meinen. Mir ist tatsächlich auch kein einziger Fall bekannt, in dem die Indizienlage noch erdrückender ist.
Kenne ich! Eine wirkliche Perle. Gibt einem vielleicht auch insgesamt zu denken, dass man sich manchmal mit allzu klaren Einschätzungen von bestimmten Fakten des Falls, die aber eigentlich nur auf sehr oberflächlichen öffentlichen Infos beruhen, zurückhalten sollte, wenn man sieht, wie tief und profunde die EB/Tatrichter hier (bei einer Mordanklage natürlich auch völlig zu recht) in die Sachverhaltsermittlung und -bewertung einsteigen. Und davon ab wirklich auch einmaliges Pech von Frau Schlemmer, ausgerechnet auf diesen exzellenten Zeugen getroffen zu sein.emz schrieb:Ich hätte da noch ein Urteil, das mich bei der Schilderung des Ablaufs beeindruckt hat, wie kein anderes. Es ist der Fall Schemmer, Koblenz-Horchheim. Da wird minutiös der Beweis erbracht, warum der Motorradfahrer sowohl glaubwürdig ist, als auch glaubhaft die Begegnung mit der Verurteilten schildert. Man sieht die Szene auf der Autobahn förmlich vor sich ablaufen. Da gerate ich wirklich ins Schwärmen.
https://openjur.de/u/841958.html Nummer 206 - 255
Zumal die beschuldigte Seite es bis heute ja noch nicht zustande gebracht hat eine alternative Theorie für die Tat vorzubringenbornheim schrieb:Deshalb wundert mich auch, dass der Thread hier so viele Seiten umfasst - eindeutiger geht eigentlich nicht
Du meinst vermutlich Josef Wilfling.Totaleinfall schrieb:und auch der Ermittler damals, ein ganz berühmter bayrischer Ermittler, der mittlerweile im Ruhestand ist(Name entfallen), war sich noch nie so sicher, dass vor ihm der Täter sitzt.
Nun, da muss ich die Verteidigung ein wenig in Schutz nehmen. Es ist nicht deren Aufgabe, einen Alternativ-Täter zu präsentieren.SteamedHams schrieb:Zumal die beschuldigte Seite es bis heute ja noch nicht zustande gebracht hat eine alternative Theorie für die Tat vorzubringen
Hier die sehr nachvollziehbare Begründung aus dem Urteil:emz schrieb:Dabei fällt mir ein, ich wollte mir noch sein Argument, er hätte kaum ungesehen bis vor die Wohnungstür gelangen können, vorknöpfen. So ganz habe ich das mit seiner Chip-Karte fürs Dauerparker-Deck nicht verstanden. Da muss ich mir mal im Urteil die verschiedenen Passagen zusammensuchen und den Weg rekonstruieren. Schaun wir mal, ob das nochmal aufgegriffen wird
Wenn ich die Doku (die ich vorrangig fürchterlich langweilig finde) mit dem anderen Mist vergleiche, der außerhalb der öffentlich-rechtlichen Medien (oder gar in den sog. Sozialen Medien) zum Fall verbreitet wird, ist das Niveau noch immer sehr seriös. Auch wenn die Doku recht einseitig ist.Totaleinfall schrieb:ZDF und seriös sind die schon lange nicht mehr
Daran krankt die Doku. Es war aber niemand auf Seiten von Polizei oder Justiz bereit, zu dem Fall Stellung zu nehmen. Vermutlich auch, weil ein Wiederaufnahmeantrag ruht.Biochemiker schrieb:Hatte ich auch schon gelesen, aber dass dies dann 1zu1 ohne Gegendarstellung übernommen wird...
Das Problem ist, dass ich in völliger Unkenntnis des Falls, am Ende des Films das Gefühl hatte, der Typ ist unschuldig.Origines schrieb:Deshalb nicht unseriös, aber einseitig und verlorene Zeit, sich das anzusehen. Weil es nichts Neues gibt - außer dem verknautschten Gesicht von Bence T., seinem Leid als vermeintlich unschuldiger Mörder und seine alten Geschichten.
Auch da sitzt der Richtige ein, aber ich find die Indizienlage bei BT nochmal deutlich erdrückender.RitterTrenk schrieb:Darsow.
Ja, die Schuldfrage ist tatsächlich langweilig.bornheim schrieb:Deshalb wundert mich auch, dass der Thread hier so viele Seiten umfasst - eindeutiger geht eigentlich nicht
Da kommt einfach kaum jemand für infrage. In Fachkreisen interessiert sich niemand für den Fall. Der ist weder umstritten noch ein dort diskutierter möglicher Justizirrtum, sondern ein stinknormaler Mordfall, der natürlich tragisch, aber aus juristischer Sicht unauffällig ist: Neffe erschlägt seine Tante und wird dafür in einem ordnungsgemäßen Prozess verurteilt. Das ist ja schon die ganze Geschichte. Deshalb kennen 99 % der Juristen diesen Fall auch nicht und können nichts dazu sagen.Origines schrieb:Außer der sanften Gisela Friedrichsen (Spiegel) gab es niemanden in der Doku, der "dagegen" gehalten hätte. Hätte es so jemanden gegeben, einen prominenten Verteidiger des Urteils, der angetreten wäre? Keine Ahnung.
Bin mit der SuFu durchs Urteil, habe aber nichts Relevantes zu Heizung und Monteur gefunden.R.d.R schrieb:Der einzigste bei dem das Mitführen eines geeigneten Werkzeugs nicht aufgefallen wäre, wäre der Heizungsmonteur gewesen, aber der hatte ja eigentlich kein Motiv. Obwohl es auch hier wohl Unstimmigkeiten bezüglich des zeitlichen Ablaufs gibt?
"Fremdkörper in der Kopfwunde von Charlotte Böhringeremz schrieb:Bin mit der SuFu durchs Urteil, habe aber nichts Relevantes zu Heizung und Monteur gefunden.
Du hast noch was vergessen:RitterTrenk schrieb:Und der Monteur war auch davon abhängig, dass seine Lebenslüge gegenüber CB nicht auffliegt, hatte die Zeitungen des Opfers in seiner Wohnung und blutige Geldscheine versteckt in seinem Portemonnaie und ist am Auffindetag sinnlos nach Augsburg und dann doch wieder zurück gefahren?
Im Urteil findet sich hierzu:R.d.R schrieb:Vor diesem Hintergrund könnte ein Vorfall vom Nachmittag des 15.05.2006 von Bedeutung sein. Da hatte ein Heizungsmonteur auf Bitten von Charlotte Böhringer ihre Wohnung zur Regulierung der Wassertemperatur der Fußbodenheizung aufgesucht. Diese Überprüfung, so die Aussage des Mannes vor der Polizei, will er vor 14.30 Uhr beendet haben, um dann anschließend im Heizungsraum im Keller des Parkhauses einen defekten Boiler zu reparieren. Nach zirka anderthalb Stunden will er die Arbeit beendet haben, um noch einen weiteren Kunden aufzusuchen.
Überprüfungen der Aussage zeigten, dass die Einlassungen des Handwerkers falsch sind, da Charlotte Böhringer am 15.05.2006 in der Zeit von ca. 13:45 bis 15:00 Uhr gemeinsam mit der Zeugin M. S. im Lokal Lago di Garda zu Mittag aß und der entsprechende Anruf bei der Wartungsfirma erst in der Zeit von 15:24 bis 15:27 Uhr erfolgte.
Bei Wahrunterstellung des vom Monteur angegebenen Zeitraumes von etwa anderthalb Stunden in der Parkgarage bedeuten diese Feststellungen, dass der Handwerker sich vermutlich bis 17:45/18:00 am Tatort aufgehalten haben dürfte. Etwa um diese Zeit sind letzte telefonische Lebenszeichen von Charlotte Böhringer nachweisbar.
Die Überprüfung des Alibis des Heizungsmonteurs durch die Mordkommission unterblieb jedoch."
Quelle: https://web.archive.org/web/20230503134943/https://zweifelhaft.org/glaubhaft.php
(1.1.)
Anlässlich ihrer Einvernahme im Zivilverfahren hat die Zeugin M.S. vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts I folgendes zu Protokoll gegeben:
„Ich habe doch schon tausend Mal gesagt, dass ich mit hoch in die Wohnung ging, um Malerarbeiten abzunehmen. Ich habe mich dann mit dem Handwerker, der die Fussbodenheizung richten sollte, befasst. Frau Böhringer war in einem anderen Raum. Sie hat mir auf der Terrasse Wein eingeschenkt, sie wollte, dass ich diesen probiere, ich habe einen kleinen Probierschluck genommen und damit reagiert: Der schmeckt mir nicht, den will ich nicht …
(ii).
Die Zeugin M.S. führte glaubhaft aus, sie habe das Opfer am 15.05.06 am Nachmittag in deren Wohnung besucht. Frau Böhringer habe zwei Gläser hingestellt und sie hätten zusammen Wein getrunken. Sie könne es nicht mehr genau sagen, aber sie habe das Opfer zwischen 17.00 Uhr und 18.00 Uhr wieder verlassen. (S 181)