Ok, dann werde ich mal ein paar Punkte näher erläutern.
schluesselbund schrieb:Ich glaube nicht dass sich der Vater oder ein anderes Familienmittglied für ein solches Vergehen einsetzten würde.
Hier machst du den allgemeinen Fehler, dass man immer voraussetzt, wie man selbst handeln würde. Leider ist dies oftmals nur ein Wunschdenken, da wohl sonst die Anzahl an Verbrechen gleich null sein würde. Gehen wir aber in den Bereich der Ordnungswidrigkeiten und kleineren Straftaten, so würde es bei uns schon etwas anders aussehen. Würde man sein Kind an den Pranger stellen, wenn es zum Beispiel den Umzugsmüll im Wald entsorgt hätte, als wie vereinbart am Wertstoffhof? Klar, man würde dem Kind sagen, bring das sofort dahin wo es hingehört, würde es dies aber nicht tun, würde man wohl kaum zur Polizei rennen.
Und nun wandeln wir die Situation in ein Tötungsdelikt um, dass der Sohn vermutlich gegenüber z. B. dem Vater nicht in dem Umfange darstellen wird, wie es eigentlich abgelaufen ist. "Das ganze war ein Unfall, Papa!" könnte die Äußerung lauten. Als Vater wird man sicherlich nicht ganz so emotional denken, wie das eigene Kind, das für die Tat verantwortlich war. Kommt noch dazu, dass der eigene Sohn im Vorfeld noch nie irgendwie in diesem Rahmen auffällig wurde, vielleicht gerade im Beruf Fuß gefasst hat und auch sonst in seinem Umfeld als nett und freundlich gilt, werden durchaus Überlegungen Reifen, auch wenn der Fehltritt noch so extrem sein mag, dem eigenen Kind unter die Arme zu greifen.
Würde es sich möglicherweise auch noch um Einzelkind handeln, glaube ich durchaus, dass man für sein Kind diese Grenze, von der man sicherlich selbst dachte, dass man diese niemals überschreiten wird, niederreißt. Zudem muss man auch sehen, was denn dem Vater strafrechtlich blühen könnte. Wir sind nicht in den USA, wo jedes Mitwirken, egal in welcher Form, gleich dem Grunddelikt, hier Mord oder Totschlag, abgeurteilt wird. Bei uns würde die Strafvereitelung stehen, die aber für den Vater gegenüber dem Sohn als Täter nicht greift. Dann würde noch die Störung der Totenruhe bleiben, da die Leiche nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes entsorgt wurde, auf die doch ein relatives geringes Strafmaß ausgesetzt ist.
Deshalb bin ich auch überzeugt davon, dass dies im Falle von Katrin Konert ein mehr als plausibles Szenario ist.
schluesselbund schrieb:Weiter müsste auch zuerst ein sicherer Ort; eventuell Werkzeug vorhanden, beschafft werden.
Sobald einmal der Entschluss gefasst wurde, dem eigenen Kind zu helfen, ist das aus meiner Sicht das kleinste Problem. Auch der Vater wird sicherlich emotional reagieren, aber wohl nicht in dem Umfang wieder Täter selbst. Man wird die Situation durchgehen, hinsichtlich möglicher Zeugen abfragen und dann versuchen, die Person, die eigentlich für die Tat verantwortlich war, aus dem Schussfeld zu bringen. Soll bedeuten, lebe deinen Tag so weiter, als ob nichts passiert wäre.
Es wird nun noch darauf ankommen, wo sich die Leiche befindet. Wird sie im Fahrzeug des Sohnes mitgeführt oder hat er sie schon z. B. im Wald, möglicherweise sogar schon leicht versteckt, abgelegt. Ist sie im Fahrzeug des Sohnes, wird man den Pkw wohl tauschen. Benutzt er eh das Fahrzeug des Vaters, so ist sie quasi eh schon in den Händen des Vaters, der weitere Schritte damit planen kann.
Natürlich ist eine gewisse Eile geboten, aber sicherlich keine überhastetes Vorgehen. Auch wird es möglicherweise nicht zwingend erforderlich sein, dass der Sohn selbst bei der Beseitigung der Leiche mitwirken muss. So verschafft man ihm sogar für die nachfolgenden Stunden ein Alibi.
schluesselbund schrieb:Letztlich noch ist mir kein Fall bekannt wo Familienangehörige einen Täter decken.
Aus dem Stehgreif fällt mir hier der Fall Benedikt Toth ein, bei dem Vater aktiv bei der Entsorgung der Leiche mitwirkte. Ich bin mir aber sicher bzw. weiß, dass es da noch mehrere Beispiele gibt. Ein Fall wird auch hier im Forum mehr oder weniger fleißig diskutiert.
schluesselbund schrieb:Zumal ich mir auch nicht vorstellen kann, dass jemand nach Hause kommt, und erzählt er habe jemanden getötet. Aber falls doch, würde ich ihm sagen, schau zu wie du das Problem gelöst bekommst
Wie bereits oben angeführt, man stelle sich vor es handelt sich um den Sohn, ein Einzelkind, das bisher noch nie strafrechtlich auffällig war und nun völlig aufgelöst, da er eben ein gutes Verhältnis zu seiner Familie hat, vor seinem Vater steht und nicht weiß, was er tun soll. Objektiv sagt man natürlich, Junge, geh zur Polizei, sag ehrlich was passiert ist, das kriegen wir schon. So denke ich, wird das aber eben in der Regel nicht laufen. Man sieht immer, welche Strafe dem Sohn erwarten könnte, insbesondere wenn möglicherweise noch eine sexuelle Handlung im Spiel war.
Ich glaube, wie schon gesagt, der Schritt mag zwar groß anmuten, aber wenn es um das eigene Kind geht, dessen Leben vielleicht durch eine einzige Handlung völlig verbaut sein könnte, werden die Überlegungen vielleicht nicht mehr ganz so vernünftig sein, wie man es bei sich selbst erwarten würde.
schluesselbund schrieb:Und warum der besser Möglichkeiten haben soll ein Leiche verschwinden zu lassen als ein junger Mensch erschliesst sich mir nicht.
Die Möglichkeiten sind hier natürlich die selben, das meinte ich jedoch dabei gar nicht. Ich gehe vielmehr davon aus, dass um so höher das Alter des Täters ist, um so strukturierter wird er in dieser Situation denken und wahrscheinlich keine übereilten Schritte machen. Weiterhin gehe ich davon aus, dass die Phantasie, insbesondere wenn es dieser Person bekannt war, dass Katrin mit einem 30-jährigen Mann zusammen war, hinsichtlich ihrer Person in Bezug auf einer möglichen sexuellen Handlung, die in seinem Gedankenspiel vielleicht sogar auf freiwilliger Basis geschehen könnte, vorhanden war.
Kommt dann die Situation, bei der man Katrin alleine vor sich hat, möglicherweise im eigenen Pkw und somit vermeintlich von der Außenwelt geschützten Bereich, kann eine diesbezüglich Annäherung auch in ein gewaltsames Umsetzen seiner Phantasien führen. Im Anschluss wird sicherlich der Stress, wie eigentlich bei jedem Straftäter, vorhanden sein, jedoch wird dieser wohl bei älteren Personen, wie bereits gesagt, bei älteren Personen schneller in strukturierteres Handeln übergehen, insbesondere wenn man weiß, dass man keinerlei Zeugen zu befürchten hat, die ein späteres Kommen oder Nichterscheinen hinterfragen könnten.
Zum Schluss natürlich noch die Anmerkung, dass sind alles natürlich reine Spekulationen, ohne eine Person direkt anzusprechen. Es soll nur aufgeführt werden, warum dieses Szenario durchaus plausibel ist.