Niedersachsen schafft schriftliche Division in Grundschulen ab
um 19:23
Schule nach tradiertem Muster, teils aber auch Ausbildung und Studium, funktionieren nach dem Muster "Lernen-prüfen-vergessen".
Ob man den Investiturstreit aus dem Mittelalter, oder den Zitronensäurezyklus aus der Biologie, nachdem sie abgeprüft wurden, jemals im Leben wieder benötigt, ist im Grunde unerheblich.
Schule sucht sich bestimmte Themen heraus, deren exemplarische Bedeutung für bestimmte Wissensfelder ("Geschichte", "Biologie") als bedeutend genug eingeschätzt wird, um sie im Unterricht zu behandeln und abzuprüfen (Tests, Klausuren usw ).
Während in der Grundschule der Schwerpunkt noch lange auf notwendigen Grundlagen (Lesen, Schreiben, Rechnen) lag, war und ist in allen darauf folgenden Bikdungsphasen die Auswahl zunehmend willkürlich.
Das Gymnasium, als dem Konzept nach studienpropädeutische Einrichtung, legte in ihrer Oberstufe schon lange Wert auf "das Lernen lernen", da ja im Studium ohnehin eine Spezialisierung unter Wegfall des schulischen Fächerkanons erfolgt.
Nun ist es aber ein verhängnisvoller Irrtum, jedenfalls sehe ich das so, mit einer "Entschlackung der Fachlehrpläne" all diese ungeliebten Inhalte über Bord zu werfen (Investiturstreit!) oder nur noch kursorisch zu streifen.
Es ist ein elementarer Unterschied, ob ich etwas erfolgreich gelernt und zum Tag X (Klassenarbeit) gewusst und danach vergessen habe (der Normalfall), oder ob ich etwas nie gewusst habe.
Das Lernen zu lernen, wird nur an relevanten und authentischen Beispielen gelingen- ob die Fachdidaktiker mit ihrer Themenauswahl immer eine glückliche Hand haben, sei einmal dahingestellt.
Heute erfordert das berufliche Leben auf allen Ebenen die Fähigkeit, sich in neue Gegebenheiten einarbeiten und auch als Erwachsener noch lernbereit und -fähig zu sein.
Das ganze Konstrukt aus schulischem und beruflichen Lernen fußt aber letztlich auf den Schlüsselfähigkeiten aus der Grundschule (Lesen, Schreiben, Rechnen).
Wird dort von den Verantwortlichen geschludert, verschiebt sich das (Nach-)Lernen elementarer Grundkenntnisse immer später in Ausbildung und Studium - Azubis müssen heute oft erst das Rechnen (Dreisatz, Grundrechenarten) während der Ausbildung nachlernen, und auch Studenten weisen teils erhebliche Lücken aus ihrer Gymnasialzeit auf.
Insbesondere das Lesen von wissenschaftlicher Literatur oder die Fähigkeit zur Abfassung wissenschaftlicher Hausarbeiten liegt bei einigen im Argen.
"Lernen und Vergessen" ist Lernen (und Vergessen) an ausgewählten Beispielen - vielleicht mühselig, oft als lästig empfunden, aber mitnichten sinnlos.
Wer aber die Grundlagen aus der Grundschule nicht mitbekommen hat, wird seinen ganzen Ausbildungsgang immer an zwei Fronten kämpfen müssen - Nachholen der Grundlagen, und Lernen der neuen Inhalte.
Davon lebt eine ganze Industrie.
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