Nobisotti schrieb:Herr Heuer hat sehr emotional moderiert, es flossen Tränen.
Nobisotti schrieb:Ja, gerne. Es waren ca. 50 überwiegend ältere Landfrauen anwesend sowie ein Bruder von Katrin, eine Schwester, die Cousine sowie die damalige beste Freundin und „Alibi“.
Ich muss sagen, dass mich das jetzt ein bisschen schockiert, wenn ich das lese.
Heuer hat das ganze organisiert und setzt sich da vor die Bühne und lässt ein paar Tränen fließen. Gleichzeitig hat er offenbar die Chuzpe, Familienangehörige zu bequatschen, sich dort auf der Veranstaltung zu präsentieren, obwohl die Familie in den letzen Jahren mehrfach beteuert hat, sich zu dem Fall nicht mehr öffentlich äußern zu wollen.
Ich fand das schon bei der Podcast-Folge mit dem Bruder sehr grenzwertig, sehr sehr persönlich berichtet hat, was das Verschwinden seiner Schwester, als er noch ein kleines Kind war, für sein weiteres Leben bedeutet hat, v.a. welche psychische Belastung bis heute und in seinem Alltag das für ihn darstellt. Ich fand das sehr daneben, das Heuer den Bruder, der sich zunächst nicht äußern wollte, offenbar dazu bewegt hat, sich doch in dem Mathis-Podcast zu äußern. Ich habe es so verstanden, dass Heuer für Mathis den Kontakt hergestellt hat und den Bruder dazu "überredet" hat, ihm den Auftritt aber mindestens nahe gelegt hat.
Die juneg Mann war beeindruckend, so dass auch die Podcast-Folge mich beeindruckt hat. Aber ich frage mich auch, welchen Sinn sie "für den Fall" gehabt haben soll und ob das nicht ethisch hart an der Grenze von dem war, was professionelle Journalisten tun oder eben besser lassen sollten.
Ich habe das Gefühl, Heuer hat sich in den Fall total verrannt und klammert sich an den Strohhalm, dass wenn man ihn nur oft und lange genug im Bewusstsein der Öffentlichkeit hält, er noch gelöst werden könnte. Er ist Journalist und vielleicht ist das eine Art Déformation professionnelle, weil Öffentlichkeit, Berichterstattung und Publicity halt seine beruflichen Werkzeuge waren. Ich werde aber den Eindurck nicht los, dass er jegliche profeessionelle Distanz zum Fall und zu den Angehörigen verloren hat. Katrins Bruder bezeichnet er als einen guten Freund. Und ich finde es besorgniserregend, dass er seinen Blick auf die mögliche Lösung dieses Falles - eben dass das mit Öffentlichkeit gelingen kann - Katrins Familie wiederspiegelt, ihnen dadurch Hoffnung macht, für die den Fall in ihrem Leben "am köcheln" und präsent hält und sie dadurch - zumindest indirekt - dazu bewegt, an solchen Veranstaltungen wie dem Podcast und eben jetzt dieser Landfrauenveranstaltung teilzunehmen.
Ist sicher von ihm aus gut gemeint, aber ich sehe dadurch halt auch, dass er dadurch einen immensen Druck auf diese Menschen ausübt. Wenn er ihnen suggeriert, der Fall sei durch Öffentlichkeit lösbar, dann würde der Wunsch der Familie, nicht mehr öffentlich dazu zur Verfügung zu stehen, ja auch bedeuten, dass die Familie nicht alles in ihren Möglichkeiten stehende unternimmt, um dazu beizutragen.
Und das finde ich journalistisch-ethisch höchst bedenklich. Jetzt kann man argumentieren, dass Heuer längst kein Journalist mehr ist, sondern Rentner. Aber er hat eben Mathis vor seinen Karren gespannt, der für sich den Anspruch hat, Journalist zu sein und seriös zu arbeiten und zu berichten. Und der hätte spätestens nach der Folge, in der Heuer auf dem Turm stand und über den Fall halb philosophisch und halb verbittertr räsoniert hat, die Reißleine ziehen müssen. Schon gar nicht hätte er sich auf Heuers Betreiben auf das Interview mit dem Bruder einlassen und es senden dürfen. Stattdessen hatte und hat man den Eindruck, dass er ab da Heuer ständig im Schlepptau hatte - ihn mit zu der Veranstaltung mit den Studenten geschleppt hat und dann mit ihm, Frau Dau-Rödel und Herrn Bettels im Auto hockte, als sie diesen Test gemacht haben, was man im Rückspiegel an der Bushaltestelle erkennen kann.
In der Heuer-Folge hat dieser ganz schön vom Leder gezogen über die 5 Beschuldigten in dem Fall und hat sehr dick moralisch gefragt, wie die so fahrlässig irgendwelche Unwahrheiten erzählen können und ihnen offensichtlich egal sei, was sie mit diesen Lügen anrichten. Dass diese Menschen damals sehr jung waren, sich vielleicht nicht genau erinnert haben, vielleicht nach bestem Wissen und Gewissen ausgesagt haben, sich dann aber schnell auch einem großen Druck ausgesetzt fühlten, mit dem man mit Anfang 20 und noch dazu wie aus dem Nichts kommend, schwer umgehen kann, hat er alles unter den Tisch fallen lassen.
Und hinzu kommt eben, dass es nicht alle 5 Beschuldigten gewesen sein können. Vielleicht ist es einer von ihnen gewesen, vielleicht aber auch keiner. Die Mehrzahl dieser, vielleicht auch all diese Personen ist also unschuldig und ist in etwas reingeraten, was sie völlig überfordert hat und sicher auch ihr weiteres Leben schwer belastet hat. Sich nacht 25 Jahren offentlich hinzustellen, um pauschal moralisch über die herzuziehen, bringt doch keinen weiter. Da hat man meiner Meinung nach sehr gemerkt, dass ihm da völlig die journalistische Distanz fehlt und einfach nur noch Verbitterung aus ihm spricht. Menschlich verständlich, journalistisch ein totales No-Go und dieser Vorwurf geht dann an den Mathis, der die journalistische Distanz hätte haben müssen, dass aus dem Podcast, den ja er journalistisch verantwortet, rauszulassen.
Ich werde bei Heuer zudem den Eindruck nicht los, dass viel an dieser Verbitterung daran liegt, dass sein Beitrag von den NDR-Kollegen in deren Podcast nicht genug gewürdigt werden. Mathis sagt das an einer Stelle, dass diese Heuer nicht mal dankend erwähnt haben, obwohl er ihnen Zugang zu vielen Infos und beteiligten Personen vermittelt hätte. Ab der Stelle hatte ich den Eindruck, dass Mathis das irgendwie meint, wieder gut machen zu wollen, und Heuer dafür umsomehr Anerkennung zuteil werden lassen will.
Die Krönung ist ja jetzt aber, ausgerechnet diesen Menschen so eine Veranstaltung in Bergen organsisieren zu lassen und noch dazu die Angehörigen da mit reinzuziehen. Er ist noch im Podcast der Meinung, die Bergener seien so verbort, hätten kein Interesse an dem Fall und seiner Lösung und wüssten was, was sie aber nicht preisgeben. Abgesehen davon, dass gerade das letzte doch wohl maximal auf ein oder zwei Personen zutreffen könnte (und auch das im Konjunktiv), frag ich mich dann doch, ob er denn der geeigente Veranstalter für so eine Aufklärungsveranstalung ist.
Nobisotti schrieb:Der neue Zeuge („Ralf“?) nicht ausdrücklich verdächtigt.
Sicher wurde Ralf auch im Mathis-Podcast nicht ausdrücklich verdächtigt, indirekt aber schon. So wie Heuer eben auch den anderen 5 Beschuldigten direkt den Vorwurf gemacht hat, aus Gleichgültigkeit nicht mit der Wahrheit rauszurücken.
Aber ich frage mich schon, wie in Bergen so eine Veranstaltung ablaufen soll, ohne dass am Ende nicht jeder weiß, wer Ralf in real ist. Er wurde mehrmals erwähnt, dass er noch dort wohnt und ich gehe davon aus, dass es dort jede Menge Menschen gibt, die seine Identität kennen. Und jetzt dürfte sie weiteren 50 Landfrauen bekannt sein, auch wenn sie offiziell auf der Veranstaltung nicht preis gegegeben wurde und er nicht "ausdrücklich verdächtigt" wurde. Aber gerade in so einem kleinen Ort ist doch so eine Veranstaltung eine Nachrichtenbörse und unweigerlich wird sich doch jeder, der es noch nicht wussste, unweigerlich darauf gebrannt haben, zu erfahren, wer denn Joachim, Sven, Martin, Christian, Ralf und Karl in real sind.
Auch das finde ich einen sehr bedenklichen Aspekt an dieser Veranstaltung. Wie gesagt, im sehr hoher Wahrscheinlichkeit haben mindestens 5 von diesen 6 Menschen nicht mit Katrins Verschwinden zu tun