martenot schrieb:Deswegen ist es mir ein Rätsel, warum ein Großteil der Deutschen so entspannt und gleichgültig dem Treiben der AfD zuschaut, so als ob sie das alles nichts angehen würde. Bzw. wieso nicht wenige sogar heimlich Sympathie empfinden, obwohl sie letztlich ins enge Korsett der Parteianforderungen weder passen, noch sich darin wohlfühlen würden.
Weil die NSAFDAP den Menschen in einer immer schneller und komplizierter werdenden Welt einfache Lösungen für komplexe Probleme verspricht. Der pfandsammelnde Rentner bekommt mehr Geld, die innere und äußere Sicherheit steigt, Familien mit Einzelverdienern können sich ein gutes Leben mit Haus, Urlauben, etc. leisten, uswusf. Und das alles durch "Raus aus der NATO", "Raus aus der EU/dem EU" und natürlich "Ausländer raus!" Das bietet für den Einzelnen Ausreden, warum man kein Haus, Auto, Urlaub hat, präsentiert zugleich den Schuldigen und eine Lösung. Kollateralschäden subsummiert man unter "wo gehobelt wird...". So könnte sich auch erklären, warum kein Wähler der NSAFDAP große Probleme mit Höckes "werden bedauerlicherweise einige Volksteile verlieren" haben. Man sieht es a: als Übertreibung und b: wähnt man sich nicht davon betroffen. Und b hat Martin Niemöller mMn unerreicht treffend formuliert:
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
Quelle ushmm.orgUnd ist es nicht bequemer die Verantwortung vermeintlich an einen starken Führer abgeben zu können? Man nur einmal eine Stimme anzugeben anstatt selber aktiv zu werden? Und wenn man aktiv wird einen starken Führer zu haben, an dem man sich orientieren und anlehnen kann? Der vorgibt was zutun ist? Der einem Macht (vermeintlich) ohne Verantwortung bzw. Haftung geben kann, solange man (primär) in seinem Sinne handelt? Man nur Befehle befolgen muß?
Wer eine Ähnlichkeit zu Reichsbürgern und sonstigen Anhängern autoritärer Systeme sucht, alle vertreten Ansichten oder wünschen sich Gesellschaftsysteme in denen der einfache/einzelne Mensch immer gefahr läuft, ein Opfer zu werden - aber rechnen nie damit selber eines zu werden.
Man frag mal Robespierre was er sich wohl zuletzt gedacht hat?