Groucho schrieb:Wie gesagt, das mit der Sichtbarkeit ist keine Frage von Meinungen oder Interpretationen, sondern schlicht ein Faktum.
Faktum ist auch, dass das Gendern Frauen noch viel unsichtbarer macht, wenn man dieser unsäglichen Sichtbarkeitsideologie überhaupt folgen mag. Aufgabe und Leistung des generischen Maskulinums ist es mitunter gerade Dinge ohne jeden Geschlechtsbezug ausdrücken zu können. In den meisten Kontexten, also da, wo das Maskulinum generisch verwendet wird, abstrahiert das generische Maskulinum vollständig vom Geschlecht. Bei "ich gehe zum Bäcker" ist Geschlecht überhaupt kein Thema. Die Funktion, die Aufgabe, der Beruf steht im Fokus. Man denkt nicht einmal an Personen. Bei den Genderformen wird das Geschlecht und seine Unterschiedlichkeit ja gerade betont. Wer da "Sichtbarkeit" fordert, schafft sie auch, und zwar auch da, wo Geschlecht keine Rolle spielt oder spielen sollte. Aus der Aussage "ich gehe zum Bäcker" bei der niemand, wirklich niemand an Geschlecht denkt, werden bei "ich gehe zum/r (da geht es schon los) Bäcker*in" plötzlich nur noch Personen, die ein Geschlecht haben und zwar ein Geschlecht, dass in diesem Kontext so relevant ist, dass man es explizit formulieren muss. Man abstrahiert nicht mehr geschlechtslos auf die Funktion. Das passiert bei diesen unsäglichen Doppelnennungen genauso. Wo "Mieter" völlig geschlechtslos ist, auch juristische Personen umfassen kann, werden "Mieterinnen und Mieter" nur noch Männer oder Frauen. Wo Frauen keine Bäcker sondern nur Bäckerinnen sein können wird postuliert, dass Männer vom Mars und Frauen von der Venus stammen und in jedem Kontext absolut was anderes sind.
Gendern ist durch diese Betonung der geschlechtlichen Unterscheidung hochgradig sexistisch und gendern erzeugt erst, was es zu bekämpfen vorgibt. Denn das generische Maskulium werdet ihr nie los, alleine in allen Bestandstexten ist es vorhanden. Es ist völlig kontraproduktives Luftanhalten und "ich will aber".
https://www.tagesspiegel.de/kultur/gendern-macht-die-diskriminierung-nur-noch-schlimmer-4192660.htmlDie Niederländer sind dazu übergegangen die weiblichen Formen abzuschaffen. Das ist der sinnvollere Weg, statt Frauen aus der Grundform herauszudefinieren, macht man deutlich, dass die Grundform geschlechtslos ist. Wer "Sie ist Autor" sagt, trägt dazu bei, dass man die Grundform auch weiter generisch versteht und macht Frauen dadurch sichtbarer als alles Gendern je könnte und das hat darüberhinaus auch den Charme, dass dies nicht diese Art von Reaktanz erzeugt, wie es da Gendern tut, weil es eben auch nicht so dysfunktional wie das Gendern wäre.