Opti-Mist schrieb:Das stimmt nicht ganz. Da gibt es noch eine Zeugin die angibt, mit den beginnenden Nachrichten im Autoradio (19:00 Uhr) am Ortsschild Bergen in Fahrtrichtung Ortsmitte gefahren zu sein.
Dies halte ich für eine relativ gute Quelle, da das Gehirn ja solche Ereignisse im Zusammenhang viel besser abspeichert, als eine singuläre Situation.
Ich halte die Aussage für nahezu unbrauchbar. Bei Zeugensichtungen ist es genau wie mit DNA-Spuren: das Vorhandensein kann als relativ guter Beleg gewertet werden, dass eine Person X an einem bestimmten Ort war. Das ist kein Beweis, dass Person X zur Tatzeit dort war und schon gar nicht, dass sie der Täter ist. Man muss halt dann herausfinden, wie die DNA dort hingekommen ist.
Aber umgekehrt ist ein Nicht-Vorhandensein von DNA-Spuren nie ein Beweis dafür, dass Person XY nicht an der Stelle war. Sie kann (z.B. durch Schutzmaßnahmen wie Handschuhe) keine DNA hinterlassen haben oder es kann sein, dass sie einfach nicht gefunden wurde.
Mit Zeugenaussagen ist es ähnlich: wenn ein Zeuge sagt, er habe Person X gesehen, dann kann man das erst mal als Indiz werten, dass Person X dort war (abgesehen davon, dass sich ein Zeuge sich irren (er also z.B. die Person X mit Person Y oder den Tag 1 mit dem Tag 2 verwechselt oder sich allgemein unbewusst etwas zusammenphantasiert) oder lügen kann), v.a. eben wenn der Zeuge man solche Gedächtnis-Ankerpunte hat, wie bei Ute den Zeitstempel durch die Nachrichten im Radio. Aber wenn ein Zeuge etwas nicht gesehen hat, kann er "es" (also eine Person, einen Gegenstand, eine Handlung etc.) einfach übersehen und nicht wahrgenommen haben. Weil er einen Augenblick abgelenkt war, in eine andere Richtunggeschaut hat, einfach nicht drauf geachtet hat, ob jemand am Straßenrand steht oder geht, weil ihr auf der Autofahrt viele andere Personen begegnet sind. Hinzu kommt, dass sie nicht wusste, dass eine Beobachtung an genau dieser Stelle später so wichtig werden würde, sie also diese Stelle an der BHS nicht als besonders auffällig und bemerkenswert wahrgenommen haben wird.
Kann sich doch jeder mal selbst vorstellen: er fährt eine längere Strecke und soll nach Tagen oder Wochen sagen, ob an einer bestimmten Kreuzung oder bei einem bestimmten Haus jemand auf dem Bürgersteig stand oder nicht. Wenn da nicht zufällig jemand stand, der ihm/ihr aus irgendwelchen Gründen außergewöhnlich aufgefallen ist (weil er die Person persönlich kannte und sich gewundert hat, was sie da macht, weil sie einer ihr/ihm bekannten Person extrem glich und er/sie kurz verwechselt hat oder weil die Person ein blaues Schlumpfkostüm trug, obwohl nicht Karneval war), dann ist das für mich fast unmöglich zu erinnern und eine Aussage, v.a. eben wenn der Person an der Stelle nichts aufgefallen ist, wenig zuverlässig.
Für mich ist die Aussage des Busfahrers deutlich verlässlicher. Das BHS-Häuschen steht so, dass man nicht erkennen kann, ob darin jemand steht und auf den Bus wartet. Er musste also anhalten und abwarten, ob da jemand rauskommt, der mitfahren will. Zumal es kalt war, so dass jemand der da wartet, sich vielleicht lieber ins Häuschen stellt, als ungeschützt an der Neuen Straße zu stehen. Ich denke, dass er rechtzuverlässig sagen kann, dass da niemand war, weil er sich in dem Moment als es passierte bewusst genau mit der Frage beschäftigt hat, ob da jemand steht und mitfahren will oder nicht.