@socialme @stereotyp Euro Punkte sind sehr gut und mehr als berechtigt.
Zur "rechten Ausrichtung" statt Koalitionslogik: Verstehe den Punkt jetzt anders – nicht "wollen dasselbe", sondern "stehen auf derselben Seite des Spektrums". Da ist was dran, aber auch hier lohnt Präzision: Die Union hat sich in den letzten Jahren selbst in eine Zwickmühle manövriert – wirtschaftsliberal-konservative Substanz einerseits, aber zunehmend Themen (Migration, "Stammtisch"-Rhetorik bei Merz) andererseits, bei denen sie versucht, AfD-Wähler zurückzuholen, ohne AfD-Politik zu machen. Das erklärt vermutlich auch den Zweifel, wo man die Partei noch einordnen soll – sie ist selbst nicht mehr eindeutig verortet.
Zum eigentlich spannenderen Punkt – "und dann?":
Es gibt tatsächlich ein historisches Beispiel, das genau diese Frage schon einmal beantwortet hat, wenn auch in kleinerem Maßstab. 1952 wurde die SRP verboten – eine Partei, die sich offen als Nachfolgerin der NSDAP verstand und in Niedersachsen 11% geholt hatte.
Quelle:
Wikipedia: Sozialistische ReichsparteiWas danach passierte:
Ein Großteil der ehemaligen Mitglieder wechselte zur DRP, die sich als Sammelbecken für Ex-NSDAP-Leute verstand. Diese blieb aber eine relativ bedeutungslose Randerscheinung im westdeutschen Parteiensystem und löste sich 1965 mangels Erfolg selbst auf. Kein Aufstand, keine Radikalisierungswelle – die Wählerschaft verlief sich eher in Bedeutungslosigkeit.
Quelle:
http://www.michael-lausberg.de/index.php?menue=exclusiv&inhalt=sozialistische_reichsparteiDer entscheidende Unterschied zu heute, den man nicht kleinreden sollte: Die SRP hatte 11% in einem Bundesland, die AfD hat aktuell 28% bundesweit.
Bei einer derart viel größeren, tiefer verankerten Wählerbasis ist "es passiert einfach nichts" eine deutlich gewagtere Prognose als 1952. Die realistischere Richtung ist eher: ein Teil radikalisiert sich weiter, viele werden apathisch, ein Teil geht zu CDU/FDP zurück – aber "alles wieder gut" wird es nicht, weil die eigentlichen Ursachen (Vertrauensverlust, gefühlte Nichtvertretung) durch ein Verbot ja nicht verschwinden, nur ihr aktuelles parteipolitisches Ventil.
Damit schließt sich der Kreis zu meinem Punkt oben im Thread: Ein Verbot mag rechtlich sauber und historisch begründbar sein – aber es ersetzt keine Antwort auf die Frage, warum so viele Menschen aktuell so wählen. Das bleibt die eigentliche Hausaufgabe, verbotene Partei hin oder her.
Meiner Meinung nach ist ohnehin nicht die " " " AFD" " " das Problem, sondern die relativ hohen Zustimmungswerte in der Bevölkerung und darauf gibt es aus meiner Sicht aktuell auch keine konkrete Antwort so nach dem Motto, wir haben ein gutes politisches Angebot, klare Vorstellungen wie es weitergeht und kümmern uns um Deutschland.
Es scheint mir der Kompass verloren gegangen zu sein grundsätzlich.