DerHilden schrieb:Was für ein Unfug. Als könnte man Arbeiter nicht anders organisieren, als über die Ausbeutung der Arbeitskraft.
Das Bedürfnis an Mobilität würde natürlich dafür sorgen, dass auch ohne einen Unternehmer mit Profitinteresse die Einzelteile von Fahrzeugen produziert und dann, man glaubt es nicht, auch zusammengesetzt würden.
Gut, dann sage mal, wie du dir das konkret vorstellst.
Und du sagst es ja schon: Es muss organisiert werden. Die Organisation stellt aber keinen Mehrwert dar?
Dieser Vertrag beruht aber eben auf einem Machtgefälle, weil der Unternehmer das Privateigentum an Produktionsmitteln hat und der Arbeitnehmer einzig seine Arbeitskraft besitzt, die er verkaufen muss, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Dieser Vertrag beruht genauso auf dem Machtgefälle, dass der Unternehmer einzig die Produktionsmittel besitzt und von Arbeitnehmern abhängig ist, die diese bedienen und erst mit dem Verkauf der hergestellten Produkte seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Der Unternehmer hat im Gegensatz zum Arbeitnehmer keine Möglichkeit, beim Verkauf der Produkte einen Festpreis und eine feste Liefermenge auszuhandeln, sondern muss sich nach wechselnden Marktbedingungen richten. Und wo das doch möglich ist, ist der Unternehmergewinn auch ziemlich gering.
Hört sich für mich nach einer Win-Win-Situation für beide Parteien an.
Was meinst du, wenn Arbeitnehmer die beiden Anstellungsoptionen
- Festes Gehalt ohne Gewinnbeteiligung
- Gehaltauszahlung nur über Gewinnbeteiligung, inklusive ausbleibender (Teil-) Zahlung, wenn das Unternehmen keinen Gewinn gemacht hat
auswählen könnten, wieviele würden wohl die zweite Option wählen?
Bei den big playern der Weltwirtschaft, die systemrelevante Mengen an Produktionsmitteln besitzen, würde die Mehrheit der Arbeiter ohne zu Zögern Option 2 wählen.
Ich dagegen vermute, bei Bayer, Mercedes, Thyssen-Krupp und dergleichen würden die Mitarbeiter weiterhin auf Arbeitsverträge mit Festvergütungen pochen. Ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass du wirklich glaubst, die Mitarbeiter würden sich rein aus Gewinnen bezahlen lassen. Und wenn es sehr schlecht läuft ein Jahr lang auf jegliche Einkünfte zu verzichten, oder noch schlimmer, dass sie bei Verlusten des Unternehmens im Gegenteil Geld ans Unternehmen zahlen würden.
Also ich kann von mir sagen, ich würde das auf keinen Fall tun, und ich bin ja auch normaler Angestellter. Wir haben Gewinnbeteiligung, das macht in normalen Jahren rund 10% aufs Gehalt drauf aus. Ich weiss nicht, wie hoch der Gewinnanteil ist, der an die Mitarbeiter ausgeschüttet wird, aber sagen wir mal die Hälfte, aber wenn man mir kommen würde mit "Wir zahlen dir kein Festgehalt mehr, dafür bekommen die Mitarbeiter 100% des Gewinns und du damit rund 20% mehr als dein bisheriges Gehalt, aber mit der Möglichkeit, dass die Zahlungen auch deutlich darunter liegen", dann würde ich dieses Angebot nicht annehmen und noch eher überhaupt auf die bisherige Gewinnbeteiligung verzichten.
Und ausserdem hast du das ja bereits auf die "Big Player" eingegrenzt, also solche, die es geschafft haben, in die dicke Plus-Zone zu kommen. Aber wie sieht's aus mit den Allerwelts-Unternehmen, die nicht die riesigen Gewinne einfahren und leider in aller Regelmässigkeit auch insolvent gehen?
Wenn du die Unternehmer rausnimmst, stehen die Arbeiter alleine mit ihren Türen da, und keiner weiss etwas damit anzufangen.
Ich wusste gar nicht, dass Elon Musk 24/7 in den Werken von Tesla unterwegs ist, um den Arbeitern zu sagen, wie sie die Autos zusammensetzen sollen.
Wer spricht davon, dass den Arbeitnehmern permanent gesagt werden muss, was sie zu tun haben?
Und müssen sich Unternehmen nicht ständig wechselnden Umweltbedingungen anpassen?