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Spüren Opfer wenn sie was erzählen können?

15 Beiträge, Schlüsselwörter: Menschen, Gefühle, Opfer, Erzählung
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Spüren Opfer wenn sie was erzählen können?

03.06.2019 um 00:28
Spüren Opfer ob sie jemanden anderen über gewisse Dinge erzählen können die sie sonst für sich behalten würden?

Ich hab ein Beispiel:
Ein Opfer hat ein Missbrauch erlebt. Es ist eine sie. Sie erzählt es einem anderen weil sie weis oder spürt das er vielleicht ähnliches schon durchmachen musste oder damit selber sich gerade beschäftigen muss, weil es ihm sein näheren Umfeld passiert ohne zu genaueres zu wissen. Es ist einfach nur das Gefühl was vielleicht beim Opfer da ist ihm z.B. damit konfrontieren zu können und ihm zu vertrauen.

Ist das wirklich so, oder gibt es andere Anzeichen wie Opfer verstehen wenn sie etwas Erzählen können und wem lieber nicht?

Wenn ihr selber Opfer seid dan wäre es coole zu wissen wie ihr das Vertrauen gewinnt jemand vielleicht noch fremden eure tiefsten Geschehnisse zu schildern und wie ihr die Zeichen seht ihm oder sie damit konfrontieren zu können.

Oder reicht da allein das Bauchgefühl anderen näher zu sein weil du weist du kannst ihm oder sie etwas Varaten was nur wenige über dich wissen sollten.


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Spüren Opfer wenn sie was erzählen können?

03.06.2019 um 01:31
@em123456789012
das nennt sich Vertrauen.


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Spüren Opfer wenn sie was erzählen können?

03.06.2019 um 03:21
em123456789012 schrieb:Spüren Opfer ob sie jemanden anderen über gewisse Dinge erzählen können die sie sonst für sich behalten würden?
Leider nein, zumindest nicht annähernd so oft wie es wünschenswert wäre.
Obwohl es erfreulicher Weise immer üblicher wird Menschen die in Berufen/Umfeldern tätig sind in denen fundierte Kenntnisse rund um das Thema Missbrauch sehr wichtig ist auch Zugang zu entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen zugänglich zu machen bleibt der Anteil der Missbrauchsopfer die sich jemandem (zeitnah) anvertrauen viel geringer als es wünschenswert wäre.

Manche Opfer teilen sich einem guten Freund mit, den sie aber bitten das für sich zu behalten, andere teilen sich nie oder erst sehr spät mit.

Ich habe mal ein Paper über dieses Thema gelesen.
Ich weiß nicht mehr ob der Verfasser Psychologe oder Pädagoge war, aber das ist auch nicht so wichtig.
Wichtig (und sehr interessant) fand ich es, dass er die These erörtert hat ob die Annahme, dass viele Missbrauchsopfer sich aus Scham nicht oder erst sehr spät mitteilen nicht zumindest teilweise fehlerhaft ist.

Er vertrat viel eher die Ansicht, dass alles zu der von @Tussinelda genannten "Quelle" zurückzuführen ist: dem Vertrauen.

Statistisch betrachtet geschieht Missbrauch nur selten durch "Fremde".
In den häufigsten Fällen stehen sich Täter und Opfer nahe.
Oft so nahe, dass der Täter aus der Familie oder dem engsten Bekanntenkreis des Opfers kommt, jemand der Teil der Familie/des engsten Freundeskreises war bevor sein späteres Opfer überhaupt geboren wurde.
Das heißt also nicht nur, dass der Täter häufig jemand ist der für das Opfer eigentlich eine Vertrauensperson sein müsste, der Missbrauch auch häufig in einem Alter stattfindet in dem sich das Urvertrauen noch "entwickelt", sondern das Opfer (oft auch durch Manipulation durch den Täter) sich kaum vorstellen kann, dass eine "Anschuldigung" überhaupt geglaubt werden würde.

Wer also einen Missbrauch erfährt durch eine Vertrauensperson...
Wie wahrscheinlich ist es dann, dass dieses Opfer einen positiven Ausgang für wahrscheinlich hält, wenn es sich jemandem anvertraut zu dem die Beziehung nicht auch nur annähernd so eng ist wie die zum Täter.

Es wurde auch erwähnt, dass Missbrauchsopfer, tatsächlich oft "spüren", wenn sie auf jemanden treffen, der sich in einer ähnlichen Lage befindet und diese Menschen sich dann auch häufig einander öffnen.
Leider teilen sie aber üblicher Weise nicht nur das Schicksal missbraucht wurden zu sein, sondern auch den Umstand, dass dieser Missbrauch von einer Vertrauens- bzw Bezugsperson ausging, aus dem restlichem Umfeld keine Hilfe kam (teils weil der Täter geschickt genug war seine Taten geheim zu halten, teils weil andere Vertrauenspersonen ihnen nicht geglaubt oder sie für diese "unverschämten Anschuldigungen" sogar in irgend einer Form bestraft haben.

Durch diese Gesamtumstände teilen diese Opfer folglich auch häufig die Ansicht, dass eine Anzeige, das Zuziehen eines Vertrauenslehrers oder, oder keine Option zur Verbesserung der Situation ist.

Der Autor kam zu dem "Diskussionsausblick", dass diese Beziehungen zu anderen Opfern zwar im Grunde erst einmal gut sind, weil der Schmerz nicht mehr alleine bewältigt werden muss und zum Teil sogar Scham abgebaut werden kann, weil man sich nicht selbst davon "freisprechen" muss am Missbrauch keine Schuld zu tragen, sondern den jeweils Anderen davon überzeugen kann.

Allerdings bestärken sich solche Opfer wohl auch häufig darin keine Person oder Stelle hinzuzuziehen, die einschreiten könnte um die Missbrauchssituation zu beenden und/oder dafür zu Sorgen, dass der Täter bestraft und dem Opfer auf allen erdenklichen Wegen geholfen hat.

Denn wie gesagt:
"geteilt" werden nicht nur die schmerzhaften Erfahrungen, sondern auch der verlorene Glaube an das Eingreifen einer Vertrauensperson mit entsprechender Autorität.

Da ich nicht vom Fach bin kann ich nicht sagen wie hoch der Stellenwert dieser aufgestellten Thesen und der Ausblick dieses Papers ist, aber es las sich alles ziemlich plausibel und passte auch zu den Erfahrungen, die ich mit missbrauchten bzw misshandelten Kindern und Jugendlichen gemacht habe.


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03.06.2019 um 07:04
@em123456789012
Sowas kannst Du nicht verallgemeinern. Da reagiert jeder komplett unterschiedlich. Oft hat es aber auch rein gar nichts mit dem Gegenueber zu tun, dass ein Opfer etwas erzaehlt, sondern damit, wie es zu dem Zeitpunkt, in dem es etwas erzaehlt, mit der Sache klarkommt bzw. sie verarbeitet.

Ich wurde beispielsweise mit zwoelf vom Nachbarn meiner Oma sexuell belaestigt. Ich habe zu dem Zeitpunkt gar nicht richtig realisiert, was da passiert ist, und jahrelang kein Wort darueber verloren. Erst als ich 17 war und der Nachbar mittlerweile altersbedingt in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden war und ich mit meiner Familie im Radio einen Bericht ueber eine weniger gut ausgegangene sexuelle Noetigung gehoert habe, habe ich dann darueber gesprochen. Vor Leuten, denen ich jahrelang nichts erzaehlt habe. Das war dann einfach situationsbedingt.


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03.06.2019 um 09:53
em123456789012 schrieb:Spüren Opfer ob sie jemanden anderen über gewisse Dinge erzählen können die sie sonst für sich behalten würden?
Das hat nichts mit "spüren" zu tun.
Das Opfert vertraute der Person der sie dies erzähle offensichtlich.
Alari schrieb:Das war dann einfach situationsbedingt.
Und Menschenbedingt. Je nachdem wie sich das Gegenüber verhält.
Wirkt er /sie stabil und vertrauenswürdig wäre dies wohl eher die Person der man was erzählt - dennoch gibt es auch jene - die Leidgenossen.

Gut beraten wäre man natürlich damit, mit den Eltern / Partner darüber zu sprechen.


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03.06.2019 um 09:55
Anthem schrieb:Wirkt er /sie stabil und vertrauenswürdig wäre dies wohl eher die Person der man was erzählt
Mit der Person hat es nur zweitrangig etwas zu tun. Oft aendern sich ja nicht die Personen im Umfeld denen man es letzten Endes anvertraut, sondern eben einfach nur der Zeitpunkt, zu dem man es erzaehlt. Insofern hat es auch mit "spueren" nichts zu tun.


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03.06.2019 um 09:57
Alari schrieb:Mit der Person hat es nur zweitrangig etwas zu tun. Oft aendern sich ja nicht die Personen im Umfeld denen man es letzten Endes anvertraut, sondern eben einfach nur der Zeitpunkt, zu dem man es erzaehlt. Insofern hat es auch mit "spueren" nichts zu tun.
Auch richtig. Dennoch im Grunde hängt es wohl von beiden Personen ab - wie überall.
Den Mut zu haben es zu erzählen -> entweder wird man mit der Zeit "erwachsener" oder man lernt darüber zu reden. Manchmal ist man auch gar nicht dazu bereit und die Zeit ist da der Faktor.


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03.06.2019 um 09:58
Anthem schrieb:Dennoch im Grunde hängt es wohl von beiden Personen ab - wie überall.
Ich wuerde eigentlich eher sagen, es haengt nur von der Person ab, die es erzaehlt.


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Spüren Opfer wenn sie was erzählen können?

03.06.2019 um 10:00
Alari schrieb:Ich wuerde eigentlich eher sagen, es haengt nur von der Person ab, die es erzaehlt.
Kann man so und so sehen.

Hängt es an der Person, weil sie es nicht erzählen möchte -> in vielen Fällen auch nicht kann?
Oder weil sie niemanden gefunden hat, den sie im Vertrauen sprechen kann?
Zu jedem X wird ein Y zugeordnet :-))


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03.06.2019 um 10:09
Anthem schrieb:Oder weil sie niemanden gefunden hat, den sie im Vertrauen sprechen kann?
Aber auch dieses Gefuehl, niemanden zu haben, mit dem man sprechen kann, ist ja rein subjektiv. Es gibt ja offizielle Stellen, an die man sich mit sowas immer wenden kann, wenn es im eigenen direkten Umfeld niemanden gibt. Die Entscheidung, das zu tun oder nicht zu tun, liegt beim Opfer selbst.


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03.06.2019 um 10:21
Alari schrieb:Aber auch dieses Gefuehl, niemanden zu haben, mit dem man sprechen kann, ist ja rein subjektiv. Es gibt ja offizielle Stellen, an die man sich mit sowas immer wenden kann, wenn es im eigenen direkten Umfeld niemanden gibt. Die Entscheidung, das zu tun oder nicht zu tun, liegt beim Opfer selbst.
Ja das ist natürlich richtig und ich denke: nur weil es jene gibt die sich um Dich kümmern heißt es nicht gleichzeitig, dass Du diesen Personen auch traust. Meine Freundin ist auch eine Zeit lang nach einem Trauma dahingegangen aber so richtig vertraut hat sie ihnen am Anfang auch nicht.

Vertrauen muss man sich erarbeiten.


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03.06.2019 um 10:38
Anthem schrieb:Ja das ist natürlich richtig und ich denke: nur weil es jene gibt die sich um Dich kümmern heißt es nicht gleichzeitig, dass Du diesen Personen auch traust.
Andererseits bedeutet es aber auch nicht, dass Du einer Person davon erzaehlst, wenn Du ihr traust. Ich habe beispielsweise riesiges Vertrauen in meine Eltern, aber davon erzaehlt habe ich ihnen trotzdem erstmal nicht.


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03.06.2019 um 10:45
Alari schrieb:Ich habe beispielsweise riesiges Vertrauen in meine Eltern, aber davon erzaehlt habe ich ihnen trotzdem erstmal nicht.
Und da heißt es: Über seinen Schatten springen
Hier lag es dann tatsächlich größten Teil an Dir.

btw: jetzt könnte man noch mal analysieren, why hast Du ihnen about this nichts erzählt ?
Dies würde nicht mehr ganz zur Diskussion passen. Ist auch privat.


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Spüren Opfer wenn sie was erzählen können?

03.06.2019 um 20:42
Die Basis für ein offenes Gespräch bildet allemal Vertrauen. Vertrauen und Verschwiegenheit.
Im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit habe ich vor allem eins gelernt: Zuhören. Was ich dann davon später in einem Artikel verwurste geschieht dann meist so, dass der Schutz der erzählenden Person - so lange es sich nicht um eine Person des "öffentlichen Lebens" handelt, gewährleistet bleibt.
In meinem derzeitigen Job im Rahmen eines offenen Angebotes für Menschen mit psychischen Problemen gilt für mich die Regel, dass das Erfahrene meinen Kopf nicht verlässt. Das führt dann nicht selten zu Problemen mit anderen MitarbeiterInnen der Einrichtung, aber damit kann ich umgehen.


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05.06.2019 um 13:03
Ich wurde mit 14 missbraucht, und habe 7 Jahre gebraucht zu verstehen dass mir unrecht angetan wurde und ich keine "Schlampe" bin. Daraufhin hab ich mich auch meinen engsten Freunden anvertraut, woraufhin mir meine Freundin erläuterte dass ihr auch etwas in der Art widerfahren war.
Ich denke es ist so wie alles im Leben, komplett unterschiedlich. Von Person zu Person. Aber heißt es nicht immer Gleiches lockt Gleiches an?


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