@Siegelschild Damit mein Beitrag gut für die Augen ist habe ich Absätze in Zitate verwandelt, sind aber keine echte Zitate.
Ich bestreite gar nicht, dass Demokratie, Gleichberechtigung oder Frauenrechte wichtige Werte sind. Die Frage ist eher, ob westliche Interventionen tatsächlich primär aus diesen Gründen erfolgen oder ob diese Werte oft als moralische Begründung dienen, während geopolitische Interessen eine große Rolle spielen.
Wenn es wirklich konsequent um Menschenrechte ginge, müsste man ähnliche Maßstäbe überall anlegen. In der Praxis sehen wir aber, dass manche Staaten wegen Menschenrechtsverletzungen massiv sanktioniert oder sogar militärisch bekämpft werden, während andere, trotz ähnlicher Probleme, enge Partner bleiben.
Genau dieser selektive Umgang führt bei vielen Menschen zu dem Eindruck, dass Werte wie Demokratie und Menschenrechte nicht immer konsequent angewendet werden, sondern manchmal mit strategischen Interessen zusammenfallen müssen, um politisch relevant zu werden.
Das heißt nicht, dass autoritäre Systeme oder Unterdrückung akzeptabel wären. Aber die Geschichte zeigt auch, dass militärische Interventionen von außen selten automatisch zu mehr Stabilität oder Freiheit führen, manchmal sogar das Gegenteil.
Was mich schon lange stört, und da bin ich wohl nicht der einzige: Der Westen präsentiert sich gerne als Verteidiger von Demokratie, Freiheit, Menschenrechten und Völkerrecht. Gleichzeitig zeigt die Geschichte aber auch zahlreiche Fälle, in denen westliche Staaten durch Interventionen oder Einflussnahme selbst imperial oder neokolonial agiert haben. Und selbst heute scheint die moralische Empörung oft davon abzuhängen, wer beteiligt ist.
Manche Konflikte dominieren sofort Medien und Politik, es gibt sofort Statements und Distanzierungen, während andere deutlich zurückhaltender behandelt werden. Man sieht das etwa daran, wie unterschiedlich Kriege oder zivile Opfer wahrgenommen werden. Während etwa beim Krieg in der Ukraine jede Eskalation sofort massive politische Reaktionen und mediale Aufmerksamkeit auslöst (da kamen Aussagen wie "europäisch", "zivilisiert" oder "blond und blauäugig", "nicht wie im Nahen-Osten") werden, bleiben andere Konflikte, besonders im Nahen Osten oft deutlich leiser oder werden politisch vorsichtiger kommentiert oder auch ignoriert (weil braunhäutig? unzivilisierte? Muslime?). Ich habe nichts dagegen wenn die Menschen hier so denken, aber bitte dann auch offen zugeben das man Rassistisch und Muslimfeindlich ist. Dann sind die Grenzen klar definiert.
Diese Aussagen von den Reportern wurden später selbst stark kritisiert, zeigen aber dennoch, wie unterschiedlich Empathie manchmal ausgedrückt wird.
Genau solche Unterschiede erzeugen bei vielen Menschen den Eindruck, dass manche Opfer mehr Aufmerksamkeit und Mitgefühl bekommen als andere, besonders wenn Konflikte im Nahen Osten stattfinden. Und es bleibt nicht nur beim Mitgefühl oder bei der medialen Aufmerksamkeit, sondern zeigt sich auch teilweise in der praktischen Hilfe. Beim Krieg in der Ukraine haben in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern sehr viele Menschen spontan Wohnungen oder Unterkünfte für Geflüchtete angeboten, und der Staat hat relativ schnell besondere Unterstützungsregelungen geschaffen. Diese große Solidarität ist grundsätzlich etwas Positives. Gleichzeitig fällt auf, dass bei Geflüchteten aus anderen Regionen, etwa aus Kriegen im Nahen Osten (die ja zum Teil auch Folge westlicher Fehl-Politik und ihre Einmischung ist), die gesellschaftliche und politische Aufnahme oft deutlich konfliktreicher verlief.
Wenn man dann an Aussagen einiger Reporter zu Beginn des Ukrainekriegs denkt, in denen betont wurde, die Opfer seien „europäisch“, „zivilisiert“ oder „blond und blauäugig“, entsteht bei manchen der Eindruck, dass Nähe, kulturelle Zugehörigkeit oder auch äußere Zuschreibungen eine Rolle dabei spielen, wie stark Empathie und Hilfsbereitschaft ausfallen. In einer Zeit, in der Parteien wie die AfD oder ähnliche Bewegungen in mehreren europäischen Ländern Zulauf bekommen, wird deshalb auch häufiger darüber diskutiert, ob in Europa teilweise eine Art Zwei-Klassen-Wahrnehmung von Geflüchteten existiert oder doch ein versteckter Rassismus schon immer vorhanden war und ist.
Also machen wir uns mal nichts vor, die Frauen in Iran sind uns genauso egal wie die Frauen in Nord-Korea. Geopolitische Interessen sind uns doch wichtiger als genau diese Prinzipien (Menschenrechte, Freiheit, Demokratie), diese universelle Werte sind uns nur wichtig damit wir unter uns "zivilisiert" bleiben.
Ob die Khadijha in Afghanistan von ihrem Mann verprügelt und unterdrückt wird ist den meisten hierzulande doch völlig egal, oder warum sonst waren wir zusammen mit USA, UK und Co. so viele Jahre dort mit Null Ergebnis/Veränderung? Oder warum greifen wir nicht Nord-Korea an und befreien die Menschen dort? Oder warum bekommen wir nicht mit wie in Indien danke der BJP immer mehr Muslime gelyncht, vergewaltigt, ermordet und verfolgt werden? Und bitte nicht mit "wir können doch nicht jeden, alles und überall helfen...", entweder wir gehen es richtig an oder hören auf so zu tun als wären wir moralisch was besseres.
Und Israel ist als politisches System eine Demokratie, aber das bedeutet nicht automatisch, dass alle staatlichen Handlungen vollständig mit Menschenrechten oder Völkerrecht vereinbar sind. Es gibt zahlreiche Kritik an Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen, u. a. Besatzung und Siedlungen & Siedler-Terror (oft in Begleitung der IDF), oder Einschränkungen von Bewegungsfreiheit, Hauszerstörungen, administrative Haft ohne Anklage von Palästinensern. Klar darf Israel sich verteidigen, aber inwiefern sind illegale Siedlungen, Terror durch Siedler u. Vertreibung "Selbstverteidigung"?