Die AfD ist im Grunde einfach nur eine Weiterentwicklung dessen, was wir bereits haben - nämlich ein Instrument, um die Machtinteressen der herrschenden Klasse noch autoritärer und totalitärer durchzusetzen. Sie ist quasi die logische Weiterentwicklung eines in der Krise steckenden kapitalistischen Systems.

Natürlich hat sie auch ein Wirtschaftsprogramm, und da ist sie von allen anderen Parteien am konsequentesten, was das neoklassische Wirtschaftsmodell angeht: „Klimaschutz? Weg damit! Brauchen wir nicht. Make Germany great again. Standortpolitik, Schutz des deutschen Wirtschaftsstandorts - keinerlei Kompromisse mehr.“

Im Prinzip ist es einfach nur ein CDU-Wirtschaftsprogramm auf Crack - also eine noch neoliberaler formulierte Version.

Es ist auch nicht so, dass die AfD einfach sagt: „Ausländer raus und Zaun drumrum.“

Das Thema „Ausländer raus“ ist hauptsächlich einfach nur eine Ablenkungsdebatte, die im Kulturkampf geführt wird, um Stimmen auf die AfD zu konzentrieren - weil sie dort die sogenannte „Issue Ownership“ hat. Das heißt, dass ihr in der Bevölkerung bei diesem Thema die größte Kompetenz zugeschrieben wird...

Und jedes Mal, wenn es heißt: „Ausländer raus - das müssen wir umsetzen!“, zahlt das auf ihr Konto ein. Das nennt man Issue Ownership. Bedeutet, man wird in einem bestimmten Bereich als die kompetenteste Kraft wahrgenommen und jede öffentliche Debatte, die dieses Thema aufgreift, stärkt sie zusätzlich.

Deshalb funktioniert auch die Taktik von Grünen, SPD und CDU nicht, die versuchen, die Themen der AfD zu übernehmen - und sich dann wundern, warum sie seit zehn Jahren kontinuierlich stärker wird.

Sie verstehen einfach nicht, dass es der AfD nur darum geht, mit dieser Thematik an die Macht zu kommen.

Natürlich gibt es auch innerhalb der AfD Kräfte - der sogenannte Höcke-Flügel, der völkische Flügel - die ideologisch dahinterstehen, die wirklich einen weißen Ethnostaat schaffen wollen und millionenfache Deportationen ernsthaft in Betracht ziehen, was natürlich nicht geht, denn man kann Millionen Menschen nicht einfach deportieren... Wohin auch? Niemand würde die aufnehmen. Also wird das in der Konsequenz auf Konzentrationslager hinauslaufen.

Das ist aber nur ein Teil der AfD, denn die westdeutsche AfD ist in großen Teilen eher libertär geprägt und vertritt einen Mix aus CDU- und FDP-Wahlprogramm auf Crack.

Wer behauptet: „Die wollen zurück in die alte Zeit“, ist schlichtweg delulu in meinen Augen...

Die wollen nicht zurück ins alte Deutschland. Die wollen das System weiterentwickeln - also die Demokratie in ein faschistisches System weiterentwickeln, denn der Faschismus kann den Kapitalismus im Notfall - wenn die Krisen zu groß werden - durchaus auch ganz gut verwalten. Zwar kann das die bürgerliche Demokratie besser und stabiler, aber der Faschismus eben auch.

Und dieser Faschismus, den die AfD da anstrebt, ist meiner Ansicht nach auch nicht identisch mit dem von Mussolini oder Hitler. Es ist ein neuer Faschismus - und zwar der MAGA-Faschismus.

Im Grunde ist es ein proprietaristischer Faschismus, also einer, der vor allem etabliert wird, um Eigentumsverhältnisse zu schützen, mit weniger Ideologie, aber umso mehr materialistischer Praxis.

Deshalb ist es meiner Meinung nach ziemlich unterkomplex zu sagen, die AfD wolle zurück zu Hitler.

Das bedeutet aber nicht, dass dieser neue Faschismus weniger brutal wäre oder weniger Gewalt anrichten würde - er ist dann einfach anders.

Und ob dieser Faschismus, sollte er sich durchsetzen, schlimmer oder weniger schlimm wäre als den, den wir schon mal hatten, wird sich dann zeigen...

Aber das Potenzial zu unfassbarer Gewalt hat er definitiv, denn wenn man sich ansieht, was gerade in den USA passiert - wie die Lage eskaliert, wie Deportationen stattfinden, wie eine Art Gestapo Menschen auf der Straße entführt, dann kann man sagen: “Ja, das kann sich zu einem faschistischen System entwickeln, das in Sachen Gewalt und Grausamkeit durchaus mit altbekannten faschistischen Systemen mithalten kann...