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Niedersachsen schafft schriftliche Division in Grundschulen ab

203 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Niedersachsen, Grundschule, Lehrplan ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Niedersachsen schafft schriftliche Division in Grundschulen ab

16.01.2026 um 07:08
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Nehmen sie sich nicht die Zeit? Koennen sie ebenso nicht lesen und rechnen - kann das sein?
Haben die Zeit nicht, haben die Kraft nicht, nehmen sich die Zeit nicht, der eigene Bildungsstand, die finanzielle Situation, sind Fremdsprachler und im Grunde lernt das Kind nur außerhalb des Haushaltes ... oft ein Gemenge aus all dem, das auch noch andere Probleme mit sich zieht. @MissMary schildert das hier immer sehr anschaulich, was da so los sein kann.


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Niedersachsen schafft schriftliche Division in Grundschulen ab

16.01.2026 um 07:18
Zitat von soomasooma schrieb:Haben die Zeit nicht, haben die Kraft nicht, nehmen sich die Zeit nicht, der eigene Bildungsstand, die finanzielle Situation
Ich habe dafuer nur begrenzt Verstaendnis.
Wenn man sich fuer Kinder entscheidet, muss man sich auch kuemmern koennen und kuemmern.
Wenn man keine Zeit mit seinen Kindern verbringen moechte, dann hat man besser keine.

Rechnen und lesen auf Grundschulniveau sollte doch noch drin sein. Und wenn nicht, sollte man dafuer sorgen, dass das Kind anderweitig gefoerdert wird. Und ja, dafuer braucht es Angebote. Hier im Ort gibt es z. B. Ehrenamtliche, die Grundschulkinder bei den Hausaufgaben betreuen. Was auch immer man sich darunter vorstellen mag.

@MissMary
Du bist 'hoehere Schule', oder?
Zitat von soomasooma schrieb:im Grunde lernt das Kind nur außerhalb des Haushaltes ..
seufz


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16.01.2026 um 07:26
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Hier im Ort gibt es z. B. Ehrenamtliche, die Grundschulkinder bei den Hausaufgaben betreuen. Was auch immer man sich darunter vorstellen mag.
Dabei sein, helfen, aber nicht die Lösung vorgeben. ;)
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:hoehere Schule
Ja, die Problematiken beginnen aber schon davor, unterscheiden sich auch nicht wesentlich.


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16.01.2026 um 08:18
Zitat von soomasooma schrieb:
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Hier im Ort gibt es z. B. Ehrenamtliche, die Grundschulkinder bei den Hausaufgaben betreuen. Was auch immer man sich darunter vorstellen mag.
Dabei sein, helfen, aber nicht die Lösung vorgeben. ;)
Ich weiss nicht, wie das gestaltet wird. Also ob z. B. auch einzelne Schueler bzw. Schueler, die den gleichen Bedarf haben, gezielt gefoerdert werden und ob es einen Austausch zwischen dem Ehrenamtler und dem Lehrer gibt.
Oder ob da lediglich eine Gruppe Kinder in Stillarbeit hockt, und wenn eines nicht weiter weiss, meldet es sich.


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16.01.2026 um 09:18
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Ich finde, der Umgang mit Sprache muss frueher gefoerdert werden, schon in der Kita, durch vorlesen, Geschichten erzaehlen etc.
Das große Problem dabei sind die Elternhäuser.
Wenn man kaum mit den Kinder redet und ihnen nicht vorliest, können sie auch keine gutes Sprachgefühl/Lesekompetenz entwickeln.

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16.01.2026 um 09:23
Zitat von GrouchoGroucho schrieb:Das große Problem dabei sind die Elternhäuser.
Wenn man kaum mit den Kinder redet und ihnen nicht vorliest, können sie auch keine gutes Sprachgefühl/Lesekompetenz entwickeln.
Warum hat man Kinder, wenn man sich nicht mit ihnen beschaeftigt?
Frage ich mich.


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16.01.2026 um 09:28
@Groucho
Warum hat das kind kein smartphone? Was da los in diesem haushalt?

Aber mal allgemein. Unser schulsystem ist bekanntlich nicht das beste. Vlt sollten wir den lehrplan aktualisieren :ask: "schwierigere" lerninhalte nach hinten schieben, dafür mehr grundverständnis in die grundschule. :ask:
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Warum hat man Kinder, wenn man sich nicht mit ihnen beschaeftigt?
Frage ich mich.
Weil es manchmal gar nicht so einfach ist aus seinem trott rauszukommen und manche das auch gar nicht wollen. Kinder sind ja nun auch nicht alle wunschkinder und das bild selbst ist sowieso etwas... überspitzt. Aber ja es ist ein problem, wenn eltern "ständig" am smartphone hocken oder kinder vors tablet gesetzt werden oder vor den TV. Das passiert in den besten familien heutzutage... weil medien nunmal heute zum alltag gehören.


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16.01.2026 um 09:30
Zitat von GrouchoGroucho schrieb:Das große Problem dabei sind die Elternhäuser.
Deswegen lese ich meiner Tochter gerne vor, oder wir denken uns Geschichten aus. Sie kann wirklich sehr gut Sprechen. Und wenn sie ein Wort noch nicht so gut kann dann fragt sie mich und gibt sich große Mühe es richtig auszusprechen.

Richtig süß ist wenn sie "wieehso" (sowieso) sagt ❤️


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16.01.2026 um 09:47
Passend zum Thema
Verblöden wir? Deutschland ist nur noch Weltklasse im Selbstbetrug



Um das hiesige Bildungswesen ist es schlecht bestellt. Das zeigten diese Woche wieder mehrere Fälle. Die Lage erinnert an das Bahn-Desaster. Dabei ist Wissen das einzige, mit dem wir unseren Wohlstand künftig noch werden absichern können.
Quelle: https://share.google/59UOmTgdhMQOPEaO0

Wer Kinder mit etwas größerem Altersabstand hat, weiss wie wenig heute noch von den Kindern gefordert werden kann bzw. Ist fordern ja schon ein negativ belastetes Wort geworden.
Zumindest gilt dies für das für jedermann zugängliche Bildungssystem. Da geht es leider kontinuierlich bergab. Privatschulen selbstverständlich ausgenommen.


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16.01.2026 um 14:17
Zitat von socialmesocialme schrieb:Privatschulen selbstverständlich ausgenommen.
Den "Nimbus" der Schulen in privater Trägerschaft muss man mMn in Relation dazu setzen, dass sie z.T. nicht alle Schüler eines Jahrgangs aufnehmen würden.

Eine mir bekannte Privatschule im Sekundarbereich nimmt z.B., im Gegensatz zur örtlich konkurrierenden staatlichen integrierten Schule, keine Schüler mit Hauptschulempfehlung auf.

Das aber nur am Rande. Die Diskussion geht über die staatlichen Rahmenrichtlinien für Mathematik, an die mWn auch die Schulen in privater Trägerschaft gebunden sind.

Man korrigiere mich bitte, wenn ich mich da täusche.


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16.01.2026 um 16:59
Zitat von JustsayingJustsaying schrieb:Warum hat man Kinder, wenn man sich nicht mit ihnen beschaeftigt?
Frage ich mich.
Weil sich auch Situationen ändern können, beispielweise wird man ungeplant Alleinerziehend, verbunden oft mit Alleinversorgend, da wird dann die Zeit schon mal knapp.


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16.01.2026 um 19:15
Es ist überhaupt nicht schlimm, die große Division erst in Klasse 5 zu lernen, wenn bis zum Ende der 4. Klasse systematisch die Eigenschaften von natürlichen Zahlen sowie deren Rechenregeln sauber erlernt wurden, etwa:

- Ordnung von natrürlichen Zahlen
- Zerlegen von Zahlen, Primfaktorzerlegungen
- Verdoppeln / Halbieren
- Ausgleichsstrategien
- Überschlagen und Schätzen
- Gültigkeit von Kommutativgesetz, Assoziativgesetz, Distributivgesetz
- Bedeutung des neutralen Elements
- Division durch 0
- Umkehrfunktion
- Punkt-vor-Strich Regel

Also Division in Klasse 4: Strategien statt Algorithmus, Ziel: Rechnen mit Denken, nicht mit Schema.

Typische Strategien:

- Zerlegen von Zahlen: 84 ÷ 4 = (80 ÷ 4) + (4 ÷ 4)

- Halbschriftliche Verfahren (Notizen, Pfeile, Zwischenschritte)

- Zahlstrahl (wie oft springe ich?)

Man lernt bewusst kein klassisches "schriftliches Dividieren" sondern der Lehrer prüft erst, ob das Stellenwertsystem sicher sitzt und die Kinder erklären können, warum ihr Ergebnis stimmt.

Dann in Klasse 5: Strukturierte Verfahren (erst jetzt!), trotzdem bleibt das Ziel: Verständnis vor Effizienz. Kopfrechnen und Schätzen bleiben Pflicht: Ergebnis abschätzen, Ergebnis überprüfen.

Solange die Kinder am Ende von Klasse 4 das o.G. zu Klasse 4 sicher anwwenden können, fällt ihnen der Schritt zu komplexeren Algorithmen in Klasse 5 doch leicht.


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16.01.2026 um 19:25
Zitat von JosephConradJosephConrad schrieb:Gültigkeit von Kommutativgesetz, Assoziativgesetz, Distributivgesetz
Jetzt musste ich tatsächlich googlen, was das bedeutet. * lach *

Ich kann mich an meine Schulzeit insbesondere Grundschule nicht explizit erinnern, zumal ich auch in Hessen auf die Schule gegangen bin. Wir hatten in der Grundschule das 1x1 bis umfallen gelernt, auch das schriftliche Multiplizieren.

Nach diesem Schema...

https://de.bettermarks.com/mathe/schriftliche-multiplikation/

In der sechsten kamen auf jeden Fall dann die Brüche dran, weil ab da hatte ich Nachhilfe * lach * - heute frag ich mich - Warum. Ist eigentlich recht simpel


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16.01.2026 um 19:47
Zitat von Dini1909Dini1909 schrieb:In der sechsten kamen auf jeden Fall dann die Brüche dran, weil ab da hatte ich Nachhilfe * lach * - heute frag ich mich - Warum. Ist eigentlich recht simpel
Hättest Du damals seit der Grundschule gewusst dass 140 = 2*2*5*7 und 112 = 2*2*2*2*7 dann hättst Du sofort

140/112= 2*2*5*7 / (2*2*2*2*7) = 5 / (2*2) = 5 /4 = (4+1) / 4 = 1+1/4 daraus gemacht.


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16.01.2026 um 20:02
Nur stumpfsinnig Algorithmen zu lernen, hilft ja auch nicht immer alles zu verstehen.

Beispiel: Berechne mit der großen Division und Komma "10 : 3 ="

Multipliziere das Ergebnis mit "3" Was kommt heraus? Begründe Dein Ergebnis.

Wenn man da nur die Algorithmen zum Dividieren und Multiplizieren kennt, ist das gar nit so nicht einfach.

Oder: 5 : 3 ist nicht das Gleiche wie 7 : 5. Erkläre das Folgende:

5 : 3 = 1 R 2
7 : 5 = 1 R 2

Auch hier braucht man Verständnis der Zahlen und Regeln.


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16.01.2026 um 20:49
Zitat von JosephConradJosephConrad schrieb:Nur stumpfsinnig Algorithmen zu lernen, hilft ja auch nicht immer alles zu verstehen.
Nein, aber die Algorithmen zu kennen und anwenden zu können, nach Möglichkeit fehlerfrei, ist eben etwas, das im Grunde auch Menschen zugänglich ist, die Dinge wie Primfaktorzerlegung oder Beweisverfahren usw. nicht lernen können - oder wollen.

Die aufgeführten Regeln der Mathematik und ihre didaktische Einbettung sind ohne jede Frage interessant und spannend - für den, der sich von Mathematik begeistern lassen kann.

Schaltet man diese Dinge als Verständnisgrundlage zwingend vor deren praktische Anwendung, siebt man im schulischen System diejenigen aus, die zunächst einmal anwenden wollen, bevor sie (vielleicht) die dahinter stehende Regelhaftigkeit inhalieren und verstehen.

Dass unser Schulsystem, nach OECD-Kritik in den 1960ern und nach Pisa in unserer Zeit immer noch so stark sozial selektiv ist, ist in meinen Augen auch dieser Mentalität geschuldet: "Erst wenn Du dieses oder jenes verstanden hast, darfst du den nächsten Schritt tun".

Praktisch und pragmatisch orientierte Menschen kommen mit algorithmischen Lösungen oder einer praxistauglichen Herangehensweise (heute "Life Hack" genannt) oft wesentlich weiter - für sie ist Rechnen eher zweckmäßiges Mittel, um etwas anderes zu erreichen, als ästhetisch-wollüstiges Schwelgen in einem Axiomensystem, dessen Schönheit und Klarheit sich eben nicht jedem erschließt. Das muss man hinnehmen.

Es gibt gute und erfolgreiche Sänger, die den Quintenzirkel nicht kennen, es gibt Leute, die eine Fremdsprache auch ohne vorgeschaltete Grammatik-Übungen lernen - und es gibt eben auch Menschen, die zunächst ein tieferes Begreifen einer Sache benötigen, um etwas zu lernen, das darauf aufbaut.

In der Fremdsprachendidaktik geht man den umgekehrten Weg - Pragmatik, damit man erst einmal in einer fremden Sprache drauflos quasseln kann, statt zuerst grammatische Satzmuster einzuschleifen. Kommunikation vor Sprachrichtigkeit.

Hier werden die Regeln aber im Nachgang oft genug nicht verstanden, so dass mancher später bei komplexeren Satzstrukturen aussteigt.

Beim schulischen Lernen sollten, dieses Fazit habe ich für mich gezogen, immer verschiedene Lernwege zur Auswahl stehen. Für manche ist das Top-Down Prinzip einfach besser - erst mal eine Lösung, danach die Theorie, andere brauchen eine aus dem Regelwerk abgeleitete Synthese.

Auf keinen Fall sollten die Rahmenpläne einen bestimmten Algorithmus verbieten. Wenn er jemandem hilft, das Teilen zu wuppen - warum nicht? Um damit zu arbeiten, also z.B. mit der schriftlichen Division, braucht man ja auch bestimmte Vorkenntnisse. Darauf wurde hier ja schon hingewiesen.


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16.01.2026 um 21:03
Zitat von sallomaeandersallomaeander schrieb:Auf keinen Fall sollten die Rahmenpläne einen bestimmten Algorithmus verbieten. Wenn er jemandem hilft, das Teilen zu wuppen - warum nicht? Um damit zu arbeiten, also z.B. mit der schriftlichen Division, braucht man ja auch bestimmte Vorkenntnisse. Darauf wurde hier ja schon hingewiesen.
Man lernt eben zuerst die einfachen Regeln verstehen, bevor man Algorithmen lernt. z.B. wird in Finnland (ähnlich auch in Kanada) bei der Division genau so vorgegangen, wie ich es beschrieben habe. Auch dort lernen die Kinder den Algorithmus erst in der 5. Klasse. Sonst geht es Dir wie @Dini1909 es im Prinzip beschrieb: wenn Du nur die Algorithmen gelernt hast, dann musst Du jedesmal, wenn der Kontext erweitert wird, wieder bei 0 anfangen und auswendig lernen. Man muss alle Kinder mitnehmen und erst einmal das Fundament setzen, damit darauf aufgebaut werden kann.
Zitat von sallomaeandersallomaeander schrieb:Dass unser Schulsystem, nach OECD-Kritik in den 1960ern und nach Pisa in unserer Zeit immer noch so stark sozial selektiv ist, ist in meinen Augen auch dieser Mentalität geschuldet: "Erst wenn Du dieses oder jenes verstanden hast, darfst du den nächsten Schritt tun".
Genau das ist ein Irrtum, auch hier sind Kanada oder Finnland den Deutschen um Längen voraus, gerade weil erst einmal nicht selektiert wird:
Zitat von JosephConradJosephConrad schrieb am 07.01.2026:PISA 2022
Kanada: Mathematik: 497, Lesekompetenz: 507, Naturwissenschaften: 515
Deutschland: Mathematik: 475, Lesekompetenz: 480, Naturwissenschaften: 492

Kanada:

1. Kinder lernen bis ca. 15–16 Jahre gemeinsam, es gibt keine frühe Aufteilung in Schulformen wie Haupt-/Realschule/Gymnasium, Leistungsunterschiede werden innerhalb der Schule ausgeglichen – nicht durch Aussonderung.

-> Kinder aus weniger privilegierten Familien bekommen mehr Zeit, Rückstände aufzuholen.

2. Klassenwiederholungen sind selten. Stattdessen: Förderlehrkräfte, individuelle Lernpläne, kleine Lerngruppen, schulinterne Nachhilfe

-> Schwächen werden früh kompensiert, ohne soziale Stigmatisierung.

3. Einheitlich hohes Schulniveau, kaum große Qualitätsunterschiede zwischen Schulen, Schulen in ärmeren Vierteln erhalten zusätzliche Ressourcen,
Schulfinanzierung gleicht soziale Unterschiede gezielt aus.

-> der Wohnort entscheidet deutlich weniger über Bildungserfolg.

4. Professionelle Lehrkräfteauswahl, sehr selektive Lehrerausbildung, starke Praxisorientierung. Viel Teamarbeit im Kollegium.

-> Besserer Umgang mit heterogenen Klassen und Förderbedarfen.

5. Frühkindliche Bildung ist breit ausgebaut, in vielen Provinzen: kostenloses Ganztags-Kindergartenjahr, Frühzeitige Sprach- und Lernförderung.

-> Soziale Unterschiede entstehen weniger stark vor Schuleintritt.

6. Neu zugewanderte Kinder: sofort regulärer Unterricht, zusätzliche Sprachförderung parallel, Keine dauerhafte Auslagerung in "Vorbereitungsklassen"

-> Geringere Bildungsnachteile bei Kindern aus Migrantenfamilien.

Kanada ist chancengerechter, weil es länger gemeinsam unterrichtet, früh fördert statt früh trennt, Ressourcen nach Bedarf verteilt, Schulen weniger sozial segregiert, Kinder nicht "aussortiert", sondern stützt.

Dies zeigen auch PISA-Studien der OECD:

Kanada: schwacher Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung

Deutschland: starker Zusammenhang

Kinder aus einkommensarmen Familien erreichen in Kanada deutlich häufiger hohe Kompetenzen.

Soziale Herkunft → Leistung (PISA) Quelle: OECD / PISA

Messung: Wie stark erklärt der soziale Status der Eltern die Schülerleistungen?

Anteil der Leistungsunterschiede, der durch Herkunft erklärt wird: Kanada ca. 8–9 %, OECD-Durchschnitt ca. 12 %, Deutschland ca. 16–18 %-

In Deutschland wirkt Herkunft doppelt so stark wie in Kanada. Zwei gleich begabte Kinder haben in Deutschland deutlich unterschiedliche Chancen – je nach Elternhaus.

Aufstiegschancen für Kinder aus unteren Schichten: Wie viele Kinder aus sozial schwachen Familien erreichen ein hohes Leistungsniveau?

Anteil leistungsstarker Schüler aus benachteiligten Haushalten: Kanada ca. 15–17 %, OECD-Durchschnitt ca. 11–12 %, Deutschland ca. 7–8 %

Ein benachteiligtes Kind hat in Kanada etwa doppelt so hohe Chancen, zu den leistungsstarken Schülern zu gehören wie in Deutschland.

Schulformen / „Gymnasialquote“

Deutschland: Aufteilung nach Klasse 4 (teils 6), Starke soziale Verzerrung: Kinder aus Akademikerfamilien: >70 % Gymnasium, Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien: ~25–30 %, bei gleichen Leistungen bestehen große Unterschiede.

Kanada: keine getrennten Schulformen, Leistungsdifferenzierung innerhalb der Schule, Hochschulzugang hängt fast ausschließlich von eigenen Leistungen und kaum vom Elternhaus ab.

Deutschland sortiert früh und sozial, Kanada spät und leistungsbezogen.

Screenshot 2026-01-07 195857

Was ist davon realistisch übertragbar auf Deutschland?

1. Spätere verbindliche Selektion

Abschaffung des Gymnasiums nicht nötig aber: längeres gemeinsames Lernen (z. B. bis Klasse 6 oder 8), flexible Übergänge

-> Sehr hoher Effekt auf Chancengleichheit

2. Förderung statt Sitzenbleiben

Sitzenbleiben hat nachweislich eine geringe pädagogische Wirkung, erzeugt aber hohe soziale Schäden, viele OECD-Länder haben es drastisch reduziert.

->Politisch umsetzbar, finanziell moderat

3. Ressourcen stärker nach Bedarf verteilen

Mehr Personal für Schulen in benachteiligten Lagen

-> Kein Systembruch nötig, Deutschland macht das bereits – aber zu zaghaft

4. Frühkindliche Bildung gezielt stärken

Kita-Qualität wichtiger als Kita-Platz, vor allem Sprachförderung

-> Sehr hoher Nutzen pro investiertem Euro, aber schwerer übertragbar, nötig wäre eine Lehrkräfteausbildung wie in Kanada

5. Reformen

Föderalismus, Beamtenrecht und Kapazitätsgrenzen

-> Langfristig reformierbar, nicht kurzfristig

Starkes Leistungsdenken + frühe Sortierung tief verwurzelt, Angst vor „Niveauverlust“

-> Braucht kulturellen Wandel + Zeit

Gesamtfazit

Kanada ist nicht deshalb gerechter, weil die Kinder dort "anders" sind, sondern weil das System anders organisiert ist.

Deutschland könnte die soziale Abhängigkeit um ein Drittel reduzieren, ohne Leistungsabfall, ohne Abschaffung des Gymnasiums, ohne radikalen Systembruch. Der größte Hebel ist die frühe Sortierung.



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16.01.2026 um 22:02
@JosephConrad Ich bin überhaupt nicht auf die Frage der institutionellen Selektion nach Schularten eingegangen, und habe dahingehend auch keine Präferenz zum Ausdruck gebracht.

Vielmehr denke ich, dass bestimmte didaktische und methodische Vorentscheidungen für die hohe soziale Selektivität des Schulsystems mitverantwortlich sind. Das ist etwas anderes.

Schon bei der Mengenlehre war der Gedanke bei der Einführung leitend, ein möglichst weit von der Vorstellungswelt der damaligen Elterngeneration befindliches Darstellungsmodell von Mathematik auszurollen, damit Eltern zu Hause nicht "einhelfen" können. Es handelte sich mitnichten um eine neue Mathematik. Es passierte das, womit man nicht gerechnet hatte: Der Teil der Eltern, die selbst gut ausgebildet war, belegte abends Kurse in Mengenlehre an der Volkshochschule - die Mengenlehre vergrößerte die soziale Selektivität, statt sie, wie beabsichtigt, zu verkleinern.

Auch der Verzicht auf das schriftliche Dividieren könnte unbeabsichtigte Wirkungen entfalten. Diese ganzen Zerlegungen in Teilaufgaben - daran dürften viele Eltern als Helfer ebenso scheitern wie einst an der Mengenlehre.

Ich bin dagegen, dass Schule das Lernen monopolisiert, indem sie den Lehrgegenstand für Eltern unverständlich gestaltet.


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16.01.2026 um 22:46
Zitat von sallomaeandersallomaeander schrieb:Auch der Verzicht auf das schriftliche Dividieren könnte unbeabsichtigte Wirkungen entfalten. Diese ganzen Zerlegungen in Teilaufgaben - daran dürften viele Eltern als Helfer ebenso scheitern wie einst an der Mengenlehre.
Ohja das löst Erinnerungen aus, wie oft habe ich mit meinem Papa diskutiert bei den Mathematik - Hausaufgaben. "Wir haben das so gelernt .... Der Lehrer hat das aber nicht so gesagt"

Mein Papa hat Mathematik studiert auf Lehramt (später aber nie als Lehrer gearbeitet) ... Oft sind Bücher geflogen, Türen geknallt oder sonst was ...

Ganz schlimm war es wenn ich bei Oma gelernt habe, die mir das wiederum ganz anders beibringen wollte.

Wenn ich jetzt ein Kind hätte, was eine andere Methode lernt würde ich natürlich auch ihm versuchen meine Divisions Variante einzutrichtern weil sie für mich ja plausibel klingt.

Übrigens meine Mama, wie weiter vorne schon geschrieben rechnet zb den Dreisatz komplett anders wie ich es tue, wir kommen zwar aufs selbe Ergebnis aber mit anderen Schritten


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17.01.2026 um 12:21
Zitat von sallomaeandersallomaeander schrieb:Auch der Verzicht auf das schriftliche Dividieren
Hast Du den Bericht aus Deinem Eiingangspost vergessen? Da steht:
Das heißt: Erst ab Klasse 5 lernen die Mädchen und Jungen, wie sie beispielsweise die Zahl 1236 durch 3 schriftlich teilen.
Es wird sich in der Grundschule mehr Zeit genommen, die Grundlagen zu lernen. Es ist überhaupt kein Nachteil, wenn Kinder die sogenannte große (schriftliche) Division erst in Klasse 5 lernen. Im Gegenteil: Das ist eine bewusste und fachlich gut begründete Entscheidung. Bis zum Ende der 4. Klasse erwerben die Kinder alle wichtigen Grundlagen, die sie zum sicheren Dividieren brauchen – nur eben ohne starres Rechenschema.
In Klasse 4 lernen die Kinder bereits zu dividieren – jedoch mit Denkstrategien statt mit einem festen Algorithmus. Dabei geht es nicht nur um das richtige Ergebnis, sondern vor allem um die Frage: "Warum stimmt das Ergebnis?" Die Lehrkräfte prüfen bewusst zuerst, ob: das Stellenwertsystem sicher verstanden ist udf Rechenwege erklärt werden können Erst wenn das gelingt, ist ein schriftlicher Algorithmus sinnvoll.
n Klasse 5 wird dann das strukturierte schriftliche Dividieren eingeführt. Der entscheidende Vorteil: Die Kinder verstehen bereits, was sie tun.
Die große Division ist für sie dann keine neue, komplizierte Technik mehr, sondern eine praktische Abkürzung für bekannte Denkwege. Kopfrechnen, Überschlagen und das Überprüfen von Ergebnissen bleiben dabei weiterhin wichtig. Das Ziel ist nicht, dass Kinder früh ein Rechenschema auswendig können, sondern dass sie sicher rechnen, Rechenwege verstehen, Fehler erkennen und Mathematik als sinnvoll und nachvollziehbar erleben.
Kinder, die am Ende der 4. Klasse diese Grundlagen sicher beherrschen, lernen komplexere Rechenverfahren in Klasse 5 meist sehr schnell und
nachhaltig.
Zitat von sallomaeandersallomaeander schrieb:Schon bei der Mengenlehre war der Gedanke bei der Einführung leitend, ein möglichst weit von der Vorstellungswelt der damaligen Elterngeneration befindliches Darstellungsmodell von Mathematik auszurollen, damit Eltern zu Hause nicht "einhelfen" können. Es handelte sich mitnichten um eine neue Mathematik. Es passierte das, womit man nicht gerechnet hatte: Der Teil der Eltern, die selbst gut ausgebildet war, belegte abends Kurse in Mengenlehre an der Volkshochschule - die Mengenlehre vergrößerte die soziale Selektivität, statt sie, wie beabsichtigt, zu verkleinern.
Dein Hinweis auf die Mengenlehre der 1960/70er Jahre ist berechtigt, die "Neue Mathematik" wollte emanzipatorisch wirken. So wie Du sagst entstand sprachliche und methodische Fremdheit, Eltern wurden ausgeschlossen, gut gebildete Eltern konnten sich anpassen (VHS-Kurse), sozial schwächere Familien nicht. Das Ergebnis war eine größere soziale Selektivität, nicht weniger. Didaktische Fremdheit kann soziale Ungleichheit verstärken.
Aber die Mengenlehre scheiterte nicht, weil sie schwierig war, sondern weil sie intransparent und formal entkoppelt von Alltagserfahrung unterrichtet wurde. Sie war damals eine neue formale Sprache mit neuer Symbolik und es gab keine Anschlussfähigkeit an das Alltagsrechnen der Eltern, die Erklärung lautete oft: "Das müssen Sie nicht verstehen."

Wenn man heute die Division strategiebasiert umsetzen will, dann ist Zerlegung, Ausgleichen (ich verändere eine Zahl ein bisschen, damit das Rechnen leichter wird – und gleiche diese Veränderung anschließend wieder aus), Überschlagen, mit dem Zahlenstrahl anschaulich machen", alles Methoden, die die Eltern schon kennen und im Alltag auch (manchmal unbewusst) anwenden. Inhaltlich ist das keine fremde Mathematik, sondern eine Explizitmachung vertrauter Denkwege. Wenn Eltern das erst nicht verstehen, liegt das meist daran, dass es ihnen nicht erklärt wird – nicht daran, dass es unverständlich ist.
Zitat von sallomaeandersallomaeander schrieb:Ich bin dagegen, dass Schule das Lernen monopolisiert, indem sie den Lehrgegenstand für Eltern unverständlich gestaltet.
Ich stimme dem Argument "Schule darf Lernen nicht monopolisieren!" ausdrücklich zu, das ist der zentrale normativ-pädagogische Punkt. Schule darf den Lerngegenstand nicht absichtlich so gestalten, dass Eltern ausgeschlossen werden. Wenn das geschieht, hat die Schule ihre Vermittlungsaufgabe verfehlt, soziale Ungleichheit aktiv produziert und das Vertrauen untergraben. Didaktische Modernisierung darf niemals soziale Abschottung sein.
Daher ist die die Lösung ist nicht so früh wieder ausschließlich Algorithmen zu lehren, sondern Eltern mitzunehmen. Konkret heißt das klare Elterninformationen: "So rechnen wir – und warum", "Das ist dasselbe wie früher, nur aufgeschrieben", "Es gibt mehrere richtige Wege, Algorithmus ist ein Weg unter mehreren, nicht ein Machtinstrument".


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