Zu euren Beiträgen hinsichtlich möglicher Tatmotive habe ich mir einige Gedanken gemacht, die ich gerne mit euch teilen würde.
@Heribert bringt die Idee eines „aufgestauten Themas“ ein, das sich im Rahmen einer zufälligen Gelegenheit eskaliert haben könnte. Gleichzeitig verweist er auf das Fehlen eines klar erkennbaren Motivs sowie auf die Möglichkeit, dass Katrin – möglicherweise aufgrund einer als „reif“ wahrgenommenen Ausstrahlung – für andere Männer begehrenswert gewesen sein könnte.
Auch
@Reith008 spricht eine Eskalation an und verweist auf die öffentlich kommunizierte Annahme einer „spontanen Tat“. In diesem Zusammenhang stellst du die Überlegung an, ob es sich nicht doch um eine geplante Tat gehandelt haben könnte – insbesondere im Hinblick auf den Vorfall des Weglaufens im Dezember sowie mögliche Konflikte, die selbst engen Freunden nicht bekannt gewesen wären.
Hier stellt sich für mich die Frage, wie dieses "Tatkonstrukt" konkret ausgesehen haben könnte.
Einerseits müsste ja der Täter dann von diesem Vorfall gewusst haben um darauf spekulieren zu können, dass „Ausreißen“ oder „freiwilliges Fernbleiben“ sofortige Suchaktionen verhindert oder verzögert. Das würde mMn auch voraussetzen, dass diese Person der Familie relativ nahe stand. Andererseits müssten doch dann genau mit dieser Person bereits Konflikte bestanden haben (welche, abseits sexueller, könnten das gewesen sein?) die Katrin nicht erwähnt hätte und entsprechend der Familie/engen Freunden nicht bekannt gewesen wären, die dann zu einer Tötung Katrins geführt hätten? Dies bitte nicht als „Gegenwind“ aufzufassen, sondern als ernsthafte inhaltliche Nachfrage zu deinem Eingangspost
:) Ich selbst vermute, wie auch andere hier, eher eine spontane Tat mit sexuellem Motiv. Dass es sich dabei um eine einmalige Tat gehandelt haben könnte, halte ich u.a. auch aufgrund der von
@Triquetrum angeführten Gründe für wahrscheinlicher.
Dem Beitrag von
@inkaspesbach, wonach ein sexuelles Motiv zwingend ein vorheriges konkretes Interesse an Katrin voraussetzen müsse und ein Täter im Freundeskreis zumindest durch Andeutungen oder „Scherze“ aufgefallen wäre, kann ich nur bedingt folgen. Meines Erachtens müssen sexuelle Motive nicht zwingend an eine konkrete Zielperson gekoppelt sein. Auch halte ich den Schluss, ein Täter müsse sich durch zB zotige Witze oder entsprechende Äußerungen zu erkennen gegeben haben, nicht für zwingend. Zwischen derben Sprüchen und der tatsächlichen Umsetzung einer Sexualstraftat liegen gsd Welten.
Für ein sexuelles Motiv spricht für mich weiters, wenn auch nicht ausschlaggebend, ein mögliches Wissen um Katrins Beziehung zu Joachim. Während Frauen solche Beziehungen eher kritisch oder befremdlich wahrnehmen, wie ich auch
@Herbstkind verstanden habe, könnten Männer mit entsprechenden Neigungen zu deutlich jüngeren Mädchen/Frauen sogar als „auffordernd“ interpretieren. Insofern wäre für mich weniger entscheidend, ob der Täter von dieser Beziehung wusste, sondern eher, welches Bild von Katrin er sich daraus gemacht haben könnte:
2cent schrieb am 04.01.2022:Diese Beziehung, welcher Natur sie auch immer war, bewerte ich daher nicht. Kann mir aber dadurch ein „Motiv“ vorstellen. Genau aus dem Grund der Bewertung oder dem Glauben zu wissen, was diese Beziehung zu Joachim alles beinhaltet hat, welches Bild sich jemand von Katrin dadurch gemacht hat.
Zu den von
@Apo_Andreas und
@Kuno426 angesprochenen alternativen, plausiblen, Eskalationsmotiven abseits von Sexualität wurden bereits verschiedene Möglichkeiten genannt:
inkaspesbach schrieb am 07.01.2026:Ein Streit - über was auch immer - ist durchaus wahrscheinlicher als ein sexueller Übergriff, gerade wenn es jemand aus dem Bekanntenkreis war. […] Vor diesem Hintergrund erscheint ein Streit mit einem Bekannten deutlich plausibler als die Variante eines "Einmal-Sexualtäters", zumal es keine Hinweise auf weitere Opfer gibt.
Ziegenpetra schrieb am 07.01.2026:Evtl. hatte einer der TV eine sehr kurze Zündschnur in jungen Jahren, was sich später "verwachsen" hat. Dieser TV könnte sich durch Katrins Aussage(n), Gestiken oder Mimiken provoziert gefühlt haben. Das wäre für mich ein Beispiel.
Auch ich hatte in diesem Zusammenhang schon spekuliert, ob es – bei einer zwischenzeitlichen Verbringung einer noch lebenden Katrin – zu einer Eskalation gekommen sein könnte:
2cent schrieb am 03.01.2026:Ebenso auch ein anderes Motiv als "spontane Tötung als Verdeckungstat" Spekulativ gedacht: ein "Denkzettel", ein "makabrer Spaß", der dann mit dem Abbleben Katrins endete?
Zum Beitrag
Triquetrum schrieb am 07.01.2026:Unabhängig davon ist trotzdem ein sexuelles Motiv sehr wahrscheinlich, auch wenn es in diesem Fall explizit auf eine Person, nämlich Katrin, bezogen war.
– ich hatte mich damals nach der Schilderung in „Spurlos verschwunden“ von Nadine, wonach sie sich die Haare blond gefärbt hätte, weil sie zu oft mit Katrin verwechselt worden sei, auch bereits gefragt, ob es nicht zumindest denkbar wäre, dass jemand an der BHST vorbeikam, der es eigentlich auf Nadine „abgesehen" haben könnte? Zugegebenermaßen weit hergeholt und nie "zu Ende" gedacht.
Wie plausibel diese Motive tatsächlich sind, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen bzw. stelle ich diese auch insofern in Frage wie zB
@Kuno426 hier:
Kuno426 schrieb am 07.01.2026:Aber ob die Situation dann so weit eskaliert wäre, dass Katrin nie mehr auftaucht?
Generell fällt mir bei der Überlegung, dass ein Täter bereits im Vorfeld über die Situation Katrins an diesem Abend gewusst haben könnte und bewusst - mit ihr als Zielperson - unterwegs war, wie
@Triquetrum (in Bezug auf Ralf) überlegt hatte und meinen Überlegung dazu, dass dies mMn bewusstes Handeln voraussetzen und eine spontane eher Tat ausschließen würde, schwer, andere, als sexuelle Motive, anzunehmen. Da wäre ich dann wieder beim Tätertyp den
@inkaspesbach beschrieben hatte und auch den Überlegungen bzw. Zweifeln hinsichtlich der weiteren „Unauffälligkeit“ eines solchen Täters.
Einen zwingenden Zusammenhang mit einer "besonderen Reife“ Katrins sehe ich im Übrigen nicht. Ob man die Reife eines 15-jährigen Mädchens daran festmachen kann, dass sie eine Beziehung zu einem deutlich älteren Freund hatte und diese vor den Eltern verheimlichte, erscheint mir fraglich. (
@Herbstkind). Das Bild, das sich für mich aus Dokumentationen und Podcasts ergibt, zeigt, wie schon geschrieben, eher eine typische Jugendliche, die sich zwar nicht vollständig in das Rollenbild des „braven Mädchens“ fügte, aber dennoch eine gewisse Selbstständigkeit (Reife) hatte.
Ob diese Überlegungen eine Einordnung eines wahrscheinlichen Tätertyps oder eines Tatmotivs möglich machen, bleibt für mich letztlich noch immer offen.