mitH2CO3 schrieb:Ich werde morgen dazu was schreiben, dass Kapitalismus Ungleichheit sehr begünstigt und verstärkt.
Zur Ungleichheit, die mich beschäftigt: Kapitalismus regelt Gleichheit nicht von sich aus. Im Gegenteil, die Anhäufung von Kapital bei Einzelnen führt zu ungleichen Vermögensverhältnissen. Wie soll heute jemand, der keine Rücklagen und wenig Einkommen hat, noch Vermögen aufbauen?
Hingegen ist derjenige, der in eine vermögende Familie hineingeboren wird, von Anfang an privilegiert, da Geld zum Investieren, Risiken eingehen und Gewinne machen, zur Verfügung steht.
Kapitalismus belohnt Besitz von Eigentum und Produktionsmitteln, weil man mit diesen über die Arbeitskraft hinaus Vermögen aufbauen kann. Dieses ist mit kleinen und mittleren Gehältern nicht möglich, weil die Lebenshaltungskosten einen großen Teil aufzehren. Wer reich ist bleibt reich, wer arm ist bleibt arm. Dennoch plädieren einige für die Abschaffung der Erbschaftssteuer, die aber explizit dafür da sein soll, also für Ausgleich zu sorgen.
Ärmere Menschen haben keine finanziellen Möglichkeiten, ihre Interessen in der Politik durch irgendeine Lobby vertreten zu lassen. Gewerkschaften haben nun mal nicht den Einfluß wie die finanzstarken Lobbys der ÜBER-Reichen.
Die Lobbyarbeiter der ÜBER-Reichen konnten deren Interessen erfolgreich durchdrücken, so dass sie u.A. durch Privilegien in der Erbschaftssteuer begünstigt sind. Dieses macht den Sinn der Erbschaftssteuer - Regulierung der Ungleichheit - zu Nichte. Das ist doch ein echtes No-Go.
Steuern sind in der sozialen Marktwirtschaft das wichtigste Instrument zur Reduzierung von Ungleichheit. Deshalb kann sich die Gesellschaft - insb. bei der Haushaltslage - die Privilegien für Überreiche, wie sie derzeit im Erbschaftssteuerrecht bestehen - nicht leisten. Ebenso wenig wie ein weiteres zeitliches Hinauszögern der Wiedereinführung einer Vermögenssteuer für Überreiche.
Umfrage-Mehrheit sieht Wohlstand ungerecht verteilt

https://www1.wdr.de/politik/ard-umfrage-wie-gerecht-ist-wohlstand-verteilt-100.html
Wenn man sich keine Nachhilfe für das Kind leisten kann (wie eine Befragte in der Umfrage äußert), dann führt das z.B. zu ungleichen Chancen in der Bildung. Und solcher Beispiele gibt es viele. Man muß sich nicht wirklich wundern, weshalb im Osten so eine Unzufriedenheit herrscht, wenn man diese Auswertung liest … bei 90% würde es in den alten Bundesländern vermutlich eine ebenso ätzende Stimmung geben.
Ich denke inzwischen tatsächlich, dass Vermögensungleichheit eines unser großen Probleme ist. Wenn sie nicht reduziert wird, könnte es echt schwierig werden. Das gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt (was eben noch davon da ist) und führt zu politischer Instabilität, ist damit demokratiegefährdend (wie wir ja schon in Ansätzen wahrnehmen können).
Welche weiteren Mechanismen gibt es, um die Vermögensungleichheit zu reduzieren?
ApexOne schrieb:das meiste ist immer noch selbst erarbeitet...ist es ein Vorteil der besteuert gehört.
Nein. Nach meinem Verständnis sind wir inzwischen wieder eine Erbengesellschaft. Auch deshalb gehört die Erbschaftssteuer reformiert.
Mehr als die Hälfte ist geerbt: Schätzungen zufolge werden heute über 50 Prozent aller Vermögen in Deutschland nicht selbst erarbeitet, sondern vererbt oder verschenkt. Bei extremen Vermögen (z. B. Milliardären) liegt dieser Anteil Schätzungen zufolge sogar bei bis zu 80 Prozent
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